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KOPENHAGEN. Der “Selfie” von Helle Thorning-Schmidt hat die danische Premierministerin im Ausland bekannt gemacht. Mittlerweile weiss sogar die AFP, wer die Frau zwischen Cameron und Obama ist. Dass sie daheim in ziemlichen Problemen steckt, ist hingegen womoglich noch nicht uberall angekommen (genauso wenig wie die Umlaute hier – Dank amerikanischer Tastatur/Systemsprache). Die Sozialdemokratin hat namlich gleich eine ganze Reihe Regierungsmitglieder durch Rucktritte verloren.

Heute nun prasentierte sie ihr neues Kabinett. Das, so Thorning-Schmidt, solle in dieser Konstellation bis zu den Wahlen bestehen bleiben. Entweder gibt sie sich selbstbewusst. Oder lasst durchblicken, dass weitere Fehltritte vorgezogene Neuwahl bedeuten.

Mehr zum politischen Chaos in Danemark und wie die Regierungschefin dem Herr zu werden versucht gibt es in zwei meinen Artikeln bei The Wall Street Journal zu lesen (gestern und heute und stets auf Englisch).


KOPENHAGEN. Auf der Jagd nach Unbekanntem aus dem Leben der Prominenten gehen Journalisten und andere Neugierige auch gerne mal an deren Müll. Das Fotografenpaar Bruno Mouron und Pascal Rostain hat den Inhalt der Abfalltonne von Madonna und anderen Stars fein drapiert und fotografiert. In Norwegen ist in den vergangenen Monaten der Müll eines anderen weltbekannten Mannes ausgegraben worden: Der des Malers Edvard Munch (1863-1944). In der Erde seines Ateliergrundstücks wurde noch viel mehr gefunden. Dazu hier ein Text von mir aus The Art Newspaper.


KOPENHAGEN. Am Wochenende traf ich mich mit dem amerikanischen Fotokünstler Leigh Ledare in dessen Kopenhagener Ausstellung und schrieb dafür einen Artikel, der bei art online steht. Für die, die an mehr interessiert sind, gibt es hier eine Langversion:

Mehr als nur alles über seine nackte Mutter

Ja, Leigh Ledare ist der Mann, der über Jahre hinweg intime, teils pornographische Porträts seiner Mutter aufgenommen hat. Doch ihn auf diese Motive zu beschränken wäre genauso falsch wie in einem sexuellen Akt nur einen rein mechanischen Vorgang zu sehen. Clemens Bomsdorf ließ sich von Ledare durch dessen Ausstellung in Kopenhagen führen.

Draußen ist es eisig kalt, deutlich unter Null. Leigh Ledare steht im Foyer der Kunsthalle Charlottenborg, er trägt dunkle Hose und dunkle Jacke und eine gelbliche Mütze und das, obwohl es drinnen gut geheizt ist. Sie steht ihm. Ledare wirkt lässig, wie jemand, der mit allen klar kommt und mit nichts und niemandem ein Problem hat. Weder mit seiner Mutter, noch mit seiner Sexualität.

„Alma“ heißt die erste Arbeit, die am Eingang zu seiner Ausstellung im Obergeschoss präsentiert wird. Das Porträt einer nackten auf dem Bett liegenden Frau, bekritzelt wie von Kinderhand. „Die Arbeit habe ich Freunden gegeben, damit sie ihr dreijähriges Kind darauf herum malen lassen. Ich finde es sehr interessant zu sehen, wo es Akzente gesetzt hat“, sagt Ledare. Gesicht und Geschlecht der Frau sind bemalt als habe da jemand das Unanständige zensieren und die Frau unkenntlich machen wollen, auch auf Oberschenkel, Kissen und Bettdecke gibt es intensiv bearbeitete Stellen. „Mir war wichtig, dass das Kind so jung ist, dass es sich noch nicht zu dem Motiv verhalten kann“, so Ledare. Kleinkinder suchen sich anders als Erwachsene Stellen aus, die sie bemalen. Das kleine Kind wird nicht an der Vagina als solcher interessiert gewesen sein, sondern an deren bildnerischen Struktur. An der Vagina von Ledares Mutter wohlgesagt, denn Basis des Bildes ist eines jener vielen Fotos, die er über acht Jahre hinweg von dieser (der Mutter und ja, auch deren Vagina) aufgenommen hat.

