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KOPENHAGEN. Die Deutsche Bank hat gerade immense Image-Probleme. Damit steht sie im Finanzsektor nicht allein. Es geht um problematisches, zum Teil womöglich sogar illegales Verhalten und den Umgang mit den Skandalen. Auch in Dänemark gibt es für die größte Bank jede Menge Schelte. Danske Bank hat nicht nur vor der Finanzkrise versucht ganz weit (und vielleicht sogar zu weit) vorne mitzumischen, sondern so wie jetzt die Deutsche Bank wegen eines Telefonanrufs in der Kritik ist, versteht auch Danske Bank die Regeln des Marktes mündigen Verbrauchers anscheinend nicht. Wegen der aktuellen Werbekampagne, bei der Bilder der Occupy-Bewegung auftauchten – bis diese nach Protesten entfernt wurden – befindet sich das Image von Danske Bank auf dem gleichen Weg wie das der Deutschen Bank: in die Rezession. Zum Thema habe ich für The Wall Street Journal Eivind Kolding, den Vorstandsvorsitzenden von Danske Bank, interviewt, den Artikel gibt es auch auf Deutsch (ich schrieb auf Englisch, die Übersetzung stammt nicht von mir).

Danske wird auch dafür kritisiert, Staatshilfe angenommen zu haben und nun aber zu sagen, diese habe man gar nicht gebraucht. Das lässt den Ökonom annehmen, auf den Staat zu setzen war einfach die preiswertere Lösung  – für marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen ist das kein guter Stil. Von dänischen Medien ausgegrabene Zitate deuten aber daraufhin, dass man bei Danske Bank damals doch sehr froh war, Kredit vom Staat zu bekommen. Dann aber wäre ein Danke angebracht. AIG aus Amerika macht vor wie’s geht.


KOPENHAGEN. Was die Berichterstattung über die nordeuropäische Wirtschaft und vor allem das isländische Bankenwesen angeht, sind die Artikel von Kollegen Sebastian Balzter von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung immer sehr lesenswert. Aktuell widmet er sich im Leitartikel den isländischen Reformen und fragt, ob die isländische Kur ein Vorbild zur Krisenbewältigung sein kann. Zumindest zur Inspiration taugt die Politik des Inselstaats, so Balzter.

Vor zwei Wochen habe ich in Berlin eine Veranstaltung mit dem Ökonomen Professor Steinar Holden von der Universität Oslo und dem Politikwissenschaftler Dr. Tobias Etzold von der Stiftung Wissenschaft und Politik moderiert. Dort erwähnte Holden einen Aspekt der nordeuropäischen Bankenkrise der 1990er, der in der Diskussion der vergangenen Jahre leider untergegangen ist und ein wenig mit dem von Balzter geschilderten Fall Island vergleichbar ist. Es geht um staatliche Eingriffe und Sozialisation von Kosten. In Nordeuropa schalteten sich damals die Regierungen wie derzeit auch ein. Doch statt nur Geld zur Finanzierung zur Verfügung zu stellen, erwarben sie Anteile an den Banken und hatten damit durchs Bail out nicht einfach Verluste sozialisiert, sondern die Banken. Und damit die Gewinne aus einem späteren Verkauf nach Sanierung. Analog zu Balzters Denkanstoß dies ein zweiter aus dem hohen Norden.

Zu Island revisited 1 (und der Erklärung der Überschrift).


OSLO. Gleich geht es zu einem Interview mit einem isländischen Regierungsmitglied nach Göteborg, mehr kann ich noch nicht verraten. Passenderweise hat Kollege Claus Häcking in der Financial Times Deutschland heute eine große Reportage (bei der FTD Agenda genannt) über die Risiken des isländischen Widererstarkens – sehr lesenswert. Viel Platz finden die Probleme, die sich aus den Kapitalverkehrskontrollen ergeben könnten. Keine Angst, trotz allem ist es kein wissenschaftlich geschriebenes volkswirtschaftliches Lehrstück mit zu viel Zahlen geworden, sondern natürlich anschaulich (ist schließlich im Agenda-Ressort). Der Haken: der gesamte Text ist derzeit nur in Print oder mit FTD-Zugang zu lesen, aber gute journalistische Arbeit soll ja auch bezahlt werden.

