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KOPENHAGEN. Im Zug gen Kopenhagen erreichte mich gestern Nachmittag die Nachricht, dass der isländische Präsident Olafur Ragnar Grimsson auch das zweite Gesetz über die Icesave-Entschädigungszahlungen an Großbritannien und die Niederlande nicht unterschreiben mag. Deshalb wird es also ein zweites Referendum in der Angelegenheit geben. Das erste wurde vor knapp einem Jahr abgehalten und führte zu einer überwltigenden Mehrheit gegen den vorgelegten Rückzahlungsvorschlag. Nun sind die Bedingungen für Island besser, aber eine Zustimmung ist alles andere als sicher. Meine Texte zur Volksabstimmung im vergangenen Frühjahr gibt es zum Beispiel hier (Zeit online) oder hier (Die Welt).


Wo bitte geht´s zum nächsten Geysir? Island ist reich an nachhaltigen Energiequellen. (Foto: Bomsdorf)

Wo bitte geht´s zum nächsten Geysir? Island ist reich an nachhaltigen Energiequellen. (Foto: Bomsdorf)

LINKÖPING (pa taget). Die isländische Pop-Sängerin Björk kämpft wieder gegen den Verkauf Islands. Vor etlichen Jahren hatte sie lautstark (wie sonst bei ihr?) gegen das Staudammprojekt in der isländischen Natur demonstriert. Derzeit wettert sie gegen den Verkauf isländischer Energiequellen, genauer gesagt Verträge über deren sehr langfristige Nutzung. Das kanadische Unternehmen Magma hat sich bei HS Orka aus Island eingekauft. Doch die Sängerin findet, dass die Ressourcen in isländischer Hand bleiben sollten. Den aktuellen Stand des Streits fasse ich in einem Artikel in der heutigen Welt zusammen (online hier zu lesen) – übrigens ist es die Ausgabe, die Georg Baselitz gestaltet hat.


Wenn der Schnee nicht wäre, sähe es noch mehr nach Wüste aus - isländische Landschaft auf der Halbinsel Snæfellsnes. (Foto: Bomsdorf)

Wenn der Schnee nicht wäre, sähe es noch mehr nach Wüste aus - isländische Landschaft auf der Halbinsel Snæfellsnes. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Island ist ganz bestimmt nicht die erste Assoziation wenn das Wort “Wüste” in den Raum geworfen wird. Sahara, Paris-Dakar, Afrika mögen in den Sinn kommen, aber doch nicht Island, die Vulkaninsel im Nordatlantik. Doch, wer einmal dort war, dem wird nicht entgangen sein, dass Island recht kahl ist. Kein Baum, nirgends. Das war nicht immer so. Als Island vor über 1000 Jahren besiedelt wurde, gab es noch Wald.

Kein Baum, nirgends - Island ist die Insel ohne viel Vegetation. (Foto: Bomsdorf)

Kein Baum, nirgends - Island ist die Insel ohne viel Vegetation. (Foto: Bomsdorf)

Doch trotz der kargen Landschaft ohne nennenswerte Vegetation gibt es auf dem Inselstaat laut der Definition des in Bonn ansässigen UN-Wüstensekretariats keine Wüste. Isländische Wissenschaftler sind darüber verärgert und wollen ihr Land als Wüstenstaat anerkannt bekommen – Desert Island sozusagen. Sie erforschen, warum Island vegetationsarm geworden ist, was das bedeutet, wie dagegen vorgegangen werden kann und was andere Länder von Island lernen können. Genau diese Aspekte werden auch in dem Artikel behandelt, den ich für die Wochenzeitung “Das Parlament” geschrieben habe und der hier online zu lesen ist.


