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KOPENHAGEN. “Dänischer Niedergang bei der WM” titelt die Online-Ausgabe der Zeitung Politiken als Breaking News auf ihrer Homepage. Gut. Dänemark hat sein erstes Spiel bei der Fußballweltweisterschaft in Südafrika gegen Holland soeben mit 0-2 verloren. Aber deshalb gleich von einem Niedergang zu schreiben… Das Wort “Niederlage” hätte es doch auch getan. Doch offenbar sieht man in dem verloren gegangenen Spiel gegen das favorisierte Oranje-Team gleich eine ganze nach unten gerichtete Tendenz. Viel scheint man der Truppe um Trainer Morten Olsen nicht mehr zuzutrauen bei diesem Turnier. Schon vor der ersten Partie schrieb Politiken in seiner Printausgabe, dass man auch mit einer Niederlage leben könne.

Selbstvertrauen klingt anders. Und wenn man so will, steht dieses Kopf-hängen-lassen sinnbildlich für den Zustand eines Landes, das sich derzeit in einer Art Paralyse befindet und nicht weiß, wie es diese abschütteln kann. Dänemark hat mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Die Krise hat das Land immer noch im Griff, der Haushalt ist hoffnungslos überlastet. Es muss gespart werden – und zwar so gewaltig, dass das Wohlfahrtsmodell des Landes auf dem Spiel zu stehen scheint. Dänemark leistet sich, wenn auch schwerfälliges, so doch komfortables Gesundheitssystem, einen aufgeblähten öffentlichen Apparat und hohe Löhne. Neulich hat sich meine Freundin, die Architektin ist, darüber aufgeregt, dass ihr Gehalt bei der letzten Tarifrunde nur um drei Prozent erhöht wurde. Üblich seien eigentlich fünf bis sechs Prozent. Als ich ihr dann erzählte, dass in Deutschland die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern nach zermürbendem Streik gerade eine Lohnerhöhung von zwei Prozent erkämpft haben und das in den Medien auch noch als Erfolg für die Mediziner gefeiert wurde, konnte sie nur den Kopf schütteln. Das (Un)Wort “Nullrunde” – unter Einbezug der Inflation faktisch eine Gehaltskürzung – tauchte in ihrem Wortschatz erst gar nicht auf.

Dänemark leistet sich viel und kann so nicht weitermachen. Da ist man sich in der Politik einig. Doch an welchen Schrauben man dreht, wo man sparen will: Da ist man sich herzlich uneinig. Und in der Mitte ein Regierungschef, den man eigentlich schon abgeschrieben hat. Lars Løkke Rasmussen ist schon seit Wochen und Monaten das männliche Pendant zu Angela Merkel: zögerlich, ohne Führungskraft, nur darauf bedacht, Fehler zu vermeiden. Die dänischen Medien lassen kein gutes Haar mehr an ihrem Premier und stellen sich nur noch die Frage, wie desaströs die Niederlage seiner liberal-konservativen Koalition bei der nächsten Wahl ausfallen wird.

Doch von einem Aufbäumen ist nicht viel zu spüren. Selbst die ansonsten so marktschreierisch auftretenden Rechtspopulisten von der Dänischen Volkspartei sind merkwürdig still. Kein Aufbäumen, man hadert lieber mit sich selbst. Ein Sieg bei der WM würde vielleicht helfen.

Pferd (in dem Fall als Statue) vor dem dänischen Parlament. (Foto: Bomsdorf)

Pferd (in dem Fall als Statue) vor dem dänischen Parlament. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Dänemark gehört wahrlich nicht zu den größten Anhängern der Europäischen Union. Das kleine Land nördlich von Deutschland nimmt ähnlich wie Großbritannien nicht an der kompletten Zusammenarbeit im Staatenbunde teil, sondern hat beispielsweise den Euro ausgeklammert und behält sich auch bei der Ausländerpolitik Sonderrechte vor. Das dänische Parlament ist in europäischen Fragen mächtiger als die Parlamente in anderen Mitgliedsstaaten. Wie das mit dem Pferdemist zusammenhängt, ist in meinem Beitrag “Ortstermin im dänischen Parlament” für die aktuelle Ausgabe der Zeitung “Das Parlament” zu lesen, die online Version gibt es hier.

