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REYKJAVÍK/BASEL. Island hat eine kleine, aber lebendige Kunstszene (darüber schrieb ich bspw. kürzlich für artnet und schon früher u.a. für art, The Art Newspaper und Rheinischer Merkur – als es diesen noch gab), gemessen an der Größe des Landes ist aber Einiges los, so viel, dass wie in großen Städten ausgewählt werden muss, was man sich anschaut.

Anders sieht das bei der kommerziellen internationalen Galerienszene des Landes aus, die besteht lediglich aus i8. Keine andere isländische Galerie nimmt an den großen Kunstmessen teil oder hat so viel Kundschaft außerhalb des Landes wie die Galerie von Börkur Arnarson.  Am Rande des Reykjavík Arts Festivals 2012 interviewte ich ihn kürzlich, jetzt ist er in Basel auf der dortigen Kunstmesse, wo ich ihn auch traf und mir das Ergebnis von Ragnar Kjartanssons Beitrag zur Venedig Biennale 2009 anschaute, das i8 gemeinsam mit Luhring Augustine aus New York bei Art Unlimited ausstellte. Bei artnet erschien soeben mein Interview mit Börkur Arnorson, in dem es natürlich auch um Kjartansson geht.


KOPENHAGEN. Walfang und Whalewatching – im Hafen von Reykjavík herrscht die friedliche Koexistenz. Links des Piers liegen die mit Harpunen bewaffneten Walfangschiffe und rechts die mit Ferngläsern ausgestatteten Boote für die Walbeobachtung. Dass Island eine Walfangnation ist, wurde den die Meeressäuger liebenden Touristen nie verschwiegen, doch näher anschauen durften sie sich die Boote bisher nicht. Schließlich werden im Zoo auch keine Fasanenjagden veranstaltet. Gunnar Bergmann Jónsson will das ändern und den Island-Touristen etwas ganz Besonderes bieten: „Whalewatching mit einem Walfänger“. Jónsson ist Chef der Firma Hrefnuveiðimenn, zu deutsch Zwergwalfänger. Noch übernächste Woche will er die ersten Touristen mit auf sein Boot Hrafnreyður nehmen. „Wir wollen den Leuten zeigen, was Walfang wirklich bedeutet, ihnen die Geschichte und die Jagd heute nahebringen“, sagt Jónsson. So seien es spanische und norwegische Jäger gewesen und nicht isländische, die vor einigen hundert Jahren den Walfang vor Islands Küste begonnen hätten. Jónsson will den Gästen auch zeigen, dass der Beschuss der Wale so grausam nicht ist. „Wir haben hochmoderne Harpunen aus Norwegen, normalerweise sterben die Tiere binnen einer Sekunde. Töten ist nie schön, aber ich sehe da keinen Unterschied zur Schlachtung eines Hühnchens“, so Jónsson. Zum Abschluss der Tour zeigt er den Gästen die Walfleischfabrik. Ein sehr humanes Programm und ganz anders als das, was die Touristen im neusten Film des isländischen Star-Autoren Sjón geboten bekommen.

Bei einer Walbeobachtungstour geraten sie in die Hände von penetranten Walfängern. Die Begegnung endet in einem einzigen Gemetzel – Menschen nicht Wale werden harpuniert. Titel des Films: Reykjavík Whale Watching Massacre. In der Financial Times Deutschland ein Text von mir zum Thema (nur in der Printausgabe zu lesen, dafür aber auf Seite 1).


KOPENHAGEN. Dass es auf Island finanziell derzeit nicht zum besten steht, ist bekannt. Die Mäzenin Francesca von Habsburg, großer Fan von Island und der dortigen Kunstszene, wollte dem Lande unter die Arme greifen und einen Teil ihrer Kunstsammlung in Reykjavík längerfristig ausstellen – gemeinsam mit dem Nylo / Living Art Museum, das u.a. einige Werke von Dieter Roth besitzt.

Für die isländische Kunstszene sammelte sie auch Geld bei einer Auktion im vergangenen Februar. Rund eine halbe Million Britische Pfund kamen bei der Versteigerung be Philips de Pury in London zusammen. Doch seither ist nicht viel passiert und Island fragt sich nun: wo bleibt das Geld? Für The Art Newspaper habe ich darüber bereits zweimal berichtet (leider ist nur ein Text online, also: abonnieren! ;-) ) . Von Habsburg verweist auf die unklare Situation. Sie hatte damit gerechnet, dass ihr für die Sammlung ein Haus zur Verfügung gestellt wird, aber das können die Isländer derzeit nicht längerfristig garantieren. So angetan sie von der Idee von von Habsburg sind, hatten sie doch gehofft, nicht auch noch selber mit Geld (= kostenlosem Ausstellungsraum) beitragen zu müssen, aber da haben sie die Rechnung wohl ohne von Habsburg gemacht, die zwar als großzügig gilt, aber auch ihre eigenen Interessen im Blick hat.


