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Bukowskis Auktionskatalog (Foto: Bomsdorf, Bukowskis)

Bukowskis Auktionskatalog (Foto: Bomsdorf, Bukowskis)

STOCKHOLM. Das Bild mit den Frauen im 80er-Jahre-Look war mir gleich aufgefallen als ich zu einem Treffen beim Auktionshaus Bukowskis auch diesmal durch das Labyrinth-artige Haus geführt wurde. Es wirkte wie ein Richard Prince, aber so ganz konnte ich es nicht glauben, dass dieser in Stockholm verkauft werden sollte. Doch es war wirklich einer und er ziert auch den Titel des Katalogs für die Auktion Mitte November. Ebenso gibt es eine Version mit einem Bild von Cecilia Edefalk auf dem Titel – die derzeit neben Karin Mamma Andersson wohl teuerste lebende schwedische Künstlerin. Als ich gefragt wurde, welche Katalog-Ausgabe ich mitnehmen wolle, wurde plötzlich auch noch einer mit Stills aus zwei Nathalie Djurberg-Filmen angeboten. In einer Reihe mit Prince und Edefalk – meine schwedische Favouritkünstlerin ist ganz oben bzw. – da auf dem Umschlag – vorne angekommen. Hätte ich mir bloß 2004 als ich Djurberg zum ersten Mal sah und gleich ganz fasziniert war, eines ihrer Videos gekauft. Verkaufen würde ich es aber jetzt wohl trotzdem nicht.


KOPENHAGEN. Wenn es in der internationalen Presse einen Lobbyisten Nordeuropas gibt, dann ist es Tyler Brûlé. Während – von reinen Architektur- und Designmagazinen einmal abgesehen – Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden in Magazinen meist kaum vorkommen, ist mir keine Ausgabe von Monocle untergekommen, in der nicht zumindest aus einem der Länder eine größere Geschichte war. Über den journalistischen Tiefgang der Texte lässt sich streiten, aber die Themen jedenfalls waren immer interessant und nicht selten originell. Auch vor Gründung von Monocle war  Brûlé schon Fan dieser Region, vor 13 Jahren kaufte er sich gar ein Sommerhaus mit eigener Insel (so schlecht scheint manch ein Journalist gar nicht bezahlt…) in den Stockholmer Schären. Doch weil er immer weniger Zeit fand sich dort auszuruhen, wird das Eiland jetzt verkauft, wie Tyler Brûlé in seiner Spiegel Online-Kolumne erzählt.


KOPENHAGEN. Heut nacht hat die schwedische Kronprinzessin Victoria eine Prinzessin geboren. Das ist den deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstallten natürlich viel Aufwand wert. ARD und ZDF werden bei der morgigen Zeremonie aus diesem Anlaß gleich mit mehreren Teams vertreten sein – kein anderer Auslandssender erlaubt sich das. Man muss halt Prioritäten setzen. Eine Übersicht über die schwedische und ausländische Presse morgen, gibt es hier.


KOPENHAGEN. Bonniers Kunsthalle ValentinreklameAm Valentinstag haben alle die rosarote Brille auf. So scheint es jedenfalls manchmal. 2 for 1 ist noch begehrter als sonst. Nicht so bei Bonniers Kunsthalle in Stockholm. Dort heißt es nämlich “Alleherzenstag (also Valentinstag) ist nicht für alle.” (siehe Bild). Wer heute alleine in das Museum kommt, zahlt nur den halben Eintritt. Wer zu zweit kommt, hingegen zweimal voll. Der letzte Satz des Plakats heißt “Bonniers Kunsthalle – nicht für alle.”


KOPENHAGEN. Nur kurz aus aktuellem Anlaß der Hinweis auf meinen Bericht für Die Welt zu den Festnahmen von heute.


KOPENHAGEN. So schrechlick das Attentat vom Samstag ist, sei nicht nur daran erinnert, dass derartige Vorkommnisse im Irak und anderen Ländern leider zum Alltag gehören, sondern auch daran, dass es auch in Schweden schon vor dem 11. Dezember 2010 durchaus Terror gegeben hat. Unter anderem wurden Geiseln in der Deutschen Botschaft in Stockholm genommen, die das Gebäude dann in die Luft sprengten. Das ist schon einige Zeit her, was sonst in Schweden in den vergangenen Jahren so alles geschehen ist, das lässt sich in diesem Text in Sydsvenskan lesen.


