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KOPENHAGEN. Er war der dänische Patriarch – Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller, genannt Mærsk Mc-Kinney Møller. Achtundneunzigjährig ist er heute gestorben. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift mare ist ein Porträt über Mann und Reederei – selbstverständlich noch zu dessen Lebzeiten geschrieben – erschienen, Autorin ist meine Kollegin Nicole Basel, die selber länger in Kopenhagen gelebt hat.

KOPENHAGEN. Der dänische Stil wird häufig mit Margit Brandt verbunden. Vor vierzig Jahren brachte sie die dänische Mode international groß raus. In der Nacht zum Montag starb sie 66-jährig. Nachdem Margit Brandt gemeinsam mit ihrem Mann Erik vor einigen Jahren Markennamen und Kollektion wiederbelebt hatte, traf ich die beiden in Kopenhagen für die deutsche Ausgabe von Vanity Fair zum Gespräch. Hier nochmals mein damaliger Text. Die Kleidung von Brandt war wieder ein Genuss, doch die Qualität nicht mehr die alte, sondern eher auf H&M Niveau. In der Richtung befanden sich immerhin auch die Preise. Was ich vom Besuch nie vergessen werde: Margit Brandt, damals 62, trug zur relativ dezenten Alltagskleidung Söckchen mit Mickey Mouse-Motiv. Und auf dem Fensterbrett des Hauses in bester Kopenhagener Gegend stand wie auf einem Altar ein Foto von Andy Warhol, den sie früher kannte.

Nun aber mein Artikel vom Frühjahr 2007 (es mag sein, dass dies nicht die Endfassung ist):

In den 70er Jahre feierten Margit und Erik Brandt mit Andy Warhol im New Yorker Studio 54 und mit Brigitte Bardot am Strand von St. Tropez. Sie war eine der bekanntesten Modedesignerinnen der Welt, er vermarktete die Waren seiner Frau. Jetzt sind die beiden im Pensionsalter. Und wollen es noch einmal wissen.

„Wir waren das schickste Paar von ganz Dänemark.“ Sätze wie diese fallen häufig, wenn sich Erik Brandt an die 1960er und 1970er erinnert als die Karriere seiner Frau als Modedesignerin auf dem Höhepunkt angekommen war. Ein Mangel an Selbstbewusstsein ist noch nie sein Problem gewesen. Ein langweiliges Leben auch nicht. Andy Warhol, Mick Jagger, Gianni Agnelli, Geraldine Chaplin – die Liste derer, mit denen die Brandts, gegessen, getrunken, gefeiert und getanzt haben ist lang und strotz nur so von prominenten Namen. Ebenso erlesen die Ortschaften, die die beiden wählten, um ihre Mode zu präsentieren und ihre Freunde zu treffen: Barbados, Rom, Courchevel, Paris, New York, Tokio. Im Mittelpunkt stand stets Margit. Schließlich war sie es, die damals mit ihrem unprätentiösen aber eleganten Stil die Mode- und Glamourwelt für sich einnahm. Ihre Entwürfe eroberten die Boutiquen im Sturm und wenn man ihrem Mann glauben darf, dann tat sie das selbe mit den Herzen der männlichen Prominenz. „In Saint Tropez sind wir gute Freunde mit dem Filmproduzenten Sam Spiegel geworden. Aus irgendeinem Grunde hätte er alles für Margit getan“, erinnert sich Erik Brandt. Wenn er an die wilden Jahre zurück denkt, landet er immer wieder bei den prominenten Freunden des Paares und stets erzählt er, wie sie seine Frau verehrten. Bei Spiegel durfte Margit machen was sie wollte und er tat alles für sie. Margit wünscht sich klassische Musik zum Essen? Spiegel lässt spontan den Violinisten Isaac Stern rankarren. Margit will beim Essen rauchen? Bei Spiegel eigentlich eine Todsünde, doch selbstverständlich darf sie. Er schätzte die Designerin aus Dänemark so hoch, dass er niemanden an sie ran ließ. „Nicht einmal Jack Nicholson durfte auf demselben Sofa wie Margit sitzen und wenn der junge Schauspieler eine Erklärung dafür verlangte, knurrte Sam Spiegel: >>Weil deine Jeans dreckig sind<<“, so Ehemann Erik.

