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KOPENHAGEN. Vergangene Woche hat die norwegische Kulturministerin Anniken Huitfeldt in Oslo die “Stortingmelding Nr. 23 visuell kunst” präsentiert, eine Art Weißbuch der Regierung zur Politik im Bereich bildende Kunst. Darin wird unter anderem angekündigt, den Ruhm Edvard Munchs stärker zu nutzen, um für Norwegen zu werben und auf zeitgenössische norwegische Kunst aufmerksam zu machen. Einen Vorgeschmack dazu lieferte schon Mette-Marit bei ihrem Besuch in der Frankfurter Munch-Ausstellung in der Schirn, hier dazu mein Text für Focus, der nun auch online zu lesen ist.
KOPENHAGEN. Deutsche Landtagswahlen sind in Dänemark üblicherweise kein allzugroßes Thema, dass das Ergebnis einer solchen per Eilmeldung verschickt wird, ist entsprechend ungewöhnlich. Doch gerade (18.15 Uhr) erreichte mich eine SMS sowie E-Mail der Zeitung “Jyllands-Posten” mit der Nachricht “Katastrofevalg for Merkel“. Das bedarf wohl keiner Übersetzung ins Deutsche. Natürlich wissen auch die dänischen Journalisten, das in NRW nicht Merkel zur Wahl stand, aber “Jyllands-Posten” setzte sich vorab damit auseinander, was eine Niederlage der CDU für die Kanzlerin und womöglich auch die Europa-Politik bedeuten könnte (nichts Gutes, schreibt das Blatt hier). Schön, dass Europa allmählich auch in dänischen Medien mehr und mehr ein Thema wird, bleibt abzuwarten, ob nun auch verfolgt wird, was für Konsequenzen wirklich folgen, denn dass SPD geführte Bundesländer nun die Europa-Politik Merkels völlig durchkreuzen, ist wohl nicht zu erwarten.
KOPENHAGEN. Nein, offizielle europäische Kulturhauptstadt, das wird Flensburg wohl vorerst nicht werden. Aber die Stadt in Deutschlands Norden hat Chancen jedenfalls am Programm für 2017 beteiligt zu werden, denn für das Jahr ist Sønderborg, zu deutsch Sonderburg, in Süddänemark gelegen und nur rund eine halbe Autostunde von Flensburg entfernt, eine der zwei Kandidaten als europäische Kulturhauptstadt in Dänemark (die andere ist Aarhus, die zweitgrößte Stadt des Landes). Am heutigen Europa-Tag präsentiert Sonderburg die Ideen für 2017 in Paris. Das Wettbewerbsteam präsentiert seine Ideen auch im Netz - sogar auf Deutsch, versteht sich (teilweise zumindestens). Dazu auch etwas aus Flensburg.
KOPENHAGEN. Wer Deutschlandradio hört oder die Websites deutschsprachiger Medien liest (z.B. Focus, Tagesanzeiger, Perlentaucher, ZDF) weiß seit heute morgen oder gar schon gestern abend, dass die Nachfahren von Hugo Simon – Besitzer des Gemäldes “Der Schrei” bevor es an die Familie Olsen ging – mit dem Verkauf nicht einverstanden sind. Juristisch haben sie keinerlei Bedenken, wohl aber moralisch. Schließlich habe Simon – im Exil, weil vor den Nazis geflohen – das Bild in einer Zwangslage verkauft. Die Meldungen in den deutschen Medien beruhen auf den Recherchen, die ich für “Die Welt” angestellt habe. Der zugehörige Artikel ist nun auch online zu lesen und zwar hier.
Der Titel des Blogeintrags und meines Welt-Artikels (je nach Version – es gibt verschiedene Überschriften) bezieht sich übrigens auf diese Ausstellung, die im Munch Museum in Oslo und Arken in Kopenhagen zu sehen gewesen ist.
KOPENHAGEN. Soeben erreicht mich eine E-Mail-Pressemitteilung der Frankfurter Kunsthalle Schirn mit der Ankündigung, dass bereits 150 000 Besucher die seit Februar geöffnete Ausstellung “Munch – Der moderne Blick” gesehen haben. Beeindruckend. Das findet auch Direktor Max Hollein, der in der Pressemeldung sagt: „Die Ausstellung ist auf dem besten Weg, die erfolgreichste Schau in der Geschichte der Schirn Kunsthalle zu werden“, so Direktor Max Hollein. „Alle, die sie noch nicht gesehen haben, sollten sie nicht verpassen.“
Zwei Munch-Zahlen und ein Rechenexempel, das zu einer dritten führt: 400. Wenn jeder der 150 000 Besucher 400 Euro zahlen würde, kämen 60 Mio. Euro zusammen. Das sind 80 Mio. US Dollar und damit die Taxe für Edvard Munchs “Der Schrei”, der am 2. Mai bei Sotheby’s in New York versteigert werden soll (und aus der Sammung Petter Olsen stammt). Da klingt dieser doch gar nicht mehr so teuer und nachdem das Frankfurter Städel von den Bürgern für den Umbau großzügige Spenden erhalten hat, vielleicht eine Option, Munchs Schrei doch noch nach Frankfurt zu holen (zur Schirn-Ausstellung gehört nämlich keine der vier Unikate oder auch Multiple von Munchs bekanntestem Motiv). Ist nur ein Rechenexempel, aber zeigt, was machbar wäre mit noch mehr bürgerlichem Engagement für die Kunst (und wenn die Gebote auf 100 Mio. Euro hochschnellen, sind es halt ewas mehr als 600 Euro pro Person. Wobei, bis dahin wird auch die Munch-Ausstellung in Frankfurt noch mehr Besucher anziehen – die Ausstellung ist noch bis zum 28. Mai 2012 geöffnet.). Für das Magazin von artnet schrieb ich eine Kritik zur Frankfurter Ausstellung und in der aktuellen Ausgabe von art ist auf Seite 112 von mir ein Text zur Auktion.