KOPENHAGEN. Tu felix Islandia – das kleine Land am nordwestlichen Rande Europas ist wirklich mit Kreativität gesegnet. Nun soll diese die Hauptstadt regieren. Bei den gestrigen Kommunalwahlen siegte in Reykjavík die Partei “Besti flokkurinn” des Stand-Up-Comedian Jón Gnarr. Knapp 35 Prozent der Stimmen und damit mehr als jede andere Partei erhielt die “Beste Partei”.

Als Parodie auf das Establishment gegründet, muss “Besti flokkurinn” nun beweisen, wirklich besser zu sein. Spitzenkandidat Gnarr hatte verkündet, vor allem an einem sicheren Job und einem angemessenen Büro interessiert zu sein. Er wollte aussprechen, was nach Meinung vieler das Gros der Politiker, die das Land abgewirtschaftet haben, nur denken.

Im Wahlvideo (das hier auf YouTube mit englischen Untertiteln zu sehen ist) waren die Forderungen der Partei zu hören, darunter “kostenlose Handtücher in allen Pools” (und davon gibt es auf Island viele). Doch, so sagte mir Einar Örn, ehemaliger Sanger der Sugarcubes und nun ebenfalls Stadtratmitglied, vor ein paar Wochen: “Wir haben versprochen, alle unsere Versprechen zu brechen. Inklusive diesem”. Paradox wollen sie also auch noch sein. Aber immerhin bringt der Wahlsieg nun einen großen Teil an politisch völlig unerfahrenen Leuten und zumindest in diesem Fall gewöhnlichen Bürgern an die Macht. Vielleicht ist es gerade das, was Reykjavík und Island jetzt braucht.


Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Das Stadtbild ist während des diesjährigen Reykjavík Arts Festivals eine der großen Ausstellungsorte. Anderthalb Jahre nach dem Bankenkollaps thematisieren die Künstler natürlich die Krise. So beschäftigen sich mehrere Fotografen (Hlynur Hallsson oder Ingvar Högni Ragnarsson) der zum Teil im Freien stattfindenden Ausstellungsserie „Reality Check“ mit den sichtbaren und weniger sichtbaren Zeichen der Krise: Demonstranten, arbeitslose polnische Arbeiter und von Investoren im Stich gelassene Bauprojekte sind an Hausfassaden und Bauzäunen in der Innenstadt von Reykjavik zu sehen – gleichzeitig sind im Gericht nebenan Demonstranten angeklagt und die ersten Bankmanager sind verhaftet worden und werden – so hoffen viele Isländer – auch bald auf der Anklagebank sitzen.

David Byrne, Frontmann der Talking Heads und seit einiger Zeit bildender Künstler, nimmt ebenfalls am Reykjavík Arts Festival teil. Er bespielt Plakatständer im Stadtzentrum. Byrne stellt der Öffentlichkeit Fragen, das klingt schon beinahe etwas klischeehaft, denn Fragen stellen, da ist man sich schnell einig, das soll die Kunst. Doch, wenn Byrne mitten in der Krise zwischen Fragen zu den kleinen Dilemmata des Alltags die Isländer und natürlich uns Besucher auch fragt, was wir tun würden, wenn wir unsere Freunde gegen eine Menge Geld eintauschen könnten, dann wirkt seine Arbeit. Früher wäre diese Frage wohl nicht hervorgestochen, doch im derzeitigen Kontext ist sie etwas anderes.

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)


Schlange vor dem Gerichtssaal in Reykjavík. (Foto: Bomsdorf)

Schlange vor dem Gerichtssaal in Reykjavík. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÌK. Endlich geht es los, sagen sich die Isländer. Anderthalb Jahre nach Ausbruch der Krise ist die Aufarbeitung in vollem Gange, im April wurde der Untersuchungsbericht präsentiert, vor gut einer Woche gab es die ersten Verhaftungen bekannter Banker und Sigurdur Einarsson, Ex-Aufsichtsratschef von Kaupthing, wird von Interpol gesucht.

