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KOPENHAGEN. Wikileaks ist dafür bekannt, geheime Dokumente, die es zugespielt bekommen hat, zu publizieren. Gestern wurde aus Schweden vermeldet, dass die Organisation auch selber Dossiers anlegt – über schwedische Journalisten, die verdächtigt werden an einer Konspiration gegen Julian Assange beteiligt zu sein. Die Zeitung Expressen war an eine entsprechende Quelle gekommen, hier der Artikel. Klingt nach Verfolgungswahn. Es heißt die Dokumente enthielten nicht nur eine Zusammenstellung frei zugänglicher Quellen. Mehr Details in meinem heutigen Artikel für Die Welt (u.a. sprach ich mit Thomas Mattsson, Chefredakteur von Expressen, der im eigenen Blatt diesen Artikel schrieb).

KOPENHAGEN. Heut nacht hat die schwedische Kronprinzessin Victoria eine Prinzessin geboren. Das ist den deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstallten natürlich viel Aufwand wert. ARD und ZDF werden bei der morgigen Zeremonie aus diesem Anlaß gleich mit mehreren Teams vertreten sein – kein anderer Auslandssender erlaubt sich das. Man muss halt Prioritäten setzen. Eine Übersicht über die schwedische und ausländische Presse morgen, gibt es hier.

KOPENHAGEN. Gebanntes Warten. In rund einer halben Stunde wissen wir’s. Wissen, wer diesjähriger Friedensnobelpreisträger wird. Es ist der größte Tag im Jahr des norwegischen Fernesehens. Auf der Homepage wird deshalb bereits bis zum Sendestart der Liveübertragung aus dem Nobelfriedensinstitut rückwärts gezählt.

NRK vor der Liveberichterstattung. (Screenshot von der Homepage nrk.no)

NRK vor der Liveberichterstattung. (Screenshot von der Homepage nrk.no)

KOPENHAGEN. Heutabend läuft nun auch im deutschen Fernsehern die Wikileaks-Dokumentation zweier schwedischer Filmemacher. Im schwedischen Fernsehen habe ich sie bereits Ende vergangenen Jahres sehen können, ein interessanter Film, der das bisher geschehene zusammenfasst, aber nicht wirklich viel Neues gebracht hat. Heutabend also ist eine deutsche Fassung bei Phoenix zu sehen, wenn man den Kollegen von Spiegel-Online glauben darf, ist die synchronisierte Version aber ein wenig verschandelt worden – Details hier bei Spiegel-Online.

KOPENHAGEN. Die Szenerie vor dem Fenster erinnert an eine
moderne Adaption von Brueghels Winterlandschaften (d.J. oder
d.Ä. je nach Wahl), um 18 Uhr wird die Neujahrsansprache der
dänischen Königin im Fernsehen übertragen, eine Stunde danach die
der deutschen Kanzlerin.

Tøger Seidenfaden bei seiner Neujahrsansprache 2010 (leider<br />
schaffte er es bei jedem Screenshot die Zähne zu zeigen).
Tøger Seidenfaden bei
seiner Neujahrsansprache 2010 (leider schaffte er es bei jedem
Screenshot die Zähne zu zeigen).

An Selbst- und
Sendungsbewusstsein nicht arm, lässt auch Tøger Seidenfaden es sich nicht
nehmen, eine eigene Neujahrsansprache zu halten und das vor den
anderen. Der Chefredakteur der linksliberalen Zeitung Politiken
erzählt darin vom Rekordresultat seines Blattes (wie Merkel die
Überwindung der Krise den Bürgern mitzuschreibt, so dankt
Seidenfaden den loyalen Lesern), lobt Obama und kritisiert -
natürlich – die amtierende liberal-konservative Regierung. Das alles hier. Seidenfaden macht eine
gute Zeitung, keine Frage. Gleichzeitig bin ich froh, nebenher die
deutschen Blätter lesen zu können, denn wirklich feuilletonistische
Debatte beispielsweise wird in Dänemark leider kaum geführt. Der
Wirtschaftsteil von Politiken ist auch mit der noch recht frischen
Kooperation mit der Financial Times sehr dürftig und über den
Reiseteil wollen wir gar nicht erst sprechen. In Wirtschaftsdingen
ist die Berichterstattung in anderen dänischen Medien umfangreicher
als bei Politiken, die anderen Ressorts nehmen sich nicht viel. Im
Kulturressort müssen sich die anderen Blätter m.E. geschlagen
geben. Gleichzeitig werden bei Politiken und im Norden generell in
Sachen Fotojournalistik und Layout sowie oftmals in interessant
aufgemachter innenpolitischer Berichterstattung Massstäbe gesetzt.
Aber das soll ja jetzt keine Neujahrsansprache werden. Guten
Rutsch!

