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KOPENHAGEN. Am Montag startet der antikapitalistische Kopenhagener Freistaat Christiania eine internationale Kampagne, um Geld für einen Immobilienkauf einzusammeln. Ausgerechnet neben den Demonstranten von Occupy Wallstreet wollen die Alternativen für ihre “Volksaktien” werben. Die antikapitalistische Gemeinde im Zentrum von Kopenhagen versucht seit ihrem 40. Geburtstag im September mit Hilfe von “Volksaktien”, die letztlich nicht mehr sind als Spendenbescheinigungen, mehrere Millionen Euro einzusammeln, um ihre kleines Reich von der Regierung zu erwerben. Diese hatte dem Kauf nach Dekaden des Streits im Sommer zugestimmt.

Das Fundraising in Dänemark ist schleppend angelaufen, nun wollen die Christianitter mit einem Fotoshooting auf der Wallstreet eine Kampagne starten, um im Ausland Geld einzusammeln. Schon jetzt stehen Deutschland und Schweden nach Dänemark ganz oben auf der Spenderliste. Dazu in der aktuellen Financial Times Deutschland ein Artikel von mir und Praktikantin Selina Marx.

KOPENHAGEN. Wer einmal In the Ghetto ist, hat’s schwer dem zu entkommen. Das wusste schon Elvis Presley. Dänemark will diesen Kreislauf jetzt mit einer Anti-Ghetto-Strategie brechen. Wie die aussieht, habe ich hier in der Welt beschrieben. 68 000 Dänen müssen nun damit leben als Ghetto-Bewohner deklariert zu werden. Doch ist diesen wirklich geholfen, wenn sie nun als Einwohner von Problembezirken stigmatisiert werden? Der ein oder andere mag das als Ansporn sehen, rauszukommen, andere eher als noch demotivierender. Elvis Presley scheint die Problematik besser verstanden zu haben als manch dänischer Politiker – sein Liedtext zum Problemkreislauf Ghetto hier.

KOPENHAGEN. Anlässlich des offiziellen Tages gegen Menschenhandel fand am 18. Oktober die vom Danish Institute for Human Rights (DIHR) mitorganiserte Anti-Trafficking-Konferenz im Rathaus statt.  Eine Foto-Ausstellung visualisierte die Zwangsprostitution von Frauen, die als größte Fallgruppe des Menschenhandels gilt und im Focus der Veranstaltung stand. Mikkel Warming, der Kopenhagener Bürgermeister für Soziales eröffnete die Veranstaltung  mit einer kurzen Einführungsrede. Er gehörte an diesem Tag jedoch leider zur Minderheit.  Denn er ist ein Mann. Von den etwa 150 Teilnehmern waren geschätzte 90% weiblich und 10% männlich, die Musiker, die für die Pausenunterhaltung sorgten, großzügigerweise einberechnet. Wenn Zwangprostitution von Frauen und Maßnahmen zur  Prävention im Zentrum der Veranstaltung stehen, macht es da überhaupt Sinn, wenn kaum Männer im Publikum sitzen und zuhören?

KOPENHAGEN. Der beste Informant ist der Denunziant – das wissen auch dänische Kommunen. Sie machen sich diese Weisheit jetzt zu Nutze und fordern die Bürger auf, ihre Mitbürger anzuschwärzen – ganz einfach anonym und online. Der Nachbar bezieht Mietzuschuss als Alleinlebender, obwohl er die Wohnung mit der Partnerin teilt? Er arbeitet schwarz während er Krankengeld kassiert? Solcher Sozialbetrug auf Kosten der Steuerzahler soll in Dänemark ausgemerzt werden. Mit Hilfe ebenjener Steuerzahler, die die Leistungen finanzieren. „Wir sind auf die Unterstützung der Bürger angewiesen, weil wir nicht bei den Leistungsempfängern vorbeischauen können“, sagt Berit Forum von der Haderslev Kommune im Süden Dänemarks. Details in meinem Artikel, der heute auf Seite 1 der FTD erschien und online hier zu lesen ist. (Bild und Spiegel Online haben das Thema aufgegriffen und beziehen sich in ihren Berichten auf meinen Artikel.)

Keine Frage, der Sozialstaat baut auf das Vertrauen der Bürger und ist nicht mehr finanzierbar, wenn er zu sehr ausgenutzt wird. Aber ist der Aufruf zum Denunziantentum nicht die beste Methode die Bürger zu solchen zu machen, die einander mißtrauen und dem Sozialstaat damit die Basis zu entziehen? Wie wäre es, wenn der Staat selber kontrolliert, ob er seine Gelder an die wirklich Bedürftigen ausschüttet, statt die Steuerzahler zu Spitzeln zu machen?

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