Doch so wie das Kind sich von der sexuellen Bedeutung des Geschlechtsorgans nicht hat berühren lassen (weil es diese vermutlich nicht einmal ahnte), so sollten auch die Betrachter von Ledares Bildern endlich einmal nicht nur darauf fokussieren, dass er seine Mutter fotografiert hat, wie sie an einen ihrer jungen Liebhaber angebunden (Mom and Catch 22, 2002) ist oder wie einer ihrer jungen Liebhaber sie mittels Cunnilingus stimuliert (Mom on Top of Boyfriend, 2002) oder wie sie sich selber zwischen den Beinen befingert (Mom Fingering, 2004) oder eben dort eine Tiara platziert (Mom with Tiara, 2002). Wer im Internet Artikel über Leigh Ledare sucht und findet, hat den Eindruck der Mann kenne nur ein Thema. Dabei sind es wohl eher die Journalisten, die nur ein Thema kennen, wenn sie ihn treffen oder seine Arbeiten ansehen. So auch zur Ausstellung, die soeben in der Kunsthalle Charlottenborg in Kopenhagen eröffnet wurde. „Politiken“, die linksliberale Zeitung, die gerne von der dänischen Kulturszene gelesen wird, widmet ihm einen riesigen Artikel, interviewt die Kuratorin und zeigt etliche Bilder. Doch das nur ein gutes Viertel der Ausstellung die Mutter-Serie ausmacht und auch diese nur zu einem geschätzten Anteil von 50% Nacktporträts von ihr zeigt, geht völlig unter.

Ja, er fühle sich schon manchmal missverstanden, sagt Ledare und erweckt nicht den Eindruck, dass ihm das allzu viel ausmachen würde. „Es geht hier um viel mehr als die Sexualität meiner Mutter. Familienrelationen spielen eine große Rolle. Mein Bruder, meine Großelter und ich – wir alle kommen in der Serie vor“, so der 1976 geborene Fotograf. Wie um zu unterstreichen, dass er nicht auf „Pretend You’re Actually Alive“ (so der Titel der Serie) reduziert werden sollte, beginnt die Ausstellung denn auch mit einer ganz anderen Arbeit. Die wohl bekanntesten und öffentlichkeitswirksamsten Arbeiten nehmen keine besondere Position in der Ausstellung ein, belegen einfach den zweiten von vier Räumen.

Raum eins also: Übermannsgroße Rahmen mit übermannsgroßen Titelseiten der New York Times, darauf montiert Aufnahmen von einer Frau. Ihren Körper entblößt die Frau, ihr Kopf aber ist von einem in Nachhinein eingesetzten schwarzen Rechteck verdeckt. Warum, sagt ein Vertrag, der in einer Vitrine in der Mitte des Raumes präsentiert wird. Ledare fasst zusammen: „Sie ist die Frau eines rund zwanzig Jahre älteren Mannes. Ich lernte die beiden bei einer Reise durch Europa kennen. Die Porträts meiner Mutter kennend, wollte sie von mir in ähnlicher Positur fotografiert werden. Ich aber arbeite so nicht; mit Aufträgen.“ Also wurde daraus die Arbeit „An Invitation“. Die Frau bekam ihre Porträts, Ledare wohnte dafür eine Woche mit dem Paar zusammen und fotografierte die Frau täglich. Sie durfte die Arbeiten – die laut Ledare womöglich auch helfen sollten, deren träges Sexualleben wieder in Gang zu bekommen – behalten und bei sich aufhängen, aber nur, weil Ledare sieben Motive weiterverarbeiten durfte. Er montierte je eine in die Titelseite der New York Times ein, die am Tag der Aufnahme erschienen war. Es war Ende Juli 2011, eine Woche mit Großereignissen: Lucian Freud starb und in Norwegen brachte Anders Behring Breivik 77 Menschen um. Ledare bringt internationale Nachrichten und Intimaufnahmen zusammen, unter dem Bild macht er Notizen – wie etwa „attack in Norway / swimming in the afternoon“ in Anlehnung an Franz Kafkas Tagebuchnotiz zur Kriegserklärung Deutschlands an Russland 1914 (ähnliche Referenzen gibt es auch beim finnischen Fotografen Jari Silomäki). Intimstes, Banales und Weltgeschichte sind hier in Gleichzeitigkeit vereint.

