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KOPENHAGEN. Sparen, sparen, sparen – wohl selten sind diese Worte so häufig gehört worden wie derzeit. Die Euro-Krise soll bewältigt werden und Ausgabenkürzungen scheinen da vielen unabdingbar. Ähnlich sieht das auch die dänische EU-Ratspräsidentschaft. Nur 35 Mio. Euro sind für die kommenden sechs Monate veranschlagt – weniger als ein Drittel des Budgets von Vorgängerland Polen. Symbolisch für die dänische Sparwut steht kaltes klares Wasser. Statt Mineralwasser aus teuren Minifläschchen gibt es “postevand” (Leitungswasser) aus der Karaffe. Dazu heute aktuell ein Artikel in Die Welt und natürlich auch online.


KOPENHAGEN. Dänemark hat den Ruf, in drei Dingen besonders liberal zu sein: Sex, Drugs & Rock n’Roll beziehungsweise Porno, Alkohol und leichte Drogen. Das Land hat als erstes die Bildpornographie legalisiert (ausgerechnet 1969), Haschrauchen gehört in manchen Teilen der dänischen Hauptstadt weiterhin zum guten Ton und wohl nur in eingen Orten der Niederlande und der Schweiz zieht der süßliche Geruch so häufig um die Ecken der Innenstädte. Es wird sicherlich Zeiten gegeben haben, in denen Porno und Hasch im Straßenbild und im Leben der Dänen eine größere Rolle gespielt haben und auch das mittägliche Bier sieht man nicht mehr so oft auf dem Tische stehen. Jüngst gibt es ein weiteres Zeichen dafür, dass in Dänemark laissez-faire immer mehr zum Fremdwort wird.

Was den Alkohol angeht, greift das Land jetzt zu härteren Mitteln, um den Konsum einzuschränken. Bisher war man stets mehr als ein wenig stolz darüber ganz im Gegensatz zum Nachbar Schweden keine wirklich restriktive Alkoholpolitik zu haben. Bier mit normalem Alkoholgehalt, Wein und Schnaps kann in Dänemark in fast jedem Kiosk gekauft werden und nicht nur wie in den anderen nordischen Ländern in staatlichen Spezialläden. Jetzt aber das: Harter Alkohol darf plötzlich nur noch an Menschen ab 18 Jahren abgegeben werden.  Seit dem 7. März muss volljährig sein, wer Getränke mit einem Alkoholgehalt von über 16,5 Prozent kaufen möchte. Wer mag, kann hier testen, ob er ohne Ausweiskontrolle in der Lage ist das Alter von Dänen und damit deren Alkoholkauferlaubnis richtig einzuschätzen.

Vielleicht hilft diese Politik ja die durchschnittliche Lebenserwartung der Dänen (derzeit 79 Jahre) an das schwedische Niveau (81 Jahre – siehe Deutsche Stiftung Weltbevölkerung) anzupassen. Als aus dem Rheinland kommend ist mir das Schnapstrinken hier oben im Norden ohnehin stets fremd geblieben – altersunabhängig. Aber zum Glück gibt es Jahr gutes Bier (häufig deutsch) und guten Wein (aus dem Süden oder auch aus Dänemark, aber dann nicht gut, aber das ist eine andere Geschichte, die noch folgen wird).


KOPENHAGEN. Gestern bin ich von Oslo wieder nach Kopenhagen gereist, gerade noch rechtzeitig, um dem goßen Ansturm für den Eurovision zu entgehen. 1500 Journalisten aus 70 Ländern wollen angeblich in der norwegischen Hauptstadt das Finale des europäischen Sängerwettbewerbs verfolgen.  Meine Woche in Oslo verbrachte ich hauptsächlich mit Recherchen in Sachen Kunst und Architektur, aber weil alle davon sprechen, hier ein kleiner Vorgeschmack auf das Preisniveau in der norwegischen Hauptstadt. Kunst und Architektur und alles andere folgen dann:

1 Straßenbahnticket, 1 Stunde gültig:                         40 NOK (ca. 5 Euro)

1 Bier, 0,33 l in der Kneipe                                              68 NOK (ca. 8,50 Euro)

schöne Aussicht und schwimmen im Fjord:            unbezahlbar.

Die Schweizer Bank UBS listet Oslo im aktuellen Ranking als teuerste Stadt der Welt auf.


