You are currently browsing the category archive for the ‘Kunst’ category.


LONDON. (und diese Ortsmarke erklaert auch evtl fehlende Umlaute und sz) Da wo der Weltfrauentag international begrundet wurde, klafft heute eine Bauluecke. Und vor sieben Jahren kreisten Helikopter, die bestens ausgestattete Polizisten abseilten, um das Gebaude gewaltsam zu räumen. Die Adresse: Jagtvej 69, besser bekannt als Ungdomshuset.

Während der Räumung des Jugendzentrums wurde diese Adresse vielen ein Begriff , doch vermutlich wissen nur wenige, dass dort vor mehr als 100 Jahren der am 8. März (heute!) gefeierte Weltfrauentag begruendet wurde und dieser somit dänische Wurzeln hat. Und auch deutsche. Es waren sozialistische Politikerinnen, darunter Claraa Zetkin, die 1910 in Kopenhagen den Weltfrauentag initiierten – im Jagtvej 69. Damals hiess das Haus Folkets Hus, also Haus des Volkes.

Seit 1982 gab es in dem Gebäude das Ungdomshuset. Die jungen Leute bekamen es von der Stadt, um dort ein alternatives Jugendzentrum einzurichten. Relativ ungestört veranstalteten sie fast zwei Jahrzehnte Workshops, luden zum Essen ein oder arrangierten in Eigenregie Konzerte. Neben lokalen Bands spielten im Ungdomshuset auch ausländische Künstler, so die isländische Popsängerin Björk, bevor sie ihren großen Durchbruch erlebte.

Obwohl das Haus weitgehend akzeptiert war, wurde um die Jahrtausendwende das Ende des alternativen Jugendzentrums beschlossen. Zuvor hatte es dort einen Brand gegeben, und der Stadt war es zu riskant, für Sach- und womöglich Personenschäden bei einem weiteren Feuer verantwortlich gemacht zu werden.

Also wurde das Haus verkauft, und der Kampf um den Jagtvej 69 wurde zum Symbol der linken Szene zunächst in Dänemark, dann auch in anderen Teilen Europas. Die von vielen als Sekte bezeichnete Freikirche “Fadershus” (Vaters Haus) erstand das Gebäude und liess es zwangsräumen, schliesslich wurde es abgerissen.

Schluss mit dem kleinen Exkurs anlässlich des 8. März. Mehr zur Geschichte des Weltfrauentages gibt es beispielsweise bei der UN. Uber den Kampf ums und Abriss des Ungdomushuset habe ich mehrfach fuer Die Welt berichtet, beispielsweise hier und hier.

Schliesslich soll auch die Kunst nicht zu kurz kommen, deshalb hier mein art-Artikel zu Shepard Faireys (ja, der mit Obamas Hope Motiv) Arbeit an der Ungdomshuset-Bauluecke.

Uebrigens heisst der Weltfrauentag auf Englisch International Women’s Day und auf Dänisch – ein wenig agressiv – Kvindernes internationale kampdag, Internationaler Kampftag der Frauen.


Kopie und Studien zu Christian Krohgs "Albertine im Wartezimmer des Polizeiarztes" im Kunstverein Gammel Strand, Kopenhagen

Kopie und Studien zu Christian Krohgs “Albertine im Wartezimmer des Polizeiarztes” im Kunstverein Gammel Strand, Kopenhagen

KOPENHAGEN. Sex sells, das ist nicht neu. Doch so viel Prostituierte im Kunstverein Gammel Strand in Kopenhagen derzeit auch zu sehen sind, expliziter Sex wird nirgends dargestellt. Warum auch.

Dennoch hat der norwegische Maler Christian Krohg (1852-1925) vor über hundert Jahren mit seiner Darstellung von Prostituierten für einen Skandal gesorgt. Die Zensur war schnell zur Stelle als er “Albertine” publik machte.

“Albertine” so heißt die Näherin, die zur Prostituierten wurde und von Staat und Gesellschaft verachtet wurde, und deren Geschichte Krohg erzählt.

Doch weniger als das gemalte “Albertine”-Bild sorgte der gleichnamige Roman von Krohg für einen Skandal. Dabei hatte er nichts anderes getan als die Lebenswirklichkeit in seiner Heimatstadt darzustellen. Dort war Prostitution nämlich verboten, gleichzeitig durften die Prostituierten sich nicht zu jeder Zeit frei auf der Straße bewegen und mußten sich regelmäßig beim Polizeiarzt melden und über etwaige Geschlechtskrankheiten Buch führen. Diese Dokumente wurden so gut aufbewahrt, dass viele davon noch in Oslo im historischen Archiv zugänglich sind.