Die Brandts denken gerne an diese Zeit zurück. Deshalb hat er ein Buch über die heißen Jahre geschrieben und deshalb haben sie gemeinsam mit ihrer Tochter Julie die Marke Margit Brandt noch einmal aufleben lassen. „In Dänemark läuft es gut, in Frankreich und Italien auch, in Deutschland sowieso. Wir können gar nicht so viel produzieren lassen wie die Konsumenten nachfragen. Genau wie früher“, sagt Erik Brandt. Er sitzt auf einer schneeweißen Couch in seinem Kopenhagener Wohnzimmer und hat ein deja-vu-Erlebnis. Margit Brandts Kollektion wird wieder international gut verkauft. Natürlich wird nicht mehr soviel produziert wie früher, doch die Stücke gehen gut weg, einige sind rasch ausverkauft. Das liegt auch am Preis: die Kleider von Margit Brandt sind nicht mehr so teuer wie früher, liegen heute näher an H&M als an Prada. Die Liste der Abnehmerländer ist lang. Margit Brandt verkauft in Norwegen, Dänemark, Frankreich, Island, Italien und in Deutschland, z.B. im Berliner Quartier 206.

Margit Brandt ist gerade 62 geworden, ihr Mann 63. Vor knapp zwei Jahren haben die beiden sich entschlossen, die Marke Margit Brandt zu reanimieren und erneut Kollektionen zu vermarkten. Diesmal nehmen sie nicht alles selber in die Hand, sondern arbeiten mit einer dänischen Firma zusammen. „ Das ist mir lieber, weil ich so bestimme, was unter meinem Namen verkauft wird“, sagt Margit Brandt, eine zierliche, braungebrannte Frau in den 60ern. Obwohl Hauptperson, spricht sie vor allem dann, wenn ihr Mann gerade außerhalb des Raumes ist. So war es schon immer: Sie entwarf die umwerfenden Kleider, wurde umgarnt, hielt sich sonst aber zurück. Er näht nicht, versteht es aber bestens, Kontakte herzustellen. Als Andy Warhol im Herbst 1978 nach Kopenhagen kam, weil das Kunstmuseum Louisiana eine Retrospektive zeigte, war es klar, dass Erik und Margit ein großes Fest für den amerikanischen Künstler gaben, der gerade den Film „Cocaine Cowboys“ zu Ende gedreht hatte. Das machte Spaß, vertiefte die Bande zum internationalen Jetset und sollte auch noch gute Presse geben. So mochten und kannten es die Brandts damals. Und es machte Spaß und der Jetset fühlte sich wie zu Hause in der Kopenhagener Villa der beiden. Doch es gab schlechte Presse. Dass Erik Warhol in seinem Bentley durch Kopenhagen chauffierte, konnten die Journalisten gerade noch durchgehen lassen, aber eine Boulevardzeitung behauptete später, dass Erik Brandt des Kokaingeschäfts bezichtigt wurde. Schließlich, so die Gerüchte, sei auf der Warhol-Party gekokst worden, die Polizei ermittele. Es dauerte nicht lange, da musste die Zeitung Schadenersatz zahlen, weil es keine Beschuldigungen gegen Brandt gegeben hatte. Dennoch war die Familie erstmal fertig mit ihrer Heimat und siedelte in die USA über, um in New York weiter zu arbeiten und zu feiern. Das legendäre Studio 54 war damals Mittelpunkt ihres New Yorker Lebens. Es war die größte Networking Agentur der Welt, so Erik: „Wir mussten keine Verabredungen mit Freunden treffen, sondern schauten einfach im Studio 54 vorbei.“ Warhol, Jagger, wer auch immer, sie waren alle da. „Ich ärger mich nur, dass Margit nie Andys Wunsch nachgegeben hat, sie zu malen. Das wäre heute eine schöne Erinnerung unserer Freundschaft“, so Erik Brandt gewohnt selbstbewusst. Doch die Drogenvorwürfe waren nicht die einzige Krise bei den Brandts, mal verrottete eine ganze Ladung Textilien, ein anderes Mal musste Erik Brandt sich mit hohen Verlusten von einer Beteiligung an einer von ihm mit gegründeten Bank trennen und das USA-Geschäft lief langfristig nicht so gut wie gehofft. In den 1980ern war die Marke Margit Brandt dann fast verschwunden. In den vergangenen knapp 20 Jahren entwarf die Dänin nur sporadisch, etwa Uniformen für die Olympiamannschaft und das Heer ihres Landes.

