KOPENHAGEN. Gestern gab das van Gogh Museum in Amsterdam bekannt ein Bild, das bisher nicht als ein Werk Vincent van Goghs (1853-1890) galt, diesem zugeschrieben zu haben. Jahrzehntelang soll das Bild auf einem Dachboden in Norwegen gelegen haben. Dazu schrieb ich in der heutigen Ausgabe von The Wall Street Journal, es gibt auch ein Videointerview.


KOLDING. Marco Evaristti gehört zu den Künstlern, über die ich in den vergangenen Jahren mehrfach geschrieben habe (wenngleich längst nicht so viel wie über Nathalie Djurberg oder Elmgreen & Dragset). Im Jahr 2000 erregte er international Aufsehen als zehn Moulinex-Blender in Aquarien verwandelte und darin Goldfische schwimmen ließ während die Mixer an den Strom angeschlossen waren. Ein paar Ausstellungsbesucher betätigten den Einschaltknopf, töteten die Fische und verschafften Künstler und Museum viel Presse.

Ähnlich wie bei Bjørn Nørgaards Pferdeopfer (hier mein Text zu dessen Retrospektive) schienen sich die Menschen über diese Tode der Fische mehr zu echauffieren als über Kriegstote. 13 Jahre später zeigt das Trapholt Museum in Kolding, wo auch die damalige Ausstellung stattfand, erneut Evaristtis Goldfische. Diesmal sind sie bereits tot.

Die Arbeit “Helene & El Pescador” ist zentraler Teil der Retrospektive Evaristtis. In anderen Werken, die gezeigt werden, hat er sich mit der Todesstrafe auseinandergesetzt. Mal entwarf er Kostüme für zum Tode Verurteilte (noch mehr Werbung: hier mein damaliger Artikel bei art zur ersten Präsentation 2008) oder arbeitete mit einem “death row”-Insassen an einem post mortem Kunstprojekt (mein Artikel dazu bei The Art Newspaper hier).

Einen kurzen Überblick über die Ausstellung und was Evaristti sich bei seinen Arbeiten denkt, gibt es in diesem Artikel, den ich nach dem Besuch der Ausstellung in Kolding im August 2013 für The Wall Street Journal’s Speakeasy Kolumne schrieb.


ROSKILDE. Nach dem Eurovision ging es alsbald zur Biennale nach Venedig und nun einmal mehr: Musik! Gebloggt wurde schon seit ein paar Wochen nicht mehr, mein erstes Mal Roskilde soll ein kurzes Update wert sein.

Heutzutage kann doch jeder Englisch, da mache ich es mir einfach und verlinke einfach zu meinem Text, den ich für The Wall Street Journal’s Speakeasy über das Roskilde Festival geschrieben habe. Bisher beeindruckte EL-P, dafür enttäuschten Rihanna und Ingrid feat. Lykke Li. Kraftwerk? Spielt erst morgen.

Und jetzt wieder: Musik!


KOPENHAGEN. Der European Song Contest war bisher nie mein Thema, doch dieses Jahr fand der Wettbewerb direkt vor der Haustür statt und das Wall Street Journal war sehr interessiert. Also traf ich mich Freitag bis Sonntagfrüh mit zwei Kollegen in Malmö, um einen Blog und Stream zu betreiben. Dazu kam ein Artikel in der Print-Ausgabe. Der Stream ist weiterhin im Netz und hoffentlich auch im Nachhinein noch interessant. Hier geht’s lang.

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STOCKHOLM. Schon vor zwei Jahren hat die schwedische Malerin Hilma af Klint für ein wenig Aufsehen gesorgt. Es geht darum, wie die Zeitgenossin Wassily Kandinskys von der Kunstgeschichte weitgehend ignoriert wurde und wird. Obwohl sie womöglich vor Kandinsky abstrakt zu malen angefangen hat, taucht sie in der offiziellen Kunstgeschichte üblicherweise nicht auf. Dazu schrieb ich im Frühjahr 2011 einen Text für art online (der hier zu lesen ist). Die dort angekündigte Ausstellung ist Mitte Februar in Stockholm eröffnet worden. Ich habe sie mir angeschaut und die aktuelle Diskussion für The Wall Street Journal. zusammengefasst. Dazu interviewte ich Iris Müller-Westermann, Kuratorin der Ausstellung im Moderna Museet, Julia Voss, Kunstkritikerin der FAZ, Felix Krämer, Leiter der Moderne im Städel und Leah Dickerman, die eine aktuelle Abstrakte Kunst-Ausstellung im MoMa in New York kuratiert hat. Mein Text hat dann das schwedische Aftonbladet dazu veranlasst zu schreiben, af Klint würde die Kunstszene der USA erschüttern. Nunja, ein wenig übertrieben. Trotzdem noch ein Hinweis auf meine aktuelle Besprechung der Ausstellung – erneut bei art online.

