You are currently browsing the category archive for the ‘Gleichstellung’ category.

KOPENHAGEN. Anlässlich des heutigen Weltfrauentages und der immer leicht schwelenden Diskussion um eine Frauenquote auch in Deutschland hier ein paar Links zu Artikeln zum Thema Frauenquote in Norwegen von mir. Schon recht lange her der Text in der Wirtschaftswoche von 2006, kurz nach Einführung der Quote berichtete ich für Zeit online, erst kürzlich für den Focus. Weitere Texte von mir zum Thema sind bei Welt und Financial Times Deutschland zu finden.

KOPENHAGEN. Während die zwei Schwedinnen, die Julian Assange angezeigt haben, im Netz zum Teil wüst beschimpft werden, haben sie in ihrer Heimat eine Debatte losgetreten. Bekannte und unbekannte Schwedinnen und Schweden bekennen nun sexuell ausgenutzt worden zu sein oder sich selber zumindest zweifelhaft verhalten zu haben.

Auf Twitter, im Internet und den großen Medien erzählen sie von ihren Erlebnissen, die sie bisher verschwiegen haben. Unter dem Stichwort Prataomdet (Sprichdrüber) hat sich eine regelrechte Kampagne entwickelt, vergleichbar mit der Aktion „Wir haben abgetrieben“, die 1971 stern-Titel war.

Für meinen in der heutigen Ausgabe von >>Die Welt<< erschienenen Artikel habe ich mit der Initiatorin der Kampagne, der Journalistin Johanna Koljonen, und einem Mann, der sein eigenes Verhalten in Frage stellt, gesprochen. Der text kann hier online gelesen werden.

Koljonens Text, der bei >>Dagens Nyheter<< den Anfang der Debatte gemacht hat, gibt es hier (natürlich auf schwedisch).

KOPENHAGEN. Anlässlich des offiziellen Tages gegen Menschenhandel fand am 18. Oktober die vom Danish Institute for Human Rights (DIHR) mitorganiserte Anti-Trafficking-Konferenz im Rathaus statt.  Eine Foto-Ausstellung visualisierte die Zwangsprostitution von Frauen, die als größte Fallgruppe des Menschenhandels gilt und im Focus der Veranstaltung stand. Mikkel Warming, der Kopenhagener Bürgermeister für Soziales eröffnete die Veranstaltung  mit einer kurzen Einführungsrede. Er gehörte an diesem Tag jedoch leider zur Minderheit.  Denn er ist ein Mann. Von den etwa 150 Teilnehmern waren geschätzte 90% weiblich und 10% männlich, die Musiker, die für die Pausenunterhaltung sorgten, großzügigerweise einberechnet. Wenn Zwangprostitution von Frauen und Maßnahmen zur  Prävention im Zentrum der Veranstaltung stehen, macht es da überhaupt Sinn, wenn kaum Männer im Publikum sitzen und zuhören?

KOPENHAGEN. Wenn Gleichstellung bedeutet, dass die Erwerbstätigenquote wie auch Einkommen, Lebenserwartung und Ausbildung von Frauen und Männern gleich sind, dann ist Nordeuropa in diesem Segment mal wieder führend. Die vier Länder Island, Norwegen, Finnland und Schweden toppen nämlich den gestern veröffentlichten Gender Gap Index des World Economic Forum in Davos und der schaut sich ebenjene Werte an. Dänemark landet auf Platz 7, Deutschland auf Platz 13 und damit noch nach Lesotho. Das heißt nicht, dass die Frauen in Lesotho besser ausgebildet sind, mehr ins Erwerbsleben integriert sind, länger leben und besser verdienen als die in Deutschland, sondern, dass der Abstand zwischen den Geschlechtern in Lesotho geringer ist und stärker abnimmt (empfohlen sei den über 300 Seiten starken Bericht zu lesen – heruntergeladen werden kann er hier, meinen Bericht für Die Welt zum Thema gibt es hier zu lesen).