KOPENHAGEN. Walfang und Whalewatching – im Hafen von Reykjavík herrscht die friedliche Koexistenz. Links des Piers liegen die mit Harpunen bewaffneten Walfangschiffe und rechts die mit Ferngläsern ausgestatteten Boote für die Walbeobachtung. Dass Island eine Walfangnation ist, wurde den die Meeressäuger liebenden Touristen nie verschwiegen, doch näher anschauen durften sie sich die Boote bisher nicht. Schließlich werden im Zoo auch keine Fasanenjagden veranstaltet. Gunnar Bergmann Jónsson will das ändern und den Island-Touristen etwas ganz Besonderes bieten: „Whalewatching mit einem Walfänger“. Jónsson ist Chef der Firma Hrefnuveiðimenn, zu deutsch Zwergwalfänger. Noch übernächste Woche will er die ersten Touristen mit auf sein Boot Hrafnreyður nehmen. „Wir wollen den Leuten zeigen, was Walfang wirklich bedeutet, ihnen die Geschichte und die Jagd heute nahebringen“, sagt Jónsson. So seien es spanische und norwegische Jäger gewesen und nicht isländische, die vor einigen hundert Jahren den Walfang vor Islands Küste begonnen hätten. Jónsson will den Gästen auch zeigen, dass der Beschuss der Wale so grausam nicht ist. „Wir haben hochmoderne Harpunen aus Norwegen, normalerweise sterben die Tiere binnen einer Sekunde. Töten ist nie schön, aber ich sehe da keinen Unterschied zur Schlachtung eines Hühnchens“, so Jónsson. Zum Abschluss der Tour zeigt er den Gästen die Walfleischfabrik. Ein sehr humanes Programm und ganz anders als das, was die Touristen im neusten Film des isländischen Star-Autoren Sjón geboten bekommen.

Bei einer Walbeobachtungstour geraten sie in die Hände von penetranten Walfängern. Die Begegnung endet in einem einzigen Gemetzel – Menschen nicht Wale werden harpuniert. Titel des Films: Reykjavík Whale Watching Massacre. In der Financial Times Deutschland ein Text von mir zum Thema (nur in der Printausgabe zu lesen, dafür aber auf Seite 1).


KOPENHAGEN. Im Annäherungsprozess Islands an die Europäische Union geht es Schlag auf Schlag: Nach dem Beitrittsantrag im Juli 2009 folgte der Kandidatenstatus im Juni 2010, und seit Dienstag führen der Staatenbund und der Inselstaat nun auch Beitrittsverhandlungen. Schon in zwei bis drei Jahren könnte Island EU-Mitglied werden, heißt es. Doch die Isländer haben dabei mehr als ein kleines Wörtchen mitzureden. Erst wenn die Bevölkerung in einem Referendum Ja zum Beitritt sagt, kann dieser besiegelt werden. Doch sollte die Stimmung auf der Insel nicht noch umschlagen, sieht es momentan nicht danach aus. Mehr Details zu den Streitigkeiten heute auch in meinem Text in der Welt (online hier zu lesen).


Auch ohne EU ein sicherer Hafen: Walfang- (hinten) und Fischerboote (vorne) im Hafen von Reykjavík (Foto: Bomsdorf)

Auch ohne EU ein sicherer Hafen: Walfang- (hinten) und Fischerboote (vorne) im Hafen von Reykjavík (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Gerade traf ich auf ein isländische Bekannte und natürlich sprachen wir auch von der EU. Sie meint, in der derzeitigen Lage sei es hoffnungslos über einen Beitritt zu verhandeln. Island würde dann aufgrund der problematischen wirtschaftlichen Lage nur über den Tisch gezogen. Lieber 15 Jahre warten und dann einen neuen Anlauf starten.

Mittlerweile dürfte ich mit fast allen isländischen Freunden und Bekannten über die EU gesprochen haben und habe in etwa das Bild bekommen, das auf die Gesamtbevölkerung auch Meinungsumfragen ergeben: Eine Mehrheit lehnt den Beitritt ab.

Der Fisch, der Fisch! lautet das klassische Argument. Der kleine Inselstaat müsse befürchten die Hoheit über seine riesigen Fischgründe zu verlieren, so ein Argument gegen die EU. Den Walfang, wie vom Staatenbund gefordert, aufzugeben, ist das Land auch nicht bereit. Island ist gerade einmal seit etwas mehr als 60 Jahren selbständig und ein kleines Land, die Angst in einem Staatenbund unterzugehen ist groß.