KOPENHAGEN. Es naht der Herbst. In Dänemark bedeutet das: Die Verhandlungen um das Staatsbudget für das kommende Jahr stehen an. Und während man in Schweden gespannt darauf schaut, wie die rechtskonservativen Sverigedemokraterna bei der Paramentswahl am 19. September abschneiden werden, muss sich die Regierung in Kopenhagen einmal mehr mit der rechtskonservativen Dansk Folkeparti herumplagen. Aus der rechtsliberalen Regierungskoalition unter Premier Lars Løkke Rasmussen waren ja schon Stimmen vorsichtiger Hoffnung zu hören, dass die Truppe um Pia Kjærsgaard (Sie duldet diese Koalition seit 2001.) in diesem Jahr auf überzogene Forderungen bei der Integrations- und Einwandererpolitik verzichten und an den Verhandlungstisch tritt, ohne den beiden Regierungsparteien die Pistole auf die Brust zu setzen. Doch zu früh gehofft.

Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder eine Wunschliste, die die Danks Folkeparti erfüllt haben will. Ein Wunsch hat es dabei in sich. So meldete sich heute der finanzpolitische Sprecher der Partei, Kristian Thulesen Dahl mit folgender Forderung zu Wort: Einwanderer aus nicht-EU-Ländern sollen in Dänemark zunächst sieben Jahre Steuern gezahlt haben, ehe sie in den Genuss der wohlfartsstaatlichen Fürsorge kommen können. Im Klartext heißt das: keine Anrecht auf eine gesetzliche Krankenversicherung, keine Sozialhilfe, kein Kindergeld, kein Anrecht auf eine Mitgliedschaft in einer Arbeitslosenversicherung. Und das, obwohl man ganz normal seine Steuern bezahlt. “De skal yde, før de kan nyde”, sagte Thulesen Dahl. Was frei übersetzt so viel heißt wie: “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.”

Mal ganz abgesehen davon, dass es äußerst fragwürdig ist, einem steuerzahlenden Bürger (und die Sätze sind ja nicht gerade niedrig in Dänemark) in den ersten sieben Jahren die entsprechende Gegenleistung zu verweigern, so dürfte der Vorschlag auch nicht gerade anziehend wirken auf hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem nicht-EU-Ausland. Die Dansk Folkeparti will daher die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen, die ihre Angestellten beispielsweise privat krankenversichern sollen. Haben die Arbeitgeber darauf aber keine Lust, dann bleiben die Kosten dafür an den Angestellten hängen.

Der Dansk Folkeparti scheint das egal zu sein. Sie folgt weiterhin ihrem Patentrezept zum Erhalt des Wohlfahrtsstaats: Kosten gespaart werden soll in allererster Linie bei den Einwanderern. Dabei hat Dänemark auch deshalb im europäischen Vergleich verhältnismäßig schwer an den Folgen der Wirtschaftskrise zu knabbern, weil sich das Land einen aufgeblähten öffentlichen Sektor und die im OECD-Vergleich zweithöchsten (hinter Norwegen) Löhne leistet. Arbeit ist teuer in Dänemark, sehr teuer. Immer mehr Arbeitsplätze, auch für Hochqualifizierte, verschwinden deshalb im Ausland. Die Dansk Folkeparti sieht hier jedoch offenbar keinen Reformbedarf, sondern will den kostenintensiven Staat nahezu ausschließlich auf ihre Art finanzieren.

Steuern zahlen ohne Gegenleistung: ein weiterer Vorschlag der Dansk Folkeparti, den man in dieser Form kaum ernst nehmen kann. Und trotzdem darf wieder einmal davon ausgegangen werden, dass die beiden Regierungsparteien Venstre und Konservative Folkeparti zumindest Gesprächsbereitschaft signalisieren werden. Das glaubt auch Kristian Thulesen Dahl: “Die Regierung hat doch sicher ein Interesse daran, ihren Staatshaushalt für das Jahr 2011 durchs Parlament zu bringen.” Geiselnahme, die x-te.