Meine Überschrift? Huxley, Utopien, Distropien und wie sie geträumt und gefürchtet werden. Mehr auch im Buchgeschäft.


KOPENHAGEN. Weil im Zuge des Präsidentschaftswahlkampfes wieder mehr auf die isländische Wirtschaft geblickt wurde, hier noch kurz zwei Links zur dortigen Entwicklung und der Diskussion inwieweit Abwertung der Krone und damit eine unabhängige Währung hilfreich sind. Gebloggt wird darüber beim Economist als Antwort einer Analyse von Paul Krugman in der New York Times. In meinen Artikeln (hier noch der Nachwahlbericht für Die Welt) habe ich keine Parallelen zu den anderen dort erwähnten anderen Krisenländern Estland, Lettland, Litauen und Irland gezogen, zitieren möchte ich dennoch den lezten Satz aus dem Economist Blog:

>>Honestly, I’d be happy if we retired Iceland from the macro discussion altogether. It has half the people and one-seventh the real output of the District of Columbia, and fish and fish products account for nearly half of its exports. So long as we’re focusing on it, however, its experience relative to the Baltics supports the Krugman view of recovery and adjustment.<<

Wobei ich Vergleiche dennoch interessant finde, deutlich gemacht werden sollten aber auch die Differenzen – es sind eben keine ceteris paribus Länder, die sich nur in Namen und Währung unterscheiden.


REYKJAVIK. Olafur Eliasson, Hans-Ulrich Obrist, Marina Abramovic – zu Boom-Zeiten gab sich die globale Kunstelite beim Kunstfestival in Reykjavik ein Stelldichein. Geld, um diese Leute einzufliegen, war schließlich genug da. Doch damit ist es seit Herbst 2008 vorbei. Damals stürzte Island als erstes europäisches Land in die Finanzkrise. Erstaunlich schnell ist es wieder auf die Beine gekommen. Wegen hoher Schulden ist Geld für große Kunstfestivals trotzdem weiter rar. Deshalb heißt der Kurator beim diesjährigen Reykjavik Arts Festival nicht Hans-Ulrich Obrist, sondern Jonatan Habib Engqvist und statt Abramovic & Co. nehmen die Aktivisten von Anonymous sowie bekannte, aber vom Starruhm weit entfernet Künstler wie Superflex oder Thierry Geoffrey am Festival teil. Das passt, soll auf Island doch ein für alle mal die Zeit des Konsums um des Konsums willen vorbei sein. Aber, ob das wirklich der Fall sein wird, zeigt sich wohl erst, wenn das Land sich Mega-Konsum wieder leisten könnte.

Engqvist hat dem Festival den Titel (I)ndependent People gegeben – die Anlehnung an das Buch von Islands Nobelpreisträger Halldór Laxness ist offensichtlich. Lediglich die zwei etwas seltsam gesetzen Klammern machen den Unterschied.

Mein Artikel zum Festival ist in Arbeit. Bis dahin Links zu zwei Texten, die ich zu früheren Kunstfestivals auf der Insel schrieb – damals gab es noch viel mehr Geld: Hier bei art online und hier im Rheinischen Merkur (Christoph Schlingensief lud den Text damals ganz in Piratenmanier hoch, ohne sich die Erlaubnis einzuholen..).


