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KOPENHAGEN. Der European Song Contest war bisher nie mein Thema, doch dieses Jahr fand der Wettbewerb direkt vor der Haustür statt und das Wall Street Journal war sehr interessiert. Also traf ich mich Freitag bis Sonntagfrüh mit zwei Kollegen in Malmö, um einen Blog und Stream zu betreiben. Dazu kam ein Artikel in der Print-Ausgabe. Der Stream ist weiterhin im Netz und hoffentlich auch im Nachhinein noch interessant. Hier geht’s lang.

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KOPENHAGEN. Oh du fröhliche, oh du seelige geschlechtsneutrale Kinderweihnachtszeit! So sollte es passenderweise aus schwedischen Wohnstuben klingen. Denn in dem nordeuropäischen Land ist ein geschlechtsneutraler Spielzeugkatalog erschienen. Da tragen Mädchen Spielzeugpistolen und halten begeistert Fußbälle in der Hand während Jungs mit rosa Frisörsets um der Hüfte herumlaufen und mit bunten Schleifen dekorierte Hündchen ausführen. „Beim Reklameombudsmann, der in Schweden eine Frau ist, war mal Beschwerde eingegangen, dass Top-Toy zu sehr die klassischen Geschlechterrollen zeige. Nun machen wir es anders“, so Anne Dorte Erstad Jørgensen von „Top-Toy“. Niemand soll der größten nordeuropäischen Ladenkette für Spielzeug vorwerfen können, sie sorge dafür, dass die Kinder schon im Spiel in spätere Geschlechterrollen gedrängt werden.

Deshalb spielen Junge und Mädchen zwar auf der Titelseite des Weihnachtskataloges noch harmonisch Restaurant, doch weiter hinten ist es dann der männliche Nachwuchs der die süßen, mit bunten Schleifen dekorierten Hundestofftiere an den farbig leuchtenden Leinen hält. Wenige Seiten später föhnt ein kleiner Junge hingebungsvoll ein Mädchen – was schon lange Alltag im Kinderzimmer ist wird nun auch in der Reklame gezeigt. Und Jahre nachdem Frauen im Militär zugelassen wurden dürfen sie auch im Spielzeugkatalog Waffen tragen: Mit konzentriertem Gesichtsausdruck hat ein Mädchen die Finger am Auslöser der mächtigen Pistole des Schießspiels „Laser M.A.D.“ .

Schweden gilt international als Paradies der Gleichstellung. Erst vor wenigen Monaten wurde begonnen ein drittes, geschlechtsneutrales Personalpronomen einzuführen. Bis auf den kleinen Unterschied sind Geschlechtsunterschiede doch nur antrainiert, so lautet die Meinung vieler Schweden. Dies soll die Reklame wieder spiegeln.

Wirklich konsequent ist „Top-Toy“ aber nicht. So schläft im Justin-Bieber-Bettzeug kein Junge und im Katalog für die 18 „BR Spielwaren“-Läden, die „Top-Toy“ in Deutschland betreibt, ist es wieder ein Mädchen, das den Föhn benutzt und die Hündchen ausführt.

Hier dazu mein Artikel aus der Welt.


KOPENHAGEN. Die Deutsche Bank hat gerade immense Image-Probleme. Damit steht sie im Finanzsektor nicht allein. Es geht um problematisches, zum Teil womöglich sogar illegales Verhalten und den Umgang mit den Skandalen. Auch in Dänemark gibt es für die größte Bank jede Menge Schelte. Danske Bank hat nicht nur vor der Finanzkrise versucht ganz weit (und vielleicht sogar zu weit) vorne mitzumischen, sondern so wie jetzt die Deutsche Bank wegen eines Telefonanrufs in der Kritik ist, versteht auch Danske Bank die Regeln des Marktes mündigen Verbrauchers anscheinend nicht. Wegen der aktuellen Werbekampagne, bei der Bilder der Occupy-Bewegung auftauchten – bis diese nach Protesten entfernt wurden – befindet sich das Image von Danske Bank auf dem gleichen Weg wie das der Deutschen Bank: in die Rezession. Zum Thema habe ich für The Wall Street Journal Eivind Kolding, den Vorstandsvorsitzenden von Danske Bank, interviewt, den Artikel gibt es auch auf Deutsch (ich schrieb auf Englisch, die Übersetzung stammt nicht von mir).