Nachdem die Prostituierten in der norwegischen Hauptstadt Oslo sogar Teile der Fußgängerzone bevölkerten, ist Norwegen vor einigen Jahren dem Beispiel Schweden gefolgt und hat den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe gestellt. Anders als zu Krohgs Zeiten soll nicht die Prostituierte, sondern der Freier bestraft werden.

Krohgs Bilder sind ein guter Anlaß darüber nachzudenken, wie manche Probleme über Jahrhunderte verschleppt werden und inwieweit der Staat mit Gesetzen möglicherweise zu Stigmatisierungen beiträgt. Krohg sah die Prostituierten nicht als Muse der Männer wie es andere Künstler taten, sondern als Opfer – der Gesellschaft, der Männer und von Polizeibeamten. Er schrieb und malte nicht nur Alltagsszenen aus deren Leben, sondern heuerte sie auch als Modelle an und zwar um die rauhe Seite von deren Lebenswirklichkeit zu zeigen.

Gleichzeitig strahlen die Frauen häufig jene Würde aus, die auch der schwedische Maler Anders Zorn (1860-1920) seinen Modellen gab – gleich welcher Herkunft.

Wer je in der Osloer Nationalgalerie war, dürfte das in Lebensgröße gemalte Porträt von Albertine und den anderen Prostituierten gesehen haben. Lange hing es unübersehbar im Treppenhaus, nun ist es in einen Saal umgezogen worden. So sollen Besucher viel mehr den Eindruck haben, der Szenerie auf Augenhöhe zu begegnen und ein Teil davon zu werden.

Weil das Gemälde nicht ausgeliehen wird, ist in Kopenhagen nur eine Kopie zu sehen. Glücklicherweise beging man im Kunstverein Gammel Strand nicht den Fehler und präsentierte eine gerahmte Kopie auf Leinwand. Zwar hätten viele so womöglich den Eindruck bekommen, es handle sich um das Original, doch das Motiv direkt auf die Wand aufzutragen, ist ehrlicher und würdigt den Malprozess. Daneben sind zwei kleine Studien zu sehen. Sie zeigen das Krohg ein Foto als Vorlage erstellte. Echte Prostituierte stellten sich als Modelle zur Verfügung, während der Maler die Rolle des Polizeiarztes übernahm.

Mehrfach gemalt hat er auch seine (spätere) Frau Oda. Mit in die Hüften gestemmten Händen lächelt sie selbstbewusst auch auf dem Katalog. In gleicher Kleidung und Positur ist sie von ihm ein paar Jahre später nochmals gemalt worden. Der Katalog zeigt, dass Oda eindeutig in derselben Positur auch in einer Arbeit Edvard Munchs (Kristiania Boheme II, 1895) auftaucht. Hier steht sie im Hintergrund am Ende eines Tisches, an dem rauchende und trinkende Männer sitzen. Während Krohg sine Lebenspartnerin als anpackende, fröhliche Frau zeigt, stellt Munch (1863-1944) sie als Femme Fatale dar. Da ist es, das bohemische Kristiania (heute Oslo), das der Ausstellung den Titel gab.

“Christian Krohg – Tiden omkring Kristiania Bohemen”, kuratiert von Anne Kielgast, Gl Strand und Vibeke Waallann Hansen, Norwegisches Nationalmuseum, ist noch bis 1. Juni 2014 zu sehen in Kunstforening Gammel Strand in Kopenhagen.


KOPENHAGEN. Das kleine Königreich Dänemark, bisher dafür geliebt, dass Gewalt nur in Büchern und Filmen stattfand, hat die Weltöffentlichkeit mit einer Greueltat erschreckt: Der 18 Monate alte Marius wurde ermordet. Mit einem Kopfschuss. Und dann den Löwen zum Fraß vorgeworfen.

Klingt nach einer Gewalttat aus einer noch nicht veröffentlichten Folge von The Killing oder Broen? Ist aber an diesem Wochenende Kopenhagener Wirklichkeit geworden und zwar nach Vorankündigung. Wie inzwischen jeder weiß. Denn über die Tötung der Giraffe Marius haben vom Guardian über BBC und Süddeutsche fast alle berichtet und meist mächtig auf die Tränendrüse gedrückt.

Der Aufschrei, der durch die Welt ging, war übrigens ähnlich gross als der dänische Kunstler Bjørn Nørgaard seine “Pferdeopfer” zelebrierte und vor laufender Kamera ein Pferd erschoss und dann ausnahm. Das Video der Performance und einige Stücke Pferdefleisch können in Statens Museum for Kunst betrachtet werden (hier ein Text von mir bei art online zur Retrospektive des Künstlers im SMK). Die rituell anmutende Schlachtung geschah damals im Protest gegen den Vietnamkrieg, aber der politische Hintergrund ging im Gezeter um den Tod des Pferdes beinahe unter.