In Schweden wird es zu so einer verhängnisvollen Konstellation nicht so einfach kommen. Dafür sind die Sverigedemokraterna nicht stark genug, und dafür sind die Vorbehalte der im Reichstag etablierten Parteien gegen die Rechtskonservativen zu groß. Die Vorsitzende der Sozialdemokraten in Schweden, Mona Sahlin, sagte vor einigen Wochen, dass die Wähler doch bitte alles unternehmen mögen, um dänische Verhältnisse zu verhindern. Damit ist Sahlin seit einiger Zeit vor allem bei der Dansk Folkeparti, aber auch tendenziell in den dänischen Medien die Buhfrau. Dabei wird ihre Meinung eigentlich von allen anderen Parteivorsitzenden geteilt.


KOPENHAGEN. Über den Gründer der Entüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, wird derzeit viel gesagt und geschrieben. Von den einen gefeiert als Held und Hoffnungsträger, als Tribun der Transparenz, der als einer der wenigen das Informationsmonopol einer von Regierungen und Führungscliquen beherrschten Welt zu durchbrechen versucht. Von anderen verteufelt als jemand, der aus purem Profilierungsdrang geheime Dokumente veröffentlicht und damit auch Menschenleben in Gefahr bringt. 

Man mag zu Assange stehen wie man will. Jedenfalls umgibt dem Ex-Computerhacker aus Australien inzwischen eine mystische Aura. Wenig ist bekannt aus dem Leben Assanges. Und wenn er irgendwo auftaucht, um eine neue Enthüllung anzukündigen, dann ist er meist ebenso schnell wieder verschwunden. Alles scheint interessant zu sein an dem Mann, der einerseits kaum Geld haben soll, so dass er bei seinen Reisen um die Welt stets bei Freunden übernachten muss, andererseits den Mitarbeitern im Pentagon ordentlich den Schweiß auf die Stirn treibt. Die Welt möchte alles wissen über diesen Robin Hood des Informationszeitalters, der geheimes Wissen den Mächtigen nimmt, um es den Machtlosen zu geben. Was hat er als nächstes vor? Was denkt er? Was sind seine wahren Beweggründe? Ja, selbst was Assange beim Essen so auf dem Teller hat, scheint von Interesse zu sein.

Nun hält sich der Enthüller schon seit einiger Zeit in Schweden auf, wo er am Sonntag mit dem Chef der Piratenpartei, Rick Falkenvinge, zusammentraf. Die beiden saßen gemeinsam im Glennfiddich Warehouse in der Stockholmer Altstadt zusammen und schmiedeten Pläne. Am Ende stand eine von beiden unterzeichnete schriftliche Vereinbarung: Die besonders für Bürgerrechte im Internet eintretende Piratenpartei stellt Wikileaks künftig mehrere Server zur Nutzung bereit, auf denen das brisante Material der Enthüllungsseite gelagert werden kann. „Kostenfrei, versteht sich“, sagte mir Falkenvinge, der von Assange als einem „netten Zeitgenossen“ spricht. „Wir sind froh, dass wir mit einer Organisation zusammenarbeiten können, mit denen wir viele Werte teilen.“

Abgemacht. Wikileaks-Gründer Julian Assange und Piratenpartei-Chef Rick Falkenvinge am Sonntag nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags im Glenfiddich Warehouse in der Stockholmer Altstadt (Foto: Piratpartiet)

Abgemacht. Wikileaks-Gründer Julian Assange und Piratenpartei-Chef Rick Falkenvinge am Sonntag nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags im Glenfiddich Warehouse in der Stockholmer Altstadt (Foto: Piratpartiet)

Die Motivation der Piratenpartei ist offensichtlich. Es geht um eine zusätzliche Absicherung vor einer möglichen Polizeirazzia oder Beschlagnahmung von Servern. Schweden sah sich ja in jüngster Vergangenheit zunehmend dem Druck der US-Regierung ausgesetzt, die ein härteres Vorgehen gegen die den USA unliebsame Internetplattform fordert. Neben Belgien unterhält Wikileaks bereits Server in Schweden. Sie befinden sich im Stockholmer Stadtteil Solna und werden von der Firma PRQ AB betrieben. Falkenvinge glaubt, dass es wohl einen wesentlich höheren politischen Preis kosten würde, die Server einer politischen Partei anzutasten als die eines Unternehmens.