Allerdings hat die Studie des World Economic Forum auch ein Manko. Denn, wenn Männer benachteiligt sind, weil sie beispielsweise an den Universitäten nur noch die Minderheit bilden, wirkt sich das nicht negativ auf die an das Land vergebenen Punkte aus, sondern zählt so viel wie absolute Gleichstellung. So studieren an isländischen Hochschulen fast doppelt so viele Frauen wie Männer – das Land erreicht trotzdem den Topwert in diesem Bereich. Wäre das Verhältnis umgekehrt, wäre der Wert erheblich schlechter.

KOPENHAGEN. Er könne keiner Fliege etwas zu Leide tun – vielleicht ist es jenes Image, das Jimmie Åkesson, anstrebt. Der junge Mann ist wie bekannt Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Schwedendemokraten und frisch gewähltes Mitglied des schwedischen Reichstags. Als solches zieht er derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich (auch dann, wenn er nicht gerade aus Protest die Kirche verlässt). Das norwegische Morgenbladet führte das Interview der Woche in der letzten September-Ausgabe mit dem Politiker. Dort offenbarte er, wieso die Ausländer Europa so gefährlich werden können. Es ist deren Umgang mit den Tieren!

Gefragt, ob es primär Muslime seien, die seiner Meinung nach lieber das Land verlassen sollten, antwortete Åkesson: “Das gilt für alle, die von kulturell rückständigen Ländern kommen. Muslime und andere, die fundamental unterschiedliche Sicht auf grundlegende Teile unserer Gesellschaft haben – Gleichstellung, Behandlung von Tieren, Demokratie und Konfliktlösung.” Leider vertieft er sein Tier-Argument nicht. So bleibt nur, Vermutungen anzustellen – ist es das Schächten der Tiere, das Åkesson für so zurückgeblieben hält? Oder die Tatsache, dass in manchen Religionen kein Schweinefleisch gegessen wird oder vielleicht das Faktum, dass Rinder auf der Straße herumlaufen dürfen statt zusammengepfercht im Stall zu stehen? Jedenfalls ist es gut, dass man oder zumindest Åkesson die bösen Menschen daran erkennen kann, wie sie ihre Tiere behandeln. Noch habe ich nicht nachgeschaut, aber vielleicht schlagen die Sverigedemokraterna ja in ihrem Parteiprogramm vor, Asylantenheime nach der erzwungenen Abwanderung von 90 % der Einwanderer in Tier-Asyle umzubauen.

KOPENHAGEN. Vergangene Woche war ich wie bereits geschrieben in Stockholm unterwegs. Mein Weg zum Hotel führte mich auch durch die Malmskillnadsgatan, Stockholms ehemaligen Straßenstrich. Viel übrig geblieben ist davon nicht. Genauer gesagt gar nichts. Die Malmskillnadsgaten war verwaist. Ein paar grölende Jugendliche, ein Cheesburger essender Penner. Von den Prostituierten, die sich hier früher die Füße platt standen, ist nichts zu sehen. Das 1999 durch eine Mehrheit aus Sozialdemokraten, Grünen und Linken im schwedischen Reichstag verabschiedete Sex-Kaufverbot scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen. Zumindest hier nicht, am ehemaligen Dreh- und Angelpunkt des käuflichen Sex’ in Stockholm.

Vor einem Monat brachte eine Untersuchungskommission im Auftrag der Regierung einen Bericht über die Prostitution in Schweden heraus. Das Ergebnis: Das Gesetz zum Sex-Kaufverbot sei ein voller Erfolg. Die Zahl der Straßenhuren im Land habe sich seit 1998 halbiert. Für Justizkanzlerin Anna Skarhed, die federführend an der Bilanz mitgefeilt hat, ist dieses Ergebnis keine Überraschung. „Eigentlich sind das doch ganz selbstverständliche Schlussfolgerungen“, sagte sie bei der Veröffentlichung.

