You are currently browsing the tag archive for the ‘Elmgreen & Dragset’ tag.


HELSINGØR. Ein auf Hochglanz polierter silberfarbener Stein, darauf verharrt verträumt ein ebenso strahlender Jüngling – seit Samstag steht diese Skulptur am Hafen im dänischen Helsingør, nur eine halbe Autostunde nördlich von Kopenhagen. Es ist die neuste Arbeit des skandinavischen Künstlerduos Elmgreen & Dragset. Der Stein hat fast die gleiche Form, die Figur die gleiche Positur: „Han“ – Dänisch für er – nimmt ganz klar Bezug auf die Kleine Meerjungfrau, das dänische Wahrzeichen schlechthin. Helsingør möchte mit dieser neuen Skulptur im öffentlichen Raum aus dem Schatten des nahegelegenen und zehnmal größeren Kopenhagen springen. Und Elmgreen & Dragset setzen sich einmal mehr mit Identitätsfragen und künstlerischer Darstellung auseinander.

Weiter im Text geht es bei artnet, wo nun auch mein Artikel zur Skulptur “Han” (Dänisch für “er”) erschienen ist (zu lesen hier – Überschrift und zwei, drei Sätze stammen nicht von mir). Nicht vorenthalten werden soll auch noch mein Schluß:

Im Wettstreit mit der nahegelegenen Hauptstadt, die ansonsten erheblich mehr Kultur zu bieten hat, hat Helsingør mit Elmgreen & Dragsets „Han“ ganz klar Boden gut gemacht. Alles kann die erheblich kleinere Nachbarstadt, die zu Hamlets Zeiten Sitz des Königshauses war, aber nicht bieten: Für die Afterparty nach der Enthüllung der Skulptur luden Elmgreen & Dragset in einen Schwulenclub ein, der aber lag in Kopenhagen.


20120602-171116.jpg

HELSINGØR. Gerade wurde am Hafen von Helsingør die Skulptur “Han” enthüllt – das neuste Werk von Elmgreen & Dragset. Statt mehr Worte hier, ein Bild und gleich dazu ein Gespräch mit mir bei Kultur heute im Deutschlandfunk.


KOPENHAGEN. Und es ist wieder soweit: In London wird die neuste Skulptur für den vierten Sockel (Fourth Plinth) eingeweiht. Heute, am 23. Februar um 9 Uhr. Das dänisch-norwegische Duo Elmgreen und Dragset steht für den Entwurf. Mehr ab heute in den Medien dieser Welt.

Michael Elmgreen & Ingar Dragset  Powerless Structures, Fig. 101 (Marquette) (2010)

Michael Elmgreen & Ingar Dragset Powerless Structures, Fig. 101 (Marquette) (2010)

 COPENHAGEN. It has just been anounced that Danish-Norwegian artist duo Michael Elmgreen and Ingar Dragset will stand for the Fourth Plinth in London in 2012. Ahead of their show at ZKM in Karlsruhe I interviewed them for The Art Newspaper. The interview published in the December issue is unfortunately not available online (so, please order here), but I am happy to present one question and two answers dealing with the Fourth Plinth:

CB: Michael, you have moved to London and together you are shortlisted for the Fourth Plinth in Trafalgar Square. When will you both relocate and be awarded the Turner prize?
ID: We are too old already… [Not true, as the Turner prize is for artists under the age of 50].
ME: We don’t enjoy competing with our artistfriends that much. But the Fourth Plinth is a really good project. We are great believers in changing the urban landscape. It is a ridiculous idea that sculptures should be installed permanently, because the city around them changes. What a sculpture said to the generation when it was set up is absolutely not possible to understand for the next [generation], the city doesn’t fit anymore. The Fourth Plinth was so attractive that we agreed to be part of a publicshortlist competition.