Aber Erik ist ein Stehaufmännchen und zieht seine Frau, mit der er bald 50 Jahre verheiratet ist, immer mit. Ihm gelang es stets, kaum war das Vermögen reduziert, ein neues aufzubauen. Der Clou am derzeitigen Geschäftserfolg heißt Vintage. Statt neue Kleider zu entwerfen, nimmt Margit Brandt einfach ihre alten Entwürfe aus den 60ern und 70ern aus dem Schrank und modifiziert sie leicht. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass man die selben Stücke fast unverändert auch noch mehrere Jahrzehnte später tragen kann“, sagt sie. Ganz so glänzend wie zu Hochzeiten läuft es noch nicht. Die Zeiten, wo die Brandts mit dem internationalen Jetset wilde Partys feierten, sind vorbei und statt weißem Bentley stehen nun zwei schwarze VW Golf vor der Tür. Das Haus ist nicht mehr ganz so pompös wie vor ein paar Jahrzehnten, doch drinnen erinnert noch einiges an die vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten. Wie damals ist das Haus vollgestopft mit Antiquitäten und anderem Nippes aus aller Herren Länder und vor dem Wohnzimmerfenster steht auf einem Bord als sei es ein Altar ein Foto von Andy Warhol.

Für Fotos aus dem Leben von Margit Brandt hier entlang (auf der Seite der Zeitung Politiken), ihre Kollektion gibt es hier.

KOPENHAGEN. Jung, dynamisch, erfolgreich. Das ist Tue Mantoni. Gerade 36 Jahre alt und schon zum zweiten Mal Vorstandsvorsitzender eines (kleinen) Weltkonzerns. Diesmal ist das Unternehmen, das er leitet alt, statisch und erfolglos (nun gut, das ist etwas zugespitzt). Noch jedenfalls. Denn Tue Mantoni soll Bang & Olufsen verjüngen. Seit Frühjahr leitet er den Hifi-Hersteller. Wie er ihn wieder nach vorne bringen möchte, erzählte Mantoni mir kürzlich im Interview. Der zugehörige Text ist soeben in der Welt am Sonntag erschienen (dazu dieser Kurztext zu Unternehmensgeschichte und Manager.

KOPENHAGEN. Morgen präsentiert Bang & Olufsens neuer Vorstandschef Tue Mantoni seinen Strategieplan für den “Hersteller hochwertiger Unterhaltungselektronik”. B&O wird auch weiterhin mit besonders reizvollem Design verbunden. Doch in letzter Zeit ist das Wort reizvoll in diesem Zusammenhang anders zu interpretieren als früher, weniger, dass es einen ganz besonderen Reiz hat als vielmehr, dass es reizt im Sinne von provoziert. Denn gefällige Entwürfe sieht man bei B&O immer weniger, finde ich. Wer weiß, vielleicht wird morgen ja wieder ein “Back to Basics” verkündet. Ich glaube es nicht. Für Welt und art habe ich über B&Os aktuelles Design und darüber, wie wenig es zur Designgeschichte des Unternehmens passt, geschrieben. Der Dolly Parton Bezug wird in beiden Artikeln aufgeklärt, im Schlafzimmer taucht sie nur bei art auf.

HELSINKI. Die dänische Künstlergruppe Superflex hat schon einen Mc Donalds geflutet und Lampen des dänischen Designers Poul Henningsen aus Getränkedosen nachgebaut, nun widmet sie sich erneut einer Ikone. Als Festivalkünstler des vor zwei Jahren ins Leben gerufenen IHME Festivals wird die Gruppe im Zentrum von Helsinki eine 40 m² große LED-Leinwand in Betrieb nehmen. (Leider gibt es Probleme mit WordPress auf meinem Mobiltelefon, deshalb fehlt hier jetzt das Foto, das ich vor zwei Stunden dort gemacht habe). Animiert zeigen sie, wie eine der bekanntesten Bauten der finnischen Hauptstadt langsam zerfällt – der von Alvar Aalto entworfene Firmensitz von Stora Enso, eines von Finnlands größten Unternehmen. Der Film zeigt, was mit Architektur geschieht, wenn wir uns nicht um sie kümmern.

