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KOPENHAGEN. Im Herbst jährt sich der Ausbruch der Finanzkrise auf Island zum dritten Mal. Von einem Tag auf den anderen schien auf der Atlantikinsel das Finanzsystem zusammenzubrechen. Geir Haardes Worte “Gott schütze Island” (hier dazu mein Text bei Zeit online) werden unvergessen bleiben. Der damalige Regierungschef wußte sich wohl nicht anders zu helfen als mit dem Verweis auf höhere Mächte. In den Jahren danach gab es immer wieder Vorwürfe, dass der Kollaps so unvorhergesehen nicht gewesen sei und Haarde und seine Regierung mehr hätten tun können, um diesen zu verhindern. Das geht auch aus einem sehr umfangreichen Untersuchungsbericht hervor. Das Parlament – in dem Haardes konservative Selbständigkeitspartei mittlerweile in der Opposition war – beschloss schließlich, dass ein Sondergericht gegen Haarde Anklage erheben soll. Gestern nun fiel das Urteil – bedingt schuldig kann man wohl sagen. Er wurde in drei von vier Vorwürfen freigesprochen, die Schuld im Falle des vierten wiegt nicht schwer genug, um ihn zu bestrafen. Ein salomonisches Urteil?

Für die FTD habe ich die Ergebnisse zusammengefasst, zu lesen nur in der heutigen Printausgabe, aber ein etwas ausführlicherer Text deshalb auch hier, unter dem Bloomberg-Interview mit Haarde.

Als weltweit erster Politiker ist der ehemalige isländische Ministerpräsident Geir Haarde für Verfehlungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise schuldig gesprochen worden. Ein Sondergericht hat geurteilt, dass der frühere Regierungschef nicht sein Bestes getan habe, um den finanziellen Kollaps seines Landes zu verhindern. Haarde wurde gestern in einem von vier Anklagepunkten schuldig erklärt, bleibt aber straffrei. Demnach hat der ehemalige Spitzenpolitiker der konservativen Partei gegen das Ministergesetz verstoßen. Entgegen den Vorschriften habe er es unterlassen, die Minister über die bedrohliche Lage des isländischen Finanzsystems zu informieren, befand eine Mehrheit von neun von 15 Richtern. Haarde hatte zu seiner Verteidigung darauf hingewiesen, dies in informellen Treffen getan zu haben. Das Gericht sah dennoch einen Gesetzesverstoß.

In den weiteren Anklagepunkten war ihm unter anderem vorgeworfen worden, die Effizienz einer Arbeitsgruppe für finanzielle Stabilität nicht sichergestellt zu haben und nicht genug unternommen zu haben, um das Bankensystem in einer Größe zu halten, die für Island angemessen ist. In diesen Punkten erfolgte aber keine Verurteilung. Haarde bezeichnete das Urteil als absurd und meinte, er sei aufgrund einer Formalität verurteilt worden. Nach Meinung des ehemaligen Regierungschefs ist er Opfer eines politischen Urteils geworden. Als Zeugen geladen gewesen waren auch politische Gegner Haardes. Die derzeitige isländische Regierung besteht aus Sozialdemokraten und Linksgrünen. Eine parlamentarische Mehrheit hatte basierend auf einem Untersuchungsbericht beschlossen, nur Haarde anzuklagen.

Island war als erstes Land im Herbst 2008 in die Finanzkrise geraten. Damals führte Haarde eine konservativ-sozialdemokratische Koalitionsregierung an. Binnen weniger Tage wurden im Oktober 2008 die größten Banken des Landes verstaatlicht, private und staatliche Schulden explodierten und das ehemals so prosperierende Land geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise. Erstmals in der Geschichte des Landes wurde daraufhin die Möglichkeit genutzt, ein Sondergericht einzuberufen, um über die juristische Verantwortung von Politikern zu urteilen. Haarde war der einzige, gegen den letztlich Anklage erhoben wurde. Ihm drohten bis zu zwei Jahre Gefängnis, doch seine Schuld war letztlich zu Gering für eine Strafe. Die Prozesskosten werden vom Staat übernommen.

Haarde war während seiner Amtszeit von vielen als Marionette seines Vorgängers David Oddsson gesehen worden., Dieser hatte sich aus der Politik auf den Posten des Zentralbankchefs zurückgezogen. Während Oddssons Herrschaft war das Finanzwesen liberalisiert und die Banken privatisiert worden, als er der Zentralbank vorstand versäumte er angemessene Rahmenbedingungen zu setzen. Mittlerweile ist Oddsson Chefredakteur der traditionsreichen Zeitung Morgunbladid. Für viele ist das ein Zeichen, dass Island immer noch von Vetternwirtschaft geprägt ist.