 

 


KOPENHAGEN. Auf der Jagd nach Unbekanntem aus dem Leben der Prominenten gehen Journalisten und andere Neugierige auch gerne mal an deren Müll. Das Fotografenpaar Bruno Mouron und Pascal Rostain hat den Inhalt der Abfalltonne von Madonna und anderen Stars fein drapiert und fotografiert. In Norwegen ist in den vergangenen Monaten der Müll eines anderen weltbekannten Mannes ausgegraben worden: Der des Malers Edvard Munch (1863-1944). In der Erde seines Ateliergrundstücks wurde noch viel mehr gefunden. Dazu hier ein Text von mir aus The Art Newspaper.


KOPENHAGEN. Im dänischen Louisiana Museum werden noch bis Anfang März frühe Zeichnungen Andy Warhols ausgestellt. Dazu habe ich heute einen Artikel in The Wall Street Journal. . Online ist dieser hier zu lesen und gestern gab es noch ein Video-Interview zum Thema in WSJ Lunch Break. Ein etwas ausführlicherer Text hier auf Deutsch:

Der Gesichtsausdruck des jungen Mannes auf dem Bild erinnert an die Porträts von Egon Schiele, ebenso wie die Kleider Falten werfen und die Hand mit ihren knöchrigen Fingern. Doch statt sich lasziv oder verträumt dem Betrachter hinzugeben wie es Schieles Porträtierte gerne tun, setzt dieser sich gerade einen Schuss in die Venen des linken Armes. Das passt eher zu einer Fotografie von Nan Goldin. Tatsächlich sind die frühen Zeichnungen Andy Warhols, die im Frühjahr erstmals in einer Museumsausstellung zu sehen sein werden, eine besondere Mischung. „Unser Haus hat viel Warhol gezeigt und besitzt einige Werke. Ich finde das Material extrem interessant, weil es eine unbekannte Seite des großen Pop-Art-Künstlers offenbart“, sagt Poul Erik Tøjner, Direktor des dänischen Museums Louisiana und Kurator der Ausstellung. Auf dem Stand des Münchener Galeristen Daniel Blau entdeckte er bei der Art Basel die Zeichnungen Warhols. „Hier wird der Öffentlichkeit erstmals gezeigt, wie Warhol bevor er bekannt wurde gezeichnet hat und da lässt sich ein leichter Strich erkennen und gleichzeitig Themen wie Schmerz und Oberflächlichkeit“, so Tøjner. Rund 200 Arbeiten hat er aus dem Bestand von Blau ausgewählt. Darunter auch „Tom“ (1954), ein androgyner Jüngling im Profil, der an David Bowie vor ein paar Jahrzehnten erinnert als wäre er damals von Wolfgang Joop gezeichnet worden. „Warhols damalige Ästhetik und die der Mode und Modefotografie oder –zeichnung liegen nah beieinander“, sagt der Kurator.

Vor ein paar Jahren zeigte Louisiana, ebenfalls von Tøjner kuratiert, Warhol und Munch in einer gemeinsamen Ausstellung. Damals wurden jene Munch-Motive, die der Amerikaner in seiner Art reproduziert hatte, ausgestellt. Diesmal stehen die frühen Zeichnungen Warhols für sich alleine. „Warhol ist einer der wenigen Künstler, dessen Werk jedem Museumsbesucher in irgendeiner Weise ein Begriff ist. Das macht es möglich, dass sich die Leute voll auf seine Zeichnungen, die sie ja noch nie gesehen haben, konzentrieren und diese für sich entdecken können.“


KOPENHAGEN. Am Wochenende traf ich mich mit dem amerikanischen Fotokünstler Leigh Ledare in dessen Kopenhagener Ausstellung und schrieb dafür einen Artikel, der bei art online steht. Für die, die an mehr interessiert sind, gibt es hier eine Langversion:

Mehr als nur alles über seine nackte Mutter

Ja, Leigh Ledare ist der Mann, der über Jahre hinweg intime, teils pornographische Porträts seiner Mutter aufgenommen hat. Doch ihn auf diese Motive zu beschränken wäre genauso falsch wie in einem sexuellen Akt nur einen rein mechanischen Vorgang zu sehen. Clemens Bomsdorf ließ sich von Ledare durch dessen Ausstellung in Kopenhagen führen.