KOPENHAGEN. Es ist wohl ein Symptom kleiner Länder: Jedes Mal, wenn sie irgendwo auf einer Rangliste den ersten Platz erreichen, wird das landesweit ein Thema. Die nordischen Länder sind bei vielen Rankings weit oben, darüber schrieb ich hier schon einmal. Gestern wurde bekannt gegeben, dass das Kopenhagener Restaurant Noma von der britischen Zeitung “Restaurant Magazine” zum besten Restaurant der Erde gekürt wurde. Den Ausspruch “Världens bästa” kennt jeder, der Karlsson vom Dach einmal auf Schwedisch gesehen hat. Die zwei Worte sind auch im Dänischen mit entsprechend geänderter Schreibweise eine Art Redewendung geworden. Nun schmücken sie also das Restaurant Noma (hier ein Interview mit dem Chefkoch, geschrieben von Elmar für Die Welt). Der Nationalstolz darüber geht soweit, dass die Zeitung Berlingske Tidende die Nachricht gestern auf der Titelseite brachte. Ähnlich viel Aufmerksamkeit erregte schon als sich zeigte wieviele Michelin-Sterne Kopenhagen im internationalen Vergleich hat. (siehe dazu auch Elmars Blogeintrag hier)

Das liegt sicher nicht nur am ersten Platz an sich, der – s.o. – oft schon ein großes Thema ist, sondern auch daran, dass es um Essen geht, um sehr gutes sogar. Denn lukullisch ist Dänemark traditionell eher unbedeutend. Das liegt weniger daran, dass es hier kein gutes Essen gibt als das aus den guten lokalen Zutaten nicht viel Gutes gemacht wird. Die beste Qualität gibt es hierzulande bei Produkten, die wenig Anspruch an Züchter, Bodenbeschaffenheit und Wetter stellen. Also rote Beete, Sellerie und Kartoffeln etwa. Das mag für viele wenig verlockend klingen, doch das Noma zeigt, dass daraus etwas gemacht werden kann, denn es setzt auf regionale nordische Küche. Und da in Dänemark, was viele nicht wissen, auch Miesmuscheln und Austern gefangen werden, muss die örtliche Küche dem Süden Europas gar nicht hinterherhinken. Es ist mehr eine Frage der Tradition als der Voraussetzungen. Die Dänen sind halt mehr Gourmands als Gourmets, Hot Dogs sind nicht umsonst eine Art Nationalgericht. Aber Noma und dem Fokus auf die so genannte neue nordische Küche sei Dank, ändert sich das allmählich.

Ein einziges Mal war ich im Noma und das war (Anfang 2005 glaube ich) noch vor dem Hype: was ich in Erinnerung behalten habe: ein Paar am Nachbartisch, das nicht miteinander sprach, aber dafür immer wieder zum nächsten Tisch, wo Bekannte saßen lief, schlechten Service, gutes Essen, guten Wein, aber auch eine Auster mit Earl Grey-Schaum. Da Earl Grey nichts Nordisches ist, passt das eigentlich nicht ins Konzept, aber diese habe ich zumindest in Erinnerung und unpassender ist mir der Geschmack einer Auster nie übertüncht worden. Jedenfalls entschied ich mich damals deswegen und wegen der schlechten Bedienung, lieber das Kopenhagener Restaurant kokkentyvenhanskoneoghenneselsker nach dem gleichnamigen Peter Greenaway-Film (Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber) zu empfehlen. Das allerdings gibt es mittlerweile nicht mehr. Aber es muss ja nicht immer Kaviar sein.


Backe, backe, Pfannekuchen; hier 2 in Reykjavik - zum Gegenwert von nur 200 Kronen. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Sich schnell auf geänderte Situationen einstellen zu können, ist eine der großen Qualitäten der Menschen auf Island. Früher, als noch fast jeder Fischer war (und das ist gar nicht so lange her), galt es schnell zu handeln, wenn das Wetter gerade richtig war, um auf Fang zu fahren. Daher rühre die Flexibilität, heißt es.

Etliche Isländer haben aufgrund der Krise ihr Konsumverhalten anpassen müssen. Die weiterhin stets gut gefüllten Bars erwecken nicht den Eindruck, als habe das beim Verzehr von Alkohol wirklich geklappt. Bei etlichen Dingen sieht es aber anders aus. Wegen des Verfalls der Krone werden Importe wo möglich durch auf Island produziertes ersetzt – Islandpullover kommen plötzlich auch außerhalb linksalternativ angehauchter deutscher Pädagogenkreise wieder in Mode und statt Basmatireis gibt es nicht nur auf Bauernhöfen Kartoffeln. Sparen muss ja nicht heißen, dass es sich wirklich schlecht lebt.