Danske wird auch dafür kritisiert, Staatshilfe angenommen zu haben und nun aber zu sagen, diese habe man gar nicht gebraucht. Das lässt den Ökonom annehmen, auf den Staat zu setzen war einfach die preiswertere Lösung  – für marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen ist das kein guter Stil. Von dänischen Medien ausgegrabene Zitate deuten aber daraufhin, dass man bei Danske Bank damals doch sehr froh war, Kredit vom Staat zu bekommen. Dann aber wäre ein Danke angebracht. AIG aus Amerika macht vor wie’s geht.


Wie man's nimmt: Das Land stellt sich quer oder steht Kopf - an deutsche Verhältnisse will man sich hingegen nicht gewöhnen. (Ausriss aus der Zeitung Politiken; Foto: Bomsdorf)

Wie man’s nimmt: Das Land stellt sich quer oder steht Kopf – an deutsche Verhältnisse will man sich hingegen nicht gewöhnen. (Ausriss aus der Zeitung Politiken; Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Während die großen Wirtschaftsnationen erstaunt darüber sind, wie gut es Deutschland wirtschaftlich inmitten dieser Krise geht, wird in Dänemark vor deutschen Verhältnissen gewarnt. Das neuste Argument gegen Lohnkürzungen und -zurückhaltung ist der südliche Nachbar. In Deutschland mag man fürchten auf rumänischem Niveau zu landen, die Dänen aber sehen es derzeit als größten realen Schrecken an, Löhne wie in Deutschland akzeptieren zu müssen.
Dänemark, das wirtschaftlich in der EU zu den führenden Nationen gehört, ist auf dem absteigenden Ast. Die Produktivität entwickelt sich schlechter als in Schweden und Deutschland und während die Staatverschuldung zwar noch sehr gering ist, liegt die Arbeitslosigkeit mittlerweile über deutschem Niveau. Die Opposition hat sich gerade ein schärferes liberales Profil gegeben, die sozialdemokratisch geführte Mitte-Links-Regierung hingegen versucht am Dänemark mit recht hohen sozialen Standards festzuhalten. Da wird der große südlische Nachbar gerne als mahnendes Beispiel herangezogen. Eins jedenfalls ist wissenschaftlich erwiesen: Weil Arbeit in Dänemark so teuer ist, ist man zu guter Qualität verdammt, denn weniger Gutes gibt es woanders billiger.

KOPENHAGEN. Seit kurzem ist es soweit – das von Lars von Trier konzipierte Gesamtkunstwerk “Gesamt” ist fertig (zu viele “von” und “gesamt” in diesem Satz, aber ein zu viel passt bei dieser Arbeit ganz gut). “Disaster 501 – What happened to Man?” lautet der neue Titel – das klingt nach Christoph Schlingensief (hier ein kurzer Nachruf und hier ein Text über meine Begegnung mit ihm beim Reykjavik Arts Festival) und ein wenig passt das, schließlich ist auch das neuste Filmprojekt des Dänen ein wenig anarchistisch. Der Regisseur hat sechs Kunstwerke ausgewählt, damit wer sich dazu berufen fühlt, davon inspiriert selber ein Ton- oder Bild-Werk erstellt und digital an von Triers Mitarbeiterin Jenle Hallund sendet, die daraus “Desaster 501″ gemacht hat (organisiert hat das Ganze Christian Skovbjerg Jensen).