Im nächsten Raum dann „Pretend You’re Actually Alive“ – viel mehr als alles über seine nackte Mutter. Bisher nur über die Serie gelesen, doch nur einzelne Bilder gesehen, fällt auf: die ist ja gar nicht immer nackt. Die Medien lieben es nackte Körper abzubilden, gerne auch in Aktion. Sex sells. Aber Ledares Aufnahmen seiner Mutter sind Teil einer Familienstudie und selbst so exhibitionistisch veranlagte Menschen wie seine Mutter sind auch mal angezogen. „Es geht hier um viel mehr. Da ist mein Großvater, der fünf akademische Master hatte und an mehreren Universitäten gearbeitet hat.“ Ledare zeigt ihn neben sich – ein klassisches Fotoporträt wie es in millionen von Familienalben klebt. Dann das Foto einer kargen Landschaft. „Mein Großvater hatte als Weihnachtsgeschenk fünf nebeneinanderliegende Grabstellen gekauft, damit wir, mein Bruder, meine Mutter, deren Eltern und ich, später dort nebeneinander liegen könnten. Das Bild zeigt den Blick von dort“, erklärt Ledare. Die Serie ist eine Annäherung an seine Familie und zwangsläufig stellt sich die Frage – würde man Nacktaufnahmen auch von seiner Mutter machen wollen? Und es ist völlig in Ordnung, wenn man wie vermutlich 99+ % der Bevölkerung das verneint. Die Arbeit zeigt den Exhibitionismus der Mutter und den Spleen des Großvaters, zeigt aber auch, dass die beiden mit ihren mehr (Mutter) oder weniger (Großvater) exzentrischen Seiten von Ledare respektiert werden. Manchesmal machen solche „Fehler“ die Menschen erst aus. Die Kamera und das Foto sind für ihn Instrument der Annäherung und helfen Verhältnisse zu ergründen. Ein bisschen zumindest.

Nicht weniger interessant und persönlich: die Video- und Foto-Arbeiten in Raum vier und vor allem die Serie im letzten Raum der Kopenhagener Ausstellung. Für „Double Bind“ (2010) zog sich Ledare vier Tage und drei Nächte mit seiner Ex-Frau Meghan in eine Hütte in der Nähe New Yorks zurück und machte hunderte von Fotos von ihr. Später dann bat er deren neuen Ehemann dasselbe zu tun. Die Aufnahmen der beiden präsentiert er nebeneinander – seine in einem schwarz hinterlegten Bilderrahmen, die des neuen Mannes auf weißem Grund. Auch Ledare hat seine Ex barbusig abgelichtet. „Solche Aufnahmen aber hat sie nur von ihm machen lassen“, sagt er und zeigt auf ein schwarz-weiß Foto, das sie mit entblößtem Hintern zeigt, zwischen den Schenkeln ist die haarige Scham ganz deutlich zu erkennen. Die Pobacken strecken sich so sehr dem Betrachter entgegen als erwarteten sie das Spanking. Ledare hat andere Motive aus Zeitschriften eingearbeitet, deren Zusammenhang sich nicht jedem Betrachter (gleich) erschließen wird, aber erneut geht es um Nähe und Distanz, um Vertrauen und Verletzlichkeit und darum, sich einer Situation auszusetzen, die unangenehm sein kann, einander näher bringen kann oder dauerhaft verkrampft ist. Und die Frage stellt sich: welche jetzt wieder glücklich liierten Ex wäre wohl dazu bereit, vier Tage gemeinsam in einer einsamen Hütte verbringen und wozu würde das führen?