Doch ist es, weil es sich bei Stora Enso um eines von Finlands bekanntesten Industrie-Ikonen handelt, nicht zugleich eine Allegorie auf den Kapitalismus und was geschieht, wenn sich die Gesellschaft nicht um diesen kümmert?

 
Halb zerfallen erinnert das Gebäude übrigens an die Ruine des Palastes der Republik in Berlin.

Der Film dauert zehn Tage (damit ist er angeblich der längste je gezeigte) und wird am Stück rund um die Uhr auf dem Marktplatz von Helsinki aufgeführt – direkt vor dem Aalto-Bau.

Teil des Festivals sind weitere Screenings von u.a. Yoko Ono sowie eine Podiumsdiskussion mit Daniel Birnbaum, Jennifer Allen und anderen – Thema: How do we talk about art?

Für die britische The Art Newspaper habe ich bereits eine Preview geschrieben, hier zu lesen. Heute morgen habe ich mir die Arbeit ein erstes Mal (aber eben leider nur einen Ausschnitt aus dem Film) angeschaut – mehr, wenn ich etwas mehr Zeit habe, spätestens nach Rückkehr kommende Woche.

KOPENHAGEN. Vor einem halben Jahr ist der schwedische Autohersteller Volvo in chinesischen Besitz übergegangen. Der Hersteller Geely übernahm die europäische Premiummarke von Ford gemeinsam mit lokalen Investoren, Chef wurde der Deutsche Stefan Jacoby. Doch die Globalisierung geht weiter. Schon im Interview, das ich mi Jacoby für Focus geführt hatte, hatte er ehrgeizige Pläne für China verkündet. Nun wurde die konkrete Strategie für Absatz und Produktion in dem neuen zweiten Heimatmarkt vorgestellt. Für Die Welt habe ich die Pläne zusammengefasst – online hier zu lesen.

Die Kollegen von Dagens Nyheter schreiben hier zum Thema, Svenska Dagbladet hat Geely-Gründer Li Shufu interviewt.

KOPENHAGEN. Genau, das Unternehmen ging nämlich vor einem Jahr von GM in den Besitz von Spyker über. Heute wurde in Trollhättan das Jubiläum gefeiert, als “Independence Day”. Kollegin Margot Hucko und ich haben für die FTD berichtet, online hier zu lesen.

KOPENHAGEN. Dieser Tage dürfte unter Millionen Weihnachtsbäumen in Europa mindestens ein Paket mit Lego als Geschenk gelegen haben. Das Plastik-Spielzeug aus Dänemark ist auch Jahrzehnte nachdem es das erste Mal in die Geschäfte kam, eines der beliebtesten Spielzeuge. Ritter, Rennfahrer, Raumfahrer – plastikgewordene Abenteuerutopien wünschen sich viele Jungs.

Aber eben auch fast nur Jungs. Das Unternehmen hat nämlich ein Problem: es spricht vor allem männliche Kinder an. Mädchen interessieren sich kaum für die Klötze und Figuren. Damit entgeht Lego ein enormer Markt. In einem Gastkommentar für die schwedische Zeitung Aftonbladet haben die Journalisten und Eltern Ulrika Hjorth und Tobias Östberg dieser Tage eine Frauenquote für die Legokiste gefordert.

Tatsächlich entdeckt, wer sich im Lego-Katalog oder auf der Internetseite umschaut, kaum Anzeichen davon, dass weibliche Figuren im Lego Universum eine Rolle spielen. Der Verdacht liegt nahe, dass sie als Heimchen am Herd stehen und deshalb nirgends auftauchen, schließlich spielt sich in Legoland das Leben meist außerhalb der vier Plastikwände ab. Und wenn es doch einmal als weiblich zu identifizierende Figuren gibt, dann frönen sie zumeist dem Müßiggang. Hjorth und Östberg haben nur eine arbeitende Legofrauen finden können – sie füttert Schweine. Ausgerechnet aus dem fortschritllichen Nordeuropa kommt also ein Unternehmen, das ein Familienbild aus dem Deutschland der 1950er propagiert. Während überall in Westeuropa mehr und mehr Frauen auf dem Arbeitsmarkt sind, ist das weibliche Geschlecht in Legoland so gut wie nicht präsent. „Das Umgekehrte wäre selbstverständlich undenkbar. Ein Legoland in dem die Frauen herrschen wäre alsbald verurteilt worden als eine Schöpfung rabiater Geschlechterpädagogen“, so die beiden Schweden.

