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KOPENHAGEN. Vor einem halben Jahr ist der schwedische Autohersteller Volvo in chinesischen Besitz übergegangen. Der Hersteller Geely übernahm die europäische Premiummarke von Ford gemeinsam mit lokalen Investoren, Chef wurde der Deutsche Stefan Jacoby. Doch die Globalisierung geht weiter. Schon im Interview, das ich mi Jacoby für Focus geführt hatte, hatte er ehrgeizige Pläne für China verkündet. Nun wurde die konkrete Strategie für Absatz und Produktion in dem neuen zweiten Heimatmarkt vorgestellt. Für Die Welt habe ich die Pläne zusammengefasst – online hier zu lesen.

Die Kollegen von Dagens Nyheter schreiben hier zum Thema, Svenska Dagbladet hat Geely-Gründer Li Shufu interviewt.

KOPENHAGEN. Geely hat offenbar nicht genug Geld, um die 1,8 Milliarden Dollar schwere Volvo-Übernahme zu stemmen, denn nach Angaben des schwedischen Fernsehsenders TV4 beteiligt sich die staatliche Investorengruppe Daqing mit knapp 500 Millionen Dollar an dem Deal. Aus einem an die EU-Kommission gerichteten Dokument soll hervorgehen, dass Daqing damit in Zukunft 40 Prozent von Volvo Cars halten, Geely also mit 60 Prozent Mehrheitseigner sein soll. Daqing soll in dem Dokument als Bedingung für seinen Einstieg gemacht haben, dass die geplante Volvo-Fabrik in China dann auch in der Daqing-Region gebaut wird.

Daqing ist eine politische gesteuerte Investorengruppe in staatlicher Hand im Norden Chinas. In der gleichnamigen Provinz/Stadt wird vor allem die Petroindustrie vorangetrieben.  Bei Volvo Cars reagierte man überrascht, bemühte sich jedoch, die Entwicklung runterzuspielen. „Das kommt natürlich etwas überraschend für uns“, sagte Volvo-Informationschef Olle Axelsson. Dennoch müsse man jetzt erst einmal abwarten.

Die ohnehin schon verunsicherten Volvo-Mitarbeiter dürfte diese Nachricht weiter verstören. Zwar hat man mit dem chinesischen Staat jetzt einen potenten Geldgeber für die Übernahme und weitere Investitionen in der Zukunft, jedoch darf mit dem Einstieg Daqings de facto eine kommunale Einheit der kommunistischen Partei Chinas bei Volvo Cars mitbestimmen. In welchem Ausmaß die Interessen von Volvo denen Chinas jetzt verstärkt weichen müssen, ist unklar. Noch ist der Deal nicht abgeschlossen. Dieser letzte Schritt war eigentlich für das dritte Quartal 2010 angekündigt worden, unter den neuen Vorzeichen kann es aber gut sein, dass der Deal nochmal neu aufgerollt wird und es zu weiteren Verzögerungen kommt.

Die Nachrichtenmeldung zum Einstieg Daqings kann man sich auf der Internetseite von TV 4 anschauen. Hier der Link. Weitere Informationen und Hintergründe zur Übernahme von Volvo Cars durch Geely kann man in meinem Artikel in der FTD lesen, der erst kürzlich erschienen ist.  

KOPENHAGEN. Zwei Länder, zwei Autoschicksale: Während die Deutschen immer noch darüber streiten, wie und ob Opel mit Staatshilfe zu retten ist, haben die Schweden ihre nationale Ikone Volvo ohne viel Gedöns an Chinas Geely verkauft. Seit dem Amtsantritt von Stephen Odell im Oktober 2008 hat Volvo eine der dramatischsten Phasen der Firmengeschichte durchgemacht. Der Fahrzeugabsatz brach ein, die Bilanz färbte sich tiefrot. So hoch waren die Verluste, dass sich der Mutterkonzern Ford gezwungen sah, Volvo zu verkaufen. Odell schob 16-Stunden-Tage, um eine Lösung für das Unternehmen zu finden. Seit März steht nun fest, dass der chinesische Auto- und Motorradbauer Geely Volvo zu altem Glanz verhelfen soll. Chinesen. Ausgerechnet.

Besuch in einem Werk, das die Hoffnung nicht aufgibt. Den Artikel von mir in der FTD kann man auch online lesen.

OSLO. Die Schweden haben mich heute wieder einmal beeindruckt. Es gibt ja derzeit wirklich viel zu klagen für die Bürger des Musterwohlfahrtstaates. Die Arbeitslosenquote kratzt derzeit an der für Schweden fast schon beleidigenden 10-Prozent-Marke und liegt damit deutlich höher als in Deutschland. Die liberal-konservative Regierung unter Premier Fredrik Reinfeldt muss seit Monaten und Jahren sparen, was sich in den Sozialleistungen niederschlägt, und mit Saab und Volvo befinden sich die ehemaligen Flaggschiffe der schwedischen Automobilindustrie in ausländischer Hand. Niemand weiß wirklich, was langfristig mit den Tausenden Arbeitsplätzen passieren wird. Zwar befindet sich die schwedische Krone seit Wochen und Monaten auf Erholungskurs, bis zu alter Stärke ist es aber noch ein Stück. Und die Euro-Krise dürfte die kleine, frei handelbare Währung wieder unter Druck setzen.

