You are currently browsing the category archive for the ‘Oslo’ category.
KOPENHAGEN. Norwegischen Online-Medien war es eine Eilmeldung wert UND EINE KORREKTUR : NICHT DAS MUSEUM SELBER; SONDERN DANEBEN BRANNTE ES, DIE FEUERWEHR HATTE FALSCH GEMELDET: heute Nachmittag fing der Neubau des Astrup Fearnley Museums in Oslo an zu brennen. Aus der obersten Etage loderten Flammen, glücklicherweise waren weder Personal noch Kunst vor Ort und das Feuer konnte dann auch recht schnell wieder unter Kontrolle gebracht werden. Schaden und Ursache sind noch unbekannt. Das Privatmuseum mit Werken von Bjarne Melgaard (zu einer Solo-Ausstellung mit ihm hier dazu eine Vorschau von mir bei art, siehe auch das Video aus dem YouTube-Kanal des Museums), Cindy Sherman, Jeff Koons und Damien Hirst (u.a. natürlich) sollte im September im Neubau eröffnen, gezeichnet hat das Gebäude an der Hafenspitze Oslos übrigens Renzo Piano.
Auch The Art Newspaper war der Ausbruch des Feuers eine kleine Meldung online wert, schließlich handelt es sich um das bekannteste Privatmuseum Norwegens, wenn nicht Nordeuropas – hier mein Textchen. Erfahren habe ich vom Brand übrigens über twitter, hier geht es zum Account des Museums und hier zu meinem.
KOPENHAGEN. Soeben erreicht mich eine E-Mail-Pressemitteilung der Frankfurter Kunsthalle Schirn mit der Ankündigung, dass bereits 150 000 Besucher die seit Februar geöffnete Ausstellung “Munch – Der moderne Blick” gesehen haben. Beeindruckend. Das findet auch Direktor Max Hollein, der in der Pressemeldung sagt: „Die Ausstellung ist auf dem besten Weg, die erfolgreichste Schau in der Geschichte der Schirn Kunsthalle zu werden“, so Direktor Max Hollein. „Alle, die sie noch nicht gesehen haben, sollten sie nicht verpassen.“
Zwei Munch-Zahlen und ein Rechenexempel, das zu einer dritten führt: 400. Wenn jeder der 150 000 Besucher 400 Euro zahlen würde, kämen 60 Mio. Euro zusammen. Das sind 80 Mio. US Dollar und damit die Taxe für Edvard Munchs “Der Schrei”, der am 2. Mai bei Sotheby’s in New York versteigert werden soll (und aus der Sammung Petter Olsen stammt). Da klingt dieser doch gar nicht mehr so teuer und nachdem das Frankfurter Städel von den Bürgern für den Umbau großzügige Spenden erhalten hat, vielleicht eine Option, Munchs Schrei doch noch nach Frankfurt zu holen (zur Schirn-Ausstellung gehört nämlich keine der vier Unikate oder auch Multiple von Munchs bekanntestem Motiv). Ist nur ein Rechenexempel, aber zeigt, was machbar wäre mit noch mehr bürgerlichem Engagement für die Kunst (und wenn die Gebote auf 100 Mio. Euro hochschnellen, sind es halt ewas mehr als 600 Euro pro Person. Wobei, bis dahin wird auch die Munch-Ausstellung in Frankfurt noch mehr Besucher anziehen – die Ausstellung ist noch bis zum 28. Mai 2012 geöffnet.). Für das Magazin von artnet schrieb ich eine Kritik zur Frankfurter Ausstellung und in der aktuellen Ausgabe von art ist auf Seite 112 von mir ein Text zur Auktion.
Heute lädt die Schirn übrigens zum Edvard Munch Filmabend. Hier ein Film von Munch mit Joachim Króls Stimme:
KOPENHAGEN. Die ersten Tages des Prozesses gegen Anders Behring Breivik in Oslo sind vorbei. Nicht nur norwegische Medien berichten en detail. Der richtige Zeitpunkt nochmals auf ein Interview zu verlinken, das ich vergangenes Jahr kurz nach den Terrorakten mit Thorvald Stoltenberg, dem Vater des Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg, für den Focus geführt habe.