Heute lädt die Schirn übrigens zum Edvard Munch Filmabend. Hier ein Film von Munch mit Joachim Króls Stimme:
KOPENHAGEN. Die Kreativität der Isländer ist mittlerweile allbekannt, doch lange bevor isländische Künstler in Westeuropa in großem Stil bekannt wurden, zog es einen westeuropäischen Künstler in die Einöde der Insel mitten im Nordatlantik. Dieter Roth hat lange auf Island gelebt und gearbeitet und auch heute noch kennt ihn dort jeder. Bei der Kunstmesse Art Cologne wird eine seiner Arbeiten prominent ausgestellt und zeitgleich gibt es bei Artnet sein Werkverzeichnis, ein Blick lohnt sicher. Umfangreiche Bestände seiner Werke hat übrigens auch das Living Art Museum in Reykjavik zu bieten.
HELSINKI / LÜBECK. In großen Buchstaben steht es an der Wand des Ateneum geschrieben: Carl Larsson hielt sich für den besten Künstler Schwedens seiner Zeit, so besagt es ein Zitat von ihm. Das Museum in Helsinki widmet Larsson, der besonders in Deutschland beliebt war (sein Buch Ein Haus an der Sonne erschien zuerst dort und zwar mit Startauflage 40 000) eine große Einzelausstellung. Auch in der tritt er vor allem als Illustrator in Erscheinung, wirklich große Kunst würde ich seine Arbeiten genauso wenig (nunja, natürlich doch ein bisschen mehr..) nennen wie die Bilder des Musikers Bob Dylan (gesehen in Kopenhagen in der Nationalgalerie), die statt in einem Museum besser in einem Bilderbuch aufgehoben wären. Larsson, 1853 geboren und 1919 gestorben, damit war er Zeitgenosse von Anders Zorn, der von 1860 bis 1920 lebte und ebenfalls Schwede war. Zeitgleich mit Zorn, dessen Werke auch dem einfachsten noch jede Menge Würde verleihen, zu leben und zu arbeiten und sich dann als größten Künstler der gemeinsamen Heimat zu bezeichnen, dazu gehört schon einiges an Selbstüberschätzung.
Zorns Arbeiten waren bis vor wenigen Tagen im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus ausgestellt, ich schaffte es gerade noch eine Woche vorher dorthin. In einer aktuellen Pressemeldung zum Abschluss der Ausstellung heißt es: ”Wir hatten zwar vermutet, dass Anders Zorns Kunst in Lübeck ein interessiertes Publikum finden wird. Dass der hierzulande kaum bekannte Künstler aber schließlich über 41.000 Besucher ins Behnhaus-Drägerhaus lockte und – wie die vielen Einträge im Gästebuch zeigen – die Menschen durchweg begeisterte, übersteigt all unsere Erwartungen und erfüllt uns mit großer Freude. Die Wiederentdeckung ist gelungen!” Dr. Anna-Carola Krausse, Kuratorin der Ausstellung
Die Ausstellung mit Larsson in Helsinki läuft noch. (Zu sehen sind Arbeiten von beiden auch via Google Art Project und Nationalmuseum schreibt Svenska Dagbladet)
KOPENHAGEN. In Deutschland wird die Praxisgebühr diskutiert – wieder einmal. Schweden hat ein weitergehendes Modell, dort muss nicht nur einmal im Quartal bezahlt werden, sondern für jeden Besuch. Eine Höchstgrenze soll chronisch Kranken und stärker Leidenden Behandlung versprechen ohne deren Kosten explodieren zu lassen. Für Die Welt habe ich Grundzüge und Auswirkungen der schwedischen “patientavgift” zusammengefasst.
KOPENHAGEN. Aus aktuellem Anlaß ist der Focus diese Woche mit einem Titel zur Piratenpartei herausgekommen, ich habe zu Schweden zugeliefert (leider nicht online zu lesen). Für die gestrige Die Welt schrieb ich auch eine kurze Bestandsaufnahme zur (desolaten?) Lage der Piratpartiet in Schweden, online hier zu lesen.
KOPENHAGEN. Bei der gestrigen Landtagswahl im Saarland hat die Piratenpartei erneut mehr als einen Achtunsgerfolg eingefahren. Das Wahlergebnis entspricht in etwa jenem der schwedischen Piraten bei der Europawahl 2009. Alle Piratenparteien sind in mehr oder weniger starker Anlehnung an die schwedische gegründet worden, die deshalb als Mutter aller Piratenparteien gilt. In Nordeuropa aber war der Wahlerfolg 2009 eine Ausnahme, seither haben Wähler und Mitglieder der Partei in Scharen den Rücken gekehrt.
Ich nehme das Wahlergebnis im Saarland zum Anlass ein paar meiner früheren Artikel über die schwedische Piratenpartei zusammenzustellen, hier ein Bericht für Die Welt, hier aus Das Parlament, Zeit online und Mediummagazin.