Von Erwartungen niedergedrückt? Elmgreen & Dragsets Junge sucht Zuflucht im Kamin. (Foto: Bomsdorf)

Von Erwartungen niedergedrückt? Elmgreen & Dragsets Junge sucht Zuflucht im Kamin. (Foto: Bomsdorf)

KARLSRUHE. Niedergedrückt von der unsichtbaren Last auf den Schultern sitzt er im Kamin. Die herrschaftliche marmorne Feuerstelle ist der einzige Rückzugsort, die einzig verbliebene Nische in dem imposanten Ballsaal. Dorthin hat es den kleinen Jungen in seiner schicken Uniform verschlagen. Die verängstigt-deprimierte Haltung, die er einnimmt, ist bekannt – nicht nur womöglich aus eigener Erfahrung, sondern auch von Ron Muecks Skulptur “Boy” (zu sehen im Kunstmuseum ARoS in Aarhus, Norddänemark).  Während es bei Muecks Jungen unklar bleibt, was diesen in die bedrückte Gemütslage versetzt hat, ist es bei dem Jungen im Kamin klar. Die Erwartungen, die an ihn gestellt werden, lasten auf ihm und hemmen ihn. Überm Kamin ist der kleine Junge nochmals zu sehen – als gemaltes Portrait. Er blickt ernst drein, zeigt aber Haltung. Braver Junge, so haben es die Eltern und sicher auch deren Bekannte gerne. Schließlich soll aus dem Jungen mal etwas werden, er soll die Tradition der reichen Familie, der der Ballsaal gehört, fortführen – wieso sonst hängt sein Bild am besten Platz im Hause. In einem Alter, in dem andere herumtollen, wird er in Uniform gezwängt und in Öl verewigt. Der Junge in doppelter Ausführung ist Teil der Ausstellung “Celebrity – The One and The Many” des Künstlerduos Elmgreen & Dragset im ZKM in Karlsruhe (kuratiert von Andreas F. Beitin, die Ausstellung wird im kommenden Jahr dann in Aarhus im ARoS gezeigt). Der Junge ist Detail dieser Ausstellung, nicht unwesentliches, aber sie würde auch ohne ihn funktionieren (jedenfalls ist es mir gelungen eine Kritik für art zu schreiben ohne auf ihn einzugehen – hier online zu lesen). Gleichzeitig funktioniert der Junge im Kamin mitsamt Portrait so gut als eigenständiges Werk, dass es nahelegt, Elmgreen & Dragset sollten zukünftig nicht mehr Prada in ihre Werke einbeziehen, sondern Patek Philippe:

..für die nächste Generation - aktuelles Anzeigenmotiv von Patek Philippe. (Foto: Bomsdorf)

..für die nächste Generation - aktuelles Anzeigenmotiv von Patek Philippe. (Foto: Bomsdorf)

Die beiden Künstler haben bereits mehrfach das italienische Modelabel Prada in einer ihrer Arbeiten aufgenommen. Unvergessen als sie im Oktober 2001 die Fenster der New Yorker Galerie Tanya Bonakdar mit Papier von innen verhängten und “Opening Soon Prada” im Originalschriftzug der italienischen Modemarke verkündeten – die Lieblingsmarke der globalen Kunstszene hatte anscheinend die Galerie ersetzt. In der texanischen Wüste postierten sie vier Jahre später einen Prada-Shop. Angesichts des aktuellen Werkes liegt es aber nahe, dass der schweizerische Uhrenhersteller Patek Philippe das neue Prada von Elmgreen & Dragset wird. (Natürlich) seit Jahren schaltet der Anzeigenserien mit einem Vater-Sohn-Paar aus der wohlhabenden Schicht. Der Sohn wirkt stets wie ein Abbild des Vaters, ebenfalls aufgehend in dem, was auch dieser tut. So soll es sein; auch in Zukunft. Wie der Vater so der Sohne. Bloß nicht ausscheren. Deshalb ist auch schon im Kindesalter klar, das der kleine einmal die Uhr vom Vater erben wird. Denn: “Eine Patek Philippe gehört einem nie ganz allein. Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon auf für die nächste Generation.” Doch mit dem Bewusstsein einmal die Uhr an den Sohn vererben zu wollen geht einher die Erwartungen weiterzugeben. Es wäre nicht verwunderlich wenn der Vater des Jungen im Kamin einer jener traditionsbewußten Patek Philippe-Träger ist.

Mein Twitteraccount (mehrsprachig, Schwerpunkt Kultur)

April 2014
M D M D F S S
« Mär    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

HochOben

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.