In solchen Zeiten reagiert der Wähler schonmal leicht verschnupft und kann dem Reflex nicht immer widerstehen, sich von den etablierten Parteien abzuwenden. Die Geschichte zeigt das oft. Dafür muss man noch nicht einmal das berühmteste Beispiel (Hitlers Aufstieg im Zuge der Weltwirtschaftskrise) bemühen. Dafür reicht auch ein Blick nach Ungarn, wo erst vor kurzem die rechtsextreme Jobbik-Partei bei der Parlamentswahl einen beängstigenden Erfolg feiern konnte. Aber auch in den Niederlanden, Italien, Dänemark und Norwegen sind rechtspopulistische Parteien längst politische Realität. Ihre Politik richtet sich vor allem gegen Einwanderer, die sie als Sündenbock für Wirtschaftskrisen und überhaupt alles, was im Staate nicht reibungslos läuft, ausgemacht haben. Manche propagieren das offen (Geert Wilders Partei für die Freiheit in den Niederlanden, Pia Kjærsgaards Dänische Volkspartei), andere eher subtil (Siv Jensens Fortschrittspartei in Norwegen).

Selbst in Schweden, das in diesem Punkt bisher eine rühmliche Ausnahme war, musste man ein Erstarken des rechten Randes befürchten. Die Schwedendemokraten konnten lange Zeit hoffen, bei der Wahl im Herbst die 4-Prozent-Hürde zu nehmen und damit in den Reichstag einzuziehen. Doch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Skops zeigt: Die Rechtspopulisten/-extremen scheinen mit ihrer ausländerfeindlichen Propaganda bei den Schweden nicht zu verfangen. Die Schwedendemokraten stürzen von 5 auf 2,9 Prozent ab. Statt dessen gehen die etablierten Kräfte gestärkt aus der Umfrage hervor. Reinfeldts Moderate Sammlungspartei gewinnt 2,2 Punkte hinzu und liegt jetzt bei 30,3 Prozent. Die Sozialdemokraten bleiben nahezu konstant bei 33,7 Prozent. Die Verlierer sind die kleinen Parteien und Protestgruppen. In schwierigen Zeiten wie dieser nicht nur ein bemerkenswertes Ergebnis sondern auch ein bewundernswertes.

Dass die Schweden laut einer neuen Studie der Universität in Göteborg auch generell den Einwanderern wieder positiver gegenüber stehen, lässt hoffen, dass es sich bei dem Umfrageergebnis nicht nur um eine Momentaufnahme handelt, sondern es sich auch bei der Wahl im September bewahrheiten könnte. Die Rechtspopulisten/-extremen hatten und haben in Schweden trotz Krise keine Chance. Der schwedische Wähler ist eben doch der geborene homo oeconomicus. Chapeau.

KOPENHAGEN. “Volvo ist Volvo, und Geely ist Geely.” An diesen Satz von Li Shufu können sich alle Beteiligten und Beobachter noch gut erinnern. Er ist ja auch noch nicht alt. Genauer gesagt 16 Tage. Als der Chef des chinesischen Autobauers Zhejiang Geely Holding und Ford-Finanzchef Lewis Booth am 28. März in Göteborg den Kaufvertrag (1,8 Milliarden Dollar) zur Übernahme der schwedischen Traditionsmarke Volvo unterschrieben, betonte Li, dass der Autobauer als eigenständiges Unternehmen mit einer eigenen Konzernleitung erhalten bleibe. Sitz von Volvo sollte auch in Zukunft Göteborg sein. Schwedens Wirtschaftsministerin Maud Olofsson zeigte sich zufrieden. Das gleiche gilt für die Gewerkschaften, die bis zuletzt Zweifel an dem Deal geäußert hatten. Die Belegschaft war ohnehin erleichtert. Volvo bekommt einen neuen Eigner, frisches Geld und mit China einen riesigen Markt, ohne dass sich vor Ort in Schweden spürbar etwas ändern würde.

Inzwischen ist die erste Euphorie verflogen, und man schaut wieder mit ungetrübtem Blick nach Hongkong. Und dort scheint sich was zusammen zu brauen. Am gestrigen Montag nämlich legte Geely dort seinen Jahresbericht für 2009 vor. Und auf der Pressekonferent sprach der Chef von Geely Automotive Holdings Ltd (Tochtergesellschaft der Geely Holding Group), Gui Sheng Yue, plötzlich von Plänen, Volvo komplett in der Geely-Familie aufgehen zu lassen. “Das wird nicht lange dauern, vielleicht drei Jahre”, sagte er den Journalisten. Vor zwei Wochen klang das noch ganz anders.

Bei Volvo will man die Aussage Guis nicht kommentieren. Die Angst ist wieder da.

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