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Vilhelm Hammershøi (1864 - 1916) Stående nøgen kvinde Statens Museum for Kunst 1909-10

Vilhelm Hammershøi (1864 – 1916) Stående nøgen kvinde Statens Museum for Kunst

KOPENHAGEN.

Der Däne Vilhelm Hammershøi gilt als Meister des stillen Interieurs, Stadtansichten sind ebenso seine Stärke. Die dänische Nationalgalerie setzt ihn jetzt in Kontext zu europäischen Zeitgenossen und versammelt eine Menge hochklassiger Kunst, doch leider widerspricht der Ausstellungsaufbau Hammershøis Qualitäten. Statt Stille herrscht Reizüberflutung. 

Bonnard, Khnopff, Munch, Carriére – die Nationalgalerie hat Arbeiten von sehr bedeutenden Zeitgenossen leihen können. Doch weil der Gedanke der Ausstellung nicht klar wird, wirkt diese Zusammenstellung ein wenig wie Namedropping. Dabei können auch kurze Hinweise manchmal ausreichen, um die Ausstellungsbesucher nicht im Unklaren zu lassen – das zeigten zum Beispiel die Kuratorinnen Christine Heidemann und Anne Kersten mit der gerade zu Ende gegangene Ausstellung Belvedere. Warum ist Landschaft schön?“ im arpmuseum Bahnohof Rolandseck. Meine komplette Ausstellungskritik ist jetzt bei art online zu lesen.  

Ein Teil der ausgestellten Gemälde des Dänen wird am 11. Juni bei Sotheby’s in London für sechstellige Summen versteigert werden.

KOPENHAGEN / NEW YORK. Nun ist die einzige im Privatbesitz befindliche Gemälde-Version von Edvard Munchs “Der Schrei” versteigert worden, für 107 Mio. exkl. Aufgeld. Der höchste auf einer Auktion je erzielte Preis. Dieser Tage findet in New York auch die Kunstmesse Frieze statt. Ich war bereits im März da und habe mir die Konkurrenzmesse Armory Show angeschaut, dort interviewte ich Direktor Noah Horowitz zur Messe und zum Kunstmarkt. Über ersteres schrieb ich einen Text für Die Welt und The Art Newspaper und zu letzterem gab es gerade beim WDR von mir einen Beitrag, gesprochen von der geschätzten Kollegin Bettina Ritter. Wer gerade keine zwei- oder dreistelligen Millionensummen zur Hand hat, um einen Munch zu kaufen, schaue sich doch einmal bei der anstehenden Munch-Auktion bei Blomqvist in Oslo um.

KOPENHAGEN. Übermorgen wird nun bei Sotheby’s in New York eine Pastell-Version von Edvard Munchs “Der Schrei” versteigert. Es ist die einzige in Privatbesitz (derzeit noch von Petter Olsen), drei andere Versionen hängen in norwegischen Museen. Das Munch Museum besitzt die größte Sammlung von Werken des Norwegers und ist beim Google-Art-Project mit dabei. Deshalb kann die dortige Version des Schrei (von 1910) zusammen mit etlichen anderen Werken genauestens daheim am Computer studiert werden und zwar hier und ohne zwei- oder dreistellige Millionen-Summen dafür ausgeben zu müssen (Mittwoch wissen wir, ob es wirklich eine dreistellige Millionensumme wird und wenn, ob in Dollar oder gar Euro).

Außerdem gibt es im e-Museum des Munch Museums noch mehr Informationen online, darunter den berühmten Satz, den Munch zum Gemälde “Der Schrei” schrieb in englischer Übersetzung (die jetzt zum Verkauf kommende Version ist übrigens die einzige, die mit diesem Text versehen ist).

Der Schrei beim Google-Art-Project

KOPENHAGEN. Im Herbst jährt sich der Ausbruch der Finanzkrise auf Island zum dritten Mal. Von einem Tag auf den anderen schien auf der Atlantikinsel das Finanzsystem zusammenzubrechen. Geir Haardes Worte “Gott schütze Island” (hier dazu mein Text bei Zeit online) werden unvergessen bleiben. Der damalige Regierungschef wußte sich wohl nicht anders zu helfen als mit dem Verweis auf höhere Mächte. In den Jahren danach gab es immer wieder Vorwürfe, dass der Kollaps so unvorhergesehen nicht gewesen sei und Haarde und seine Regierung mehr hätten tun können, um diesen zu verhindern. Das geht auch aus einem sehr umfangreichen Untersuchungsbericht hervor. Das Parlament – in dem Haardes konservative Selbständigkeitspartei mittlerweile in der Opposition war – beschloss schließlich, dass ein Sondergericht gegen Haarde Anklage erheben soll. Gestern nun fiel das Urteil – bedingt schuldig kann man wohl sagen. Er wurde in drei von vier Vorwürfen freigesprochen, die Schuld im Falle des vierten wiegt nicht schwer genug, um ihn zu bestrafen. Ein salomonisches Urteil?