Allerdings muss zur Verteidigung von Lego eingewandt werden, dass es gar nicht so einfach ist, die Figuren eindeutig männlich oder weiblich zu machen. Selbstverständlich ist keinerlei primäres Geschlechtsmerkmal zu erkennen. Die sekundären glänzen häufig ebenfalls durch Abwesenheit. Bärte sind ab und an zu erkennen, ansonsten könnte man den Figuren auch Geschlechtsneutralität nachsagen. Wenn da eben nicht ständig die Rede vom Legomännchen wäre. Damit ist eigentlich akzeptiert, dass die Figurenschöpfer ihren Plastikmenschen fast immer ein X- und ein Y-Chromosom gegeben und sie damit zu Männern gemacht haben.

Der Einwand von Hjorth und Östberg kann als Teil eines dänisch-schwedischen Kulturkampfes gesehen werden. Zwar steht die Gleichstellung bei allen nordischen Ländern weit oben auf der Agenda, doch während Schweden die politisch korrekte Vorreiterrolle einnimmt, wird das Thema in Dänemark deutlich entspannter gesehen. In Schweden ist etwa der Gang zur Prostituierten schon seit Jahren illegal und selbst die konservativ-liberale Regierung erwägt eine Frauenquote für Aufsichtsräte nach dem norwegischen Vorbild einzuführen. Beides Initiativen, die in Dänemark immer wieder im Sande verlaufen, wenn sie mal wieder vorgeschlagen werden.  

Doch vielleicht herrscht in Legoland gar nicht das Partriarchat im klassischen Sinne. Die gelbgesichtigen Lego-Männchen könnten auch eine Homosexuellenwelt darstellen, so wie die blauen Schlümpfe wenn der Komiker Otto Waalkes über sie dichtet. In dem Fall würde das Lieblingsspielzeug von vielen Kindern schon früh darauf vorbereiten, dass die Welt nicht immer so ist wie es sich viele Eltern vorstellen. Das sollte auch die progressivsten Schweden zufriedenstellen. Dann bleibt allerdings die Frage, wo die Lego-Lesben leben und wo die Heteros und wieso die Plastikfiguren eigentlich gemäß ihren sexuellen Neigungen getrennt werden.

All das kann ich auf die schnelle auch nicht beantworten, wer aber mehr zur Lage von Lego und dem Geschlechterkampf um die Lego-Männchen erfahren möchte, dem sei mein Text in der Welt am Sonntag nach Weihnachten empfohlen, online hier zu lesen. Lego und Sex ist vermutlich so alt wie Lego selber, doch auch die Duplo-Figuren haben ihre Unschuld längst verloren – siehe mein Text in The Art Newspaper.

KOPENHAGEN. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Reedereien das Schlimmste hinter sich haben. Nachdem Hapag-Lloyd bereits am Mittwoch verkündet hatte, mehr Gewinn als erwartet zu machen, schraubte am gestrigen Donnerstag auch der dänische Branchengigant A.P. Moeller-Maersk seine Gewinnprognose für das laufende Jahr nach oben. Bislang hatte der Konzern für 2010 einen “moderaten Gewinn” in Aussicht gestellt. Nun hieß es in einer Presseerklärung, der Überschuss werde sich aller Voraussicht nach über dem Gewinn aus dem Jahr 2008 von damals 3,5 Milliarden Dollar bewegen. 2009 machten die Dänen noch knapp 940 Millionen Dollar Miese. Es war das erste Verlustjahr der Konzerngeschichte.

Grund für die erhöhten Gewinnerwartungen sei vor allem die Erholung des Frachtgeschäfts, teilte Maersk mit. Unsicherheit jedoch bleibe. So müsse man die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft abwarten. Vor allem Frachtsätze, Ölpreise und der Dollar-Wechselkurs müssten auf stabilem Niveau blieben, sollen am Ende des Jahres die optimistischeren Vorhersagen auch eintreffen, sagte Maersk-Chef Nils Smedegaard Andersen der BBC. Auch seien Kostensenkungen für die sich etwas entspannende Situation verantwortlich. Maersk habe die Kostenbasis pro Jahr um drei Milliarden Dollar reduziert. „Das macht uns konkurrenzfähiger.“ Andersen erklärte, dass man auch schon mit Blick auf das dritte Quartal eine gewisse Sicherheit beim Geschäftsverlauf habe. Zudem erwarte er, dass die Flotte in der Hochsaison gut ausgelastet sei.