Für beide Seiten ist das eine Win-Win-Situation. Assange und Wikileaks bekommen den zur Zeit größtmöglichen Schutz, weil so von einer politischen Partei protegiert werden, noch dazu in Schweden, wo der Quellenschutz verfassungsrechtlich garantiert ist. Und die Piratenpartei bekommt wieder einmal Aufmerksamkeit, die sie einen Monat vor der Parlamentswahl so dringend benötigt. Denn von dem Erfolg bei der Europawahl im vergangenen Sommer, wo die Partei mehr als 7 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen und zwei Abgeordnete ins EU-Parlament schicken konnte, ist man weit entfernt. Ebenso von der 4-Prozent-Hürde, die es zu nehmen gilt, will man in den schwedischen Reichstag einziehen. Da kann eine Zusammenarbeit mit Wikileaks nicht schaden, dürfte die Internetgemeinde Julian Assange und sein Projekt ebenso anhimmeln wie die Piratenpartei.

Und wer es dann doch noch wissen will: Bei seinem Treffen mit Rick Falkenvinge bestellte Julian Assange Köttbullar aus Elchfleisch. Es soll ihm gut geschmeckt haben.

Einen Artikel zur neuen Liaison der schwedischen Piraten und Wikileaks von mir ist heute in der Welt erschienen, den man auch online lesen kann.


MALMÖ. Ich hatte Glück und bekam kurzfristig einen Termin bei Malmös Bürgermeister Ilmar Reepalu. Gerechnet hatte ich damit nicht, zumal ich seiner Pressesprecherin am Telefon gesagt hatte, worüber ich gerne mit ihrem Chef sprechen würde: den wachsenden Antisemitismus in Schwedens Stadt am Öresund. “Das ist kein Problem, Ilmar Reepalu erwartet Sie um 11.30 Uhr in seinem Büro.” Ok, dachte ich, der Mann stellt sich. Das ist man ja nicht von allen Politikern gewohnt. Vor allem, wenn es sich um ein Thema handelt, das ihnen unangenehm ist. Und das ist bei Reepalu ohne Zweifel der Fall, wenn man auf die Situation der Juden in Malmö zu sprechen kommt. Zumal der Politiker sich in dieser Sache wegen äußerst fragwürdiger Äußerungen, die gegen die jüdische Gemeinde in Malmö gerichtet waren, heftiger Kritik ausgesetzt sah und immer noch sieht.

Reepalu hat in seiner Stadt ein veritables Problem. Immer mehr Juden kehren Malmö den Rücken. Denn je mehr die muslimische Bevölkerung wächst, desto stärker wird der Antisemitismus in Schwedens drittgrößter Stadt. Laut Statistik der Sicherheitspolizei Säpo hat sich die Zahl antisemitischer Straftaten in der Region im Jahr 2009 verdoppelt: Es gab Friedhofsschändungen, Randale in koscheren Geschäften und Brandanschläge gegen jüdische Einrichtungen. Viele Juden fühlen sich deshalb nicht mehr sicher, packen ihre Koffer und ziehen entweder nach Stockholm oder (die Mehrheit) gleich nach Israel. Und hier wird das Antisemitismus-Problem der Stadt Malmö auch zu einem ganz persönlichen Problem für Ilmar Reepalu. Denn dem Bürgermeister fiel nichts bessers ein, als die Problematik zu leugnen und zu sagen, dass das nicht sein Problem sei, wenn Juden aus Malmö zurück nach Israel zögen. Und vielleicht, so Reepalu, müssten sich die in Malmö lebenden Juden nur deutlich genug von der Politik des Staates Israel distanzieren, damit der Hass gegen sie keine neue Nahrung bekäme. Das war im Januar, als die Ausschreitungen gegen Juden und ihre Einrichtungen in Malmö einen neuen Höhepunkt erreichten.