Für die FTD habe ich die Ergebnisse zusammengefasst, zu lesen nur in der heutigen Printausgabe, aber ein etwas ausführlicherer Text deshalb auch hier, unter dem Bloomberg-Interview mit Haarde.

Als weltweit erster Politiker ist der ehemalige isländische Ministerpräsident Geir Haarde für Verfehlungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise schuldig gesprochen worden. Ein Sondergericht hat geurteilt, dass der frühere Regierungschef nicht sein Bestes getan habe, um den finanziellen Kollaps seines Landes zu verhindern. Haarde wurde gestern in einem von vier Anklagepunkten schuldig erklärt, bleibt aber straffrei. Demnach hat der ehemalige Spitzenpolitiker der konservativen Partei gegen das Ministergesetz verstoßen. Entgegen den Vorschriften habe er es unterlassen, die Minister über die bedrohliche Lage des isländischen Finanzsystems zu informieren, befand eine Mehrheit von neun von 15 Richtern. Haarde hatte zu seiner Verteidigung darauf hingewiesen, dies in informellen Treffen getan zu haben. Das Gericht sah dennoch einen Gesetzesverstoß.

In den weiteren Anklagepunkten war ihm unter anderem vorgeworfen worden, die Effizienz einer Arbeitsgruppe für finanzielle Stabilität nicht sichergestellt zu haben und nicht genug unternommen zu haben, um das Bankensystem in einer Größe zu halten, die für Island angemessen ist. In diesen Punkten erfolgte aber keine Verurteilung. Haarde bezeichnete das Urteil als absurd und meinte, er sei aufgrund einer Formalität verurteilt worden. Nach Meinung des ehemaligen Regierungschefs ist er Opfer eines politischen Urteils geworden. Als Zeugen geladen gewesen waren auch politische Gegner Haardes. Die derzeitige isländische Regierung besteht aus Sozialdemokraten und Linksgrünen. Eine parlamentarische Mehrheit hatte basierend auf einem Untersuchungsbericht beschlossen, nur Haarde anzuklagen.

Island war als erstes Land im Herbst 2008 in die Finanzkrise geraten. Damals führte Haarde eine konservativ-sozialdemokratische Koalitionsregierung an. Binnen weniger Tage wurden im Oktober 2008 die größten Banken des Landes verstaatlicht, private und staatliche Schulden explodierten und das ehemals so prosperierende Land geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise. Erstmals in der Geschichte des Landes wurde daraufhin die Möglichkeit genutzt, ein Sondergericht einzuberufen, um über die juristische Verantwortung von Politikern zu urteilen. Haarde war der einzige, gegen den letztlich Anklage erhoben wurde. Ihm drohten bis zu zwei Jahre Gefängnis, doch seine Schuld war letztlich zu Gering für eine Strafe. Die Prozesskosten werden vom Staat übernommen.

Haarde war während seiner Amtszeit von vielen als Marionette seines Vorgängers David Oddsson gesehen worden., Dieser hatte sich aus der Politik auf den Posten des Zentralbankchefs zurückgezogen. Während Oddssons Herrschaft war das Finanzwesen liberalisiert und die Banken privatisiert worden, als er der Zentralbank vorstand versäumte er angemessene Rahmenbedingungen zu setzen. Mittlerweile ist Oddsson Chefredakteur der traditionsreichen Zeitung Morgunbladid. Für viele ist das ein Zeichen, dass Island immer noch von Vetternwirtschaft geprägt ist.

KOPENHAGEN. Er war der dänische Patriarch – Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller, genannt Mærsk Mc-Kinney Møller. Achtundneunzigjährig ist er heute gestorben. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift mare ist ein Porträt über Mann und Reederei – selbstverständlich noch zu dessen Lebzeiten geschrieben – erschienen, Autorin ist meine Kollegin Nicole Basel, die selber länger in Kopenhagen gelebt hat.

KOPENHAGEN. Wer ein paar hundert Euro über hat, um nach New York zu reisen oder ein paar tausend zusätzlich, um sich dort Kunst zu kaufen, kann sich der Seele der Nordeuropäer mit dem Geldbeuteln nähern. Die diesjährige Ausgabe der Kunstmesse “The Armory Show” steltt nämlich die nordeuropäische Kunstszene in den Fokus. Neben Galerien sind auch erstaunlich viele “artist run spaces” vertreten. Einen Überblick gibt die Messe selber und zwar hier.