Ein aufesehenserregender Gerichtsprozess ist auch schon im Gange. Neun Leute sitzen auf der Anklagebank. Doch es sind nicht etwa ehemalige so genannte Finanzwikinger, sondern gewöhnliche Bürger, die ihr Demonstrationsrecht genutzt haben. Ende 2008 demonstrierten tausende von Isländern gegen die Regierung und den Schlamassel, in denen sie gemeinsa mit den Banken, das Land gebracht hatte. Die Demonstrationen fanden vor dem Parlament statt, einige Demonstranten gingen auch in das Gebäude. Genau das wird ihnen nun vorgeworfen, denn wer das Parlament angreift, der soll mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bestraft werden, heißt es im isländischen Gesetz. Während die Demonstranten sagen, sie hätten nur von ihrem Recht Gebrauch gemacht, den Gang des Parlaments als Zuschauer zu verfolgen, wird ihnen von der Anklage vorgeworfen, das Parlament angegriffen zu haben. Ein Schauprozess sei das, sagte mir eine Isländerin, die den Prozess verfolgen wollte.

Der Andrang am dritten Prozesstag war riesig, denn erneut wollten die Isländer von ihrem Recht gebrauch machen, diesmal dem, Prozesse zu verfolgen. Doch der Platz im Gerichtssaal reichte bei weitem nicht aus, schätzungsweise 200 Leute mussten draußen bleiben. Viele von ihnen waren auch gekommen, um durch ihre Anwesenheit zu demonstrieren, dass sie von diesem Prozess nichts halten. “Lächerlich”, sei das Ganze, so ein Isländer zu mir.


KOPENHAGEN. Während der Flugverkehr nach Island sich angeblich wieder normalisiert (nur mein Flieger ist erneut verspätet) berichten Freunde aus Reykjavík von Asche im Haar – bisher war die isländische Hauptstadt vom Ausbruch des Eyjafjallajökull unberührt, damit war es zumindest gestern abend vorbei.


Blick von der Dachterrasse des Arnarhvoll (Foto: Bomsdorf).

REYKJAVÍK. Der Großteil der Touristen dürfte wegen der Natur nach Island kommen. Die beginnt gleich außerhalb von Reykjavík; schon an der Uferstraße entlanggehend sind der Nordatlantik und der Hausberg Esja zu sehen.

Um einen solchen Blick schon zum Frühstück zu genießen, sei das Centerhotel Arnarhvoll empfohlen (Nein, ich bekomme von den Centerhotels weder Geld, noch Rabatt, sondern weise aus Überzeugung hier zum zweiten Mal auf ein Haus dieser kleinen Kette hin). Vor den Fenstern des Frühstückssaals im achten Stock wird ein Filmkulissenhaftes Panorama präsentiert, links neben der Natur das noch unfertige Konzerthaus.

Hotelfrühstücksbuffets sind oft ein Graus, eintöniges Essen, Gedrängel und Enge – einiges davon auch hier, aber der gute Blick entschädigt, zumal, wenn die Frühstückszeit so gewählt ist, dass der Saal fast leer ist. Große Fenster erlauben gute Sicht, völlig unblockiert ist diese von der Dachterrasse.

Auch sonst gehört das Arnarhvoll zu den besseren Hotels der isländischen Hauptstadt. Die Einrichtung schlicht und unverspielt, klare Linien dominieren das Design, Natur die Materialien. Wer Glück hat, genießt vom Zimmer aus fast den gleichen Blick wie vom Frühstücksraum. Im Keller eine kleine Spa-Abteilung mit Dampfbad, Sauna und – natürlich – Hot Pot. Internet auf dem Zimmer ist selbstverständlich (wenngleich nur schnurgebunden), Shampoo und Seife sind ein und derselbe Spender und müssen deshalb stets zwischen Waschbecken und Dusche hin- und herplatziert werden. Das Bad wird unvermeidlicherweise ständig aufs Neue unter Wasser gesetzt. Ebenfalls problematisch: Stauraum für Anziehsachen ist rar, die Zimme sind wohl für Leute gemacht, die aus dem Koffer leben – das wären dann aber auch die kritischen Punkte in dem Hause. Als Übernachtungspreis sind 60 Euro realistisch buchbar und mehr als günstig.

Natur-Tryptichon im verspiegelten Glas der Hotel-Küche (Foto: Bomsdorf).