Zu den Kunstwerken zählte unter anderem eine Episode aus August Strindbergs Stück “Der Vater”, “D’où Venons Nous / Que Sommes Nous / Où Allons Nous” von Paul Gauguin, der Molly-Monolog, der James Joyce “Ulysses” beendet, sowie Albert Speers Zeppelintribüne. Passend dazu und beinahe um Aufmerksamkeit buhlend, startet die Homepage http://www.gesamt.org mit einer Grafik, die einen Martin Kippenbergers Titel “Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken” innerlich ausrufen lassen. Lars von Trier did it again. Er provozierte mit Nazi-Bezügen. Nicht sonderlich originell.

Was von dem gesamten Film zu halten ist, habe ich bei art online geschrieben.


KOPENHAGEN. Der maltesische EU-Kommissar ist vor ein paar Tagen zurückgetreten. Er soll womöglich bereit gewesen sein gegen Schmiergeldzahlungen dafür zu sorgen, dass das EU-Verbot von Snus aufgehoben wird. Ein Geschäftsmann soll dem schwedischen Snus-Produzenten Swedish Match angeboten haben, dafür zu sorgen, dass Dalli gekauft wird. Swedish Match gab der EU-Kommission Bescheid und machte die Affäre dadurch öffentlich. Es ist schon recht lange her, dass ich für die FTD über Swedish Match schrieb, der Text ist daher nicht online zu lesen, sondern nur ein anderer von mir für The Art Newspaper über ein Kunstprojekt, bei dem Swedish Match als unethisches Investment angesehen wird.

Schweden, die Heimat von Swedish Match, ist das einzige EU-Mitgliedsland, in dem Snus nicht verboten ist. Es ist auch das einzige Land, in dem der Anteil der Frauen die rauchen höher ist als der der Männer – diese nutzen dafür Snus mehr. Auch in Norwegen ist Snus legal. Von daher stammt auch die Komikergruppe “Raske Menn”. International sind Norweger nicht für ihren Humor bekannt, ja nicht einmal in Skandinavien. Zu Recht? Es gibt einige norwegische Komiker, die das Zeug dazu hätten, die Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen. Dafür müssten sie (die Kritiker versteht sich) aber erstmal norwegisch lernen. Der Clip von “Raske Menn” über den deutschen “Snausen Ausen”-Snus allerdings enthält so viel pseudo-Deutsch und so viele visuelle Referenzen zu (Film-)Geschichte, das dieser auch so überzeugen können sollte.


KOPENHAGEN. Von der neuen weiblichen Parteispitze der linken SF (Sosialistisk Folkeparti – Sozialistische Volkspartei) in Dänemark war hier schon die Rede. Als mögliche Kandidatin aus der Regierungsmannschaft wurde neben Astrid Krag anfangs auch Umweltministerin Ida Auken gehandelt. Sie sagte dann aber recht schnell, dass sie nicht zur Verfügung stünde. Auken, geboren im April 1978, gehört wie Krag zur Riege der jüngeren Minister. Warum, so wird sie sich womöglich gefragt haben, soll ich jetzt kandidieren, womöglich nicht gewählt werden und selbst wenn, dann eine harte Zeit vor mir haben und dann, wenn es nicht ganz so läuft wie gewünscht, die weitere politische Karriere verbaut haben, da im höchsten Parteiamt gescheitert. Auken kann es ja später immer noch einmal versuchen.

Was sie sonst so umtreibt und wieso sie so einen guten Draht zu ihren deutschen Kollegen hat, hat Auken mir für ein Porträt des DAAD-Magazins Letter erzählt (hier gibt es das pdf der Ausgabe, Seite 36-39).


KOPENHAGEN. Was die Berichterstattung über die nordeuropäische Wirtschaft und vor allem das isländische Bankenwesen angeht, sind die Artikel von Kollegen Sebastian Balzter von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung immer sehr lesenswert. Aktuell widmet er sich im Leitartikel den isländischen Reformen und fragt, ob die isländische Kur ein Vorbild zur Krisenbewältigung sein kann. Zumindest zur Inspiration taugt die Politik des Inselstaats, so Balzter.