KOPENHAGEN. Im Herbst jährt sich der Ausbruch der Finanzkrise auf Island zum dritten Mal. Von einem Tag auf den anderen schien auf der Atlantikinsel das Finanzsystem zusammenzubrechen. Geir Haardes Worte “Gott schütze Island” (hier dazu mein Text bei Zeit online) werden unvergessen bleiben. Der damalige Regierungschef wußte sich wohl nicht anders zu helfen als mit dem Verweis auf höhere Mächte. In den Jahren danach gab es immer wieder Vorwürfe, dass der Kollaps so unvorhergesehen nicht gewesen sei und Haarde und seine Regierung mehr hätten tun können, um diesen zu verhindern. Das geht auch aus einem sehr umfangreichen Untersuchungsbericht hervor. Das Parlament – in dem Haardes konservative Selbständigkeitspartei mittlerweile in der Opposition war – beschloss schließlich, dass ein Sondergericht gegen Haarde Anklage erheben soll. Gestern nun fiel das Urteil – bedingt schuldig kann man wohl sagen. Er wurde in drei von vier Vorwürfen freigesprochen, die Schuld im Falle des vierten wiegt nicht schwer genug, um ihn zu bestrafen. Ein salomonisches Urteil?

Für die FTD habe ich die Ergebnisse zusammengefasst, zu lesen nur in der heutigen Printausgabe, aber ein etwas ausführlicherer Text deshalb auch hier, unter dem Bloomberg-Interview mit Haarde.

Als weltweit erster Politiker ist der ehemalige isländische Ministerpräsident Geir Haarde für Verfehlungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise schuldig gesprochen worden. Ein Sondergericht hat geurteilt, dass der frühere Regierungschef nicht sein Bestes getan habe, um den finanziellen Kollaps seines Landes zu verhindern. Haarde wurde gestern in einem von vier Anklagepunkten schuldig erklärt, bleibt aber straffrei. Demnach hat der ehemalige Spitzenpolitiker der konservativen Partei gegen das Ministergesetz verstoßen. Entgegen den Vorschriften habe er es unterlassen, die Minister über die bedrohliche Lage des isländischen Finanzsystems zu informieren, befand eine Mehrheit von neun von 15 Richtern. Haarde hatte zu seiner Verteidigung darauf hingewiesen, dies in informellen Treffen getan zu haben. Das Gericht sah dennoch einen Gesetzesverstoß.

In den weiteren Anklagepunkten war ihm unter anderem vorgeworfen worden, die Effizienz einer Arbeitsgruppe für finanzielle Stabilität nicht sichergestellt zu haben und nicht genug unternommen zu haben, um das Bankensystem in einer Größe zu halten, die für Island angemessen ist. In diesen Punkten erfolgte aber keine Verurteilung. Haarde bezeichnete das Urteil als absurd und meinte, er sei aufgrund einer Formalität verurteilt worden. Nach Meinung des ehemaligen Regierungschefs ist er Opfer eines politischen Urteils geworden. Als Zeugen geladen gewesen waren auch politische Gegner Haardes. Die derzeitige isländische Regierung besteht aus Sozialdemokraten und Linksgrünen. Eine parlamentarische Mehrheit hatte basierend auf einem Untersuchungsbericht beschlossen, nur Haarde anzuklagen.

Island war als erstes Land im Herbst 2008 in die Finanzkrise geraten. Damals führte Haarde eine konservativ-sozialdemokratische Koalitionsregierung an. Binnen weniger Tage wurden im Oktober 2008 die größten Banken des Landes verstaatlicht, private und staatliche Schulden explodierten und das ehemals so prosperierende Land geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise. Erstmals in der Geschichte des Landes wurde daraufhin die Möglichkeit genutzt, ein Sondergericht einzuberufen, um über die juristische Verantwortung von Politikern zu urteilen. Haarde war der einzige, gegen den letztlich Anklage erhoben wurde. Ihm drohten bis zu zwei Jahre Gefängnis, doch seine Schuld war letztlich zu Gering für eine Strafe. Die Prozesskosten werden vom Staat übernommen.

Haarde war während seiner Amtszeit von vielen als Marionette seines Vorgängers David Oddsson gesehen worden., Dieser hatte sich aus der Politik auf den Posten des Zentralbankchefs zurückgezogen. Während Oddssons Herrschaft war das Finanzwesen liberalisiert und die Banken privatisiert worden, als er der Zentralbank vorstand versäumte er angemessene Rahmenbedingungen zu setzen. Mittlerweile ist Oddsson Chefredakteur der traditionsreichen Zeitung Morgunbladid. Für viele ist das ein Zeichen, dass Island immer noch von Vetternwirtschaft geprägt ist.