Ich finde, dass Anna Skarheds Aussage wiederum keine große Überraschung für ein Land wie Schweden ist. Der tonangebende Feminismus hat in diesem Land die Prostitutionsdebatte geprägt. Er zieht meiner Ansicht nach eine verhängnisvolle Schlussfolgerung, die einen konstruktiven Diskurs mit Augenmaß nicht zulässt, ja, in den vergangenen zehn Jahren nicht zugelassen hat: Sexdienstleisterinnen arbeiten stets unfreiwillig, weshalb jeder Mann, der diese Dienstleistung in Anspruch nimmt, folgerichtig ein Gewalttäter sein muss. Auf dieser Prämisse basiert auch die Studie der Regierung, die voll ist von Ideologie, aber nur wenig Wissen über die Materie beinhaltet. Teilaspekte des Problems werden ausgeblendet, die betroffenen Frauen selbst kommen nicht zu Wort. Zudem kann auch diese Studie verlässlich nur etwas über die Entwicklung des offenen Straßenstrichs sagen. Was sich hinter verschlossenen Türen oder im Internet abspielt, ist schwer auszumachen. Gerade dort aber dürfte sich ein Großteil der von Gewalt und Zwang geprägten (und deshalb auch vorbehaltlos zu verurteilenden) Prostitution abspielen.

Zugegeben: Es ist nicht einfach, in Schweden jemanden zu finden, der das Sex-Kaufverbot problematisch findet. Oder sich zumindest traut, dies öffentlich zu sagen. Ich musste schon eine Weile suchen, ehe ich auf die Abgeordnete Camilla Lindberg stieß. Die Vertreterin der liberalen Folkeparti ist eine der ganz wenigen im Land – dazu noch Frau -, die öffentlich eine Aufhebung des Sex-Kaufverbots fordern. Ich traf sie mitten in Stockholm vor dem Reichstag. Eine Frau, die redet wie ein Wasserfall und die ebenso froh zu sein schien, weil sie endlich jemanden getroffen hat, der hören will, was sie zu diesem Thema zu sagen hat. “Denn die schwedischen Medien fahren hier ganz strikt die von politischer Korrektheit durchtränkten Mehrheitsmeinung”, sagte sie.

Und dann erzählte sie. Wie schwer sie es hat, seitdem sie eine offene Prostitutionsdebatte gefordert hat. “Bordell-Camilla” sei noch das Netteste, was man ihr an den Kopf werfe. Die 36 Jahre alte Frau mit dem dunklen Kurzhaarschnitt (übrigens Raucherin, was in Schweden ebenfalls ein sehr, sehr heikles Thema ist) will sich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen lassen. Die Studie der Regierung sei “Auftragsarbeit”, durchtränkt von der Ideologie des Feminismuses, der in Schweden sowieso “Staatsreligion” sei. Mutig, Frau Lindberg, wirklich sehr mutig. Doch die tapfere Politikerin hat Mitstreiter. Susanne Dodillet, die sich an der Universität in Götbeborg seit Jahren mit dem Thema Prostitution beschäftigt. ”Die ganze Debatte ist geprägt von einem großen Unwissen über die Materie”, sagt sie.

Die Männer halten sich bisher zurück. Camilla Lindberg versicherte mir zwar, dass es eine Reihe von Parlamentariern gebe, die ihr in der Sache Recht gäben, die aber auch meinten, dass sie damit unmöglich an die Öffentlichkeit gehen könnten. Als Männer Mitte 50 würden sie sofort und auf ewig als Perverslinge gebrandmarkt sein. Die politische Karriere wäre am Ende.

Eigentlich wäre es ja an einer bürgerlichen Regierung, die - wenn sie nicht schon einen großen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen kann oder will – doch zumindest für eine offene Debattenkultur in Schweden sorgt und den nach Ansicht Camilla Lindbergs “aus dem Ruder gelaufenen Feminismus” ein wenig Einhalt gebietet. Der liberale Premier Fredrik Reinfeldt übrigens stimmte anno 1999 noch gegen das Sex-Kaufverbot. Trotzdem ist von ihm in dieser Sache nichts zu hören. Er machte auch keine Anstalten, in der zurückliegenden Legislaturperiode, das Gesetz zu kippen. Vielleicht hat Reinfeldt seine Meinung inzwischen geändert. Vielleicht aber traut er sich auch einfach nicht, diese öffentlich zu sagen.