KOPENHAGEN. Politik wird mit Autorennen so selten in Verbindung gebracht wie Kunst. Insofern bildet das Formel 1- Rennen in Bahrain eine doppelte Ausnahme. Es wurde diskutiert, inwieweit in diesem Staate, der seine Bürger unterdrückt, überhaupt ein derartiges internationales Großereignis stattfinden darf. Zugleich wurde diese Aufmerksamkeit von eben jenen Bürgern genutzt, um wiederum mehr Aufmerksamkeit für deren Demonstrationen zu bekommen.

Und zur Kunst: Der deutsche Fotograf Andreas Gursky hat mehrfach in politisch heiklen Ländern fotografiert – neben Nordkorea auch in Bahrain und dort ausgerechnet die dortige Autorennstrecke. Die Arbeit “Bahrain I” (2005) ist derzeit in der großen Gursky-Einzelausstellung im Louisiana Museum nördlich von Kopenhagen zu sehen, meine Kritik für art online dazu hier. Mitten im Zentrum von Kopenhagen gibt es einen Park, dessen ungewöhnliche Gestaltung an Gurskys Draufsicht auf Bahrain erinnert, die Parallele erläutere ich in meiner Architekturkritik eben jenes Parks vor dem Kopenhagener Sitz der Bank SEB für die deutsche bauzeitung (online ist nur der Einstieg zu lesen, also bitte bestellen. Ein Blick ins E-Paper lässt die Parallele bereits erkennen.).


Do it yourself-Gursky (nein, ganz ernst ist das nicht gemeint). Google Maps Screenshot

Do it yourself-Gursky (nein, ganz ernst ist das nicht gemeint). Google Maps Screenshot

KOPENHAGEN. Als er Journalisten durch die Ausstellung des Fotografen Andreas Gursky führte, konnte  Poul Erik Tøjner sich eine Bemerkung nicht verkneifen. Noch während der Ansprache mahnte er die Journalisten zur sauberen Arbeitsweise und wies daraufhin, dass nicht alle Bilder im Katalog auch in der Ausstellung zu sehen sind. Gelächter war die Antwort – vor kurzem hatten zwei dänische Journalisten Werke von Louisiana besprochen, die zwar im vom Museum herausgegebenen Text erwähnt, nicht aber zu sehen gewesen waren. „Es hätte so sein können“ darf eben nur in realistischer fiktionaler Literatur oder künstlerischer Fotografie wie der von Gursky gelten ohne dass eine Lüge entsteht. Viele seiner Arbeiten sind zu schön, um wahr zu sein. Mein Artikel zur Ausstellung mit Referenzen zu Google Earth, Boxenludern und Madonna jetzt bei art online. Um zu erfahren, was es mit Google Earth und Gursky auf sich hat, einfach den Artikel lesen.


KOPENHAGEN. Über die Kulturpolitik während des schwedischen Wahlkampfes habe ich hier bereits im September berichtet. Wie bekannt sind die Schwedendemokraten bei der Wahl in den Reichstag eingezogen. Auch in der Kulturpolitik setzt die Partei auf nationale Werte, finanzielle Unterstützung soll vor allem an Heimatvereine und ähnliches gehen, zeitgenössische Kunst hingegen darf wenn es nach der rechtspopulistischen Partei geht, um Förderung bangen. Kunst, die nur ein sehr kleines Publikum finde und bei der es fraglich sei, ob es sich überhaupt um Kunst handle, soll nicht subventioniert werden. Dieser Vorschlag ist eine Pervertierung der gängigen Kulturpolitik, geht es doch üblicherweise darum, gerade jene Kultur zu fördern, die unter Marktbedinungen nicht zustande kommen würde. Für die britische The Art Newspaper habe ich einen Text über das Kunst- und Kunstförderungsverständnis der Schwedendemokraten geschrieben - online hier zu lesen. Darin kritisiert der Abgeordnete Erik Almqvist vor allem eine in seiner Wahlstadt Lund organisierte Ausstellung des Fotografen Andres Serrano – dessen explizite Darstellung von vielen als ungewöhnlich angesehener Sexualität gefällt Almqvist nicht. Als die Ausstellung vor drei Jahren im südschwedischen Lund zu sehen war, wurden einige der Werke von Rechtsradikalen beschädigt – mein damaliger Bericht dazu für art hier.

