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KOPENHAGEN. Auch dieses Jahr schreiben die Internationalen Journalisten-Programme (IJP) wieder das Deutsch-Nordeuropäische Journalistenstipendium aus. Deutsche Journalisten, die 2011 zwei Monate in Nordeuropa recherchieren möchten (so wie Elmar 2008 und ich 2002) erfahren hier Details zur Bewerbung.

And journalists from the Nordic countries that would like to go south and work for two months in Germany, should check this out.


KOPENHAGEN. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat nicht nur BP, sondern eine ganze Branche in ein (noch) schlechteres Licht gerückt. Ölförderung und unberührte Natur – das beisst sich. Grönland und das Gebiet um die Insel herum gehören zu einem der größten Gebiete, in die Menschen bisher relativ wenig eingegriffen haben. Doch die Ölindustrie und auch die grönländische Regierung wollen das ändern. Sie versprechen sich vor allem eins: Geld. Am Dienstag hat das schottische Unternehmen Cairn Energy be Probebohrungen vor der Westküste Grönlands Gas gefunden – ein Hinweis auf Ölvorkommen. Andere Firmen wie Exxon oder Chevron wollen ebenfalls bald Bohrungen starten. BP aber hält sich raus aus dem sensiblen Gebiet. Gestern gab das britische Unternehmen bekannt, keine Lizenzen für die Region Grönland kaufen zu wollen. Schwarzer BP-Dreck vor den Küsten Mexikos und weißes grönländisches Eis – das geht nicht zusammen. Doch wer sagt eigentlich, dass die anderen Unternehmen so viel vorsichtiger vorgehen werden?

In den vergangenen Tagen haben wir einige Artikel zum Thema Grönland und Öl geschrieben, online zu lesen hier in der Welt, in der FTD hier und auch hier.


KOPENHAGEN. Dubai. Das ist vor allem Dekadenz, die kaum zu übertreffen ist. Hier gibt es das teuerste Hotel, den höchsten Wolkenkratzer, die künstlichsten Inseln und eine eingehauste Skipiste – bei 45 Grad Außentemperatur. Es müssen schon Superlative sein, mindestens. Drunter macht es das Emirat am Perischen Golf nicht. Krise? Schon. Aber deshalb gleich das Blattgold von den Kronleuchtern abkratzen? Für den französischen Geschäftsmann Julien Caquineau genau der richtige Markt für sein Produkt. Er will den Wüstenstaat mit Wasser beliefern. Gewonnen aus dem Ilulissat-Gletscher an der Westküste Grönlands, seit 2004 Unesco-Weltkulturerbe. Eis, das vor 200 000 Jahren als Schnee zu Boden gefallen ist und sich nun langsam ins Meer ergießt.

Natürlich lässt Caquineau nicht irgendwelche Maschinen die Eisklumpen aufsammeln und es in Fabriken bringen, wo es dann geschmolzen und abgefüllt wird. Das wäre Dubai nicht würdig – und wahrscheinlich auch zu billig. Handverlesen soll alles sein. Über die zahlreichen Wasserfälle des Gletschers soll das kostbare Nass aufgefangen und noch an Ort und Stelle abgefüllt werden. „Unser Konzept ist Qualität“, sagt der 42 Jahre alte Franzose, der die vergangenen drei Jahre auf Grönland gelebt hat. „Das Ergebnis ist das reinste Wasser der Welt.“ Ein Wasser gilt als pur, wenn es nicht mehr als zehn Miligramm gelöster Teilchen pro Liter enthält. Bei Caquineaus edlem Tropfen sind es weniger als fünf Miligramm pro Liter. Zu erreichen ist das nur, wenn Eis verwendet wird, das nie den Boden berührt hat.

Dem entsprechend geschmacksneutral ist das Wasser. „Es schmeckt nach nichts“, sagt Caquineau. Ganz nach dem Geschmack Dubais, wo man bisher noch jeden Nippes gekauft hat, wenn er nur teuer genug ist. 40 Euro kostet die 750-Mililiter-Flasche Iluliaq, so heißt das Wasser. Dafür wird es dann in extra angefertigten Flaschen mit Glasverschluss gefüllt, die vom deutsch-französischen Designerduo Helmut Dippold und Valerie Pasmanian entworfen wurden. Kein bisschen Plastik soll die Flüssigkeit verunreinigen. 30 000 Flaschen haben Luxushotels, Restaurants und Bars in Dubai bereits bestellt und sich damit gleich eine halbe Jahresproduktion reserviert. Pech für Japan, Singapur oder die USA, wo die Nachfrage nach dem Gletscherwasser ebenfalls groß sein soll.

Auf Grönland frohlockt man über die unerwartete Positionierung im Hochpreissegment und hofft, auf diese Weise finanzkräftige Kundschaft auch auf die Insel zu locken. „Für uns ist es eine Supersache, Grönland durch so exklusive Produkte in der Welt bekannt zu machen“, sagt Per Rosing-Petersen, Direktor der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Destination Avannaa. Aus diesem Grund hat das Industrie- und Rohstoffministerium unter Ove Karl Berthelsen für das Edelwasser erst kürzlich auch eine Lizenz erteilt.

Seitdem nämlich das Mutterland Dänemark vor einem Jahr der Insel mehr Autonomie gegeben hat, darf Grönland alle Einkünfte aus seinen Rohstoffen behalten und muss nicht mehr einen Großteil davon an Dänemark abführen. Und zu diesen Rohstoffen gehört neben Öl und Gas eben auch Wasser. Es gebe genug Menschen mit dem nötigen Kleingeld da draußen, sagt Berthelsen, „und genau diesen Markt müssen wir bedienen“. Selbst zählt sich der Politiker offenbar jedoch nicht dazu. Denn 40 Euro für eine Flasche Wasser würde Berthelsen nie bezahlen. „Ich habe genug davon in meiner direkten Umgebung“, sagt er. Was die gut betuchten Bewohner Dubais nicht gerade von sich behaupten können. Wahrscheinlich aber würden sie auch sonst gerne viel dafür ausgeben.

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