KOPENHAGEN. Gestern traf ich auf einem Abendessen bei Bekannten eine übermüdete Dänin – sie war mit einigen Tagen Verspätung aus Ihrem Griechenlandurlaub zurückgekehrt. Natürlich war der Ausbruch des Vulkans Eyjafalla auf Island daran schuld, dass ihr Auslandsaufenthalt zwangsläufig verlängert wurde. Dass sie überhaupt schon jetzt und nicht erst ein paar Tage später nach Hause kommen konnte, hatte sie aber etwas zu verdanken, von dem Isländer derzeit zu wenig haben: Hartgeld.

Die Dänin hatte ihren Urlaub selbst in die Hand genommen, statt einen Charteranbieter zu wählen, Flug und Hotel eigenhändig gebucht. Nun hatte aber ein Charterveranstalter einen Flieger organisiert, um seine Kunden aus Griechenland nach Kopenhagen auszufliegen. Individualtouristen waren nicht eingeplant. Doch gegen eine Einmalzahlung von 600 Euro war der dänische Reiseleiter bereit, die zwei anderen auch noch mitzunehmen. Bestechungsgelder auf griechischem Boden gehen eben nicht immer nur an Griechen, sondern auch schonmal an die achso ehrlichen Nordeuropäer (Der Corruption Perception Index 2009 listet Dänemark nach Neuseeland als das am wenigsten korruptionsanfällige Land der Erde auf, Griechenland liegt auf Platz 71 – zwischen Mazedonien und Rumänien; Deutschland: Platz 14).

KOPENHAGEN. Es ist nicht zu vermeiden, in Sachen Gleichstellung mal wieder verwundert nach Deutschland zu schauen. Nach einigen Wochen außer Landes kämpfte ich mich vor ein paar Tagen in meiner Kopenhagener Wohnung durch einen kleinen Stapel Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, der sich während meiner Abwesenheit angesammelt hatte. In einer Ausgabe ein Artikel über Passivhäuser – eigentlich nicht mein Thema.

Doch da ich kürzlich für die deutsche bauzeitung über Dänemarks Bestrebungen den Energieverbrauch bei Häusern zu senken geschrieben hatte, schaute ich mir die Seite doch genauer an und blieb bei einer schematischen Darstellung hängen. Wie funktioniert denn eigentlich so ein Passivhaus wurde da erläutert und ein einfaches Haus im Querschnitt abgebildet.

Häschenschulen-Passivhaus im Deutschland des 21. Jahrhunderts. (Foto: FAZ/Bomsdorf)

Häschenschulen-Passivhaus im Deutschland des 21. Jahrhunderts. (Foto: FAZ/Bomsdorf)

Gezeigt aber wurde noch viel mehr: Nämlich, wie die Rollenverteilung sich in deutschen Häusern denn so gehört. Rechts unten in der Küche also die Frau am Herd, im Raum links daneben vor dem Fernseher der Mann (nach dem Bier rufend?). Im oberen Stockwerk unter der Dusche, am Busen zu erkennen: Frau Nummer zwei (Tochter? Geliebte? oder einfach die Frau nach der Kocharbeit?). In deutschen Passivhäusern sollen Frauen also kochen und ihre Rundungen unter der Dusche zeigen während der Mann sich vorm Fernseher ausspannt (warum schaut er eigentlich nicht beim Duschen zu?). Sicher, auch hier oben im Norden ist in Sachen Gleichstellung noch einiges zu tun, aber solche klischeehaften Darstellungen sind doch aussagekräftig für Regionen südlich Nordeuropas.

Auf der ersten Seite einer FAZ am Sonntag ein kleiner Text zur Häschenschule. Das alte Bilderbuch wird in der Zeitung fortgeschrieben. Die alte Häschenschule wurde mit folgenden Worten erläutert: “Die Illustrationen stammen von Fritz Koch-Gotha (1877 bis 1956), der in seinen satirischen Zeichnungen das Kleinbürgertum der Zeit einfing: Die Mutter bleibt zu Hause, der Vater geht arbeiten, und in der Schule zieht der Lehrer seinen Schülern die Hasenohren lang.”

