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BERLIN. Der Name ist Englisch und die während des “Events” am meisten gesprochene Sprache ist vermutlich auch das Englische. Derzeit wird in Berlin wieder das Galerien-Wochenende veranstaltet, Gallery Weekend genannt. Der Norden Europas ist auch gut vertreten – nicht nur unter den Gästen, sondern auch den Galeristen (Nordenhake) und Künstlern (Aasan). Detalis gibt es hier. Galleri helg wäre übrigens Schwedisch für Gallery Weekend.


KOPENHAGEN. Selbstbespiegelung ist in den nordischen Ländern recht ausgeprägt, zumindest auf kollektivem Niveau. Wenn im Ausland über das eigene Land berichtet wird, ist das fast immer eine Schlagzeile wert. Schwedische Medien berichteten sogar in eigenen Artikeln, dass der Selbstmordattentäter vom Dezember in Stockholm international auf Interesse stieß – es schien als sei man stolz darauf.

Es muss wohl an einem gewissen Minderwertigkeitskomplex liegen, wenn jedes bisschen Aufmerksamkeit gleich zu einem Jauchzen führt. Aus einem großen Land mit (glücklicherweise) wenig Nationalstolz kommend, ist mir das ziemlich suspekt. Noch suspekter muss das wohl Chinesen sein. So wie Chinesen über Berlin oder München als Großstadt nur lächeln können, beschäftigen sie sich vermutlich auch nicht damit, dass ihr Land mal wieder irgendwo im Ausland in einer Zeitung steht.

Ingar Dragset vor "When a Country feels in love with itself", Kopenhagen 2008. (Foto: Bomsdorf)

Ingar Dragset vor "When a Country feels in love with itself", Kopenhagen 2008. (Foto: Bomsdorf)

Dänemark hat es mal wieder geschafft: “Anerkendt britisk avis laver hyldestguide til Danmark” (etwa: “Anerkannte britische Zeitung bringt lobpreisenden Dänemark-Führer”) titelt die online Ausgabe der linksliberalen Tageszeitung Politiken und schreibt voller Selbstzufriedenheit, wie toll die britischen Reisejournalisten Dänemark fänden (wenngleich sie über Rassismus klagen, auch das bleibt nicht unerwähnt). The Guardian hatte die entsprechenden Texte veröffentlicht. Wer dem Link dorthin folgt, kann das englische Original lesen.

Letztlich handelt es sich um nichts Weiteres als die klassische typische recht unkritische Reisetippberichterstattung. Aber so wie sich viele Schauspieler, die den Zenit überschritten haben oder jene, die nie die Spitzenliga erreicht haben, über jeden oberflächlichen positiven Artikel über sie freuen, mag er auch noch so substanzlos sein, so ist es wohl mit manch kleinen Ländern – Hauptsache man kann den Eindruck erwecken, wahrgenommen zu werden. Manchmal ist so etwas – bei Staaten wie bei Schauspielern – tragisch zu nennen. Dabei haben die Länder hier oben wie viele andere auch doch so interessantes zu bieten, warum also jedes bisschen Aufmerksamkeit aufbauschen wie ein Profilneurotiker? Vor drei Jahren präsentierte das dänisch-norwegische Künstlerduo Elmgreen und Dragset auf der U-Turn Quadriennale (die dann doch ein Einmalereignis blieb) das Werk “When a country falls in Love with itself” – sie stellten einen Spiegel vor dem dänischen Wahrzeichen Kleine Meerjungfrau auf.

Dies nicht aus Eitelkeit, sondern für diejenigen, die mehr lesen möchten: Für die online Ausgabe von art schrieb ich damals einen Artikel über U-Turn – zu lesen hier, im Interview, das ich im Herbst 2010 mit Elmgreen und Dragset für The Art Newspaper führte, sprechen sie auch über die Selbstbezogenheit Nordeuropas (wobei, was Michael Elmgreen hier sagt auch für Deutschland gelten dürfte – weniger für die seriöse Presse, aber die Bevölkerung als solche, dazu ein aktueller Text von Claudius Seidl aus der FAZ am Sonntag) – komplett nur in der gedruckten Ausgabe, ein Ausschnitt deshalb direkt im Blog:

TAN: Your works When a Country Falls in Love with Itself and Han clearly refer to the Little Mermaid. Ai Weiwei has also been influenced by Copenhagen’s famous sculpture. Why is it so appealing to tourists and artists?

ME: National symbols are always fun to investigate and work with. They tell us about national identity.

