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KOPENHAGEN. Der European Song Contest war bisher nie mein Thema, doch dieses Jahr fand der Wettbewerb direkt vor der Haustür statt und das Wall Street Journal war sehr interessiert. Also traf ich mich Freitag bis Sonntagfrüh mit zwei Kollegen in Malmö, um einen Blog und Stream zu betreiben. Dazu kam ein Artikel in der Print-Ausgabe. Der Stream ist weiterhin im Netz und hoffentlich auch im Nachhinein noch interessant. Hier geht’s lang.
KOPENHAGEN. Die Welt veröffentlicht seit ein paar Monaten in loser Folge die Serie „Frau im Fokus“. Heute in der Welt am Sonntag mein Portrait der Schwedin Malin Biller.
Malin Biller wurde von ihrem alkoholabhängigen Vater sexuell omissbraucht. Die Mutter war depressiv, Malin selbst wurde wechselweise Anorektikerin und übergewichtig. Kurz, die Schwedin hat alles andere als eine normale, schöne Kindheit erlebt. Doch statt diese schrecklich schweren Jahre zu verdrängen, hat Biller daraus eine Comicgeschichte gemacht. Im Buch „Wenn jemand im Wald schreit“ beschreibt sie, wie es zu dem „kleinen Geheimnis“ mit ihrem Vater kam und wie sehr das ihrem Leben und dem der Familie zusetzte. Ihre Bilder sehen teilweise aus wie von Kinderhand gezeichnet, vielleicht, weil sie schon als Jugendliche im Zeichnen ihre Rettung fand.
Biller reist mit dem Buch durchs Land, um daraus vorzulesen und von ihrer Kindheit zu erzählen. Sexueller Missbrauch ist einer der schrecklichsten Dinge, die einem Kind widerfahren können. Selbst Jahre später fällt es oft schwer, über das dunkle Geheimnis der Kindheit zu sprechen und das macht die Aufarbeitung nur noch schwerer. Biller hat sich mit dem Buch auch selber geholfen, denn sie kommt zeichnend besser über die Dinge.
Einige Arbeiten der Zeichnerin sind auf ihrer Homepage www.biller.se zu sehen.
KOPENHAGEN. Von der Eröffnung des neuen Domizils des Astrup Fearnley-Museums in Oslo hatte ich hier und bei art online schon berichtet. Das private Haus war von Anfang an kritisiert worden – was überhaupt nicht heißen soll, das Kritik überwog. Es kam kritische Kommentare, aber Kritik sollte einen ja üblicherweise voran bringen. Es ging z.B. darum, dass manch einem das neue von Renzo Pianos Büro entworfene Gebäude zu protzig war (eine Ansicht die ich nicht teilen kann) oder dass die Sammlung des Hauses nicht gut genug sei (es ist aber ein Privates Museum und kann von daher anderen Ansprüchen genügen als ein staatliches).
In den letzten Wochen aber hat die Kritik zugenommen. Genaugenommen seit Astrup Fearnleys Lundin als Sponsor verkündet hat. Die norwegische Tochter des schwedischen Konzerns stützt das Museum fortan finanziell – so wie schon einige andere zuvor. Das hat einen Aufschrei beim Netzmedium kunstkritikk.no hervor gerufen.
Denn Lundin ist nicht irgendeine Firma, sondern eine besonders umstrittene Ölfirma aus Schweden. Womöglich hat sie sich in Äthiopien Menschenrechtsverletzungen zu schulde kommen lassen. Pikanterweise war der jetztige schwedische Außenminister Carl Bildt bei Lundin im Aufsichtsrat. International bekannter wurde die Geschichte als die schwedischen Journalisten Martin Schibbye und Johan Persson in Äthiopien unter Terrorismusverdacht festgenommen und lange in Haft gehalten wurden. Sie hatten dort zu Lundins Vorgehen recherchieren wollen (im Mediummagazin gab es einen Beitrag von mir zum Thema.
Wegen der Vorwürfe hatte Jonas Ekeberg vom norwegischen Online-Kunstmedium Kunstkritikk.no dazu aufgerufen einen Empfang im Astrup Fearnley-Museum zu boykottieren. Nein zum Champagner im Astrup Fearnley-Museum, forderte er in einem Beitrag und lud stattdessen zu Bier und Würstchen in Kunstnernes Hus. Klischeehafter nach dem Motto “ihr (Bösen) da oben – wir (Unschulidgen, Guten) da unten” geht es kaum. Als bestünde die Welt nur aus absoluten Gegensatzpaaren wie eben Gut und Böse, schwarz-weiß oder eben Bier-Champagner. Keine Frage, Ekebergs kritische Fragen sind berechtigt und können zu notwendigen Diskussionen führen, doch vorgebracht werden diese in schlechter alter Manier und ignorieren zudem ein moralisches Dilemma, in dem der anklagende Fragesteller selber steckt. Kunstkritikk nämlich bekommt jede Menge Geld vom Staat, der wiederum massiv bei Lundin investiert ist. Eigentlich, so sagt von mir befragt zum Beispiel die Galeristein Maria Veie, müsste Ekeberg in letzter Konsequenz auf Staatsgeld verzichten. Ihr geht es aber vielmehr darum zu zeigen, dass in der komplexen Welt womöglich auch die Anklagenden sich Fragen stellen müssen. Und nicht zuletzt Veie selber (obwohl sie gar nicht zu den großen Anklägern gehört, aber auch sie bekommt für die Aktivitäten ihrer Galerie immer mal wieder staatliche Gelder).
