You are currently browsing the category archive for the ‘Integration’ category.

KOPENHAGEN. Das israelische Künstlerduo Gil & Moti will Araber zu Freunden machen und der Homosexualität zur Normalität verhelfen – ab diesem Wochenende auch in Bochum (hier der Link zur Website des Museums, die in etwa so attraktiv gestaltet ist wie ein Leitz-Ordner). Ich habe die beiden anlässlich ihrer aktuellen Ausstellung in Kopenhagen getroffen.

Pat und Patachon, Gilbert & George, Eva & Adele, Schulz und Schultze – echte oder vermeintliche Zwillingspaare sind in Populärkultur wie Kunst ein Hingucker, oft unterhaltsam, manchmal (gewollt oder ungewollt) lächerlich. Nun also Gil & Moti. Doch mit wem der erstgenannten hat das israelische Künstlerpaar eigentlich am meisten gemein? Die beiden sind Männer, das spricht für das dänische Stummfilmduo Pat und Patachon, die Künstler Gilbert & George sowie Schulz und Schultze, das Zwillingspaar aus den Tim und Struppi-Comics. Sie sind Künstler – wie Gilbert & George und Eva & Adele. Sie sehen sich ziemlich ähnlich, ebenso Gilbert & George, Eva & Adele sowie Schulz und Schultze. Offensichtlichkeiten helfen also nicht weiter. Menschen und Werk muss auf die Spur gegangen werden. Für die online Ausgabe von art habe ich das anlässlich der noch andauernden Ausstellung in der Kunsthalle Nikolaj in Kopenhagen getan. Der Text bei art kann hier gelesen werden, zur Kunsthalle Nikolaj geht es hier.

KOPENHAGEN. Tagelang war eine junge illegale Einwanderin in der vergangenen Woche in Norwegen das beherrschende Thema. Maria Amelie, aus Russland stammend und von dort vor etlichen Jahren mit ihren Eltern nach Norwegen geflohen, sollte abgeschoben worden. Obwohl sie als Kind immigriert war und als Kind ihr Asylantrag abgelehnt worden war und obwohl sie die Sprache lernte und sich bestens, sprich akademisch, ausbildete und obwohl sie einen Arbeitsplatz angeboten bekommen hatte. Am Montag wurde Maria Amelie trotz Protesten abgeschoben, ihr norwegischer Partner begleitete sie nach Moskau – angeblich hat er nun nicht die entsprechenden Papiere, um sich dort aufzuhalten. Ein Kurzportrait von Maria Amelie habe ich für Die Welt geschrieben – online ist es hier zu lesen.

KOPENHAGEN. Viel ist in den vergangenen zehn Jahren geschrieben worden über den Ruck nach Rechts in Dänemark. Aus der Dänischen Volkspartei (DF – Dansk Folkeparti) kam im vergangenen Jahr der Ruf danach, die Migration auf “westliche Zuwanderung” zu beschränken – was auch immer das genau heißen mag. Doch wie fühlen sich die westlichen Zuwanderer in Dänemark? Nicht allzuwohl, legt eine Studie von Dagmar Fink nahe. Irini Armouti hat kurz vor Ende des Praktikums darüber in der Welt geschrieben.

KOPENHAGEN. Nobelpreisverleihungen, Wikileaks, Selbstmordattentat in Stockholm – dieser Tage ist im Norden so viel los wie selten. Der Blog wurde deshalb in den vergangenen Wochen sträflich vernachlässigt, wenngleich nicht völlig ignoriert. Nachgeliefert sei eine Woche nach dem Attentat in Stockholm hiermit zunächsteinmal der Hinweis auf meine Berichterstattung zum Thema in der Welt – online ist hier der große Bericht vom Tag des Anschlags und hier ein Text zum Attentäter (geschrieben gemeinsam mit dem Kollegen in London) zu lesen. Der schwedische Schriftsteller Jonas Hassen Khemiri hat in Dagens Nyheter seine Gedanken zum Attentat, zum uns und die und mehr aufgeschrieben.

KOPENHAGEN. Gestern fand das Symposium „ Integrationspolitik in Skandinavien“ statt, das in Zusammenarbeit von Cevea Think Tank Dänemark und der Friedrich Ebert Stiftung organisiert wurde. Zahlreiche Wissenschaftler und Experten sprachen über optimale Maßnahmen, Herausforderungen und Möglichkeiten rund um das Thema Integration. Was mir an der Veranstaltung gefiel, war, dass sehr viele Fakten beziehungsweise Wissen rund um das Thema Migration und Integration vermittelt wurden.