TAN: In Sweden, the new right-wing political party in parliament—the Sweden Democrats—argues against supporting non-figurative art. How do you feel, as Scandinavians, hearing that?

ME: It is totally out of touch with reality—the most conservative non-progressive art may be abstract art. But I’m not part of that society anymore: I am an emigrant, I moved somewhere else. I don’t lose sleep about tendencies in Scandinavia. It worries me more that three million people are homeless because of the flooding in Pakistan.


 

Berlin, Berlin - der Kulturteil von Politiken in den vergangenen Tagen. (Foto: Bomsdorf)

Berlin, Berlin - der Kulturteil von Politiken in den vergangenen Tagen. (Foto: Bomsdorf)

 

KOPENHAGEN. Dass die Dänen ganz wild auf die deutsche Hauptstadt sind, ist mittlerweile nicht mehr neu und natürlich sind sie auch nicht die einzige Ausländergruppe, die ihre Freude an Berlin hat. Angeblich aber sind die Dänen diejenigen, die in den vergangenen Jahren am meisten Zweitwohnungen in Berlin gekauft haben. Das wirkliche Großstadtleben zog sie an, die Kultur, die Party. Doch die ist jetzt vorbei. Das mutmasst zumindest die Zeitung Politiken, die seit Tagen eine kleine Reportermannschaft aus Berlin berichten lässt.

Als ich vergangene Woche dort war, habe ich nicht diesen Eindruck gehabt und meine dänischen Freunde und Bekannte, die Zweitwohnungen in Berlin haben, haben diese auch noch nicht verkauft. Warten wir es also ab und hören zwischenzeitlich nochmal ein dänisches Lied über die deutsche Hauptstadt. Nordstrøm mit “Berlin”.
Darin heißt es unter anderem „I vintertunge dyner/Ved Alexanderplatz/Vender mine syner/I en uendelig nat/Du sender hede bølger/Med Nordens kolde vind“ („In winterschweren Decken/Am Alexanderplatz/Wenden sich meine Blicke/Iin eine unendliche Nacht/Du sendest heiße Wellen/Mit dem kalten Wind des Nordens“). Nachzulesen in dem Artikel, den ich über die Berlin-Begeisterung der Dänen für die Welt schrieb – im Februar 2007.


Haraldur Jónssons Behälter im Felleshus der nordischen Botschaften, Berlin. (Foto: Bomsdorf)

Haraldur Jónssons Behälter im Felleshus der nordischen Botschaften, Berlin. (Foto: Bomsdorf)

BERLIN. Vom Aufstieg und Fall Islands war an dieser Stelle schon einiges zu lesen. Auch davon, wie Boom und Bust von der isländischen Kunst aufgenommen wurden. Derzeit gibt es die Gelegenheit das zu sehen, ohne nach Island reisen zu müssen. Im Felleshus der nordischen Botschaften in Berlin ist noch bis 11. Juli die Ausstellung “EXKURS – Isländische Kunst in außergewöhnlichen Zeiten” zu sehen (kuratiert von Markús Thor Andrésson).

Haraldur Jónsson (übrigens der Sohn des Architekten Jón Haraldsson, der die faszinierende Kirche von Stykkisholmur entworfen hat) zeigt das Werk “Behälter – Plastikbehälter (oder anschaulicher: Kinderbadewannen) verschiedener Größe”. Alle sind sie mit einem sehr gleichmäßigen Loch im Boden versehen. Das Kinderlied “Ein Loch ist im Eimer” zwingt sich nahezu auf. Jónsson, der perfekt Deutsch spricht, dürfte es wohl kennen (zudem ist es auch von Harry Belafonte gesungen in einer englischen Version berühmt geworden, ob es nun so hörenswert ist, wie es Applaus bekommt, ist eine andere Sache). Geld, das Elixier der Wirtschaft, ist auf Island in den vergangenen Jahren einfach weggeflossen. (In dem Zusammenhang ist ein weiteres Kinderlied angebracht: Oh, Du lieber Augustin)

Seither ist auf Island die Diskussion um den Neuaufbau der Gesellschaft in vollem Gange. Eine oft wiederholte Forderung ist, dass die Verfassung mehr Elemente der direkten Demokratie bekommen müsse. Libia Castro und Ólafur Ólafsson haben schon Anfang 2008 ihre Interpretation der isländischen Verfassung geschaffen und diese singen lassen. Die beiden werden übrigens Island auf der nächsten Biennale in Venedig vertreten.