Für The Art Newspaper habe ich den Streit zusammengefasst, hier ist mein Artikel online auf Englisch zu lesen.
KOPENHAGEN. Seit kurzem ist es soweit – das von Lars von Trier konzipierte Gesamtkunstwerk “Gesamt” ist fertig (zu viele “von” und “gesamt” in diesem Satz, aber ein zu viel passt bei dieser Arbeit ganz gut). “Disaster 501 – What happened to Man?” lautet der neue Titel – das klingt nach Christoph Schlingensief (hier ein kurzer Nachruf und hier ein Text über meine Begegnung mit ihm beim Reykjavik Arts Festival) und ein wenig passt das, schließlich ist auch das neuste Filmprojekt des Dänen ein wenig anarchistisch. Der Regisseur hat sechs Kunstwerke ausgewählt, damit wer sich dazu berufen fühlt, davon inspiriert selber ein Ton- oder Bild-Werk erstellt und digital an von Triers Mitarbeiterin Jenle Hallund sendet, die daraus “Desaster 501″ gemacht hat (organisiert hat das Ganze Christian Skovbjerg Jensen).
Zu den Kunstwerken zählte unter anderem eine Episode aus August Strindbergs Stück “Der Vater”, “D’où Venons Nous / Que Sommes Nous / Où Allons Nous” von Paul Gauguin, der Molly-Monolog, der James Joyce “Ulysses” beendet, sowie Albert Speers Zeppelintribüne. Passend dazu und beinahe um Aufmerksamkeit buhlend, startet die Homepage http://www.gesamt.org mit einer Grafik, die einen Martin Kippenbergers Titel “Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken” innerlich ausrufen lassen. Lars von Trier did it again. Er provozierte mit Nazi-Bezügen. Nicht sonderlich originell.
Was von dem gesamten Film zu halten ist, habe ich bei art online geschrieben.
KOPENHAGEN. Den Nobelpreis hat die EU schon bekommen, vor ein paar Jahren versuchte der dänische Künstler Thomas Altheimer in den USA einen Europäer als Präsident durchzusetzen. Der Film dazu lief auf Arte, für art-online sah ich ihn mir an und sprach mit dem Künstler. Die heutige Wahl in der USA sind ein guter Anlass im Blog auf mein Interview mit ihm zu verweisen.

Bukowskis Auktionskatalog (Foto: Bomsdorf, Bukowskis)
STOCKHOLM. Das Bild mit den Frauen im 80er-Jahre-Look war mir gleich aufgefallen als ich zu einem Treffen beim Auktionshaus Bukowskis auch diesmal durch das Labyrinth-artige Haus geführt wurde. Es wirkte wie ein Richard Prince, aber so ganz konnte ich es nicht glauben, dass dieser in Stockholm verkauft werden sollte. Doch es war wirklich einer und er ziert auch den Titel des Katalogs für die Auktion Mitte November. Ebenso gibt es eine Version mit einem Bild von Cecilia Edefalk auf dem Titel – die derzeit neben Karin Mamma Andersson wohl teuerste lebende schwedische Künstlerin. Als ich gefragt wurde, welche Katalog-Ausgabe ich mitnehmen wolle, wurde plötzlich auch noch einer mit Stills aus zwei Nathalie Djurberg-Filmen angeboten. In einer Reihe mit Prince und Edefalk – meine schwedische Favouritkünstlerin ist ganz oben bzw. – da auf dem Umschlag – vorne angekommen. Hätte ich mir bloß 2004 als ich Djurberg zum ersten Mal sah und gleich ganz fasziniert war, eines ihrer Videos gekauft. Verkaufen würde ich es aber jetzt wohl trotzdem nicht.