Mehr Informationen? Über den aktuellen Stand der EU-Debatte auf Island schrieb ich einen Text für die Themenausgabe der Zeitung “Das Parlament” (online hier zu lesen).


Haraldur Jónssons Behälter im Felleshus der nordischen Botschaften, Berlin. (Foto: Bomsdorf)

Haraldur Jónssons Behälter im Felleshus der nordischen Botschaften, Berlin. (Foto: Bomsdorf)

BERLIN. Vom Aufstieg und Fall Islands war an dieser Stelle schon einiges zu lesen. Auch davon, wie Boom und Bust von der isländischen Kunst aufgenommen wurden. Derzeit gibt es die Gelegenheit das zu sehen, ohne nach Island reisen zu müssen. Im Felleshus der nordischen Botschaften in Berlin ist noch bis 11. Juli die Ausstellung “EXKURS – Isländische Kunst in außergewöhnlichen Zeiten” zu sehen (kuratiert von Markús Thor Andrésson).

Haraldur Jónsson (übrigens der Sohn des Architekten Jón Haraldsson, der die faszinierende Kirche von Stykkisholmur entworfen hat) zeigt das Werk “Behälter – Plastikbehälter (oder anschaulicher: Kinderbadewannen) verschiedener Größe”. Alle sind sie mit einem sehr gleichmäßigen Loch im Boden versehen. Das Kinderlied “Ein Loch ist im Eimer” zwingt sich nahezu auf. Jónsson, der perfekt Deutsch spricht, dürfte es wohl kennen (zudem ist es auch von Harry Belafonte gesungen in einer englischen Version berühmt geworden, ob es nun so hörenswert ist, wie es Applaus bekommt, ist eine andere Sache). Geld, das Elixier der Wirtschaft, ist auf Island in den vergangenen Jahren einfach weggeflossen. (In dem Zusammenhang ist ein weiteres Kinderlied angebracht: Oh, Du lieber Augustin)

Seither ist auf Island die Diskussion um den Neuaufbau der Gesellschaft in vollem Gange. Eine oft wiederholte Forderung ist, dass die Verfassung mehr Elemente der direkten Demokratie bekommen müsse. Libia Castro und Ólafur Ólafsson haben schon Anfang 2008 ihre Interpretation der isländischen Verfassung geschaffen und diese singen lassen. Die beiden werden übrigens Island auf der nächsten Biennale in Venedig vertreten.


Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Das Stadtbild ist während des diesjährigen Reykjavík Arts Festivals eine der großen Ausstellungsorte. Anderthalb Jahre nach dem Bankenkollaps thematisieren die Künstler natürlich die Krise. So beschäftigen sich mehrere Fotografen (Hlynur Hallsson oder Ingvar Högni Ragnarsson) der zum Teil im Freien stattfindenden Ausstellungsserie „Reality Check“ mit den sichtbaren und weniger sichtbaren Zeichen der Krise: Demonstranten, arbeitslose polnische Arbeiter und von Investoren im Stich gelassene Bauprojekte sind an Hausfassaden und Bauzäunen in der Innenstadt von Reykjavik zu sehen – gleichzeitig sind im Gericht nebenan Demonstranten angeklagt und die ersten Bankmanager sind verhaftet worden und werden – so hoffen viele Isländer – auch bald auf der Anklagebank sitzen.

David Byrne, Frontmann der Talking Heads und seit einiger Zeit bildender Künstler, nimmt ebenfalls am Reykjavík Arts Festival teil. Er bespielt Plakatständer im Stadtzentrum. Byrne stellt der Öffentlichkeit Fragen, das klingt schon beinahe etwas klischeehaft, denn Fragen stellen, da ist man sich schnell einig, das soll die Kunst. Doch, wenn Byrne mitten in der Krise zwischen Fragen zu den kleinen Dilemmata des Alltags die Isländer und natürlich uns Besucher auch fragt, was wir tun würden, wenn wir unsere Freunde gegen eine Menge Geld eintauschen könnten, dann wirkt seine Arbeit. Früher wäre diese Frage wohl nicht hervorgestochen, doch im derzeitigen Kontext ist sie etwas anderes.