17 Euro für 400 Meter - Kurzstrecke in Oslo. (Foto: Bomsdorf)

17 Euro für 400 Meter - Kurzstrecke in Oslo. (Foto: Bomsdorf)

OSLO. Selbst meine norwegischen Freunde, die kein Deutsch sprechen, kennen ein Wort: “Kurzstrecke”. Mit dem Zauberwort gleiten sie durch Berlin und lassen sich im Mercedes chauffieren zum Preis (derzeit 4 Euro so weit ich weiß) kaum höher als der eines ÖPNV-Einzelfahrscheines in Oslo.
Freitag musste ich in Oslo für die letzten paar hundert Meter auf dem Weg zu einem Interview im Zentrum von Oslo schnell ein Taxi heranwinken, um mich ein paar Minuten fahren zu lassen. Das Taxamater zeigte nach drei Minuten und 0,4 km 134 Norwegische Kronen – 17 Euro. Das ist der Mindestpreis bei Norges Taxi am Freitag ab 17 Uhr (und genau da hatte ich mein Ziel erreicht). Aber was soll`s, ist ja keiner gezwungen, Taxi zu fahren.

Ein kleiner ordnungspolitischer Nachtrag: Wieweit die norwegischen Behörden ähnlich den deutschen in den Taximarkt eingreifen, ist mir nicht bekannt, aber zumindest konkurrieren die Osloer Taxen auch über den Preis. Denn nicht alle nehmen das Gleiche.


Das Podium im DAC, links Lars Ramberg, im Hintergrund sein Palast des Zweifels. Abwesend: Die Diskussion.

KOPENHAGEN. Es geschieht nicht so oft, dass Deutschland in Sachen Architektur von Nordeuropa gelobt wird. Doch Mittwochabend war es einmal wieder so weit. Bei einer Podiumsdiskussion im Dänischen Architekturzentrum (DAC) befand der norwegische Künstler Lars Ramberg, dass die deutsche Streitkultur positive Auswirkungen auf Stadtplanung, Architektur und Kunst am Bau hätte. Während man in Nordeuropa nicht bereit sei, für seine Ideen zu kämpfen, sondern die Harmonie höher werte, sei das in Deutschland umgekehrt. Die Aussichten interessante Projekte durchzusetzen, seien deshalb höher als im Norden, so Ramberg. Der Norweger ist seit mehr als zehn Jahren in Berlin ansässig und in Deutschland vor allem für sein Projekt “Palast des Zweifels” bekannt (siehe das Hintergrundbild und diverse Berichte im Netz). Um die Arbeit durchzusetzen, hat er sechs Jahre lang Überzeugungsarbeit leisten müssen und die damit verbundene öffentliche Diskussion hat dazu geführt, dass viele Leute über das Projekt erst nachgedacht haben.

Und zum Thema Streitkultur, Deutschland vs. Nordeuropa noch ein Satz: Die Podiumsdiskussion, an der neben Ramberg u.a. noch der Kopenhagener Stadtarchitekt Jan Christiansen und der Architekturkritiker Karsten Ifversen von der Zeitung Politiken teilnahmen,  verlief extrem harmonisch. Es war eigentlich ein Podium ohne Diskussion. Dennoch gilt für mich was die Gestaltung öffentlicher Bauten angeht, kann Deutschland mit dem Norden leider nicht mithalten.


"Lassen Sie Ihr Baby nicht unebaufsichtigt" - Hinweis auf der Herrentoilette der Nordischen Botschaften in Berlin. Foto: Bomsdorf

BERLIN. In der Gleichstellungsdebatte werden die nordischen Länder immer wieder als Vorbild genannt – meist geht es darum, dass die Erwerbstätigenquote der Frauen höher ist und höhere Positionen in Politik, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung öfter mit Frauen besetzt werden. Als Begründung, warum die Gleichstellung im Norden weiter ist werden Argumente wie ein anderes Steuersystem und bessere Kinderbetreuung angeführt. Sicherlich nicht falsch, doch es ist auch eine prinzipielle Einstellungssache, die sich manchmal an so profanen Orten zeigt wie Toiletten. Exemplarisch können das die deutschen Politiker in den nordischen Botschaften sehen. Dort steht auf der Herrentoilette selbstverständlich ein Wickeltisch. Es muss nicht immer ein großer Wurf wie eine Steuerreform sein, um Verhältnisse zu ändern, manchmal haben auf den ersten Blick kleine Dinge ebenfalls große Bedeutung.

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