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Vilhelm Hammershøi (1864 - 1916) Stående nøgen kvinde Statens Museum for Kunst 1909-10

Vilhelm Hammershøi (1864 – 1916) Stående nøgen kvinde Statens Museum for Kunst

KOPENHAGEN.

Der Däne Vilhelm Hammershøi gilt als Meister des stillen Interieurs, Stadtansichten sind ebenso seine Stärke. Die dänische Nationalgalerie setzt ihn jetzt in Kontext zu europäischen Zeitgenossen und versammelt eine Menge hochklassiger Kunst, doch leider widerspricht der Ausstellungsaufbau Hammershøis Qualitäten. Statt Stille herrscht Reizüberflutung. 

Bonnard, Khnopff, Munch, Carriére – die Nationalgalerie hat Arbeiten von sehr bedeutenden Zeitgenossen leihen können. Doch weil der Gedanke der Ausstellung nicht klar wird, wirkt diese Zusammenstellung ein wenig wie Namedropping. Dabei können auch kurze Hinweise manchmal ausreichen, um die Ausstellungsbesucher nicht im Unklaren zu lassen – das zeigten zum Beispiel die Kuratorinnen Christine Heidemann und Anne Kersten mit der gerade zu Ende gegangene Ausstellung Belvedere. Warum ist Landschaft schön?“ im arpmuseum Bahnohof Rolandseck. Meine komplette Ausstellungskritik ist jetzt bei art online zu lesen.  

Ein Teil der ausgestellten Gemälde des Dänen wird am 11. Juni bei Sotheby’s in London für sechstellige Summen versteigert werden.

Do it yourself-Gursky (nein, ganz ernst ist das nicht gemeint). Google Maps Screenshot

Do it yourself-Gursky (nein, ganz ernst ist das nicht gemeint). Google Maps Screenshot

KOPENHAGEN. Als er Journalisten durch die Ausstellung des Fotografen Andreas Gursky führte, konnte  Poul Erik Tøjner sich eine Bemerkung nicht verkneifen. Noch während der Ansprache mahnte er die Journalisten zur sauberen Arbeitsweise und wies daraufhin, dass nicht alle Bilder im Katalog auch in der Ausstellung zu sehen sind. Gelächter war die Antwort – vor kurzem hatten zwei dänische Journalisten Werke von Louisiana besprochen, die zwar im vom Museum herausgegebenen Text erwähnt, nicht aber zu sehen gewesen waren. „Es hätte so sein können“ darf eben nur in realistischer fiktionaler Literatur oder künstlerischer Fotografie wie der von Gursky gelten ohne dass eine Lüge entsteht. Viele seiner Arbeiten sind zu schön, um wahr zu sein. Mein Artikel zur Ausstellung mit Referenzen zu Google Earth, Boxenludern und Madonna jetzt bei art online. Um zu erfahren, was es mit Google Earth und Gursky auf sich hat, einfach den Artikel lesen.

KOPENHAGEN. Der junge dänische Architekt Bjarke Ingels hat mit diversen Projekten international für enorme Aufmekrsamkeit gesorgt – mal baute er Wohnungen auf ein Parkhaus, mal plante er einen Skihügel auf einer Müllverbrennungsanlage. Letzteres kam wie einige seiner Projekte schon im Planungsstadium in die internationale Presse. Nun schaut es aber so aus als würde aus dem aufsehenerregenden Plan nichts, denn wie die dänische Zeitung Politiken soeben vermeldet, will die Stadt Kopenhagen die Müllverbrennungsanlage, auf der der Skihügel entstehen sollte, nicht mehr haben. Diese sei zu umweltschädlich wegen des CO2-Ausstoßes. Und zu viel CO2 ist schlecht fürs Klima, die Chancen auf schneereiche Winter und damit Skivergnügen sinken – in the long run wie man so schön sagt hätte sich Bjarke Ingels Müllverbrennungsanlage also in jedem Fall selber das Wasser bzw. den Schnee abgegraben.