Bleibt abzuwarten wie sich die Kulturpolitik unter der zweiten Regierung Reinfeldt entwickelt, denn auch in der Koalition gibt es immer wieder Äußerungen die Kulturförderung richte sich zu sehr an eine angebliche Elite statt das Volk im Auge zu haben.


Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Das Stadtbild ist während des diesjährigen Reykjavík Arts Festivals eine der großen Ausstellungsorte. Anderthalb Jahre nach dem Bankenkollaps thematisieren die Künstler natürlich die Krise. So beschäftigen sich mehrere Fotografen (Hlynur Hallsson oder Ingvar Högni Ragnarsson) der zum Teil im Freien stattfindenden Ausstellungsserie „Reality Check“ mit den sichtbaren und weniger sichtbaren Zeichen der Krise: Demonstranten, arbeitslose polnische Arbeiter und von Investoren im Stich gelassene Bauprojekte sind an Hausfassaden und Bauzäunen in der Innenstadt von Reykjavik zu sehen – gleichzeitig sind im Gericht nebenan Demonstranten angeklagt und die ersten Bankmanager sind verhaftet worden und werden – so hoffen viele Isländer – auch bald auf der Anklagebank sitzen.

David Byrne, Frontmann der Talking Heads und seit einiger Zeit bildender Künstler, nimmt ebenfalls am Reykjavík Arts Festival teil. Er bespielt Plakatständer im Stadtzentrum. Byrne stellt der Öffentlichkeit Fragen, das klingt schon beinahe etwas klischeehaft, denn Fragen stellen, da ist man sich schnell einig, das soll die Kunst. Doch, wenn Byrne mitten in der Krise zwischen Fragen zu den kleinen Dilemmata des Alltags die Isländer und natürlich uns Besucher auch fragt, was wir tun würden, wenn wir unsere Freunde gegen eine Menge Geld eintauschen könnten, dann wirkt seine Arbeit. Früher wäre diese Frage wohl nicht hervorgestochen, doch im derzeitigen Kontext ist sie etwas anderes.

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)


Car in Iceland - not yet in river. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Heute eröffnet im Berliner Martin Gropius-Bau die Einzelausstellung von Olafur Eliasson, Kurator ist Daniel Birnbaum. Eliasson hat sein Studio in Berlin und wurde in Kopenhagen als Sohn isländischer Eltern geboren. Alle drei Länder vereinnahmen ihn deshalb gerne für sich, was der Popularität des Populistenkünstlers (seine Ausstellungen und Werke ziehen Massen an) sicher mehr nutzt als schadet. Neben den etwa aus London und New York bekannten Rieseninstallationen, macht Eliasson auch stillere Arbeiten. So etwa die Fotoserie “Cars in Rivers“. Anlässlich der Berliner Ausstellung hier ein Auszug zu “Cars in Rivers” aus dem Text, den ich für das französischsprachige Kunstmgazin Art Nord über Eliasson schrieb (wer meine französischen Sprachkenntnisse kennt, weiß, warum ich den Text auf Englisch abgab. Er erscheint im Juni.). Eine Arbeit, die zur aktuellen Situation nicht nur Islands passt:

“Due to the low population density and a relatively bad public transportation system private cars in Iceland play a much bigger role than in many western European countries. In large parts of the country roads as known from Germany, Finland or France are missing and one has to drive on soil, snow and even through rivers. It is not that seldom that people get stuck when trying to pass a river with their jeep. The water might be deeper than expected, the ground less solid or the driver less experienced as his self-perception told him. For his latest series of photographs titled “Cars in rivers” (2009) Eliasson collected pictures of cars that got stuck in Icelandic rivers. Again a parallel to the situation Iceland and the world is in can be drawn. Underestimating the forces of nature, overestimating your own capability is what leads to get stuck. But there is almost always a way out, though it might take time, artist Björk Viggósdóttir tells me when driving me in her car on a solid street outside Reykjavík close to the Icelandic president´s residence in Álftanes. Being Icelandic and knowing the difficulties of driving in the country for her the “Cars in rivers” series clearly relates to the Iceland of today. “Either you manage somehow to continue the direction you were heading and get out on the other side or you have to pull back, not reaching your goal at this point, but getting on the ground again”, she explains the ways out of the mess to me. A move Iceland has to do as well right now. There are off course two more options: Having to leave the car behind to safe your soul or not being able to escape at all – a very unlikely worst case scenario.”


