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Kopie und Studien zu Christian Krohgs "Albertine im Wartezimmer des Polizeiarztes" im Kunstverein Gammel Strand, Kopenhagen

Kopie und Studien zu Christian Krohgs “Albertine im Wartezimmer des Polizeiarztes” im Kunstverein Gammel Strand, Kopenhagen

KOPENHAGEN. Sex sells, das ist nicht neu. Doch so viel Prostituierte im Kunstverein Gammel Strand in Kopenhagen derzeit auch zu sehen sind, expliziter Sex wird nirgends dargestellt. Warum auch.

Dennoch hat der norwegische Maler Christian Krohg (1852-1925) vor über hundert Jahren mit seiner Darstellung von Prostituierten für einen Skandal gesorgt. Die Zensur war schnell zur Stelle als er “Albertine” publik machte.

“Albertine” so heißt die Näherin, die zur Prostituierten wurde und von Staat und Gesellschaft verachtet wurde, und deren Geschichte Krohg erzählt.

Doch weniger als das gemalte “Albertine”-Bild sorgte der gleichnamige Roman von Krohg für einen Skandal. Dabei hatte er nichts anderes getan als die Lebenswirklichkeit in seiner Heimatstadt darzustellen. Dort war Prostitution nämlich verboten, gleichzeitig durften die Prostituierten sich nicht zu jeder Zeit frei auf der Straße bewegen und mußten sich regelmäßig beim Polizeiarzt melden und über etwaige Geschlechtskrankheiten Buch führen. Diese Dokumente wurden so gut aufbewahrt, dass viele davon noch in Oslo im historischen Archiv zugänglich sind.

Nachdem die Prostituierten in der norwegischen Hauptstadt Oslo sogar Teile der Fußgängerzone bevölkerten, ist Norwegen vor einigen Jahren dem Beispiel Schweden gefolgt und hat den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe gestellt. Anders als zu Krohgs Zeiten soll nicht die Prostituierte, sondern der Freier bestraft werden.

Krohgs Bilder sind ein guter Anlaß darüber nachzudenken, wie manche Probleme über Jahrhunderte verschleppt werden und inwieweit der Staat mit Gesetzen möglicherweise zu Stigmatisierungen beiträgt. Krohg sah die Prostituierten nicht als Muse der Männer wie es andere Künstler taten, sondern als Opfer – der Gesellschaft, der Männer und von Polizeibeamten. Er schrieb und malte nicht nur Alltagsszenen aus deren Leben, sondern heuerte sie auch als Modelle an und zwar um die rauhe Seite von deren Lebenswirklichkeit zu zeigen.

Gleichzeitig strahlen die Frauen häufig jene Würde aus, die auch der schwedische Maler Anders Zorn (1860-1920) seinen Modellen gab – gleich welcher Herkunft.

Wer je in der Osloer Nationalgalerie war, dürfte das in Lebensgröße gemalte Porträt von Albertine und den anderen Prostituierten gesehen haben. Lange hing es unübersehbar im Treppenhaus, nun ist es in einen Saal umgezogen worden. So sollen Besucher viel mehr den Eindruck haben, der Szenerie auf Augenhöhe zu begegnen und ein Teil davon zu werden.

Weil das Gemälde nicht ausgeliehen wird, ist in Kopenhagen nur eine Kopie zu sehen. Glücklicherweise beging man im Kunstverein Gammel Strand nicht den Fehler und präsentierte eine gerahmte Kopie auf Leinwand. Zwar hätten viele so womöglich den Eindruck bekommen, es handle sich um das Original, doch das Motiv direkt auf die Wand aufzutragen, ist ehrlicher und würdigt den Malprozess. Daneben sind zwei kleine Studien zu sehen. Sie zeigen das Krohg ein Foto als Vorlage erstellte. Echte Prostituierte stellten sich als Modelle zur Verfügung, während der Maler die Rolle des Polizeiarztes übernahm.

Mehrfach gemalt hat er auch seine (spätere) Frau Oda. Mit in die Hüften gestemmten Händen lächelt sie selbstbewusst auch auf dem Katalog. In gleicher Kleidung und Positur ist sie von ihm ein paar Jahre später nochmals gemalt worden. Der Katalog zeigt, dass Oda eindeutig in derselben Positur auch in einer Arbeit Edvard Munchs (Kristiania Boheme II, 1895) auftaucht. Hier steht sie im Hintergrund am Ende eines Tisches, an dem rauchende und trinkende Männer sitzen. Während Krohg sine Lebenspartnerin als anpackende, fröhliche Frau zeigt, stellt Munch (1863-1944) sie als Femme Fatale dar. Da ist es, das bohemische Kristiania (heute Oslo), das der Ausstellung den Titel gab.

“Christian Krohg – Tiden omkring Kristiania Bohemen”, kuratiert von Anne Kielgast, Gl Strand und Vibeke Waallann Hansen, Norwegisches Nationalmuseum, ist noch bis 1. Juni 2014 zu sehen in Kunstforening Gammel Strand in Kopenhagen.