KOPENHAGEN. Das Dokumentarfilmfestival CPH:DOX hat auch für dieses Jahr wieder ein sehr vielversprechendes Programm. Nan Goldin kommt, Athony & The Johnsons und diverse Regisseure und Produzenten. Umso unverständlicher, dass ausgerechnet der Eröffnungsfilm auf der gestrigen Gala zu “muss man nicht gesehen haben”-Kategorie gehört und die Zuschauer über weite Strecken mit einer zähen Erzählung langweilte. Ein alternder Tänzer (und das heißt in solchen Fällen Mitte 30) will es nochmal wissen und an frühere Erfolge anknüpfen – mit dabei seine Lebens- und Tanzpartnerin. Die beiden kämpfen sich von Wettbewerb zu Wettbewerb und Training zu Training und natürlich leidet ihr Verhältnis. So uninteressant ist die Geschichte gar nicht, zumal der Märchenhafte Schluss ausbleibt. Aber erzählt wird redundant, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, der Film hätte davon profitiert, auf 30 oder 45 Minuten gekürzt zu werden. Vielen Zuschauern, mit denen ich sprach, ging es ähnlich. Aber vielleicht ging es ja nur darum, durch einen mäßigen Anfangsfilm das sonstige Programm noch besser dastehen zu lassen. Aber das hat es gar nicht nötig. (Übrigens hieß es, dass ein dänischer Film das Festival eröffnen sollte und da seien nicht so viele in Frage gekommen).

Eine wirklich lange Produktion zeigt die dänische Künstlergruppe Superflex – ihre zehn Tage lange Animation vom Verfall eines Alvar Aalto-Gebäudes in Helsinki wird in einer Station der Kopenhagener Metro gezeigt. Über diesen sehenswerten (er ist so gedacht, dass die Zuschauer nur immer mal wieder Ausschnitte anschauen) Film schrieb ich schon für art und The Art Newspaper.

KOPENHAGEN. Der dänische Stil wird häufig mit Margit Brandt verbunden. Vor vierzig Jahren brachte sie die dänische Mode international groß raus. In der Nacht zum Montag starb sie 66-jährig. Nachdem Margit Brandt gemeinsam mit ihrem Mann Erik vor einigen Jahren Markennamen und Kollektion wiederbelebt hatte, traf ich die beiden in Kopenhagen für die deutsche Ausgabe von Vanity Fair zum Gespräch. Hier nochmals mein damaliger Text. Die Kleidung von Brandt war wieder ein Genuss, doch die Qualität nicht mehr die alte, sondern eher auf H&M Niveau. In der Richtung befanden sich immerhin auch die Preise. Was ich vom Besuch nie vergessen werde: Margit Brandt, damals 62, trug zur relativ dezenten Alltagskleidung Söckchen mit Mickey Mouse-Motiv. Und auf dem Fensterbrett des Hauses in bester Kopenhagener Gegend stand wie auf einem Altar ein Foto von Andy Warhol, den sie früher kannte.

Nun aber mein Artikel vom Frühjahr 2007 (es mag sein, dass dies nicht die Endfassung ist):

In den 70er Jahre feierten Margit und Erik Brandt mit Andy Warhol im New Yorker Studio 54 und mit Brigitte Bardot am Strand von St. Tropez. Sie war eine der bekanntesten Modedesignerinnen der Welt, er vermarktete die Waren seiner Frau. Jetzt sind die beiden im Pensionsalter. Und wollen es noch einmal wissen.