Kurze Röcke und damit mehr Beweglichkeit beim Eiskunstlauf, ein Besuch bei Hitler auf dem Obersalzberg und das nach ihr benannte Museum – das könnte der Dreisatz des Lebens der Sonja Henie sein. Gestern wäre sie 100 Jahre alt geworden (hier dazu ein Deutschlandradio-Kalenderblatt des Kollegen Eduard Hoffmann).
Die aus Norwegen stammende Eiskunstläuferin war die Katarina Witt ihrer Tage und erregte nicht nur auf den Kufen Aufsehen. Sogar ihr Tod hätte einem Roman John Irvings entspringen können – auf dem Flug von Paris nach Oslo starb sie 57jährig. Beigesetzt wurde Sonja Henie, die in ihren letzten Lebensjahren mit dem norwegischen Reederer Niels Onstad verheiratet war, am Rande des Museums Henie Onstad Kunstsenter, das auf der Sammlung der beiden aufgebaut ist. Am kommenden Samstag findet anlässlich ihres 100. Geburtstages dort ein Jubiläumsball statt (noch mehr Programm hier und die Ausstellung über Sonja Henie hier), auch sonst wegen interessanter Ausstellungen zeitgenössischer und moderner Kunst fast immer einen Besuch wert. Unter anderem zeigt das HOK, wie das Museum abgekürzt wird, bedeutende Arbeiten von Kurt Schwitters, der in Norwegen gelebt hat – zum Teil unterstützt durch die Sparebankenstiftelsen, über die ich vergangenes Jahr einen großen Text für die Welt am Sonntag schrieb. (hier ein kurzer Überblick über die Osloer Kunstszene, den ich für art schrieb, hier mehr aus The Art Newspaper zu Henie Onstad).
KÖLN. Der Reichtum Norwegens ist bekannt. Die Quelle dessen auch: die der Küste vorgelagerten Rohstoffe. Über den norwegischen Ölfonds habe ich schon viel geschrieben (z. B. hier im August 2011 in Die Welt , zum Vergleich mag mein Text von fünf Jahren zuvor ebenfalls interessant sein, auch in Die Welt). Reich ist in Norwegen auch Sparebankstiftelsen DnB NOR, die Sparkassenstiftung, die über zehn Prozent an Norwegens größter Bank DnB NOR besitzt. Was das Stiftungsvermögen angeht braucht sich Sparebankstiftelsen nicht hinter Volkswagen- oder Bertelsmann-Stiftung zu verstecken, dennoch ist die Stiftung nahezu unbekannt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Norwegen. Derzeit ruft Sparebankstiftelsen dazu auf, dass Architekten Vorschläge einbringen, wie der 12 000 Quadratmeter große Sitz der umgebaut werden soll. Die Stiftung residiert in der Nähe der Zentralbank, die den Ölfonds verwaltet.
Die Stiftung engagiert sich auch in Deutschland. Sie kauft dort Kunst, deutschen Expressionismus. Darüber habe ich im Sommer in einem großen Artikel berichtet, erschienen in der Welt am Sonntag.
KOPENHAGEN. Das erste Mal im neuen Jahr im Büro, habe ich endlich das Norwegische Architekturjahrbuch 2011 (Arkitekturårbok 2011) erhalten. Für diese Ausgabe wurden internationale Kuratoren, Journalisten und Kunsthistoriker gebeten ihre Favouriten norwegischer Architektur, vor kurzem fertiggestellt oder in Betrieb genommen, auszuwählen. Als einer der Gefragten entschied ich mich für die Ausstellungsstätte 1857 in Oslo, ungewöhnlich, da kein Neubau, sondern Umnutzung und alles andere als glossy, dafür aber umwerfend. Hier eine deutsche Version des in dem Buch erschienenen Artikels:
>>Als ich ein kleiner Junge war, sollten wir uns in der Schule, ich glaube es war im Religionsunterricht, einmal Gedanken darüber machen, wie man den Ausdruck „Mehr Schein als Sein“ bildlich darstellen könnte. Dann zeigte uns die Lehrerin die Zeichnung eines Hauses mit einer sehr schmucken und sehr großen Fassade, hinter dem Eingang war aber nicht viel mehr als eine Hundehütte.
Gute Architektur erfüllt nie das oben genannte Kriterium, sondern gibt nur vor zu sein, was auch wirklich ist. Oder versteckt gar etwas und gefällt sich im Understatement.