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)


Ausbrechender Eyjafjallajökull. (Foto: Bomsdorf)

Ausbrechender Eyjafjallajökull. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Wirtschaftskrise zum Trotz handelten die meisten Artikel, die in diesem Jahr über Island veröffentlicht worden sind, vermutlich vom Ausbruch des Eyjafjallajökull. Die Auswirkungen der isländischen Eruption für Europa waren neu, die Krise hingegen brach im Herbst 2008 aus und ist auch nicht einmalig. Trotzdem hat sich meine Berichterstattung über den Vulkanausbruch bisher in Grenzen gehalten, es war auf Island einfach zu viel anderes zu tun.

Deshalb hatte ich es bisher auch nicht geschafft, mir den Vulkan von Nahem anzuschauen. Beim jetzigen Islandbesuch, dem dritten in diesem Jahr, war es dann endlich möglich, die Zeit dafür zu finden. Weil ich tagsüber auf dem Reykjavík Arts Festival von Ausstellung zu Ausstellung ging und Gesprächpartner traf, blieb nur die Nacht. Also stiegen wir Donnerstagnacht um kurz nach eins in den Wagen und los ging es durch die Nacht gen Eyjafjallajökull.

Auf der Ringstraße 1 – der isländischen Hauptstraße – begegnete uns so gut wie kein Auto, nur ein Krankenwagen mit Blaulicht überholte ganz plötzlich einmal und verschwand im Nichts wie in Lars von Triers Film “Riget“, unklar, wo denn hier ein Notfall sein könnte. Während der gut zweistündigen Fahrt brach allmählich die Dämmerung an, doch als wir dann vor dem Berg standen war es noch dunkel genug, um diesen Funken sprühen zu sehen.

Eine kräftige dunkle Wolke erhob sich aus dem Eyjafjallajökull, schien in der Luft zu stehen. Weiter südlich war der Himmel dunkelgrau, die Asche hatte sich verteilt und wie ein Schleier in die Luft gehangen. Beeindruckend und wunderschön. Nick Caves Musikvideo von “As I sat sadly by her side.” mit dem ästhetisierten Atompilz kommt in den Sinn. Warum haben Katastrophen bloß keine Moral?

Während des Rückwegs, der um vier in der Früh startete, wurde es taghell und meine Reisegefährtin sagte beiläufig “Die Wolken sehen anders aus als sonst um diese Zeit.” Der Vulkan trage dazu bei. Die gleichen Worte hatte ich am Abend zuvor bereits von der Künstlerin Rúrí gehört als ich mit ihr vor der Galerie i8 stand. “Alle reden vom Wetter. Wir nicht.” gilt hier nicht. Das Wetter ist mehr als Smalltalkthema und nachdem die beiden mir ihre Beobachtung mitgeteilt hatten, wurde mir klar, dass ich nicht beschreiben könnte, wie die Wolken normalerweise im Mai auszusehen haben, ja, so sehr ich die Natur schätze, nicht einmal häufig so bewusst in den Himmel schaue. Selbst in einer recht beschaulichen Großstadt wie Kopenhagen wird der Blick in die Wolken meist durch Bauten eingeschränkt. Ohne jetzt ein großes und unklar definiertes Zurück zur Natur anstimmen zu wollen, der Vulkanausbruch regt zum Nachdenken an. Wie die Krise. Danke, Island.


KOPENHAGEN. Die deutschen Medien vermelden wieder Behinderungen im Flugverkehr wegen des Eyjafjallajökull. Spanische Flughäfen seien bis 14 Uhr dicht. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass es auch den Norden Europas trifft. Ich sollte eigentlich in diesen Minuten von Kopenhagen Richtung Reykjavík abheben, doch nun ist der Flug ersteinmal auf morgen abend verschoben.

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