Nun, sieben Monate später, bittet Ilmar Reepalu also in sein Büro im 7. Stock des Rathauses. Sein Händedruck ist fest, der Blick sucht den seines Gegenübers, die Stimme sanft. Und dann erzählt er seine Version der Geschichte. Es ist die Erzählung eines Missverstandenen, der lediglich falsch zitiert worden war. “Ich habe mich da vielleicht auch etwas ungeschickt ausgedrückt”, gibt er dann doch zu. Dennoch, und daran halte er nach wie vor fest: Er sei ein Gegner der israelischen Besatzungspolitik, er sei ein Gegner von Raketen, die das israelische Militär auf den Gazastreifen abfeuere. “Dazu stehe ich.” Das mag sein, und mit dieser Einstellung ist Reepalu sicher nicht allein auf dieser Welt. Im Gegenteil. Ein vorbehaltloses Abnicken israelischer Politik gibt es eigentlich nur noch in den USA. Selbst in Deutschland, wo man ja aus historischen Gründen in der Causa Israel immer besonders vorsichtig ist, werden nehmen die Stimmen zu, die das Vorgehen und die Ansprüche des Staates im nahen Osten in Frage stellen. Wie gesagt, Ilmar Reepalu ist mit seiner Meinung nicht allein.

Vorwerfen lassen muss sich Reepalu auf jeden Fall, die Jüdische Gemeinde in Malmö mit der aggressiven Außenpolitik Israel in einen Topf zu werfen, das Volk Israels mit dem Staat Israel gleichzusetzen. Bald sind Wahlen in Schweden, es leben eine halbe Million Muslime dort, ein Fünftel davon in Malmö. Und die Sozialdemokraten wollen zurück an die Macht. Reepalus gedankenloser Umgang mit Begriffen könnte also auch politisches Kalkül sein, was die Sache nicht besser machen würde. Auch wenn Reepalu inzwischen von seinen Äußerungen Abstand genommen, jüdische Gemeindevertreter getroffen, den späten Rüffel seiner Parteichefin Mona Sahlin eingesteckt und ein Dialogforum eingerichtet hat – für viele Juden gibt es keinen Weg zurück.


STOCKHOLM. Es war ein lustiger Abend. Ich war mit zwei Kollegen in Södermalm unterwegs. Wir aßen Pfifferlingkuchen und tranken Bier. Ich war in den vergangenen 12 Monaten nicht so wahnsinnig oft in Stockholm, und ich freute mich, mal wieder in meiner ehemaligen zweiten Heimatstadt zu sein. Es wurden deshalb recht viele Biere. Irgendwann so gegen 1 Uhr machte ich mich auf den Rückweg zum Hotel nicht weit vom Stureplan im Stadtteil Östermalm. Ich fuhr mit der U-Bahn von der Station Slussen zum Hauptbahnhof, wollte dort umsteigen, machte aber den Fehler, mich noch auf zwei Cheeseburger bei McDonald’s einzulassen. Denn nach dem Verzehr fuhr die U-Bahn leider nicht mehr. Also musste ich zu Fuß weiter. Die Kungsgatan entlang bis zum Stureplan. 400, 500 Meter vielleicht. Ein Klacks.

Auf dieser kurzen Strecke kam ich an zwei Schlangen vorbei. Menschen standen da in Reih und Glied und warteten, bis sie rein durften. Nicht in Nachtclubs etwa, sondern in Handyläden. Um 0.00 Uhr nämlich startete in Schweden offiziell der Verkauf des neuen iPhone 4. Mir ist das ehrlich gesagt irgendwie entgangen. Aber offenbar nicht den Menschen in Stockholm. Denn so gegen 2 Uhr waren die Schlangen immer noch lang. Drinnen standen Frauen und Männer und hielten ihre neuen Babys voller Erhfurcht und Liebe in ihren Händen, und draußen wollten es ihnen Hunderte gleichtun. Es gab sogar Türsteher, die den Andrang kanalisieren mussten. Ich zückte mein altes Sony Ericsson und fotografierte die wartenden Menschen und ging weiter.

Warten auf das iPhone4. Vor einem Handyladen in der Kungsgatan in Stockholm. (Foto: Jung)

Warten auf das iPhone4. Vor einem Handyladen in der Kungsgatan in Stockholm. (Foto: Jung)

Heute morgen las ich dann in der Zeitung, dass im schwedischen Borås zwei Jungs 37 Stunden vor einem Geschäft ausgeharrt hatten, nur um die ersten zu sein. Muss jeder selbst wissen.

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