Die Baustelle des neuen Konzerthauses. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Gestern bin ich zum vierten Mal binnen zwölf Monaten auf Island angekommen. Nicht nur, weil ich sehr an Architektur interessiert bin, ist das entstehende Konzerthaus stets eine der ersten Dinge, die ich mir in Reykjavík anschaue. Das Objekt – entworfen vom dänischen Büro Henning Larsen – ist Zeichen dafür, wie der Inselstaat sich selber sah und wie er nun wieder aufgerichtet werden soll.

Zu Boomzeiten plante man ein enomes Bauwerk, Weltklasse sozusagen. Dann kam der Crash und der Weiterbau war gefährdet. Doch, was wäre schlimmer gewesen als im Zentrum der Hauptstadt eine ewige Ruine als Denkmal des Kollapses stehen zu haben?

Nun, als Mahnmal wäre es sicher nicht schlecht gewesen, aber es wurde befürchtet, das drückt auf die Stimmung. Also fällte die Politik kurz vor den Wahlen im vergangenen April den Entschluss, das Konzerthaus weiterzubauen (damals war ich u.a. gerade für die Wirtschaftswoche vor Ort – der entsprechende Text ist hier online zu lesen). Doch weil das Geld fehlte und weil es wohl auch nun wirklich nicht gebraucht wurde, verabschiedete man sich vom Riesenkonerthaus und plante das Gebäude eine Nummer (oder vielleicht auch mehrere..) kleiner. So, wie jetzt auch Island wieder aufgebaut werden soll.

Jedesmal, wenn ich wieder in Reykjavík bin, kann ich nun mitverfolgen, wie es weitergeht mit dem Haus. Der Wiederaufbau Islands ist weniger augenfällig, aber wer mit den Leuten spricht, hat den Eindruck, es geht voran.


REYKJAVÍK. Der Verfall der isländishen Krone kommt ausländischen Touristen sehr entgegen. Plötzlich ist Island, das den Platz als teuerstes Reiseland Europas je nach Warenkorb wohl im Wechsel mit Norwegen bestritten hat, richtig günstig geworden.

Das ist natürlich relativ zu verstehen, für jemanden, der wie ich aus Teuerland Dänemark anreist, ist der Preisverfall bei den typischen Touristenwaren enorm – ein einfaches Fischgericht als Mittagessen 1790 ISK (rund 10 Euro), der Espresso hinterher 320 Kronen (keine 2 Euro), lediglich das 0,4er Glas Bier ist mit 800 ISK (4,50 Euro) in etwa so teuer wie in Kopenhagen. Wobei dazu gesagt werden muss, das Alkohol und Zigaretten in Dänemark vergleichsweise preiswert sind, schließlich gehören sie dort zu den Grundnahrungsmittel (die ansonsten – s. bspw. Brot – aber teuer sind…). Urlauber aus Deutschland werden in etwa mit dem aus der Heimat gewohnten Preisniveau rechnen müssen, aber das ist viel weniger als früher.

Besonders überrascht war ich über die Hotelpreise. Im Centerhotel Klöpp zahlte ich pro Nacht nur 35 Euro – die Auftraggeber hat es gefreut, so war die lange Islandreise keine Bürde. Das Hotel sei nicht nur wegen des günstigen Preises empfohlen, die Lage am Klappastiggur ist ideal, zumindest wenn einen das ein oder andere vorbeifahrende Auto nicht aus dem Schlaf holt. Zum Amtssitz der Ministerpräsidentin sind es fünf Gehminuten, zur Hallgrimskirche vielleicht zehn und der Laugavegur ist drei Minuten entfernt. Das Zimmer, das ich bezog hatte eine großzügige Fensterfront, durch die zwischenzeitlich der isländische Wind recht heftig zog. Aber so ist das nun einmal, wenn man nur zwei Straßen vom Nordatlantik entfernt wohnt. Dafür kann auf Island ja Dank Erdwärme die Heizung guten Gewissens stets voll aufgedreht werden. Wer stets eisgekühltes Bier in der Minibar griffbereit haben möchte, wählt lieber nicht das Klöpp. Oder denkt daran, den Hauptstromschalter im Zimmer nie auszuschalten, den praktischerweise ist auch die Minibar daran gekoppelt. Kabelinternet gibt es auf dem Zimmer, drahtlos in Lobby und auf dem Flur. Das Personal rund um die Uhr freundlich und hilfsbereit. Mein Vorschlag: Preiserhöhung.

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