Jedoch hat nicht jeder die Möglichkeit sich diffenziert mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und darin liegt auch das Grundproblem: Jens Jonathan Stehen, der Direktor von Cevea Dänemark erklärte gestern, es gebe einen Mangel an fundiertem Wissen zum Thema Integration. Das ist vor allem besorgniserregend, wenn Migration und Integration derzeit inflationär verwendete Begriffe in den Medien und zwar sowohl in den skandinavischen Ländern als auch in Deutschland sind. Zusätzlich werden hitzige Debatten rund um das Thema Integration geführt, obwohl niemand genau weiß, was das ist. Und daher würde ich ein derartiges Symposium nur weiterempfehlen um den Mangel an fundiertem Wissen entgegenzuwirken. Sonst wird viel geredet, aber wenig gewusst und nur polarisiert. Daher, liebe Mitredner. Wie wärs‘ mit erst Wissen, dann Denken und bitte dann erst Reden?

KOPENHAGEN. Wer einmal In the Ghetto ist, hat’s schwer dem zu entkommen. Das wusste schon Elvis Presley. Dänemark will diesen Kreislauf jetzt mit einer Anti-Ghetto-Strategie brechen. Wie die aussieht, habe ich hier in der Welt beschrieben. 68 000 Dänen müssen nun damit leben als Ghetto-Bewohner deklariert zu werden. Doch ist diesen wirklich geholfen, wenn sie nun als Einwohner von Problembezirken stigmatisiert werden? Der ein oder andere mag das als Ansporn sehen, rauszukommen, andere eher als noch demotivierender. Elvis Presley scheint die Problematik besser verstanden zu haben als manch dänischer Politiker – sein Liedtext zum Problemkreislauf Ghetto hier.

KOPENHAGEN. In Malmö wird derzeit Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund gemacht. An der Bushaltestelle warten, in der Wohnung sitzend werden sie aus Entfernung angeschossen. Seit einem Jahr  hat es in der südschwedischen Stadt über 15 solcher Fälle gegeben, Schüsse fielen gar noch viel mehr. Eine Person kam ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

In Schweden werden Erinnerungen an einen ähnlichen Fall vor rund zwanzig Jahren wach. Damals schoss der so genannte Lasermann in Stockholm auf Menschen, die er für Immigranten hielt, eine Person wurde getötet. Sämtliche Opfer hatten dunkle Haut- oder Haarfarbe. Der Täter war selber Sohn von Einwanderern – die Mutter kam aus Deutschland, der Vater aus der Schweiz.

Damals wie heute war die politische Debatte in Schweden ungewöhnlich stark von Fremdenfeindlichkeit geprägt. Im Jahr 1991 als die Schießereien in Stockholm begannen, zog mit „Ny Demokrati“ (Neue Demokratie) erstmals eine rechtspopulistische Partei in das nationale Parlament ein. Der Wiedereinzug gelang den Rechten aber 1994 nicht. Im selben Jahr wurde der damalige Täter gefasst. Vor gut einem Monat schafften die „Sverigedemokraterna“ (Schwedendemokraten) den Einzug ins Parlament – zum zweiten Mal sind in Schweden Rechtspopulisten im Reichstag vertreten. In den 1990ern wie heute polemisieren die Rechten gegen Einwanderer. In Schweden wird gemutmasst, dass das politische Klima den Nährboden für die ausländerfeindlichen Taten bereitet haben könnte. Immer wieder werden die Schüsse deshalb im Zusammenhang mit den Schwedendemokarten genannt. Nicht dass jemand behauptet, die Partei würde aktiv zu entsprechenden Taten aufrufen, aber eben Ausländerfeindlichkeit salonfähig machen.

Doch obwohl in den Medien entsprechende Vorwürfe wieder und wieder zu hören sind, ist von den Schwedendemokraten zu dem Thema erstaunlich wenig zu hören. Als ich einen Text über die Schüsse für die Welt schrieb, rief ich deshalb bei der Partei an. Der Sprecher nahm Abstand von den Angriffen und bestätigte, was ich vermutet hatte, nämlich, dass kaum ein schwedischer Kollege bei den Schwedendemokraten um einen Kommentar zu den Vorwürfen gebeten hatte. Eine gelinde gesagt seltsame Arbeitsweise, die die schwedischen Journalisten da an den Tag legen. Die Partei vertritt alles andere als liberale Ansichten und polemisiert gegen Ausländer, doch sollte sie als Beschuldigte auch die Möglichkeit haben, zu Wort zu kommen.