KOPENHAGEN. Warum nicht einmal ein wenig Entschleunigung und jetzt erst, in der nach-Nobel-Woche über die Nobelpreise schreiben. Als die Auserwählten, die im Dezember den Friedens- und den Literaturnobelpreis entgegennehmen werden, verkündet wurden, war ich gerade zu Ausstellungen und Interviews in London. Deshalb also erst jetzt mein Hinweis auf mein Interview, das ich von dort mit Friedensnobelpreis-Kritiker Frederik Heffermehl für den Focus machte. Kritische Anmerkungen zum Konzept der Nobelpreise auch von Aant Elzinga, dazu exklusiv im Blog ein kurzer Fließtext von mir basierend auf einem Gespräch mit Elzinga:
Zweimal im Jahr vergessen alle Menschen auf der Erde, wie sehr sie sich in der Schule durch Biologie- und Chemiestunden gequält haben und wie herzlich wenig sie die zeitgenössische Literatur letztlich interessierte. Denn zweimal im Jahr ziehen die Nobelpreise das Interesse der Öffentlichkeit auf sich: Anfang Oktober, wenn die Preisträger bekannt gegeben werden und Anfang Dezember, wenn die wohl bekannteste aller Ehrungen unter Anwesenheit der Königspaare in Stockholm und Oslo vergeben werden. Doch viele Wissenschaftler halten die Nobelpreise in etwa so passend wie Republikaner die Monarchie. Sie rufen nach Reformbedarf. ”Das ist ein archaischer Preis”, sagt Aant Elzinga, emeritierter Professor an der Universität Göteborg. Als Alfred Nobel starb, wurde Forschung noch von Tüftlern betrieben, die alleine im stillen Kämmerlein eine große Entdeckung machten”, so Elzinga. Heute hingegen arbeiten Naturwissenschaftler in Gruppen, die wiederum Teil von Konsortien wie dem Kernforschungszentrum CERN sind, die aus mehreren tausend Leuten bestehen können. ”Das sind viele Menschen, die über Ländergrenzen hinweg an Projekten arbeiten. Durch den Nobelpreis geehrt werden dürfen aber maximal drei Leute, damit gehen viele leer aus”, sagt Elzinga.
KOPENHAGEN. Von der neuen weiblichen Parteispitze der linken SF (Sosialistisk Folkeparti – Sozialistische Volkspartei) in Dänemark war hier schon die Rede. Als mögliche Kandidatin aus der Regierungsmannschaft wurde neben Astrid Krag anfangs auch Umweltministerin Ida Auken gehandelt. Sie sagte dann aber recht schnell, dass sie nicht zur Verfügung stünde. Auken, geboren im April 1978, gehört wie Krag zur Riege der jüngeren Minister. Warum, so wird sie sich womöglich gefragt haben, soll ich jetzt kandidieren, womöglich nicht gewählt werden und selbst wenn, dann eine harte Zeit vor mir haben und dann, wenn es nicht ganz so läuft wie gewünscht, die weitere politische Karriere verbaut haben, da im höchsten Parteiamt gescheitert. Auken kann es ja später immer noch einmal versuchen.
Was sie sonst so umtreibt und wieso sie so einen guten Draht zu ihren deutschen Kollegen hat, hat Auken mir für ein Porträt des DAAD-Magazins Letter erzählt (hier gibt es das pdf der Ausgabe, Seite 36-39).

Nobelpreisträger Halldór Laxness 1955 (Foto: Nobel Stiftelsen via Wikimedia Commons)
KOPENHAGEN. Wo wir schon einmal bei Island sind (und heute Nobelpreisträger bekannt gegeben werden), hier noch der Hinweis darauf, dass der Inselstaat im Nordatlantik nicht nur am meisten Nobelpreisträger hervorgebracht hat (gemessen an der Zahl der Gesamtbevölkerung natürlich – Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness ergibt einen pro ca 300 000 Einwohner – Deutschland bräuchte 240 um das zu erreichen), sondern auch bei der Zahl der Facbooknutzer ganz weit oben steht. Auf Island sind sogar die alten Leute mit dabei.
KOPENHAGEN. Selbst ohne Frauenquote ist Dänemark auf dem Weg zu Frauen dominierten Regierungsparteien. Vergangenes Jahr wurde mit der Sozialdemokratin Helle Thorning-Schmidt erstmals eine Frau an die Spitze der Regierung gewählt (als Dänemark zum 1.1.2012 die EU-Ratspräsdentschaft übernahm, erschien von mir ein Porträt in Die Welt). Sie ist außerdem Parteichefin. Der sozial-liberale Koalitionspartner RV hat schon lange eine Frau als Vorsitzende. Nun hat Außenminister Villy Sovndal seinen Rückzug als Chef der Linkspartei angekündigt. Nachfolgen wird ihm am 13.10. in jedem Fall eine Frau: es kandidiert die erst 29-jährige Sozialministerin Astrid Krag und die einfache Abgeordnete Annette Vilhelmsen, 52.
Im Vergleich zu Norwegen und Schweden hinkt Dänemark beim Anteil von Frauen in der Spitze von Wirtschaft und Politik bisher hinterher. Zumindest in der Politik wird das ab Mitte Oktober anders aussehen.
Die rechtspopulistische DF allerdings hat gerade die weibliche Vorsitzende durch einen Mann ersetzt.