 

KOPENHAGEN. Ungarn hat ein neues, viel kritisiertes Mediengesetz erlassen. Die damit zugelassenen Eingriffe seien eines demokratischen Staates nicht würdig, heißt es von Kritikern – vor allem Journalisten und Oppositionspolitikern in Ungarn aber auch außerhalb. Auch in Dänemark gibt es seit einigen Tagen eine Debatte über die Einflussnahme der Politik auf die Medien. Zwar ist man in dem nordeuropäischen Land weit davon entfernt Gesetze wie in Ungarn zu erlassen, aber die Politiker üben Druck auf die Medien aus. Sowohl der Regierungschef Lars Løkke Rasmussen als auch der Vorsitzende der aufstrebenden Linkspartei SF, Villi Søvndal, – bei der Wahl 2011 womöglich Königsmacher – haben sich vorab bestimmte, derzeit besonders diskutierte Fragen in Interviews verbeten. Einzelne Medien weigerten sich, sich dem Diktat der Politiker zu beugen, andere gaben nach und bekamen das Interview. Unmöglich findet das beispielsweise der Kommentator der linken Tageszeitung Information. Das Blatt – dessen Leser sicherlich zu einem großen Teil für Søvndal stimmen – sprach deshalb nicht mit ihm.

Dieser Tage kursiert zudem ein Clip im Internet, der den Gesundheitsminister Bertel Haarder zeigt, wie er wüst („Arschloch“, “Dummes Schwein”, “Du behandelst mich wie Scheiße” etc., wobei gesagt werden sollte, dass solche Schimpfworte im Dänischen häufiger angewandt werden als im Deutschen und damit etwas harmloser rüberkommen) einen Journalisten des öffentlich-rechtlichen Senders DR beschimpft, weil dieser eine Frage stellt, die vorher nicht abgesprochen war. In Dänemark ist es zunehmend üblich den Politikern vorab nicht nur das Thema zu melden, über das man sprechen möchte, sondern en detail auch die Fragen – andere zu stellen gilt dann als Provokation. DR stellte den Film übrigens selber ins Netz, um auf das Verhalten mancher Politiker aufmerksam zu machen. Ein wohl etwas harmloserer Film mit dem Regierungschef war kürzlich nicht veröffentlicht, sondern gelöscht worden.

KOPENHAGEN. Auch dieses Jahr schreiben die Internationalen Journalisten-Programme (IJP) wieder das Deutsch-Nordeuropäische Journalistenstipendium aus. Deutsche Journalisten, die 2011 zwei Monate in Nordeuropa recherchieren möchten (so wie Elmar 2008 und ich 2002) erfahren hier Details zur Bewerbung.

And journalists from the Nordic countries that would like to go south and work for two months in Germany, should check this out.

KOPENHAGEN. Gestern fand das Symposium „ Integrationspolitik in Skandinavien“ statt, das in Zusammenarbeit von Cevea Think Tank Dänemark und der Friedrich Ebert Stiftung organisiert wurde. Zahlreiche Wissenschaftler und Experten sprachen über optimale Maßnahmen, Herausforderungen und Möglichkeiten rund um das Thema Integration. Was mir an der Veranstaltung gefiel, war, dass sehr viele Fakten beziehungsweise Wissen rund um das Thema Migration und Integration vermittelt wurden.