„Wir halten diese Schüsse für bedauerlich, aber können keine Verbindung zu uns sehen“, sagte mir einParteisprecher. Die Partei habe stets die Einwanderungspolitik kritisiert, aber nicht sich gegen die einzelnen Einwanderer gewandt, so der Sprecher. Obwohl die Rhetorik der Schwedendemokraten in den schwedischen Medien mehrfach mit den Schüssen in Malmö in Zusammenhang gebracht werde, habe es nur wenige Anfragen heimischer Medien gegeben, dazu Stellung zu beziehen, sagte er. „Dass wir nicht kontaktiert werden, ist ein Teil der Hetze gegen uns“, sagte er. Genauso wie ich von den schwedischen Kollegen erwartet hätte, bei den Schwedendemokraten eine Stellungnahme einzuholen, hätte ich allerdings auch von der Partei erwartet, selber mit einer entsprechenden Meldung an die Presse zu gehen.

KOPENHAGEN. Er könne keiner Fliege etwas zu Leide tun – vielleicht ist es jenes Image, das Jimmie Åkesson, anstrebt. Der junge Mann ist wie bekannt Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Schwedendemokraten und frisch gewähltes Mitglied des schwedischen Reichstags. Als solches zieht er derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich (auch dann, wenn er nicht gerade aus Protest die Kirche verlässt). Das norwegische Morgenbladet führte das Interview der Woche in der letzten September-Ausgabe mit dem Politiker. Dort offenbarte er, wieso die Ausländer Europa so gefährlich werden können. Es ist deren Umgang mit den Tieren!

Gefragt, ob es primär Muslime seien, die seiner Meinung nach lieber das Land verlassen sollten, antwortete Åkesson: “Das gilt für alle, die von kulturell rückständigen Ländern kommen. Muslime und andere, die fundamental unterschiedliche Sicht auf grundlegende Teile unserer Gesellschaft haben – Gleichstellung, Behandlung von Tieren, Demokratie und Konfliktlösung.” Leider vertieft er sein Tier-Argument nicht. So bleibt nur, Vermutungen anzustellen – ist es das Schächten der Tiere, das Åkesson für so zurückgeblieben hält? Oder die Tatsache, dass in manchen Religionen kein Schweinefleisch gegessen wird oder vielleicht das Faktum, dass Rinder auf der Straße herumlaufen dürfen statt zusammengepfercht im Stall zu stehen? Jedenfalls ist es gut, dass man oder zumindest Åkesson die bösen Menschen daran erkennen kann, wie sie ihre Tiere behandeln. Noch habe ich nicht nachgeschaut, aber vielleicht schlagen die Sverigedemokraterna ja in ihrem Parteiprogramm vor, Asylantenheime nach der erzwungenen Abwanderung von 90 % der Einwanderer in Tier-Asyle umzubauen.

KOPENHAGEN. Deutsche Zeitungen und Magazine haben offenbar genug von Kurt Westergaard. Jedenfalls lautete die Standardantwort, als ich eine Geschichte über den Zeichner der Mohammed-Karikatur angeboten habe: “Der wurde doch gerade in Berlin geehrt und jetzt nun wirklich ausgiebig in den Medien”. Das mag sein. Überrascht hat mich das Desintresse doch ein wenig, weil ein deutscher Journalist nicht alle Tage die Möglichkeit bekommt, Westergaard in seinem Haus zu besuchen.

Schließlich fand sich mit der schweizer Sonntagszeitung doch ein Interessent. Und selbst wenn ich keinen Abnehmer für meine Geschichte gefunden hätte: Ich wäre wohl trotzdem gefahren. Ich war einfach zu gespannt auf ein Treffen mit dem Zeichner. Immerhin ist der Mann inzwischen so etwas wie ein Objekt der Zeitgeschichte. Da kann es nicht schaden, ihn persönlich zu treffen und mal ein 3-Stunden-Gespräch aufzuzeichnen.