„Wir waren das schickste Paar von ganz Dänemark.“ Sätze wie diese fallen häufig, wenn sich Erik Brandt an die 1960er und 1970er erinnert als die Karriere seiner Frau als Modedesignerin auf dem Höhepunkt angekommen war. Ein Mangel an Selbstbewusstsein ist noch nie sein Problem gewesen. Ein langweiliges Leben auch nicht. Andy Warhol, Mick Jagger, Gianni Agnelli, Geraldine Chaplin – die Liste derer, mit denen die Brandts, gegessen, getrunken, gefeiert und getanzt haben ist lang und strotz nur so von prominenten Namen. Ebenso erlesen die Ortschaften, die die beiden wählten, um ihre Mode zu präsentieren und ihre Freunde zu treffen: Barbados, Rom, Courchevel, Paris, New York, Tokio. Im Mittelpunkt stand stets Margit. Schließlich war sie es, die damals mit ihrem unprätentiösen aber eleganten Stil die Mode- und Glamourwelt für sich einnahm. Ihre Entwürfe eroberten die Boutiquen im Sturm und wenn man ihrem Mann glauben darf, dann tat sie das selbe mit den Herzen der männlichen Prominenz. „In Saint Tropez sind wir gute Freunde mit dem Filmproduzenten Sam Spiegel geworden. Aus irgendeinem Grunde hätte er alles für Margit getan“, erinnert sich Erik Brandt. Wenn er an die wilden Jahre zurück denkt, landet er immer wieder bei den prominenten Freunden des Paares und stets erzählt er, wie sie seine Frau verehrten. Bei Spiegel durfte Margit machen was sie wollte und er tat alles für sie. Margit wünscht sich klassische Musik zum Essen? Spiegel lässt spontan den Violinisten Isaac Stern rankarren. Margit will beim Essen rauchen? Bei Spiegel eigentlich eine Todsünde, doch selbstverständlich darf sie. Er schätzte die Designerin aus Dänemark so hoch, dass er niemanden an sie ran ließ. „Nicht einmal Jack Nicholson durfte auf demselben Sofa wie Margit sitzen und wenn der junge Schauspieler eine Erklärung dafür verlangte, knurrte Sam Spiegel: >>Weil deine Jeans dreckig sind<<“, so Ehemann Erik.

Die Brandts denken gerne an diese Zeit zurück. Deshalb hat er ein Buch über die heißen Jahre geschrieben und deshalb haben sie gemeinsam mit ihrer Tochter Julie die Marke Margit Brandt noch einmal aufleben lassen. „In Dänemark läuft es gut, in Frankreich und Italien auch, in Deutschland sowieso. Wir können gar nicht so viel produzieren lassen wie die Konsumenten nachfragen. Genau wie früher“, sagt Erik Brandt. Er sitzt auf einer schneeweißen Couch in seinem Kopenhagener Wohnzimmer und hat ein deja-vu-Erlebnis. Margit Brandts Kollektion wird wieder international gut verkauft. Natürlich wird nicht mehr soviel produziert wie früher, doch die Stücke gehen gut weg, einige sind rasch ausverkauft. Das liegt auch am Preis: die Kleider von Margit Brandt sind nicht mehr so teuer wie früher, liegen heute näher an H&M als an Prada. Die Liste der Abnehmerländer ist lang. Margit Brandt verkauft in Norwegen, Dänemark, Frankreich, Island, Italien und in Deutschland, z.B. im Berliner Quartier 206.

Margit Brandt ist gerade 62 geworden, ihr Mann 63. Vor knapp zwei Jahren haben die beiden sich entschlossen, die Marke Margit Brandt zu reanimieren und erneut Kollektionen zu vermarkten. Diesmal nehmen sie nicht alles selber in die Hand, sondern arbeiten mit einer dänischen Firma zusammen. „ Das ist mir lieber, weil ich so bestimme, was unter meinem Namen verkauft wird“, sagt Margit Brandt, eine zierliche, braungebrannte Frau in den 60ern. Obwohl Hauptperson, spricht sie vor allem dann, wenn ihr Mann gerade außerhalb des Raumes ist. So war es schon immer: Sie entwarf die umwerfenden Kleider, wurde umgarnt, hielt sich sonst aber zurück. Er näht nicht, versteht es aber bestens, Kontakte herzustellen. Als Andy Warhol im Herbst 1978 nach Kopenhagen kam, weil das Kunstmuseum Louisiana eine Retrospektive zeigte, war es klar, dass Erik und Margit ein großes Fest für den amerikanischen Künstler gaben, der gerade den Film „Cocaine Cowboys“ zu Ende gedreht hatte. Das machte Spaß, vertiefte die Bande zum internationalen Jetset und sollte auch noch gute Presse geben. So mochten und kannten es die Brandts damals. Und es machte Spaß und der Jetset fühlte sich wie zu Hause in der Kopenhagener Villa der beiden. Doch es gab schlechte Presse. Dass Erik Warhol in seinem Bentley durch Kopenhagen chauffierte, konnten die Journalisten gerade noch durchgehen lassen, aber eine Boulevardzeitung behauptete später, dass Erik Brandt des Kokaingeschäfts bezichtigt wurde. Schließlich, so die Gerüchte, sei auf der Warhol-Party gekokst worden, die Polizei ermittele. Es dauerte nicht lange, da musste die Zeitung Schadenersatz zahlen, weil es keine Beschuldigungen gegen Brandt gegeben hatte. Dennoch war die Familie erstmal fertig mit ihrer Heimat und siedelte in die USA über, um in New York weiter zu arbeiten und zu feiern. Das legendäre Studio 54 war damals Mittelpunkt ihres New Yorker Lebens. Es war die größte Networking Agentur der Welt, so Erik: „Wir mussten keine Verabredungen mit Freunden treffen, sondern schauten einfach im Studio 54 vorbei.“ Warhol, Jagger, wer auch immer, sie waren alle da. „Ich ärger mich nur, dass Margit nie Andys Wunsch nachgegeben hat, sie zu malen. Das wäre heute eine schöne Erinnerung unserer Freundschaft“, so Erik Brandt gewohnt selbstbewusst. Doch die Drogenvorwürfe waren nicht die einzige Krise bei den Brandts, mal verrottete eine ganze Ladung Textilien, ein anderes Mal musste Erik Brandt sich mit hohen Verlusten von einer Beteiligung an einer von ihm mit gegründeten Bank trennen und das USA-Geschäft lief langfristig nicht so gut wie gehofft. In den 1980ern war die Marke Margit Brandt dann fast verschwunden. In den vergangenen knapp 20 Jahren entwarf die Dänin nur sporadisch, etwa Uniformen für die Olympiamannschaft und das Heer ihres Landes.