Publikum vor den Pressebildern (Foto: Bomsdorf)

KÓPAVOGUR. Trotz Finanzkrise und Schuldenberg ist Island nicht völlig am Boden zerstört, natürlich geht das Leben weiterhin seinen gewohnten Gang. Dazu gehört auch die alljährliche Foto- und Journalistenpreisverleihung. Im Museum in Kópavogur werden seit dem Referendumstag, 6. März, die Pressebilder des Jahres 2009 gezeigt. Nicht überraschend bildeten viele Fotos die Folgen der Krise ab. Dabei ist ein sozusagen deutsches Haus zu einem der Symbole der Krise geworden – das örtliche Gebäude des Baumarktes Bauhaus. In großem Stil vor dem Zusammenbruch der Krise errichtet, steht es nun komplett fertig außerhalb von Reykjavík. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wurde Bauhaus aber nie eröffnet, sondern ist nun ein schlüsselfertiges Denkmal, noch viel eindrucksvoller als Häuser, die unvollendet stehenblieben.

Pressebilder mit Krisenstimmung

Weitere Krisenbilder zeigen Demonstranten, demonstrierend oder festgenommen auf dem Boden liegend – beides zuopr äußerst ungewöhnliche Bilder für Island; den ehemaligen Bankminister als Tierarzt – wegen der Krise muss er jetzt Hunde kastrieren statt testoserongesteuerten Bankern die Hände zu schütteln; die Abgeordnete der neugegründeten Bürgerbewegung beim Lösen von Sudoku-Rätseln – die Hoffnung, die viele in die neue Partei gesetzt hatten, wurde enttäuscht.

Der kastrierende (?) Ex-Minister (im grünen OP-Anzug)


Ane Lans Arbeiten im Container (Foto: Bomsdorf)

Ane Lans Arbeiten im Container (Foto: Bomsdorf)

KIRKENES. Zufällig in Kirkenes? Dann bitte schnell ins Stadtzentrum (vom ganzen Ort her binnen Minuten fußläufig zu erreichen) und zwei rote Container suchen. Vielleicht, weil der Ort ohnehin in Schnee getaucht ist, hat man für die Festivalausstellung Arctic Nomads vom diesjährigen Barentsspektakel (zum Musikprogramm hier) keinen White Cube, sondern ein Red Rectangle gewählt. In einem stellt der / die Künstlerin Eivind Reierstad / Ane Lan (der Künstlername ist Ane Lan, also geht es fortan in weiblicher Form weiter) die Fotoserie Arctic Nomads aus. Lan, in Oslo ansässig, versuchte sich in die Lokalbevölkerung zu integrieren – Gruppenbilder mit Dame belegen dass. Wie ein Chamäleon übernahm sie nicht nur die Berufsuniform von medizinischem Personal oder Grubenarbeiterinnen, sondern eignete sich auch noch deren Gesichtsausdruck an. Was man nicht alles tut, um als moderner Wanderarbeiterer integriert zu werden. Eine unterhaltsame kleine Fotoserie über das Leben des flexiblen Menschen, noch zu sehen bis 10. Februar in Kirkenes.

Das die Arbeiten über die Arktischen Nomaden in einem Container ausgestellt werden, ist übrigens hintersinnig – viele der zugezogenen Arbeitskräfte müssen in Kirkenes in Baracken wohnen, da die Bauindustrie dem Wirtschaftsaufschwung hinterherhinkt. Der Bezug zum Haushaltsumzug via Container ist ohnehin offenbar.

(Der Vollständigkeit halber: das Werk Cosmig Light in Container Nummer zwei stammt von Sergey Shutov.)

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