Gleich hinter dem Osloer Busbahnhof, im Stadtteil Grönland steht in einer Seitenstraße ein kleines Haus. Es ist so klein, dass es selbst in einer norwegischen Kleinstadt als klein auffallen würde. Hier haben Steffen Håndlykken und Stian Eide Kluge den „artist run space“ 1857 etabliert. Es ist kein Neubau, der da entstand, sondern eine Umnutzung, die ist aber so gewaltig, dass diese durchaus als neuer Beitrag zur Osloer Architekturszene gewertet werden sollte. Das kleine Haus besteht aus kleinen Räumen, in denen die beiden Ausstellungen organisieren, in etwa so wie in jeder anderen dieser von Künstlern initiierten Räumlichkeiten. Dann geht es durch die Hintertür wieder raus und man steht nicht etwa im Hintergarten oder -hof, sondern in einer riesigen Halle. Selbst, wenn diese direkt von der Straße betreten würde, würde sie an dieser zentralen Lage der Hauptstadt als groß empfunden werden, noch viel größer wirkt sie dadurch, dass sie sich hinter diesem kleinen Haus versteckt. Hier kann auch größeren Installationen Luft und Raum gegeben werden und die Kunstszene und alle, die daran interessiert sind, können sich versammeln, um sich auszutauschen – über Kunst oder Architektur und hoffentlich auch die Notwendigkeit alte, auf den ersten Blick wenig attraktive Räumlichkeiten mal zu erhalten und umzunutzen, statt immer neu zu bauen. Welch ästhetisch positiver Effekt für eine Stadt sich dadurch erreichen lässt, macht 1857 vor. Leider haben davon noch zu wenige gehört. Doch in der Halle ist sicher noch Platz für mehr Besucher.<<
KOPENHAGEN. Drei Bürgerrechtlerinnen teilen sich dieses Jahr den Friedensnobelpreis. Eine von ihnen, Ellen Johnson Sirleaf, hat mein Kollege Andrzej Rybak kurz zuvor für die Financial Times Deutschland besucht – erschienen ist das Portrait gestern, gelesen werden kann es hier.
KOPENHAGEN. Die norwegische Band a-ha spielte kürzlich beim Gedenkkonzert für die Opfer der Terrorattacken in Norwegen am 22. Juli. Eigentlich hatte Magne F., wie sich Magne Furuholmen von a-ha als bildender Künstler nennt, am morgigen 1. September mit einer Einzelausstellung die neue Galerie Stolper + Friends in Oslo eröffnen wollen. Die Arbeiten, die er dort zeigen wollte, nahmen Ausgang in einem Krankenhausaufenthalt und waren teilweise auf Leinen von Krankenhausbetten gemalt. Dies so kurz nach dem 77mal tödlichem Terror von Norwegen zu zeigen, hielt der Künstler für unpassend und sagte die Schau ab. Stattdessen wird nun eine Damien Hirst Ausstellung die Galerie eröffnen. Statt Hai in Formaldehyd gibt es friedlichere Schmetterlingsbilder zu sehen. Hier dazu mein Bericht bei The Art Newspaper.
KOPENHAGEN. Bevor es ein paar Tage zu Recherchen nach Island geht noch ein Hinweis auf das Interview, dass ich mit Thorvald Stoltenberg geführt habe, dem ehemaligen Minister und dauerhaften Vater des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg. Wir saßen einen Nachmittag im Wohnzimmer seiner Wohnung, wo er auch die Bombenexplosion gehört hatte, und sprachen über Familie, Terror, nordische Werte und Drogen. Die online Version des Gesprächs ist hier bei Focus online zu lesen.
OSLO. Die Nachrichten, die ich am 22. Juli und in den Tagen danach aus Norwegen vernahm, waren schrecklich. Die Ankunft in Oslo am Montagnachmittag machte mir die Trauer einmal mehr deutlich, aber auch wie gut die Norweger damit umgehen. In Trauer geeint trifft es wohl gut. Überall Blumen und Gedenktexte (wie auf dem Bild vor der Osloer Domkirche). Für die aktuelle Ausgabe des Focus habe ich ein Porträt über Jens Stoltenberg geschrieben, daneben vor allem am ersten Wochenende nach der Tat etliche weitere Artikel, Radio- und Fernsehinterviews, die online nicht zu haben sind.