KOPENHAGEN. Sparen, sparen, sparen – wohl selten sind diese Worte so häufig gehört worden wie derzeit. Die Euro-Krise soll bewältigt werden und Ausgabenkürzungen scheinen da vielen unabdingbar. Ähnlich sieht das auch die dänische EU-Ratspräsidentschaft. Nur 35 Mio. Euro sind für die kommenden sechs Monate veranschlagt – weniger als ein Drittel des Budgets von Vorgängerland Polen. Symbolisch für die dänische Sparwut steht kaltes klares Wasser. Statt Mineralwasser aus teuren Minifläschchen gibt es “postevand” (Leitungswasser) aus der Karaffe. Dazu heute aktuell ein Artikel in Die Welt und natürlich auch online.


KOPENHAGEN. Heut hat Dänemark offiziell die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Aus dem Anlass von mir noch ein ausführlicheres Portrait der neuen dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt in der Welt, online hier zu lesen.


FRANKFURT. Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist Island. Trotz der Finanzkrise entschied die isländische Regierung, am ambitiösen Auftritt als Gastland bei der Frankfurter Buchmesse festzuhalten. Heutabend nun ist es soweit und die Frankfurter Buchmesse 2011 mit dem Länderschwerpunkt “Sagenhaftes Island” wird eröffnet.

Ein guter Anlass sich einmal zu erkundigen, wie Island wirtschaftlich und politisch derzeit dasteht. Das einstige Krisland, das noch vor drei Jahren vor dem Abgrund stand, hat sich stabilisiert. Die Wirtschaftsdaten sehen erstaunlich positiv aus (hier dazu von mir ein Artikel kürzlich erschienen in Die Welt) und die 2009 gewählte Regierung ist allen Prophezeiungen zum Trotz immer noch im Amt. Gleichzeitig wird weiter daran gearbeitet das Bankschuldenproblem zu lösen und als erstes Land macht Island einem Premier den Prozess. Der ehemalige Regierungschef, vor und während des Crashs im Amt, muss sich vor Gericht verantworten.

Mit dem Buchmesseauftritt hofft Island nicht nur aus Verkäufe von Geschichten, sondern auch wieder positiver wahrgenommen zu werden, was sich nicht zuletzt auf Politik und Wirtschaft stabilisierend auswirken sollte.

Noch kurz zur Buchmesse und isländischen Literatur: Obwohl nur etwas über 300 000 Einwohner hat Island eine blühende Literaturszene. In Frankfurt präsentiert es sich mit besonders vielen Neuerscheinungen und Neuübersetzungen. Ein erster Rundgang durch die isländische Abteilung findet heute Mittag statt.

Zur aktuellen Lage auf Island und der Literatur von dort um kurz vor halb eins ein Gespräch mit mir aus Frankfurt im deutschlandradio Kultur.


KOPENHAGEN. Der Wahlerfolg der finnischen Basisfinnen (Perussuomalaiset) kam in dieser Stärke für alle überraschend. Das die Partei eine nennenswerte Rolle spielen könnte, wußte man in Finnland seit langem. Schließlich sagten die Umfragen schon seit gut einem Jahr ein zweistelliges Ergebnis voraus (nachzugucken bei YLE, die Basisfinnen sind orange). Für das (europäische) Ausland schien der Erfolg aber eine ziemliche Überraschung gewesen zu sein – das kommt davon, wenn man vergisst, auf Europas Peripherie zu schauen. Dennoch ist womöglich alles nur halb so wild, denn der Wahlsieger Jyrki Katainen will dafür sorgen, dass auch das finnische Parlament die EU-Rettung für Portugal ratifiziert. Es bleiben drei Möglichkeiten. Welche schreibe ich in der heutigen Ausgabe der Financial Times Deutschland (online hier).

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