Aber Erik ist ein Stehaufmännchen und zieht seine Frau, mit der er bald 50 Jahre verheiratet ist, immer mit. Ihm gelang es stets, kaum war das Vermögen reduziert, ein neues aufzubauen. Der Clou am derzeitigen Geschäftserfolg heißt Vintage. Statt neue Kleider zu entwerfen, nimmt Margit Brandt einfach ihre alten Entwürfe aus den 60ern und 70ern aus dem Schrank und modifiziert sie leicht. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass man die selben Stücke fast unverändert auch noch mehrere Jahrzehnte später tragen kann“, sagt sie. Ganz so glänzend wie zu Hochzeiten läuft es noch nicht. Die Zeiten, wo die Brandts mit dem internationalen Jetset wilde Partys feierten, sind vorbei und statt weißem Bentley stehen nun zwei schwarze VW Golf vor der Tür. Das Haus ist nicht mehr ganz so pompös wie vor ein paar Jahrzehnten, doch drinnen erinnert noch einiges an die vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten. Wie damals ist das Haus vollgestopft mit Antiquitäten und anderem Nippes aus aller Herren Länder und vor dem Wohnzimmerfenster steht auf einem Bord als sei es ein Altar ein Foto von Andy Warhol.

Für Fotos aus dem Leben von Margit Brandt hier entlang (auf der Seite der Zeitung Politiken), ihre Kollektion gibt es hier.

KOPENHAGEN. Dänemark rühmt sich gerne dafür besonders viele Einwohner zu haben, die das Auto stehen lassen (oder gar keins haben) und mit dem Fahrrad zu Arbeit, Einkauf oder Freizeitvergnügen fahren. Was die Radler-Lobby aber gerne verschweigt, ist, dass das nicht nur geschieht, weil alle achso ökologisch bewusst oder sportlich sein wollen, sondern vielen ist das Auto als Fortbewegungsmittel schlichtweg zu teuer. Schließlich entfällt auf PKW eine Sondersteuer von satten 180 Prozent, da wird ein Gold in Dänemark schnell so teuer wie eine E-Klasse in Deutschland. Sich damit zu brüsten, dass es nur die gute Infrastruktur und die Überzeugung sind, die die Dänen aufs Rad bringen ist, als wolle man sagen in Burkina Faso gingen so viele zu Fuß, weil das so angenehm sei (und nicht etwa, weil es an finanziellen Mitteln fehlt). Politik halt, aber das Radfahren in Kopenhagen geht wirklich klasse – mehr dazu in meinem Artikel für Die Welt.

KOPENHAGEN. Das israelische Künstlerduo Gil & Moti will Araber zu Freunden machen und der Homosexualität zur Normalität verhelfen – ab diesem Wochenende auch in Bochum (hier der Link zur Website des Museums, die in etwa so attraktiv gestaltet ist wie ein Leitz-Ordner). Ich habe die beiden anlässlich ihrer aktuellen Ausstellung in Kopenhagen getroffen.