KOPENHAGEN. Gestern gab das van Gogh Museum in Amsterdam bekannt ein Bild, das bisher nicht als ein Werk Vincent van Goghs (1853-1890) galt, diesem zugeschrieben zu haben. Jahrzehntelang soll das Bild auf einem Dachboden in Norwegen gelegen haben. Dazu schrieb ich in der heutigen Ausgabe von The Wall Street Journal, es gibt auch ein Videointerview.


KOPENHAGEN. Auf der Jagd nach Unbekanntem aus dem Leben der Prominenten gehen Journalisten und andere Neugierige auch gerne mal an deren Müll. Das Fotografenpaar Bruno Mouron und Pascal Rostain hat den Inhalt der Abfalltonne von Madonna und anderen Stars fein drapiert und fotografiert. In Norwegen ist in den vergangenen Monaten der Müll eines anderen weltbekannten Mannes ausgegraben worden: Der des Malers Edvard Munch (1863-1944). In der Erde seines Ateliergrundstücks wurde noch viel mehr gefunden. Dazu hier ein Text von mir aus The Art Newspaper.


KOPENHAGEN. Im dänischen Louisiana Museum werden noch bis Anfang März frühe Zeichnungen Andy Warhols ausgestellt. Dazu habe ich heute einen Artikel in The Wall Street Journal. . Online ist dieser hier zu lesen und gestern gab es noch ein Video-Interview zum Thema in WSJ Lunch Break. Ein etwas ausführlicherer Text hier auf Deutsch:

Der Gesichtsausdruck des jungen Mannes auf dem Bild erinnert an die Porträts von Egon Schiele, ebenso wie die Kleider Falten werfen und die Hand mit ihren knöchrigen Fingern. Doch statt sich lasziv oder verträumt dem Betrachter hinzugeben wie es Schieles Porträtierte gerne tun, setzt dieser sich gerade einen Schuss in die Venen des linken Armes. Das passt eher zu einer Fotografie von Nan Goldin. Tatsächlich sind die frühen Zeichnungen Andy Warhols, die im Frühjahr erstmals in einer Museumsausstellung zu sehen sein werden, eine besondere Mischung. „Unser Haus hat viel Warhol gezeigt und besitzt einige Werke. Ich finde das Material extrem interessant, weil es eine unbekannte Seite des großen Pop-Art-Künstlers offenbart“, sagt Poul Erik Tøjner, Direktor des dänischen Museums Louisiana und Kurator der Ausstellung. Auf dem Stand des Münchener Galeristen Daniel Blau entdeckte er bei der Art Basel die Zeichnungen Warhols. „Hier wird der Öffentlichkeit erstmals gezeigt, wie Warhol bevor er bekannt wurde gezeichnet hat und da lässt sich ein leichter Strich erkennen und gleichzeitig Themen wie Schmerz und Oberflächlichkeit“, so Tøjner. Rund 200 Arbeiten hat er aus dem Bestand von Blau ausgewählt. Darunter auch „Tom“ (1954), ein androgyner Jüngling im Profil, der an David Bowie vor ein paar Jahrzehnten erinnert als wäre er damals von Wolfgang Joop gezeichnet worden. „Warhols damalige Ästhetik und die der Mode und Modefotografie oder –zeichnung liegen nah beieinander“, sagt der Kurator.

Vor ein paar Jahren zeigte Louisiana, ebenfalls von Tøjner kuratiert, Warhol und Munch in einer gemeinsamen Ausstellung. Damals wurden jene Munch-Motive, die der Amerikaner in seiner Art reproduziert hatte, ausgestellt. Diesmal stehen die frühen Zeichnungen Warhols für sich alleine. „Warhol ist einer der wenigen Künstler, dessen Werk jedem Museumsbesucher in irgendeiner Weise ein Begriff ist. Das macht es möglich, dass sich die Leute voll auf seine Zeichnungen, die sie ja noch nie gesehen haben, konzentrieren und diese für sich entdecken können.“


KOPENHAGEN. Ab Oktober wird Evard Munchs wohl berühmtestes Bild “Der Schrei” für sechs Monate im MoMA in New York ausgestellt werden. Es handelt sich um die in Frühjahr versteigerte Version aus dem Besitz des Norweges Petter Olsen (hier meine Geschichte über den Hintergrund der Versteigerung für Die Welt, hier ein Sammler-Porträt, das ich für artnet über Olsen schrieb) . Das ist schön für New Yorker und die Besucher, die dorthin kommen.

Erinnert sei aus diesem Anlaß aber auch noch einmal daran, dass in Oslo sowohl die Nationalgalerie als auch das Munchmuseum weitere Schrei-Gemälde haben, die sind dort nicht nur für ein paar Monate, sondern auf ewig zu sehen (wenn diese nicht gerade im Magazin liegen). Außerdem gibt es natürlich noch einige graphische Versionen des Motivs, das zu den bekanntesten der Kunsgeschichte gehört.