KOPENHAGEN. Das Auktionshaus Sotheby’s hat heute vermeldet, eine Version des Gemäldes “Der Schrei” von Edvard Munch (1863-1944) zu versteigern. Es ist das einzige handelbare Exemplar des bekanntesten Motivs von Munch – alle anderen Schrei-Gemälde sind im Besitz norwegischer Museen und die verkaufen bekanntlich nicht, Lithographien haben auch deutsche Museen.

Erste Schätzungen lauten deutlich über 50 Mio. Euro. “Der Schrei” ist auch deshalb so berühmt, weil er (in jeweils unterschiedlichen Versionen) gleich zweimal gestohlen und wieder aufgetaucht ist. Auch die Aufmerksamkeit, die das Werk durch diese Diebstähle bekommen hat, dürfte zum beträchtlichen Preisanstieg der Bilder Munchs beigetragen haben. Diese These wird bereits in diesem Text von mir für The Art Newspaper im Sommer 2008 vertreten.

KOPENHAGEN. Angela Merkel ist derzeit die starke Frau in Europa, so sieht es auch die ausländische Presse. Und Deutschland ist einmal mehr die starke Wirtschaft. Beides spielt bei der derzeitigen Krise eine große Rolle und ist Anlass für den Leitartikler der Zeitung Dagens Nyheter schwedischen Schülern zu empfehlen wieder mehr Deutsch zu lernen. (Dank an Kollege Gunnar Herrmann über dessen tweet ich auf den Leitartikel stieß).

KOPENHAGEN. Um es vorwegzunehmen, Dänemark ist weit von den finanziellen Problemen Griechenlands entfernt und gehört zu den Ländern Europas, über die sich die Politik angesichts der Krise wohl geringere Sorgen machen muss. Mehr dazu beispielsweise im aktuellen Länderbericht Dänemark der OECD.

Doch Dänemark hat ein Problem, dass Griechenland besonders plagt: Bürger und Unternehmen des Landes stehen beim Staat massiv in der Kreide. Rund 10 Mrd. Euro schulden sie Kopenhagen – nicht gezahlte Steuern, Parkbußen und dergleichen. Das ist viel Geld und realistisch gesehen lässt sich nur die Hälfte eintreiben. So wie Unternehmen immer wieder damit rechnen müssen, das ein Teil der Forderungen ausbleiben, weil Kunden Pleite gehen, betrügen o.ä. müssen das auch Kommunen und Staaten. Völlig ausgeschlossen werden kann das nie, doch der hohe dänische Betrag verwundert. Selbst ein so effizienter Staat wie der nordeuropäische kann also noch besser werden. Gleichzeitig kann davon ausgegangen werden, dass es in Deutschland oder Frankreich womöglich gar nicht so anders aussieht. Mit dem Unterschied, dass es dort keine zentrale Stelle gibt, die alle Schulden (also eben nicht nur Steuerschulden, sondern auch Parkbußen und ähnliches) eintreiben soll. Denn nur, weil es seit 2006 der dänische Staat ist, der sich um all diese Gelder kümmert, ist die Gesamtsumme überhaupt bekannt. Woanders mag diese also viel höher liegen, nur weiß davon niemand.

Zum Thema ein Text von mir in der Financial Times Deutschland und online hier.

KOPENHAGEN. Die Mehrwertsteuersätze für das Hotel- und Gaststättengewerbe zu senken, scheint ein konservativ-liberales Aushängeschild zu sein. In Deutschland war es die FDP in der Koalition mit der CDU/CSU, die Hoteliers den ermäßigten Steuersatz bescherte und in Schweden hat die konservativ-liberale Koalition das nun für Restaurants und Bars zum 1. Januar 2012 umgesetzt. Niedrigere Preise sollen zu mehr Nachfrage und so mehr Beschäftigung führen, so die simple Rechnung. Doch die wurde im wahrsten Sinne des Wortes ohne den Wirt gemacht. Denn in den ersten Wochen nach der Reform zeigt sich in Schweden, dass Preise nicht entsprechend gesunken sind, sondern die Gaststätten den Betrag, den sie nun nicht mehr als Mehrwertsteuer an den Staat abgeben müssen, einfach behalten. Marktwirtschaft eben, von daher juristisch nicht zu beanstanden. Oder gibt es etwa illegale Preisabsprachen und deshalb setzen die Gaststätten fast ausnahmslos die Preise nicht runter, wie die Zeitung Dagens Nyheter berichtet?

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