Draußen ist es eisig kalt, deutlich unter Null. Leigh Ledare steht im Foyer der Kunsthalle Charlottenborg, er trägt dunkle Hose und dunkle Jacke und eine gelbliche Mütze und das, obwohl es drinnen gut geheizt ist. Sie steht ihm. Ledare wirkt lässig, wie jemand, der mit allen klar kommt und mit nichts und niemandem ein Problem hat. Weder mit seiner Mutter, noch mit seiner Sexualität.

„Alma“ heißt die erste Arbeit, die am Eingang zu seiner Ausstellung im Obergeschoss präsentiert wird. Das Porträt einer nackten auf dem Bett liegenden Frau, bekritzelt wie von Kinderhand. „Die Arbeit habe ich Freunden gegeben, damit sie ihr dreijähriges Kind darauf herum malen lassen. Ich finde es sehr interessant zu sehen, wo es Akzente gesetzt hat“, sagt Ledare. Gesicht und Geschlecht der Frau sind bemalt als habe da jemand das Unanständige zensieren und die Frau unkenntlich machen wollen, auch auf Oberschenkel, Kissen und Bettdecke gibt es intensiv bearbeitete Stellen. „Mir war wichtig, dass das Kind so jung ist, dass es sich noch nicht zu dem Motiv verhalten kann“, so Ledare. Kleinkinder suchen sich anders als Erwachsene Stellen aus, die sie bemalen. Das kleine Kind wird nicht an der Vagina als solcher interessiert gewesen sein, sondern an deren bildnerischen Struktur. An der Vagina von Ledares Mutter wohlgesagt, denn Basis des Bildes ist eines jener vielen Fotos, die er über acht Jahre hinweg von dieser (der Mutter und ja, auch deren Vagina) aufgenommen hat.

Doch so wie das Kind sich von der sexuellen Bedeutung des Geschlechtsorgans nicht hat berühren lassen (weil es diese vermutlich nicht einmal ahnte), so sollten auch die Betrachter von Ledares Bildern endlich einmal nicht nur darauf fokussieren, dass er seine Mutter fotografiert hat, wie sie an einen ihrer jungen Liebhaber angebunden (Mom and Catch 22, 2002) ist oder wie einer ihrer jungen Liebhaber sie mittels Cunnilingus stimuliert (Mom on Top of Boyfriend, 2002) oder wie sie sich selber zwischen den Beinen befingert (Mom Fingering, 2004) oder eben dort eine Tiara platziert (Mom with Tiara, 2002). Wer im Internet Artikel über Leigh Ledare sucht und findet, hat den Eindruck der Mann kenne nur ein Thema. Dabei sind es wohl eher die Journalisten, die nur ein Thema kennen, wenn sie ihn treffen oder seine Arbeiten ansehen. So auch zur Ausstellung, die soeben in der Kunsthalle Charlottenborg in Kopenhagen eröffnet wurde. „Politiken“, die linksliberale Zeitung, die gerne von der dänischen Kulturszene gelesen wird, widmet ihm einen riesigen Artikel, interviewt die Kuratorin und zeigt etliche Bilder. Doch das nur ein gutes Viertel der Ausstellung die Mutter-Serie ausmacht und auch diese nur zu einem geschätzten Anteil von 50% Nacktporträts von ihr zeigt, geht völlig unter.

Ja, er fühle sich schon manchmal missverstanden, sagt Ledare und erweckt nicht den Eindruck, dass ihm das allzu viel ausmachen würde. „Es geht hier um viel mehr als die Sexualität meiner Mutter. Familienrelationen spielen eine große Rolle. Mein Bruder, meine Großelter und ich – wir alle kommen in der Serie vor“, so der 1976 geborene Fotograf. Wie um zu unterstreichen, dass er nicht auf „Pretend You’re Actually Alive“ (so der Titel der Serie) reduziert werden sollte, beginnt die Ausstellung denn auch mit einer ganz anderen Arbeit. Die wohl bekanntesten und öffentlichkeitswirksamsten Arbeiten nehmen keine besondere Position in der Ausstellung ein, belegen einfach den zweiten von vier Räumen.