Containerschiffe, die vorübergehend stillgelegt werden mussten, können wieder in See stechen. So gab Maersk erst neulich bekannt, dass durch die angestiegene Nachfrage sechs solcher Schiffe wieder auslaufen konnten, die man wegen der Welthandelsflaute im vergangenen Jahr bei Loch Striven vor der schottischen Küste zwangsweise langzeitgeparkt hatte.

Der Rückenwind auf den sieben Weltmeeren kommt plötzlich, “die Reedereien haben dem entsprechend schnell reagiert”, heißt es in einer aktuellen Analyse des britischen Beraterunternehmens Drewry, besonders auf das überraschend rasch ansteigende Exportvolumen Chinas. Auch für den Herbst könnten die Reedereien mit größeren Transportmengen rechnen. Drewry zufolge sei ein Anstieg von 19 Prozent bei der Kapazität der Reedereien auf den Pazifikrouten für das zweite Quartal zu verzeichnen. Bei den Verbindungen von Asien nach Europa betrage er für den gleichen Zeitraum 12 Prozent.

Trotzdem führt die gestiegene Nachfrage bei Maersk bereits zu Containerengpässen. “Uns fehlen Container und haben deshalb neue bestellt und auch angemietet”, sagte Maersk-Chef Andersen. Doch wegen der geringen Nachfrage im vergangenen Jahr hätten viele Containerfabriken schließen müssen, was die Anschaffung erschwere. Die gute Lage bei Maersk kommt auch anderen zugute. So führte ein Großauftrag der dänischen Reederei dazu, dass der Hafenlogistikkonzern HHLA entgegen vorheriger Ankündigungen auf die Schließung des Hamburger Containerterminals Tollerot verzichten kann.

KOPENHAGEN. Geely hat offenbar nicht genug Geld, um die 1,8 Milliarden Dollar schwere Volvo-Übernahme zu stemmen, denn nach Angaben des schwedischen Fernsehsenders TV4 beteiligt sich die staatliche Investorengruppe Daqing mit knapp 500 Millionen Dollar an dem Deal. Aus einem an die EU-Kommission gerichteten Dokument soll hervorgehen, dass Daqing damit in Zukunft 40 Prozent von Volvo Cars halten, Geely also mit 60 Prozent Mehrheitseigner sein soll. Daqing soll in dem Dokument als Bedingung für seinen Einstieg gemacht haben, dass die geplante Volvo-Fabrik in China dann auch in der Daqing-Region gebaut wird.

Daqing ist eine politische gesteuerte Investorengruppe in staatlicher Hand im Norden Chinas. In der gleichnamigen Provinz/Stadt wird vor allem die Petroindustrie vorangetrieben.  Bei Volvo Cars reagierte man überrascht, bemühte sich jedoch, die Entwicklung runterzuspielen. „Das kommt natürlich etwas überraschend für uns“, sagte Volvo-Informationschef Olle Axelsson. Dennoch müsse man jetzt erst einmal abwarten.

Die ohnehin schon verunsicherten Volvo-Mitarbeiter dürfte diese Nachricht weiter verstören. Zwar hat man mit dem chinesischen Staat jetzt einen potenten Geldgeber für die Übernahme und weitere Investitionen in der Zukunft, jedoch darf mit dem Einstieg Daqings de facto eine kommunale Einheit der kommunistischen Partei Chinas bei Volvo Cars mitbestimmen. In welchem Ausmaß die Interessen von Volvo denen Chinas jetzt verstärkt weichen müssen, ist unklar. Noch ist der Deal nicht abgeschlossen. Dieser letzte Schritt war eigentlich für das dritte Quartal 2010 angekündigt worden, unter den neuen Vorzeichen kann es aber gut sein, dass der Deal nochmal neu aufgerollt wird und es zu weiteren Verzögerungen kommt.

Die Nachrichtenmeldung zum Einstieg Daqings kann man sich auf der Internetseite von TV 4 anschauen. Hier der Link. Weitere Informationen und Hintergründe zur Übernahme von Volvo Cars durch Geely kann man in meinem Artikel in der FTD lesen, der erst kürzlich erschienen ist.  

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