Jedoch hat nicht jeder die Möglichkeit sich diffenziert mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und darin liegt auch das Grundproblem: Jens Jonathan Stehen, der Direktor von Cevea Dänemark erklärte gestern, es gebe einen Mangel an fundiertem Wissen zum Thema Integration. Das ist vor allem besorgniserregend, wenn Migration und Integration derzeit inflationär verwendete Begriffe in den Medien und zwar sowohl in den skandinavischen Ländern als auch in Deutschland sind. Zusätzlich werden hitzige Debatten rund um das Thema Integration geführt, obwohl niemand genau weiß, was das ist. Und daher würde ich ein derartiges Symposium nur weiterempfehlen um den Mangel an fundiertem Wissen entgegenzuwirken. Sonst wird viel geredet, aber wenig gewusst und nur polarisiert. Daher, liebe Mitredner. Wie wärs‘ mit erst Wissen, dann Denken und bitte dann erst Reden?

KOPENHAGEN. Anlässlich des offiziellen Tages gegen Menschenhandel fand am 18. Oktober die vom Danish Institute for Human Rights (DIHR) mitorganiserte Anti-Trafficking-Konferenz im Rathaus statt.  Eine Foto-Ausstellung visualisierte die Zwangsprostitution von Frauen, die als größte Fallgruppe des Menschenhandels gilt und im Focus der Veranstaltung stand. Mikkel Warming, der Kopenhagener Bürgermeister für Soziales eröffnete die Veranstaltung  mit einer kurzen Einführungsrede. Er gehörte an diesem Tag jedoch leider zur Minderheit.  Denn er ist ein Mann. Von den etwa 150 Teilnehmern waren geschätzte 90% weiblich und 10% männlich, die Musiker, die für die Pausenunterhaltung sorgten, großzügigerweise einberechnet. Wenn Zwangprostitution von Frauen und Maßnahmen zur  Prävention im Zentrum der Veranstaltung stehen, macht es da überhaupt Sinn, wenn kaum Männer im Publikum sitzen und zuhören?

KOPENHAGEN. Wenn in Schweden am 30. Juni die Wehrpflicht endet, basiert der Dienst an der Waffe plötzlich auf Freiwilligkeit. Und da macht sich das schwedische Militär offenbar Sorgen, ob es denn auch in Zukunft genügend Soldaten zur Verfügung haben wird. Anders lässt sich seine neue und 2,5 Millionen Euro teure Rekrutierungskampagne kaum erklären. Die Videos gingen völlig an der Realität vorbei, gaukelten falsche Tatsachen vor und erinnerten eher an einen Actionfilm mit Bruce Willis, so der Vorwurf schwedischer Medien.

 

Die Filme sind in der Tat recht fehlerbehaftet. So wurden die Szenen, die schwedische Soldaten beim Löschen eines Waldbrandes im heimischen Jämtland zeigen, in Südafrika gedreht. Und die Soldaten in dem Film sind überhaupt keine Soldaten. Und sie sind auch nicht aus Schweden. Es handelt sich vielmehr um südafrikanische Schauspieler. Und die Piratenjagd im Golf von Adenwurde findet in einem Boot statt, dessen Typ sich überhaupt nicht im Sortiment der schwedischen Marine befindet.

 

Aber wer wird denn gleich so kleinlich sein? An Details sollte man sich nicht aufhängen. So zumindest die Ansicht des schwedischen Militärs, wo man auf den dicken Actioneffekt setzt und es heißt: “Wir haben uns nicht zum Ziel gesetzt, die Wirklichkeit zu 100 Prozent darzustellen. So produziert man keinen Werbefilm”, sagte Fredrik Swahn der Zeitung Svenska Dagbladet. Das ist wenigstens ehrlich, macht die Sache aber nicht besser.

Der Plan des schwedischen Militärs sieht übrigens vor, im kommenden Jahr 3100 Soldaten zu rekrutieren, 2012 sollen es 4800 sein, 2013 dann 5200. Na dann: viel Glück. Mit diesen Rekrutierungsfilmen kann man es brauchen.

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