Ich zweifle daher, ob eine Wiederwahl Reinfeldts tatsächlich etwas an der Debattenkultur ändern würde. Obwohl ich der Meinung bin, dass es Schweden einmal ganz gut tun würde, eine liberal-konservative Regierung länger als nur für eine Legislaturperiode an der Spitze zu haben. Auch aus anderen Gründen, die ich in unserem Blog bereits dargelegt habe.

Einen Artikel zum Thema Schweden und die Prostitution gibt es heute in der Welt, erschienen auch online.

Das längliche muss ins Loch - Machowerbung in Kopenhagen. (Foto:Bomsdorf)

Das längliche muss ins Loch - Machowerbung in Kopenhagen. (Foto:Bomsdorf)


KOPENHAGEN. Habt ihr keinen Fernseher? war lange die Scherzstandardreaktion wenn jemand erzählte, aus welch kinderreicher Familie er kam. Fernsehen ist halt noch spannender als Sex. Was aber, wenn nur die eine Hälfte des Paares Fernsehen mag, sprich, was, wenn es heißt “Nun ist es WM, Mädels” (siehe Plakat – “Så´der VM, tøser…”)? Dann hilft nur eins: “Nun müsst ihr selber klarkommen. Mit 21 WM-Kämpfen exklusiv auf Kanal 9 sollt ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit erwarten” – so der längere Text auf dem Plakat, dazwischen – siehe Foto – ein Dildo.

Das Plakat hing riesengroß in der Kopenhagener U-Bahn. Nur eine halbe Stunde entfernt, in Schweden, wäre es absolut nicht denkbar, der Fernsehkanal hätte sich zu viel Ärger eingehandelt wegen sexistischer Reklame. Ganz abwegig ist das nicht, dennoch schön, dass so was geduldet wird. Offenbart es doch, dass das ein oder andere Fußballklischee zumindest auf die Fans dieser Reklame zutreffen dürfte: sie halten Fußball für Männersache, Homosexualität muss im Fußball ausgeblendet werden (oder: gibt es wie im Iran einfach nicht), Hau drauf-Sprüche sind die besten…

KOPENHAGEN. Skandinavien. Insel der Glückseligen. Hohe Löhne, dichtes soziales Netz, (verhältnismäßig gute) Gleichstellung der Geschlechter. Das alles ist Klischee, das jedoch einen dichten Kern zur Wahrheit hat. Anders könnte es ja auch gar nicht entstehen, das Klischee. Und während man als Journalist ständig versucht, Wege zu finden, die es ein wenig entkräften, gewinnt der ohnehin schon dichte Kern wieder einmal an Masse.  

Dieses Mal durch eine aktuelle Studie der Organisation Save the Children. “State of World’s Mothers” heißt der Bericht, und wie der Name schon sagt, zeigt er auf, wie gut oder schlecht es Mütter in den einzelnen Ländern dieser Welt haben. Und wer sich nochmal die oben genannten Klischees vor Augen führt, den kann es eigentlich nicht überraschen, dass Skandinavien in dieser Rangliste ganz weit vorne liegt. Norwegen belegt Platz 1, gefolgt von Australien, Island, Schweden und Dänemark. In diesen Ländern haben Mütter laut Studie den besten Zugang zu Krankenversorgung, Ausbildung und vor allem beste Chancen auf einen Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt.

Aber auch Faktoren wie beispielsweise die Sterblichkeit von Müttern bei einer Geburt spielen eine Rolle. Im afrikanischen Niger etwa stirbt jede siebte Mutter. In Griechenland und Italien liegt die Quote bei 1 zu 25000, in Irland bei 1 zu 47600. In Angola erlebt jedes fünfte Kind nicht seinen fünften Geburtstag. Zum Vergleich: In Finnland ist es eines von 333.

Mal ganz abgesehen davon, dass in Deutschland in Krankenhäusern natürlich hygienische und medizinische Verhältnisse auf dem Niveau eines Industrielandes herrschen, hat es mich doch überrascht, dass es das Land in der Rangliste auf Platz 9 geschafft hat. Eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass in weiten Teilen der Politik und Bevölkerung immer noch wertkonservatives Denken stark verankert und etwa für Mütter die Vereinbarkeit von Kind und Beruf nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen ist.