Der Zoo meinte die Giraffe töten zu müssen, da sonst das Risiko der Inzucht zu hoch sei und die schade dem Genpool der in europäischen Zoos lebenden Giraffen. Außerdem sei es nun einmal Teil der Futterkette, dass Löwen Giraffen essen – ebenso wie Menschen Hühner und Schweine essen.

Trotzdem gab es eine online-Petition gegen die Tötung und ein handvoll Leute versammelte sich vor dem Kopenhagener Zoo, um gegen die Erschießung zu protestieren. Es gab aber auch etliche, die in den Zoo kamen, um zu sehen, wie die tote Giraffe zerlegt wurde. Einfacher kann wohl niemand etwas über Giraffenbiologie und fressen und gefressen werden lernen.

Die dänische Zeitung Berlingske titelte übrigens “Das Leben ist kein Disney-Film”. Klingt gut, gilt aber nicht fur alle Kopenhagener Zoo-Bewohner. So leben die Elefanten seit ein paar Jahren in einem Haus und Gehege, das der britische Star Architekt Sir Norman Foster entworfen hat. Ja, der, der auch den berühmten wahlweise Gurke oder Penis genannten Turm in London und die Kuppel des Reichstags entworfen hat.


KOPENHAGEN. Der “Selfie” von Helle Thorning-Schmidt hat die danische Premierministerin im Ausland bekannt gemacht. Mittlerweile weiss sogar die AFP, wer die Frau zwischen Cameron und Obama ist. Dass sie daheim in ziemlichen Problemen steckt, ist hingegen womoglich noch nicht uberall angekommen (genauso wenig wie die Umlaute hier – Dank amerikanischer Tastatur/Systemsprache). Die Sozialdemokratin hat namlich gleich eine ganze Reihe Regierungsmitglieder durch Rucktritte verloren.

Heute nun prasentierte sie ihr neues Kabinett. Das, so Thorning-Schmidt, solle in dieser Konstellation bis zu den Wahlen bestehen bleiben. Entweder gibt sie sich selbstbewusst. Oder lasst durchblicken, dass weitere Fehltritte vorgezogene Neuwahl bedeuten.

Mehr zum politischen Chaos in Danemark und wie die Regierungschefin dem Herr zu werden versucht gibt es in zwei meinen Artikeln bei The Wall Street Journal zu lesen (gestern und heute und stets auf Englisch).


Der H-Block in Oslo rund zwei Monate nach dem Terroranschlag (Foto: Bomsdorf).

Der H-Block in Oslo rund zwei Monate nach dem Terroranschlag (Foto: Bomsdorf).

OSLO. Zweieinhalb Jahre ist es her, dass der norwegische Terrorist Anders Behring Breivik in seiner Heimat tödliche Angriffe ausführte. Bei der Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo tötete er acht Menschen. Etliche offizielle Gebäude wurden beschädigt und stehen deshalb bis heute leer. Im Sommer wurde vorgeschlagen, die Bürobauten H- und Y-Block abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen.
Doch das ist nicht nur wegen der en architekturhistorischer Bedeutung umstritten, sondern auch, weil unter anderem Pablo Picasso Kunst am Bau eigens für diese Häuser entworfen hat. Mehr dazu in meinem Artikel in der heutigen Ausgabe von The Wall Street Journal.

 


BERLIN. Irgendwie passt es ganz gut, dass die Gesamtschule, die einmal die berühmt-berüchtigte Rütli-Schule war, gleich um die Ecke liegt; um die Ecke vom lichtdurchfluteten, eleganten Studio des Künstlerduos Elmgreen & Dragset. Denn die beiden beschäftigen sich gerne mit der Gesellschaft und zwar all ihren Facetten, am liebsten aber den extremen – mit denen, die es besonders schwer haben und mit denen, die zumindest finanziell keine Probleme haben.

Beide tauchten in der Ausstellung “Celebrity – The One & The Many” im ZKM in Karlsruhe nicht nur im Titel auf (hier meine damalige Besprechung für art). Die alte Oberklasse, die aber gefallen ist, steht dagegen im Zentrum der aktuellen Ausstellung im Victoria & Albert Museum in London. Wer die Räume dort begeht, entdeckt einzelne Stücke, die de beiden zur Venedig Biennale vor vier Jahren im nordischen und dänischen Pavillon (so etwa den geteilten Esstisch) oder 2010 in Karlsruhe (den Jungen im Kamin) gezeigt haben.

