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KOPENHAGEN. Vergangene Woche hat die norwegische Kulturministerin Anniken Huitfeldt in Oslo die “Stortingmelding Nr. 23 visuell kunst” präsentiert, eine Art Weißbuch der Regierung zur Politik im Bereich bildende Kunst. Darin wird unter anderem angekündigt, den Ruhm Edvard Munchs stärker zu nutzen, um für Norwegen zu werben und auf zeitgenössische norwegische Kunst aufmerksam zu machen. Einen Vorgeschmack dazu lieferte schon Mette-Marit bei ihrem Besuch in der Frankfurter Munch-Ausstellung in der Schirn, hier dazu mein Text für Focus, der nun auch online zu lesen ist.
KOPENHAGEN. Über den norwegischen Ölfonds habe ich bereits viel geschrieben, zuletzt hier in Die Welt. Vor der Küste des Landes lagern umfangreiche Öl- und Gasvorkommen, deren Ausbeutung das relativ bevölkerungsarme Land sehr reich gemacht hat. Während fast der komplette Rest Europas in Schulden versinkt, erwirtschaftet der norwegische Staat Überschüsse, die via Ölfonds im Ausland angelegt werden. Die Strategen des Fonds kaufen Aktien, Festverzinsliches und neuerdings auch Immobilien. Was bisher nicht auf der Einkaufsliste steht, ist Kunst. So grundauf verschiedene Politiker wie der Sozialdemokrat Trond Giske und der rechtsliberale Populist Carl I. Hagen haben schon vorgeschlagen, dass der Fonds auch Kunst kaufen solle. Ich hielt das lange für eine schlechte Idee, habe meine Meinung aber geändert, sofern es sich für den Kunstmarkt um relevante, für den Ölfonds aber kleine Summen handelt (selbst 1 Prozent des Fondswertes würde derzeit rund 4 Mrd. Euro ausmachen – es ist also möglich, diese Bedingung zu erfüllen). Für die norwegische Publikation Kunstkritikk schrieb ich einen Gastbeitrag und argumentierte für den Einsatz von Öl-Geldern für die Kunst, hier auf Norwegisch zu lesen.
Anders als der Schriftsteller Erik Fosnes Hansen, der heute in Aftenposten schrieb, Der Schrei hätte wieder nach Norwegen gekauft werden sollen, bin ich nicht der Meinung, das Bild hätte wieder in Norwegen landen sollen. In norwegischen Museen gibt es bereits drei Versionen des Schrei, da ist es doch sinnvoller, die vierte kommt ins Ausland und weckt so dort das Interesse an Munch und großer Kunst.
KOPENHAGEN. Nicht nur vor der großen Munch-Auktion wurde spekuliert, dass Katar Edvard Munchs “Der Schrei” kaufen will. Auch nach der 120-Mio. Dollar Auktion bei Sotheby’s hieß es – gemeldet von dpa – bald, Katar habe gekauft. Doch nun berichtete gestern die norwegische Zeitung Aftenposten es sei mitnichten das dortige Königshaus, sondern das Getty Museum. Ich twitterte einen Link zu dem Artikel und mein Tweet wurde daraufhin vom Getty Museum als Favorit gekennzeichnet - ein Eingeständnis, dass sie das berühmte Bild wirklich ersteigert haben?
KOPENHAGEN / NEW YORK. Nun ist die einzige im Privatbesitz befindliche Gemälde-Version von Edvard Munchs “Der Schrei” versteigert worden, für 107 Mio. exkl. Aufgeld. Der höchste auf einer Auktion je erzielte Preis. Dieser Tage findet in New York auch die Kunstmesse Frieze statt. Ich war bereits im März da und habe mir die Konkurrenzmesse Armory Show angeschaut, dort interviewte ich Direktor Noah Horowitz zur Messe und zum Kunstmarkt. Über ersteres schrieb ich einen Text für Die Welt und The Art Newspaper und zu letzterem gab es gerade beim WDR von mir einen Beitrag, gesprochen von der geschätzten Kollegin Bettina Ritter. Wer gerade keine zwei- oder dreistelligen Millionensummen zur Hand hat, um einen Munch zu kaufen, schaue sich doch einmal bei der anstehenden Munch-Auktion bei Blomqvist in Oslo um.
KOPENHAGEN. Wer Deutschlandradio hört oder die Websites deutschsprachiger Medien liest (z.B. Focus, Tagesanzeiger, Perlentaucher, ZDF) weiß seit heute morgen oder gar schon gestern abend, dass die Nachfahren von Hugo Simon – Besitzer des Gemäldes “Der Schrei” bevor es an die Familie Olsen ging – mit dem Verkauf nicht einverstanden sind. Juristisch haben sie keinerlei Bedenken, wohl aber moralisch. Schließlich habe Simon – im Exil, weil vor den Nazis geflohen – das Bild in einer Zwangslage verkauft. Die Meldungen in den deutschen Medien beruhen auf den Recherchen, die ich für “Die Welt” angestellt habe. Der zugehörige Artikel ist nun auch online zu lesen und zwar hier.
Der Titel des Blogeintrags und meines Welt-Artikels (je nach Version – es gibt verschiedene Überschriften) bezieht sich übrigens auf diese Ausstellung, die im Munch Museum in Oslo und Arken in Kopenhagen zu sehen gewesen ist.