Was mir schon nach den ersten 15 Minuten aufgefallen ist: Über Kurt Westergaard kann man nicht nur 1000 verschiedenen Geschichten schreiben, der Mann erzählt auch selbst gerne 1000 Geschichten.

So ist der Text also nur eine von unzähligen verschiedenen Möglichkeiten sich Kurt Westergaard zu nähern. Die Geschichte ist am gestrigen Sonntag erschienen und online nachzulesen.

KOPENHAGEN. Morgen jährt sich der erstmalige Abdruck der Mohammed-Karikaturen zum fünften Mal. Am 30. September 2005 druckte Dänemarks liberal-konservative Zeitung Jyllands-Posten zwölf Zeichnungen, die den Religionsstifter des Islam zeigen. Für Muslime eigentlich schon ein Sakrileg an sich, herrscht für sie doch ein strenges Bilderverbot, wenn es um den heiligsten ihrer Propheten geht. Abgesehen davon nimmt nur ein Teil der Karikaturen Mohammed wirklich aufs Korn. Manche sind recht neutral gehalten, eine zeigt den Propheten gar als mäßigenden Mann, der zwei zu Anschlägen bereiten Islamisten sagt: “Ruhig Blut, Jungs. Immerhin handelt es sich hier nur um eine Zeichnung von einem Ungläubigen.”

Für Aufsehen – und in der muslimischen Welt vor allem auch für Aufregung – sorgte die Karikatur von Kurt Westergaard, die Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf zeigt (anstatt eines Turbans), deren Lunte brennt. Der Prophet: ein Terrorist. Alle Muslime: Terroristen. So sahen es jedenfalls viele Muslime zwischen Casablanca und Islamabad. Kalt gelassen hat diese Zeichnung Westergaards wohl niemanden, doch eine kleine Minderheit radikaler Geistlicher und anderer Fundamentalisten zogen daraus den Schluss, Westergaard und die Zeitung Jyllands-Posten, die sich erdreisteten, diese Beschmutzung Mohammeds in die Welt zu setzen, müssten von der Bildfläche verschwinden.

Es gab welche, die den Aufrufen zum Terror folgten.

- So sind in den USA im vergangenen Herbst zwei Männer wegen mutmaßlicher Anschlagspläne in Dänemark festgenommen worden. Sie sollen unter anderem ein Attentat auf das Verlagshaus der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ geplant haben. Unter dem Codenamen „Mickey Mouse-Projekt“ soll im Zentrum des geplanten Anschlags die Tötung von „Jyllands-Postens“ Kulturredakteur Flemming Rose (damals verantwortlich für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen) sowie Kurt Westergaard gestanden haben.

- Erst gestern gestand einer der drei im Juli in Oslo und Duisburg festgenommenen Männer, dass das Ziel ihres geplanten Anschlags die Redaktion der Zeitung Jyllands-Posten und Kurt Westergaard gewesen sein soll.

- Am Neujahrsabend dieses Jahres drang ein junger Attentäter aus Somalia mit einer Axt in Westergaards Haus ein. Der Zeichner konnte sich im letzten Moment in seinem Badezimmer einschließen und von dort aus per Alarmanlage die Polizei verständigen, die den auf die Badezimmertür einhackenden Angreifer überwältigte. “Es waren die längsten Minuten meines Lebens”, sagte mir Westergaard, als ich ihn vergangene Woche bei ihm zu Hause besuchte.

Dies sind nur drei Beispiele, die zeigen, dass zumindest eine kleine muslimische Minderheit gedenkt, die darstellerische Äußerung Westergaards mit Gewalt zu beantworten. Diese Bedrohung wird wohl nie aufhören. Jedenfalls nicht für Westergaard. “Zum Glück bin ich schon alt”, sagte mir der 75-Jährige. “Wäre ich erst 30 oder 40, würde ich nicht so locker mit der Situation umgehen.”