Wer möchte, kann sich die Rangliste hier anschauen. Die komplette Studie gibt es hier.

iPhone Reklame in der FAZ am Sonntag. (Foto: Bomsdorf)

iPhone Reklame in der FAZ am Sonntag. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Hast Du es, Entschuldigung, haben Sie es schon gemerkt? Auch in Deutschland wird die Duzerei salonfähig. In der aktuellen FAZ am Sonntag waren gleich zwei Anzeigen für das iPhone, in denen die potentiellen Käufer (zu einem nicht unerheblichen Teil sicher keine Kinder mehr) mit Du angesprochen wurden. Haben wir also bald skandinavische (oder auch amerikanische) Verhältnisse und es gilt nur noch der Vorname? Auch vor einiger Zeit gab es in Deutschland schon entsprechende Reklame, ich meine von Siemens, aber in so großem Stil ist das noch relativ neu.
Übrigens: Als vor etlichen Jahren ein deutscher Mitarbeiter von der schwedischen Bekleidungskette H&M vom Chef zum Du verdonnert wurde, hat er geklagt. Mal schauen, wie viele Anzeigenleser genauso reagieren.

KOPENHAGEN. Es ist nicht zu vermeiden, in Sachen Gleichstellung mal wieder verwundert nach Deutschland zu schauen. Nach einigen Wochen außer Landes kämpfte ich mich vor ein paar Tagen in meiner Kopenhagener Wohnung durch einen kleinen Stapel Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, der sich während meiner Abwesenheit angesammelt hatte. In einer Ausgabe ein Artikel über Passivhäuser – eigentlich nicht mein Thema.

Doch da ich kürzlich für die deutsche bauzeitung über Dänemarks Bestrebungen den Energieverbrauch bei Häusern zu senken geschrieben hatte, schaute ich mir die Seite doch genauer an und blieb bei einer schematischen Darstellung hängen. Wie funktioniert denn eigentlich so ein Passivhaus wurde da erläutert und ein einfaches Haus im Querschnitt abgebildet.

Häschenschulen-Passivhaus im Deutschland des 21. Jahrhunderts. (Foto: FAZ/Bomsdorf)

Häschenschulen-Passivhaus im Deutschland des 21. Jahrhunderts. (Foto: FAZ/Bomsdorf)

Gezeigt aber wurde noch viel mehr: Nämlich, wie die Rollenverteilung sich in deutschen Häusern denn so gehört. Rechts unten in der Küche also die Frau am Herd, im Raum links daneben vor dem Fernseher der Mann (nach dem Bier rufend?). Im oberen Stockwerk unter der Dusche, am Busen zu erkennen: Frau Nummer zwei (Tochter? Geliebte? oder einfach die Frau nach der Kocharbeit?). In deutschen Passivhäusern sollen Frauen also kochen und ihre Rundungen unter der Dusche zeigen während der Mann sich vorm Fernseher ausspannt (warum schaut er eigentlich nicht beim Duschen zu?). Sicher, auch hier oben im Norden ist in Sachen Gleichstellung noch einiges zu tun, aber solche klischeehaften Darstellungen sind doch aussagekräftig für Regionen südlich Nordeuropas.

Auf der ersten Seite einer FAZ am Sonntag ein kleiner Text zur Häschenschule. Das alte Bilderbuch wird in der Zeitung fortgeschrieben. Die alte Häschenschule wurde mit folgenden Worten erläutert: “Die Illustrationen stammen von Fritz Koch-Gotha (1877 bis 1956), der in seinen satirischen Zeichnungen das Kleinbürgertum der Zeit einfing: Die Mutter bleibt zu Hause, der Vater geht arbeiten, und in der Schule zieht der Lehrer seinen Schülern die Hasenohren lang.”

Lassen wir das Ohrenlangziehen und die aktuelle Debatte um Mißbrauch an deutschen Schulen einmal außen vor. Aber auch dann stellt sich die Frage: Ist nicht eigentlich die Passivhauszeichnung die  Bestätigung, dass Fritz Koch-Gothas Zeit noch lange nicht vorüber ist?

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.