Raum eins also: Übermannsgroße Rahmen mit übermannsgroßen Titelseiten der New York Times, darauf montiert Aufnahmen von einer Frau. Ihren Körper entblößt die Frau, ihr Kopf aber ist von einem in Nachhinein eingesetzten schwarzen Rechteck verdeckt. Warum, sagt ein Vertrag, der in einer Vitrine in der Mitte des Raumes präsentiert wird. Ledare fasst zusammen: „Sie ist die Frau eines rund zwanzig Jahre älteren Mannes. Ich lernte die beiden bei einer Reise durch Europa kennen. Die Porträts meiner Mutter kennend, wollte sie von mir in ähnlicher Positur fotografiert werden. Ich aber arbeite so nicht; mit Aufträgen.“ Also wurde daraus die Arbeit „An Invitation“. Die Frau bekam ihre Porträts, Ledare wohnte dafür eine Woche mit dem Paar zusammen und fotografierte die Frau täglich. Sie durfte die Arbeiten – die laut Ledare womöglich auch helfen sollten, deren träges Sexualleben wieder in Gang zu bekommen – behalten und bei sich aufhängen, aber nur, weil Ledare sieben Motive weiterverarbeiten durfte. Er montierte je eine in die Titelseite der New York Times ein, die am Tag der Aufnahme erschienen war. Es war Ende Juli 2011, eine Woche mit Großereignissen: Lucian Freud starb und in Norwegen brachte Anders Behring Breivik 77 Menschen um. Ledare bringt internationale Nachrichten und Intimaufnahmen zusammen, unter dem Bild macht er Notizen – wie etwa „attack in Norway / swimming in the afternoon“ in Anlehnung an Franz Kafkas Tagebuchnotiz zur Kriegserklärung Deutschlands an Russland 1914 (ähnliche Referenzen gibt es auch beim finnischen Fotografen Jari Silomäki). Intimstes, Banales und Weltgeschichte sind hier in Gleichzeitigkeit vereint.

Im nächsten Raum dann „Pretend You’re Actually Alive“ – viel mehr als alles über seine nackte Mutter. Bisher nur über die Serie gelesen, doch nur einzelne Bilder gesehen, fällt auf: die ist ja gar nicht immer nackt. Die Medien lieben es nackte Körper abzubilden, gerne auch in Aktion. Sex sells. Aber Ledares Aufnahmen seiner Mutter sind Teil einer Familienstudie und selbst so exhibitionistisch veranlagte Menschen wie seine Mutter sind auch mal angezogen. „Es geht hier um viel mehr. Da ist mein Großvater, der fünf akademische Master hatte und an mehreren Universitäten gearbeitet hat.“ Ledare zeigt ihn neben sich – ein klassisches Fotoporträt wie es in millionen von Familienalben klebt. Dann das Foto einer kargen Landschaft. „Mein Großvater hatte als Weihnachtsgeschenk fünf nebeneinanderliegende Grabstellen gekauft, damit wir, mein Bruder, meine Mutter, deren Eltern und ich, später dort nebeneinander liegen könnten. Das Bild zeigt den Blick von dort“, erklärt Ledare. Die Serie ist eine Annäherung an seine Familie und zwangsläufig stellt sich die Frage – würde man Nacktaufnahmen auch von seiner Mutter machen wollen? Und es ist völlig in Ordnung, wenn man wie vermutlich 99+ % der Bevölkerung das verneint. Die Arbeit zeigt den Exhibitionismus der Mutter und den Spleen des Großvaters, zeigt aber auch, dass die beiden mit ihren mehr (Mutter) oder weniger (Großvater) exzentrischen Seiten von Ledare respektiert werden. Manchesmal machen solche „Fehler“ die Menschen erst aus. Die Kamera und das Foto sind für ihn Instrument der Annäherung und helfen Verhältnisse zu ergründen. Ein bisschen zumindest.

Nicht weniger interessant und persönlich: die Video- und Foto-Arbeiten in Raum vier und vor allem die Serie im letzten Raum der Kopenhagener Ausstellung. Für „Double Bind“ (2010) zog sich Ledare vier Tage und drei Nächte mit seiner Ex-Frau Meghan in eine Hütte in der Nähe New Yorks zurück und machte hunderte von Fotos von ihr. Später dann bat er deren neuen Ehemann dasselbe zu tun. Die Aufnahmen der beiden präsentiert er nebeneinander – seine in einem schwarz hinterlegten Bilderrahmen, die des neuen Mannes auf weißem Grund. Auch Ledare hat seine Ex barbusig abgelichtet. „Solche Aufnahmen aber hat sie nur von ihm machen lassen“, sagt er und zeigt auf ein schwarz-weiß Foto, das sie mit entblößtem Hintern zeigt, zwischen den Schenkeln ist die haarige Scham ganz deutlich zu erkennen. Die Pobacken strecken sich so sehr dem Betrachter entgegen als erwarteten sie das Spanking. Ledare hat andere Motive aus Zeitschriften eingearbeitet, deren Zusammenhang sich nicht jedem Betrachter (gleich) erschließen wird, aber erneut geht es um Nähe und Distanz, um Vertrauen und Verletzlichkeit und darum, sich einer Situation auszusetzen, die unangenehm sein kann, einander näher bringen kann oder dauerhaft verkrampft ist. Und die Frage stellt sich: welche jetzt wieder glücklich liierten Ex wäre wohl dazu bereit, vier Tage gemeinsam in einer einsamen Hütte verbringen und wozu würde das führen?