Kurt Westergaard in seinem Arbeitszimmer (Foto: Elmar Jung)

Kurt Westergaard in seinem Arbeitszimmer (Foto: Elmar Jung)

Immerhin steht Westergaard 24 Stunden am Tag unter Polizeischutz. Er kann keinen Schritt machen, ohne das nicht vorher mit den Beamten der Polizei und des dänischen Geheimdienstes abzusprechen. Als ich mit ihm einen Moment in seinem Arbeitszimmer alleine war, fiel einer seine zahlreichen Spazierstöcke, die an der Wand hing, aus der Halterung. Es machte ein dumpfes Geräusch, und ich sagte zu Westergaard: “Sie werden sehen, gleich wird einer ihrer Leibwächter ins Zimmer stürmen um zu sehen, was…” Und prompt stand er auch schon in der Tür, der Leibwächter. Er musste dann doch nichts anderes machen, als den Stock wieder in seine Halterung zu hängen. Das Klima der Angst und ständigen Bedrohung aber konnte dieses im Grunde witzige Missverständnis nicht beseitigen. Es bleibt.

Und es bestimmt nicht nur das Leben des dänischen Zeichners. Es beeinflusst auch das Handeln und Befinden der westlichen Welt, vor allem Europas. Dieser Meinung ist zumindest Flemming Rose, der vor fünf Jahren die zwölf Mohammed-Karikaturen in Auftrag gab. Clemens und ich trafen ihn am Montag in seinem Redaktionsbüro in Kopenhagen. Auch Rose hat Leibwächter an seiner Seite. Am morgigen Donnerstag, 30. September, erscheint in Dänemark sein Buch “Tavshedens Tyranni” (Die Tyrannei des Schweigens). Ein bemerkenswert konsequenter Text zur Meinungsfreiheit. Rose vertritt in dieser Frage einen recht extremen Standpunkt, der besagt, dass man eigentlich alles sagen darf, so lange man nicht zur Gewalt aufruft. Die Leugnung des Holocausts: “Warum denn unter Strafe stellen?”

Rose geht mit der europäischen Politik ziemlich ins Gericht. Anstatt einer immer weiter fortschreitende Diversifizierung der Gesellschaft (immer multikultureller, immer mulitethnischer, immer multireligiöser) mit einer immer stärkeren Ausweitung der Meinungsfreiheit zu begegnen, ziehe Europa die Grenzen des freien Worts immer enger. Als Beispiel nennt Rose 2007 eine von der EU auf Betreiben Deutschlands auf den Weg gebrachte Rahmendirektive, die alle Mitgliedstaaten dazu auffordert, Gesetze zu implementieren, die die Leugnung des Holocausts unter Strafe stellt. Eine Kriminalisierung aber sei der falsche Weg. So konserviere man nur die Auffassung der Holocaust-Leugner. Stattdessen solle man versuchen, die Irrenden mit Argumenten und Fakten zu überzeugen.

Für Rose ist dies Teil einer nie endenden Spirale, bei der immer neue Minoritäten einen Schutz vor Kränkungen jedweder Art für sich beanspruchen. Setze sich diese Tendenz fort, werde der Druck in den kommenden Jahren steigen, immer mehr Vorschriften zu beschließen, die immer mehr Äußerungen kriminalisieren. Eine wachsende kulturelle und religiöse Vielfalt werde zunehmend mit einer Einschränkung der Meinungsfreiheit beantwortet.

Vor allem mit Blick auf verbale und satirische Angriffe auf den Islam ist die oft zu beobachtende Zurückhaltung und teilweise auch Selbstzensur laut Rose vor allem auf die Furcht vor Gewalt zurückzuführen. “Heute heißt es, man wolle keine schwache Bevölkerungsgruppe treffen, Kritik könne schnell rassistisch werden und so weiter. Deshalb halten wir uns mit Kritik zurück. Ich denke, das ist oft eine schlechte Entschuldigung. In Wirklichkeit geht es um die Angst vor gewalttätigen Reaktionen. Heute fällt es uns schwer zu akzeptieren, dass Gewalt Argument einer öffentlichen Debatte geworden ist. Das passt nicht zu unserem Selbstbild”, so Rose.

Für Rose wird dieser Mechanismus, das Druckmittel der Gewalt von Seiten radikaler Muslime so lange funktionieren, so lange Europa und der Rest der westlichen Welt dem nicht deutlich genug entgegentreten. Erst wenn genug Europäer aufstünden und sagen: Wir beugen uns dieser Gewalt nicht, wir finden uns nicht damit ab, eingeschüchtert zu werden, sei dieser Kreislauf aus Selbstzensur, Angst und Gewalt zu brechen.

Wer will, kann das Interview mit Flemming Rose, das Clemens und ich geführt haben und das heute in der Welt erschienen ist, online nachlesen.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.