Vor zwei Wochen habe ich in Berlin eine Veranstaltung mit dem Ökonomen Professor Steinar Holden von der Universität Oslo und dem Politikwissenschaftler Dr. Tobias Etzold von der Stiftung Wissenschaft und Politik moderiert. Dort erwähnte Holden einen Aspekt der nordeuropäischen Bankenkrise der 1990er, der in der Diskussion der vergangenen Jahre leider untergegangen ist und ein wenig mit dem von Balzter geschilderten Fall Island vergleichbar ist. Es geht um staatliche Eingriffe und Sozialisation von Kosten. In Nordeuropa schalteten sich damals die Regierungen wie derzeit auch ein. Doch statt nur Geld zur Finanzierung zur Verfügung zu stellen, erwarben sie Anteile an den Banken und hatten damit durchs Bail out nicht einfach Verluste sozialisiert, sondern die Banken. Und damit die Gewinne aus einem späteren Verkauf nach Sanierung. Analog zu Balzters Denkanstoß dies ein zweiter aus dem hohen Norden.

Zu Island revisited 1 (und der Erklärung der Überschrift).


KOPENHAGEN. In Dänemark wird derzeit darüber debattiert, ob freie Journalisten ausgenommen werden, manchmal ist das natürlich auch ein Sich-Ausnehmen-lassen. Obwohl Gewerkschaften in Nordeuropa traditionell stark sind und einen hohen Organisationsgrad haben, gibt es noch keine, die sich auf freiberufliche Journalisten spezialisiert hat. Anders in Deutschland, denn da gibt es Freischreiber. Christoph Burmester hat für die Branchenseite Kommunikationsforum über Freischreiber geschrieben und schlägt das Modell auch für sein Heimatland vor (dabei: ein Kommentar von mir).


KOPENHAGEN. Die vergangenen zehn Tage war ich zwecks Recherchen kontinuierlich im Ausland, deshalb diese Blog-Pause. Heute kam dann wieder einmal eine Meldung von Bang & Olufsen in den Posteingang. Der dänische Hifi-Hersteller will nunmehr auch Mercedes der M-Klasse mit CarFi (die Abkürzung stammt nicht von mir) ausstatten. Das passt, ist doch B&O längst selber zu einer Art SUV geworden: völlig überdimensioniert und protzend. Mit der skandinavischen Zurückhaltung ist es längst vorbei. Was nicht heißen soll, dass es nicht noch schöne Produkte im Portfolio von B&O gibt (gleiches gilt übrigens für Mercedes). Doch die Klassiker waren irgendwie schöner – bei beiden. Apropros Nostalgie. Unter dem neuen Foto ein paar Links zu älteren Texten von mir zu Bang & Olufsen (eine Auswahl, denn über B&O schrieb ich jede Menge).

M-Klasse mit B&O. (Foto: Bang&Olufsen PR-Bild)

Einen kritischen Blick auf jüngere Entwicklungen beim Design von B&O warf ich vergangenes Jahr für art online. Für die Financial Times Deutschland, Welt und Focus habe ich soweit ich mich erinnere alle Vorstandsvorsitzenden der vergangenen acht Jahre interviewt und das waren ein paar. Online ist von mir das Interview mit dem CEO von 2005 (Torben Ballegaard Sørensen) bei der FTD zu lesen,  ebenfalls für die FTD schrieb ich im Jahr drauf über die drei Marketing-Ps von B&O, im FTD-Gespräch mit dem 2009er CEO Kalle Hvidt Nielsen ging es dann noch einmal um CarFi. Nunmehr ist Tue Mantoni Chef bei B&O. Ihn traf ich vergangenes Jahr für Die Welt. In dem Text geht es vor allem um Parallelen zu Apple. Design stand im Vordergrund als ich kurz zuvor für Die Welt einen Blick auf Bang&Olufsen warf.

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