KOPENHAGEN. Die Kreativität der Isländer ist mittlerweile allbekannt, doch lange bevor isländische Künstler in Westeuropa in großem Stil bekannt wurden, zog es einen westeuropäischen Künstler in die Einöde der Insel mitten im Nordatlantik. Dieter Roth hat lange auf Island gelebt und gearbeitet und auch heute noch kennt ihn dort jeder. Bei der Kunstmesse Art Cologne wird eine seiner Arbeiten prominent ausgestellt und zeitgleich gibt es bei Artnet sein Werkverzeichnis, ein Blick lohnt sicher. Umfangreiche Bestände seiner Werke hat übrigens auch das Living Art Museum in Reykjavik zu bieten.

KOPENHAGEN. Die diesjährige Frankfurter Buchmesse ist schon lange vorbei, doch einige der Ausstellungen mit isländischer Kunst, die aus dem Anlass in Frankfurt gezeigt werden, laufen noch, darunter auch jene mit Erró. Die Schirn bat mich, am kommenden Dienstag, 15. November, eine so genannte “Expertenführung” durch die Ausstellung zu machen. Bei diesen Veranstaltungen führen Externe statt der Kuratoren oder klassischen Kunstvermittler duch die Ausstellungen, deshalb hätte es genausogut “Laienführung” heißen können. Jedenfalls ist jeder Interessierte herzlich willkommen um 19 Uhr und natürlich auch beim Termin darauf, wo der Sammler Harald Falckenberg führt. Mehr Infos zu meiner Tour gibt es in einem Text im Schirn-Magazin.

Sehenswert dürften in Frankfurt übrigens auch die Ausstellungen von Douglas Gordon im MMK und Portikus sowie Ed und Nancy Kienholz, ebenfalls in der Schirn, sein.

KOPENHAGEN. Island scheint seinen Namen daher zu haben, dass die Insel schwimmt wie ein Eisberg und nicht im Meeresboden verankert ist. Den Eindruck erweckt jedenfalls die 3D-animierte Island-Karte hier mit einigen interessanten Daten.

Island ein Eisberg? (Screenshot von http://www.travelinginiceland.com/)

Island ein Eisberg? (Screenshot von http://www.travelinginiceland.com/)

FRANKFURT. Gerne würde ich hier in paar Bilder vom isländischen Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse zeigen. Gestern nahm ich bei der Eröffnung selber ein paar auf, aber so lange WordPress auf dem Mobiltelefon streikt, gibt es nur Worte. Ist ja auch keine Bilderbuchmesse.

Island jedenfalls hat aus der Not (Geldmangel) eine Tugend (Purismus) gemacht und glänzt mit einem herrlich schlichten Pavillon. Keine Lasershow, nirgends. Im Raum hängen einige sehr große Leinwände auf die lesende Isländer gebeamt werden. Sie sitzen daheim vor ihrer Bücherwand und schmöckern in ihrem Lieblingsbuch. Still. Jeweils nur auf einer Leinwand wird wechselweise vorgelesen, unten erscheint dann Autor und Titel. Literatur ist nun mal ein stilles, intimes Ereignis, da passt diese Darstellung bestens. Ebenso das Caffé, das einem isländischen Kaffeehaus nachempfunden zu sein scheint.

Heute habe ich den Pavillon noch nicht betreten, aber gestern zum Pressetermin war er jedenfalls nicht überfüllt. Das kann von den anderen Hallen nicht gerade behauptet werden. Die Frankfurter Messehallen gleichen einem überdimensionierten Karstadterdgeschoss zu jener Zeit als Karstadt noch glänzend dastand. Hier Tausende von Regalmetern Kalenderwände, dort Kataloge über Kataloge und mittendrin sogar mal Literatur. An jeder dritten Ecke will einem jemand ein Gratisabo andrehen, zwischendrin gehen die Fachbesucher auf Bonbon und Buntstiftjagd.

In den vergangenen Jahren hat die Messe jeweils knapp 300 000 Besucher gehabt – keine zehn Prozent weniger als Island Einwohner. Nur von der Größe her unterscheiden sich Messegelände und Atlantikinsel dann doch ein wenig. Vielleicht gefällt mir Island deshalb besser als die Buchmesse.

FRANKFURT. Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist Island. Trotz der Finanzkrise entschied die isländische Regierung, am ambitiösen Auftritt als Gastland bei der Frankfurter Buchmesse festzuhalten. Heutabend nun ist es soweit und die Frankfurter Buchmesse 2011 mit dem Länderschwerpunkt “Sagenhaftes Island” wird eröffnet.