Pat und Patachon, Gilbert & George, Eva & Adele, Schulz und Schultze – echte oder vermeintliche Zwillingspaare sind in Populärkultur wie Kunst ein Hingucker, oft unterhaltsam, manchmal (gewollt oder ungewollt) lächerlich. Nun also Gil & Moti. Doch mit wem der erstgenannten hat das israelische Künstlerpaar eigentlich am meisten gemein? Die beiden sind Männer, das spricht für das dänische Stummfilmduo Pat und Patachon, die Künstler Gilbert & George sowie Schulz und Schultze, das Zwillingspaar aus den Tim und Struppi-Comics. Sie sind Künstler – wie Gilbert & George und Eva & Adele. Sie sehen sich ziemlich ähnlich, ebenso Gilbert & George, Eva & Adele sowie Schulz und Schultze. Offensichtlichkeiten helfen also nicht weiter. Menschen und Werk muss auf die Spur gegangen werden. Für die online Ausgabe von art habe ich das anlässlich der noch andauernden Ausstellung in der Kunsthalle Nikolaj in Kopenhagen getan. Der Text bei art kann hier gelesen werden, zur Kunsthalle Nikolaj geht es hier.

KOPENHAGEN. Selbstbespiegelung ist in den nordischen Ländern recht ausgeprägt, zumindest auf kollektivem Niveau. Wenn im Ausland über das eigene Land berichtet wird, ist das fast immer eine Schlagzeile wert. Schwedische Medien berichteten sogar in eigenen Artikeln, dass der Selbstmordattentäter vom Dezember in Stockholm international auf Interesse stieß – es schien als sei man stolz darauf.

Es muss wohl an einem gewissen Minderwertigkeitskomplex liegen, wenn jedes bisschen Aufmerksamkeit gleich zu einem Jauchzen führt. Aus einem großen Land mit (glücklicherweise) wenig Nationalstolz kommend, ist mir das ziemlich suspekt. Noch suspekter muss das wohl Chinesen sein. So wie Chinesen über Berlin oder München als Großstadt nur lächeln können, beschäftigen sie sich vermutlich auch nicht damit, dass ihr Land mal wieder irgendwo im Ausland in einer Zeitung steht.

Ingar Dragset vor "When a Country feels in love with itself", Kopenhagen 2008. (Foto: Bomsdorf)

Ingar Dragset vor "When a Country feels in love with itself", Kopenhagen 2008. (Foto: Bomsdorf)

Dänemark hat es mal wieder geschafft: “Anerkendt britisk avis laver hyldestguide til Danmark” (etwa: “Anerkannte britische Zeitung bringt lobpreisenden Dänemark-Führer”) titelt die online Ausgabe der linksliberalen Tageszeitung Politiken und schreibt voller Selbstzufriedenheit, wie toll die britischen Reisejournalisten Dänemark fänden (wenngleich sie über Rassismus klagen, auch das bleibt nicht unerwähnt). The Guardian hatte die entsprechenden Texte veröffentlicht. Wer dem Link dorthin folgt, kann das englische Original lesen.

Letztlich handelt es sich um nichts Weiteres als die klassische typische recht unkritische Reisetippberichterstattung. Aber so wie sich viele Schauspieler, die den Zenit überschritten haben oder jene, die nie die Spitzenliga erreicht haben, über jeden oberflächlichen positiven Artikel über sie freuen, mag er auch noch so substanzlos sein, so ist es wohl mit manch kleinen Ländern – Hauptsache man kann den Eindruck erwecken, wahrgenommen zu werden. Manchmal ist so etwas – bei Staaten wie bei Schauspielern – tragisch zu nennen. Dabei haben die Länder hier oben wie viele andere auch doch so interessantes zu bieten, warum also jedes bisschen Aufmerksamkeit aufbauschen wie ein Profilneurotiker? Vor drei Jahren präsentierte das dänisch-norwegische Künstlerduo Elmgreen und Dragset auf der U-Turn Quadriennale (die dann doch ein Einmalereignis blieb) das Werk “When a country falls in Love with itself” – sie stellten einen Spiegel vor dem dänischen Wahrzeichen Kleine Meerjungfrau auf.