KOPENHAGEN. Übermorgen wird nun bei Sotheby’s in New York eine Pastell-Version von Edvard Munchs “Der Schrei” versteigert. Es ist die einzige in Privatbesitz (derzeit noch von Petter Olsen), drei andere Versionen hängen in norwegischen Museen. Das Munch Museum besitzt die größte Sammlung von Werken des Norwegers und ist beim Google-Art-Project mit dabei. Deshalb kann die dortige Version des Schrei (von 1910) zusammen mit etlichen anderen Werken genauestens daheim am Computer studiert werden und zwar hier und ohne zwei- oder dreistellige Millionen-Summen dafür ausgeben zu müssen (Mittwoch wissen wir, ob es wirklich eine dreistellige Millionensumme wird und wenn, ob in Dollar oder gar Euro).
Außerdem gibt es im e-Museum des Munch Museums noch mehr Informationen online, darunter den berühmten Satz, den Munch zum Gemälde “Der Schrei” schrieb in englischer Übersetzung (die jetzt zum Verkauf kommende Version ist übrigens die einzige, die mit diesem Text versehen ist).
KOPENHAGEN. Soeben erreicht mich eine E-Mail-Pressemitteilung der Frankfurter Kunsthalle Schirn mit der Ankündigung, dass bereits 150 000 Besucher die seit Februar geöffnete Ausstellung “Munch – Der moderne Blick” gesehen haben. Beeindruckend. Das findet auch Direktor Max Hollein, der in der Pressemeldung sagt: „Die Ausstellung ist auf dem besten Weg, die erfolgreichste Schau in der Geschichte der Schirn Kunsthalle zu werden“, so Direktor Max Hollein. „Alle, die sie noch nicht gesehen haben, sollten sie nicht verpassen.“
Zwei Munch-Zahlen und ein Rechenexempel, das zu einer dritten führt: 400. Wenn jeder der 150 000 Besucher 400 Euro zahlen würde, kämen 60 Mio. Euro zusammen. Das sind 80 Mio. US Dollar und damit die Taxe für Edvard Munchs “Der Schrei”, der am 2. Mai bei Sotheby’s in New York versteigert werden soll (und aus der Sammung Petter Olsen stammt). Da klingt dieser doch gar nicht mehr so teuer und nachdem das Frankfurter Städel von den Bürgern für den Umbau großzügige Spenden erhalten hat, vielleicht eine Option, Munchs Schrei doch noch nach Frankfurt zu holen (zur Schirn-Ausstellung gehört nämlich keine der vier Unikate oder auch Multiple von Munchs bekanntestem Motiv). Ist nur ein Rechenexempel, aber zeigt, was machbar wäre mit noch mehr bürgerlichem Engagement für die Kunst (und wenn die Gebote auf 100 Mio. Euro hochschnellen, sind es halt ewas mehr als 600 Euro pro Person. Wobei, bis dahin wird auch die Munch-Ausstellung in Frankfurt noch mehr Besucher anziehen – die Ausstellung ist noch bis zum 28. Mai 2012 geöffnet.). Für das Magazin von artnet schrieb ich eine Kritik zur Frankfurter Ausstellung und in der aktuellen Ausgabe von art ist auf Seite 112 von mir ein Text zur Auktion.
Heute lädt die Schirn übrigens zum Edvard Munch Filmabend. Hier ein Film von Munch mit Joachim Króls Stimme:
KOPENHAGEN. Kommendes Jahr wäre Edvard Munch 150 Jahre alt geworden. Aus dem Anlass lädt die Universität Oslo zu einer großen Munch-Konferenz, eine erste Ankündigung ist soeben publik gemacht worden. Wer meinen Artikel in der online-Ausgabe von The Art Newspaper gelesen hat, war schon Anfang März informiert, darin enthalten auch ein paar weitere Details.
KOPENHAGEN. Das Auktionshaus Sotheby’s hat heute vermeldet, eine Version des Gemäldes “Der Schrei” von Edvard Munch (1863-1944) zu versteigern. Es ist das einzige handelbare Exemplar des bekanntesten Motivs von Munch – alle anderen Schrei-Gemälde sind im Besitz norwegischer Museen und die verkaufen bekanntlich nicht, Lithographien haben auch deutsche Museen.
Erste Schätzungen lauten deutlich über 50 Mio. Euro. “Der Schrei” ist auch deshalb so berühmt, weil er (in jeweils unterschiedlichen Versionen) gleich zweimal gestohlen und wieder aufgetaucht ist. Auch die Aufmerksamkeit, die das Werk durch diese Diebstähle bekommen hat, dürfte zum beträchtlichen Preisanstieg der Bilder Munchs beigetragen haben. Diese These wird bereits in diesem Text von mir für The Art Newspaper im Sommer 2008 vertreten.
FRANKFURT. Solch einen Andrang hatte die Frankfurter Schirn selten erlebt. Schaulustige stauten sich vor dem Eingang anlässlich der Eröffnung der Ausstellung “Munch – Der moderne Blick”. Das Interesse an Edvard Munch ist in Deutschland groß, keine Frage. Noch größer war aber wohl das Interesse an Kronprinzessin Mette-Marit, die zur Eröffnung kam. Deshalb also dieser außergewöhnlich große Andrang.

Here comes the Sun - Museumsdirektor und Kronprinzessin. (Foto: Ausstellungseröffnung „Edvard Munch. Der moderne Blick“ © Schirn Kunsthalle, Foto: Martin Joppen)
Die Ausstellung ist sehr sehenswert, nicht nur, weil es Munch ist, sondern auch wegen der spezifischen Auswahl. Der Schrei fehlt, aber beinahe darum geht es eigentlich. Denn gezeigt wird einmal ein anderer Blick. “Munch – Der neue Blick” wäre deshalb eigentlich der passendere Ausstellungstitel gewesen, wie ich in meinem Artikel über die Schau bei artnet argumentiere.