Ein guter Anlass sich einmal zu erkundigen, wie Island wirtschaftlich und politisch derzeit dasteht. Das einstige Krisland, das noch vor drei Jahren vor dem Abgrund stand, hat sich stabilisiert. Die Wirtschaftsdaten sehen erstaunlich positiv aus (hier dazu von mir ein Artikel kürzlich erschienen in Die Welt) und die 2009 gewählte Regierung ist allen Prophezeiungen zum Trotz immer noch im Amt. Gleichzeitig wird weiter daran gearbeitet das Bankschuldenproblem zu lösen und als erstes Land macht Island einem Premier den Prozess. Der ehemalige Regierungschef, vor und während des Crashs im Amt, muss sich vor Gericht verantworten.

Mit dem Buchmesseauftritt hofft Island nicht nur aus Verkäufe von Geschichten, sondern auch wieder positiver wahrgenommen zu werden, was sich nicht zuletzt auf Politik und Wirtschaft stabilisierend auswirken sollte.

Noch kurz zur Buchmesse und isländischen Literatur: Obwohl nur etwas über 300 000 Einwohner hat Island eine blühende Literaturszene. In Frankfurt präsentiert es sich mit besonders vielen Neuerscheinungen und Neuübersetzungen. Ein erster Rundgang durch die isländische Abteilung findet heute Mittag statt.

Zur aktuellen Lage auf Island und der Literatur von dort um kurz vor halb eins ein Gespräch mit mir aus Frankfurt im deutschlandradio Kultur.

REYKJAVIK. Ja, damit sind die Isländer gemeint. Und es passt ganz gut. Wieso? In meinem Gespräch mit WDR 5 Scala ist es zu hören. Natürlich geht es wieder um das neue Konzerthaus und Kongresszentrum Harpa von Architekturbüro Henning Larsen und Künstler Olafur Eliasson.

REYKJAVIK. Bald ist es drei Jahre her, dass auf Island die Krise ausbrach. Während es in Zentraleuropa immer chaotischer wird, hat die Wirtschaft des Inselstaates sich ein wenig stabilisiert und es gibt deutliche Lichtblicke, die allerdings nicht ungetrübt sind.

Beim Kulturbudget wird häufig als erstes gespart, wenn es wirtschaftlich hart wird. Umso interessanter, dass Island das neue nationale Konferenz- und Kulturzentrum unbedingt vollenden wollte – trotz Krise. Gester Nacht nun wurde es feierleich eingeweiht als die von Olafur Eliasson gestaltete Fassade erstmals erleuchtet wurde (Architekt des Baus ist Henning Larsen aus Kopenhagen). Ich war dabei und als erstes habe ich zum Thema heute morgen mit dem Deutschlandradio gesprochen, online ist das Gespräch hier zu hören. Weitere Berichte folgen.

KOPENHAGEN. Auf Island ist die Welt fast schon wieder in Ordnung. Zumindest wenn man dem neusten Länderbericht der OECD glauben darf. Demnach steht der Inselstaat, in dem vor knapp drei Jahren als erstem die FInanzkrise voll ausbrach, mehr als den Umständen entsprechend gut da. „Island ist dabei die wirtschaftlichen Probleme, die die Finanzkrise hinterließ, zu lösen“ lautet der allererste Satz der Zusammenfassung des aktuellen Wirtschaftsberichts Island. Dann heißt es, das Land sei „weit fortgeschritten“ bei der Umsetzung des Programms, das der Internationale Währungsfonds (IWF) dem Inselstaat auferlegt hat. „Es ist viel getan worden, um den Finanzsektor wieder in einen gesunden Zustand zu versetzen“, heißt es auch noch. So viel positive Worte – das ist ungewohnt für die in Paris ansässigen OECD-Ökonomen, die sonst meist bedacht sind, die Lage düster darzustellen, um zu noch mehr Reformen anzuspornen. Mehr dazu heute in der Welt oder online hier.

KOPENHAGEN. Wieder einmal spu(c)kt auf Island ein Vulkan und alle fürchten ein erneutes Flugchaos. Das allerdings scheint auszubleiben. Gemeinsam mit Ernst August Ginten in der Berliner Redaktion und Sarah Klumps, die gerade mit einem Nordeuropa-Stipendium der IJP auf Island weilt und vorgestern in die Aschewolke fuhr, schrieb ich zur aktuellen Lage für die heutige Ausgabe von Die Welt einen Artikel, der online hier zu lesen ist.

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