Dies nicht aus Eitelkeit, sondern für diejenigen, die mehr lesen möchten: Für die online Ausgabe von art schrieb ich damals einen Artikel über U-Turn – zu lesen hier, im Interview, das ich im Herbst 2010 mit Elmgreen und Dragset für The Art Newspaper führte, sprechen sie auch über die Selbstbezogenheit Nordeuropas (wobei, was Michael Elmgreen hier sagt auch für Deutschland gelten dürfte – weniger für die seriöse Presse, aber die Bevölkerung als solche, dazu ein aktueller Text von Claudius Seidl aus der FAZ am Sonntag) – komplett nur in der gedruckten Ausgabe, ein Ausschnitt deshalb direkt im Blog:

TAN: Your works When a Country Falls in Love with Itself and Han clearly refer to the Little Mermaid. Ai Weiwei has also been influenced by Copenhagen’s famous sculpture. Why is it so appealing to tourists and artists?

ME: National symbols are always fun to investigate and work with. They tell us about national identity.

TAN: In Sweden, the new right-wing political party in parliament—the Sweden Democrats—argues against supporting non-figurative art. How do you feel, as Scandinavians, hearing that?

ME: It is totally out of touch with reality—the most conservative non-progressive art may be abstract art. But I’m not part of that society anymore: I am an emigrant, I moved somewhere else. I don’t lose sleep about tendencies in Scandinavia. It worries me more that three million people are homeless because of the flooding in Pakistan.

KOPENHAGEN. Zeitlich könnte es gar nicht besser passen. Während in meiner alten Heimatstadt Köln Rosenmontag gefeiert wird (und mehr) bringt die Post in Kopenhagen die aktuelle Ausgabe der deutschen bauzeitung. Titelthema: Bauen für Tiere. Auf dem Titel: ein Blick auf die Elefanten im Kopenhagener Zoo (der in Frederiksberg liegt um genau zu sein). Da dachte ich, hier oben im Norden kann ich Karneval komplett entkommen und dann doch “ene Besuch em Zoo” am Rosenmontag (im Internet kursieren diverse Schreibweisen dieses Karnevalsklassikers, als den rheinischen Gefilden Entflohener verzeihe man mir, dass ich womöglich nicht in der Lage bin den Liedtitel korrekt zu schreiben, aber et kütt wie et kütt). Den vom Büro Norman Foster entworfenen Neubau des Kopenhagener Elefantenhauses habe ich für die März-Ausgabe der deutschen bauzeitung besucht und kritisiert – im positiven wie im negativen Sinne. Ein Vorgeschmack hier (nach der Musik), den kompletten Text mit Bildern und Bauzeichnungen gibt es im aktuellen Heft.

>>Wäre da nicht dieser leichte, doch recht angenehme warme Geruch nach Mist eines vegetarischen Säugetiers – man würde erwarten beim Betreten von Norman Fosters neuem Elefantenhaus Handtücher gereicht und den Weg zur Massageabteilung gezeigt zu bekommen. Denn die Eingangspartie des Gebäudes erinnert an die eines Spa-oder Schwimmbades: Der Bau ist flach und der ausladende Vorhof menschenleer, erreicht wird dieser über eine flache langgezogene Treppe oder eine geschwungene Rollstuhlrampe. Der von oben bis unten verglaste Eingang ist sechs Meter breit und die gläserne Schiebetür öffnet automatisch.

Nicht nur von der Ästhetik her ist die Spa-Bad-Assoziation angebracht, denn „hier sollen sich alle wohlfühlen, die Tiere wie die Menschen“, sagt Zoo-Direktor Lars Lunding Andersen. Damit hat er auch gleich den Hauptgrund dafür genannt, dass der Kopenhagener Zoo ein neues Elefantenhaus brauchte. Das alte war von 1914 und symbolisierte wofür damals auch Elefanten standen: Stärke und Unnahbarkeit. Es war ein hoher, aber schmaler Bau mit dicken fast fensterlosen Backsteinmauern – „ein Gefängnis“, so Andersen.<<

Also, zum Kiosk oder online bestellen und dann nach Kopenhagen kommen, Elefantenhäuser gucken.

KOPENHAGEN. Nur kurz aus aktuellem Anlaß der Hinweis auf meinen Bericht für Die Welt zu den Festnahmen von heute.

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