Selber war ich noch nicht dort, habe die beiden aber vorab in Berlin zu den Ideen der Ausstellung interviewt, zu lesen ist das ganze in The Wall Street Journal hier.

 


KOPENHAGEN. Gestern gab das van Gogh Museum in Amsterdam bekannt ein Bild, das bisher nicht als ein Werk Vincent van Goghs (1853-1890) galt, diesem zugeschrieben zu haben. Jahrzehntelang soll das Bild auf einem Dachboden in Norwegen gelegen haben. Dazu schrieb ich in der heutigen Ausgabe von The Wall Street Journal, es gibt auch ein Videointerview.


KOLDING. Marco Evaristti gehört zu den Künstlern, über die ich in den vergangenen Jahren mehrfach geschrieben habe (wenngleich längst nicht so viel wie über Nathalie Djurberg oder Elmgreen & Dragset). Im Jahr 2000 erregte er international Aufsehen als zehn Moulinex-Blender in Aquarien verwandelte und darin Goldfische schwimmen ließ während die Mixer an den Strom angeschlossen waren. Ein paar Ausstellungsbesucher betätigten den Einschaltknopf, töteten die Fische und verschafften Künstler und Museum viel Presse.

Ähnlich wie bei Bjørn Nørgaards Pferdeopfer (hier mein Text zu dessen Retrospektive) schienen sich die Menschen über diese Tode der Fische mehr zu echauffieren als über Kriegstote. 13 Jahre später zeigt das Trapholt Museum in Kolding, wo auch die damalige Ausstellung stattfand, erneut Evaristtis Goldfische. Diesmal sind sie bereits tot.

Die Arbeit “Helene & El Pescador” ist zentraler Teil der Retrospektive Evaristtis. In anderen Werken, die gezeigt werden, hat er sich mit der Todesstrafe auseinandergesetzt. Mal entwarf er Kostüme für zum Tode Verurteilte (noch mehr Werbung: hier mein damaliger Artikel bei art zur ersten Präsentation 2008) oder arbeitete mit einem “death row”-Insassen an einem post mortem Kunstprojekt (mein Artikel dazu bei The Art Newspaper hier).

Einen kurzen Überblick über die Ausstellung und was Evaristti sich bei seinen Arbeiten denkt, gibt es in diesem Artikel, den ich nach dem Besuch der Ausstellung in Kolding im August 2013 für The Wall Street Journal’s Speakeasy Kolumne schrieb.


STOCKHOLM. Schon vor zwei Jahren hat die schwedische Malerin Hilma af Klint für ein wenig Aufsehen gesorgt. Es geht darum, wie die Zeitgenossin Wassily Kandinskys von der Kunstgeschichte weitgehend ignoriert wurde und wird. Obwohl sie womöglich vor Kandinsky abstrakt zu malen angefangen hat, taucht sie in der offiziellen Kunstgeschichte üblicherweise nicht auf. Dazu schrieb ich im Frühjahr 2011 einen Text für art online (der hier zu lesen ist). Die dort angekündigte Ausstellung ist Mitte Februar in Stockholm eröffnet worden. Ich habe sie mir angeschaut und die aktuelle Diskussion für The Wall Street Journal. zusammengefasst. Dazu interviewte ich Iris Müller-Westermann, Kuratorin der Ausstellung im Moderna Museet, Julia Voss, Kunstkritikerin der FAZ, Felix Krämer, Leiter der Moderne im Städel und Leah Dickerman, die eine aktuelle Abstrakte Kunst-Ausstellung im MoMa in New York kuratiert hat. Mein Text hat dann das schwedische Aftonbladet dazu veranlasst zu schreiben, af Klint würde die Kunstszene der USA erschüttern. Nunja, ein wenig übertrieben. Trotzdem noch ein Hinweis auf meine aktuelle Besprechung der Ausstellung – erneut bei art online.

 

 


KOPENHAGEN. Auf der Jagd nach Unbekanntem aus dem Leben der Prominenten gehen Journalisten und andere Neugierige auch gerne mal an deren Müll. Das Fotografenpaar Bruno Mouron und Pascal Rostain hat den Inhalt der Abfalltonne von Madonna und anderen Stars fein drapiert und fotografiert. In Norwegen ist in den vergangenen Monaten der Müll eines anderen weltbekannten Mannes ausgegraben worden: Der des Malers Edvard Munch (1863-1944). In der Erde seines Ateliergrundstücks wurde noch viel mehr gefunden. Dazu hier ein Text von mir aus The Art Newspaper.

Mein Twitteraccount (mehrsprachig, Schwerpunkt Kultur)

April 2014
M D M D F S S
« Mär    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

HochOben

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.