KOPENHAGEN. Die Welt veröffentlicht seit ein paar Monaten in loser Folge die Serie „Frau im Fokus“. Heute in der Welt am Sonntag mein Portrait der Schwedin Malin Biller.

Malin Biller wurde von ihrem alkoholabhängigen Vater sexuell omissbraucht. Die Mutter war depressiv, Malin selbst wurde wechselweise Anorektikerin und übergewichtig. Kurz, die Schwedin hat alles andere als eine normale, schöne Kindheit erlebt. Doch statt diese schrecklich schweren Jahre zu verdrängen, hat Biller daraus eine Comicgeschichte gemacht. Im Buch „Wenn jemand im Wald schreit“ beschreibt sie, wie es zu dem „kleinen Geheimnis“ mit ihrem Vater kam und wie sehr das ihrem Leben und dem der Familie zusetzte. Ihre Bilder sehen teilweise aus wie von Kinderhand gezeichnet, vielleicht, weil sie schon als Jugendliche im Zeichnen ihre Rettung fand.
Biller reist mit dem Buch durchs Land, um daraus vorzulesen und von ihrer Kindheit zu erzählen. Sexueller Missbrauch ist einer der schrecklichsten Dinge, die einem Kind widerfahren können. Selbst Jahre später fällt es oft schwer, über das dunkle Geheimnis der Kindheit zu sprechen und das macht die Aufarbeitung nur noch schwerer. Biller hat sich mit dem Buch auch selber geholfen, denn sie kommt zeichnend besser über die Dinge.

Einige Arbeiten der Zeichnerin sind auf ihrer Homepage www.biller.se zu sehen.


KOPENHAGEN. Oh du fröhliche, oh du seelige geschlechtsneutrale Kinderweihnachtszeit! So sollte es passenderweise aus schwedischen Wohnstuben klingen. Denn in dem nordeuropäischen Land ist ein geschlechtsneutraler Spielzeugkatalog erschienen. Da tragen Mädchen Spielzeugpistolen und halten begeistert Fußbälle in der Hand während Jungs mit rosa Frisörsets um der Hüfte herumlaufen und mit bunten Schleifen dekorierte Hündchen ausführen. „Beim Reklameombudsmann, der in Schweden eine Frau ist, war mal Beschwerde eingegangen, dass Top-Toy zu sehr die klassischen Geschlechterrollen zeige. Nun machen wir es anders“, so Anne Dorte Erstad Jørgensen von „Top-Toy“. Niemand soll der größten nordeuropäischen Ladenkette für Spielzeug vorwerfen können, sie sorge dafür, dass die Kinder schon im Spiel in spätere Geschlechterrollen gedrängt werden.

Deshalb spielen Junge und Mädchen zwar auf der Titelseite des Weihnachtskataloges noch harmonisch Restaurant, doch weiter hinten ist es dann der männliche Nachwuchs der die süßen, mit bunten Schleifen dekorierten Hundestofftiere an den farbig leuchtenden Leinen hält. Wenige Seiten später föhnt ein kleiner Junge hingebungsvoll ein Mädchen – was schon lange Alltag im Kinderzimmer ist wird nun auch in der Reklame gezeigt. Und Jahre nachdem Frauen im Militär zugelassen wurden dürfen sie auch im Spielzeugkatalog Waffen tragen: Mit konzentriertem Gesichtsausdruck hat ein Mädchen die Finger am Auslöser der mächtigen Pistole des Schießspiels „Laser M.A.D.“ .

Schweden gilt international als Paradies der Gleichstellung. Erst vor wenigen Monaten wurde begonnen ein drittes, geschlechtsneutrales Personalpronomen einzuführen. Bis auf den kleinen Unterschied sind Geschlechtsunterschiede doch nur antrainiert, so lautet die Meinung vieler Schweden. Dies soll die Reklame wieder spiegeln.

Wirklich konsequent ist „Top-Toy“ aber nicht. So schläft im Justin-Bieber-Bettzeug kein Junge und im Katalog für die 18 „BR Spielwaren“-Läden, die „Top-Toy“ in Deutschland betreibt, ist es wieder ein Mädchen, das den Föhn benutzt und die Hündchen ausführt.

Hier dazu mein Artikel aus der Welt.

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