Lassen wir das Ohrenlangziehen und die aktuelle Debatte um Mißbrauch an deutschen Schulen einmal außen vor. Aber auch dann stellt sich die Frage: Ist nicht eigentlich die Passivhauszeichnung die  Bestätigung, dass Fritz Koch-Gothas Zeit noch lange nicht vorüber ist?

B.T.-Reklame mit Spartitel. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Wie hoch liegt wohl das Nettoeinkommen des durchschnittlichen deutschen Zeitungslesers? Und wie hoch das der Leser der Boulevardmedien? Vermutlich verdienen die Leser der FAZ und FTD mehr als die der BILD (ob es daran liegt, dass sie sich die teurere Zeitung leisten, sei dahingestellt). Wie dem auch sei, wenn also diese Leser pro Monat eine spürbare Summe sparen könnten, wie hoch wäre diese wohl – 100 Euro, 300, 500?

In Dänemark lockt heute das Boulevardblatt B.T. mit der Überschrift “Spare leicht 6000 Kr. pro Monat” – 6000 Kronen, das sind rund 800 Euro. Für einen deutschen Haushalt eine Menge Geld und ich liege wohl nicht so falsch, wenn viele (BILD-)Zeitungsleser sich nicht ernst genommen fühlen würden, mit einer solchen Überschrift. Muss der ein oder andere doch von wenig mehr als dieser Summe leben. Insofern sagt der B.T.-Titel von heute viel aus über die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten in Dänemark und Deutschland. Wirtschaftlich geht es den weniger gut Ausgebildeten (und die lesen in Deutschland wie in Dänemark nun einmal mehr den Boulevard) in Dänemark besser als denen in Deutschland.

Lange nicht mehr ausgebrochen: Vatnajökull im Westen von Island. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Nun ist der isländische Vulkanausbruch in der dänischen Innenpolitik angekommen: Kim Christiansen, Verkehrspolitischer Sprecher der rechtspopulistischen (Dansk Folkepari, DF) fordert eine Vulkankommission. Politiker und Experten sollten eine Strategie erarbeiten, um den Konsequenzen dieses und zukünftiger Vulkanausbrüche auf Island zu begegnen. Keine andere, der im Parlament vertretenen Parteien hat sich dem Vorschlag, bisher angeschlossen. Gegen Vulkanausbrüche können wohl nur die Politiker der DF etwas unternehmen, alle anderen akzeptieren force majore und gehen lieber mit anderen Vorschlägen auf Stimmenfang.

KOPENHAGEN. 2008 tauchte in Deutschland die erste CD mit Daten zu Steuerhinterziehern auf. Kaum jemand dürfte vergessen haben, wie der damalige Postler Klaus Zumwinkel öffentlichkeitswirksam aus seiner Villa in Köln-Marienburg abgeführt wurde, weil er Millionen unversteuert ins Ausland geschafft hatte. Schon damals war schnell klar, dass auf der Scheibe auch Daten über Bankkunden anderer Länder sein würden. Der dänische Finanzminister wies schnell ab, für solche Informationen bezahlen zu wollen. Musste er auch nicht, denn wie die Zeitung Jyllands-Posten heute berichtet, liegen der dänischen Finanzbehörde Skat, seit November 2009 die Informationen über Dänen auch so vor. Deutschland hat sich spendabel gezeigt und Informationen, die es teuer erkauft hat, einfach gratis an den nördlichen Nachbarn weitergegeben. Zwar zahlen die Dänen ihre Steuern vergleichsweise gerne und das bei einem maximalen Grenzsteuersatz von weit über 50 Prozent, doch rund 50 Namen seien dennoch auf der CD gewesen, heißt es.

Die Opposition und die Dänische Volkspartei, die die konservativ-liberale Minderheistregierung stützt, meinen, die dänische Regierung sollte wie Deutschland auch bereit sein, für entsprechende Daten zu zahlen.

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