In den Cafés ist derzeit der Pfannkuchen wieder hoch im Kurs – ein Gebäck, dass es außerhalb des Kindergeburtstages in der jüngeren Vergangenheit nur selten zu sehen gab. Doch der Pfannkuchen ist leicht produziert und entsprechend preiswert: nur 100 Isländische Kronen pro Stück – keine 60 Cent! So lässt sich mit einfachen Mitteln die Krise versüßen. Warum auf Cantuccini zurück greifen? Weniger ausgeben, muss eben nicht immer heißen, wirklich verzichten zu müssen.


REYKJAVÍK. Der Verfall der isländishen Krone kommt ausländischen Touristen sehr entgegen. Plötzlich ist Island, das den Platz als teuerstes Reiseland Europas je nach Warenkorb wohl im Wechsel mit Norwegen bestritten hat, richtig günstig geworden.

Das ist natürlich relativ zu verstehen, für jemanden, der wie ich aus Teuerland Dänemark anreist, ist der Preisverfall bei den typischen Touristenwaren enorm – ein einfaches Fischgericht als Mittagessen 1790 ISK (rund 10 Euro), der Espresso hinterher 320 Kronen (keine 2 Euro), lediglich das 0,4er Glas Bier ist mit 800 ISK (4,50 Euro) in etwa so teuer wie in Kopenhagen. Wobei dazu gesagt werden muss, das Alkohol und Zigaretten in Dänemark vergleichsweise preiswert sind, schließlich gehören sie dort zu den Grundnahrungsmittel (die ansonsten – s. bspw. Brot – aber teuer sind…). Urlauber aus Deutschland werden in etwa mit dem aus der Heimat gewohnten Preisniveau rechnen müssen, aber das ist viel weniger als früher.

Besonders überrascht war ich über die Hotelpreise. Im Centerhotel Klöpp zahlte ich pro Nacht nur 35 Euro – die Auftraggeber hat es gefreut, so war die lange Islandreise keine Bürde. Das Hotel sei nicht nur wegen des günstigen Preises empfohlen, die Lage am Klappastiggur ist ideal, zumindest wenn einen das ein oder andere vorbeifahrende Auto nicht aus dem Schlaf holt. Zum Amtssitz der Ministerpräsidentin sind es fünf Gehminuten, zur Hallgrimskirche vielleicht zehn und der Laugavegur ist drei Minuten entfernt. Das Zimmer, das ich bezog hatte eine großzügige Fensterfront, durch die zwischenzeitlich der isländische Wind recht heftig zog. Aber so ist das nun einmal, wenn man nur zwei Straßen vom Nordatlantik entfernt wohnt. Dafür kann auf Island ja Dank Erdwärme die Heizung guten Gewissens stets voll aufgedreht werden. Wer stets eisgekühltes Bier in der Minibar griffbereit haben möchte, wählt lieber nicht das Klöpp. Oder denkt daran, den Hauptstromschalter im Zimmer nie auszuschalten, den praktischerweise ist auch die Minibar daran gekoppelt. Kabelinternet gibt es auf dem Zimmer, drahtlos in Lobby und auf dem Flur. Das Personal rund um die Uhr freundlich und hilfsbereit. Mein Vorschlag: Preiserhöhung.


DÜSSELDORF. Die Schweinegrippe Panik eilt von einem Höhepunkt zum

Handdesinfektion vor dem Fahrstuhl im Radisson-Hotel Düsseldorf.

nächsten. Bereits im Spätsommer musste ich mich auf den Toiletten eines norwegischen Hotels durch umfangreiche Händewaschanleitungen kämpfen. Ähnliches in Düsseldorf, wo ich zu einem Vortrag im SAS-Hotel in der Nähe des Flughafens war. Am Fahrstuhl stand Desinfektionsspray. Schön und gut und wohl mal wieder typischer Aktionismus, denn oben angekommen konnte ich genüsslich auf die Tabletts mit Fingerfood greifen – bessere Schweinegrippenvirenverteiler als Fingerfoodbuffet dürfte es kaum geben. Übrigens griffen wir bei dem abendlichen Empfang damals in Norwegen auch alle in die gleiche Chipsschüssel.

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