KOPENHAGEN. Kaum war der Hammer für Munchs “Schrei” bei mehr als 100 Mio. US-Dollar gefallen, fragte man sich in Norwegen auch schon: Was kann uns das nutzen? Kultur und Politik wollen die Aufmerksamkeit von dem Auktionsrekord auf das Land und dessen Kunstszene lenken. Zu dem Thema morgen, Dienstag, 29. Mai, ein Beitrag von mir bei WDR 3 Resonanzen.

Passenderweise kam die Arbeiterpartei (Ap) in Oslo (dort in Opposition, doch national ist sie die größte Regierungspartei) am vor wenigen Tagen mit dem Vorschlag die U-Bahn-Station beim Munch-Museum doch von Tøyen in “Munch-museet” umzubenennen. Ap gehört zu jener Minderheit, die den Neubau des Munchmuseums am Platze des derzeitigen Gebäudes realisieren möchte. Derzeit gibt es für keine der Alternativen des neuen Munch-Museums im Stadtrat von Oslo eine Mehrheit. (Zum Thema auch mehr von mir bei artnet, The Art Newspaper und Deutschlandradio Kultur – letzterer Beitrag zeigt, dass das Thema neues Munch-Museum schon lange diskutiert wird.)


KOPENHAGEN.Gutes Tun und drüber reden – das hat der Norweger Petter Olsen geschafft, zumindest hat er es geschafft, den Verkauf von seiner Version von Edvard Munchs “Der Schrei” wie eine Art Wohltätigkeitsauktion aussehen zu lassen. Er verkaufe, um damit den Bau eines neuen Munch-Museums zu finanzieren. Doch ist er wirklich nur ein Philanthrop oder verkauft er sich einfach nur ähnlich gut wie seinen Schrei? Ich bin der Frage für artnet nachgegangen, das Resultat ist hier zu lesen. Vorab: ein Vergleich Olsens mit Prinz Charles schien mir als Ausgangspunkt angemessen.


KOPENHAGEN. Vergangene Woche hat die norwegische Kulturministerin Anniken Huitfeldt in Oslo die “Stortingmelding  Nr. 23 visuell kunst” präsentiert, eine Art Weißbuch der Regierung zur Politik im Bereich bildende Kunst. Darin wird unter anderem angekündigt, den Ruhm Edvard Munchs stärker zu nutzen, um für Norwegen zu werben und auf zeitgenössische norwegische Kunst aufmerksam zu machen. Einen Vorgeschmack dazu lieferte schon Mette-Marit bei ihrem Besuch in der Frankfurter Munch-Ausstellung in der Schirn, hier dazu mein Text für Focus, der nun auch online zu lesen ist.


KOPENHAGEN. Über den norwegischen Ölfonds habe ich bereits viel geschrieben, zuletzt hier in Die Welt. Vor der Küste des Landes lagern umfangreiche Öl- und Gasvorkommen, deren Ausbeutung das relativ bevölkerungsarme Land sehr reich gemacht hat. Während fast der komplette Rest Europas in Schulden versinkt, erwirtschaftet der norwegische Staat Überschüsse, die via Ölfonds im Ausland angelegt werden. Die Strategen des Fonds kaufen Aktien, Festverzinsliches und neuerdings auch Immobilien. Was bisher nicht auf der Einkaufsliste steht, ist Kunst. So grundauf verschiedene Politiker wie der Sozialdemokrat Trond Giske und der rechtsliberale Populist Carl I. Hagen haben schon vorgeschlagen, dass der Fonds auch Kunst kaufen solle. Ich hielt das lange für eine schlechte Idee, habe meine Meinung aber geändert, sofern es sich für den Kunstmarkt um relevante, für den Ölfonds aber kleine Summen handelt (selbst 1 Prozent des Fondswertes würde derzeit rund 4 Mrd. Euro ausmachen – es ist also möglich, diese Bedingung zu erfüllen). Für die norwegische Publikation Kunstkritikk schrieb ich einen Gastbeitrag und argumentierte für den Einsatz von Öl-Geldern für die Kunst, hier auf Norwegisch zu lesen.

Anders als der Schriftsteller Erik Fosnes Hansen, der heute in Aftenposten schrieb, Der Schrei hätte wieder nach Norwegen gekauft werden sollen, bin ich nicht der Meinung, das Bild hätte wieder in Norwegen landen sollen. In norwegischen Museen gibt es bereits drei Versionen des Schrei, da ist es doch sinnvoller, die vierte kommt ins Ausland und weckt so dort das Interesse an Munch und großer Kunst.


KOPENHAGEN. Nicht nur vor der großen Munch-Auktion wurde spekuliert, dass Katar Edvard Munchs “Der Schrei” kaufen will. Auch nach der 120-Mio. Dollar Auktion bei Sotheby’s hieß es – gemeldet von dpa – bald, Katar habe gekauft. Doch nun berichtete gestern die norwegische Zeitung Aftenposten es sei mitnichten das dortige Königshaus, sondern das Getty Museum. Ich twitterte einen Link zu dem Artikel und mein Tweet wurde daraufhin vom Getty Museum als Favorit gekennzeichnet - ein Eingeständnis, dass sie das berühmte Bild wirklich ersteigert haben?

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