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KOPENHAGEN. Norwegischen Online-Medien war es eine Eilmeldung wert UND EINE KORREKTUR : NICHT DAS MUSEUM SELBER; SONDERN DANEBEN BRANNTE ES, DIE FEUERWEHR HATTE FALSCH GEMELDET: heute Nachmittag fing der Neubau des Astrup Fearnley Museums in Oslo an zu brennen. Aus der obersten Etage loderten Flammen, glücklicherweise waren weder Personal noch Kunst vor Ort und das Feuer konnte dann auch recht schnell wieder unter Kontrolle gebracht werden. Schaden und Ursache sind noch unbekannt. Das Privatmuseum mit Werken von Bjarne Melgaard (zu einer Solo-Ausstellung mit ihm hier dazu eine Vorschau von mir bei art, siehe auch das Video aus dem YouTube-Kanal des Museums), Cindy Sherman, Jeff Koons und Damien Hirst (u.a. natürlich) sollte im September im Neubau eröffnen, gezeichnet hat das Gebäude an der Hafenspitze Oslos übrigens Renzo Piano.
Auch The Art Newspaper war der Ausbruch des Feuers eine kleine Meldung online wert, schließlich handelt es sich um das bekannteste Privatmuseum Norwegens, wenn nicht Nordeuropas – hier mein Textchen. Erfahren habe ich vom Brand übrigens über twitter, hier geht es zum Account des Museums und hier zu meinem.
KOPENHAGEN. Politik wird mit Autorennen so selten in Verbindung gebracht wie Kunst. Insofern bildet das Formel 1- Rennen in Bahrain eine doppelte Ausnahme. Es wurde diskutiert, inwieweit in diesem Staate, der seine Bürger unterdrückt, überhaupt ein derartiges internationales Großereignis stattfinden darf. Zugleich wurde diese Aufmerksamkeit von eben jenen Bürgern genutzt, um wiederum mehr Aufmerksamkeit für deren Demonstrationen zu bekommen.
Und zur Kunst: Der deutsche Fotograf Andreas Gursky hat mehrfach in politisch heiklen Ländern fotografiert – neben Nordkorea auch in Bahrain und dort ausgerechnet die dortige Autorennstrecke. Die Arbeit “Bahrain I” (2005) ist derzeit in der großen Gursky-Einzelausstellung im Louisiana Museum nördlich von Kopenhagen zu sehen, meine Kritik für art online dazu hier. Mitten im Zentrum von Kopenhagen gibt es einen Park, dessen ungewöhnliche Gestaltung an Gurskys Draufsicht auf Bahrain erinnert, die Parallele erläutere ich in meiner Architekturkritik eben jenes Parks vor dem Kopenhagener Sitz der Bank SEB für die deutsche bauzeitung (online ist nur der Einstieg zu lesen, also bitte bestellen. Ein Blick ins E-Paper lässt die Parallele bereits erkennen.).
KÖLN. Der Reichtum Norwegens ist bekannt. Die Quelle dessen auch: die der Küste vorgelagerten Rohstoffe. Über den norwegischen Ölfonds habe ich schon viel geschrieben (z. B. hier im August 2011 in Die Welt , zum Vergleich mag mein Text von fünf Jahren zuvor ebenfalls interessant sein, auch in Die Welt). Reich ist in Norwegen auch Sparebankstiftelsen DnB NOR, die Sparkassenstiftung, die über zehn Prozent an Norwegens größter Bank DnB NOR besitzt. Was das Stiftungsvermögen angeht braucht sich Sparebankstiftelsen nicht hinter Volkswagen- oder Bertelsmann-Stiftung zu verstecken, dennoch ist die Stiftung nahezu unbekannt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Norwegen. Derzeit ruft Sparebankstiftelsen dazu auf, dass Architekten Vorschläge einbringen, wie der 12 000 Quadratmeter große Sitz der umgebaut werden soll. Die Stiftung residiert in der Nähe der Zentralbank, die den Ölfonds verwaltet.
Die Stiftung engagiert sich auch in Deutschland. Sie kauft dort Kunst, deutschen Expressionismus. Darüber habe ich im Sommer in einem großen Artikel berichtet, erschienen in der Welt am Sonntag.
KOPENHAGEN. Das erste Mal im neuen Jahr im Büro, habe ich endlich das Norwegische Architekturjahrbuch 2011 (Arkitekturårbok 2011) erhalten. Für diese Ausgabe wurden internationale Kuratoren, Journalisten und Kunsthistoriker gebeten ihre Favouriten norwegischer Architektur, vor kurzem fertiggestellt oder in Betrieb genommen, auszuwählen. Als einer der Gefragten entschied ich mich für die Ausstellungsstätte 1857 in Oslo, ungewöhnlich, da kein Neubau, sondern Umnutzung und alles andere als glossy, dafür aber umwerfend. Hier eine deutsche Version des in dem Buch erschienenen Artikels:
>>Als ich ein kleiner Junge war, sollten wir uns in der Schule, ich glaube es war im Religionsunterricht, einmal Gedanken darüber machen, wie man den Ausdruck „Mehr Schein als Sein“ bildlich darstellen könnte. Dann zeigte uns die Lehrerin die Zeichnung eines Hauses mit einer sehr schmucken und sehr großen Fassade, hinter dem Eingang war aber nicht viel mehr als eine Hundehütte.
Gute Architektur erfüllt nie das oben genannte Kriterium, sondern gibt nur vor zu sein, was auch wirklich ist. Oder versteckt gar etwas und gefällt sich im Understatement.
Gleich hinter dem Osloer Busbahnhof, im Stadtteil Grönland steht in einer Seitenstraße ein kleines Haus. Es ist so klein, dass es selbst in einer norwegischen Kleinstadt als klein auffallen würde. Hier haben Steffen Håndlykken und Stian Eide Kluge den „artist run space“ 1857 etabliert. Es ist kein Neubau, der da entstand, sondern eine Umnutzung, die ist aber so gewaltig, dass diese durchaus als neuer Beitrag zur Osloer Architekturszene gewertet werden sollte. Das kleine Haus besteht aus kleinen Räumen, in denen die beiden Ausstellungen organisieren, in etwa so wie in jeder anderen dieser von Künstlern initiierten Räumlichkeiten. Dann geht es durch die Hintertür wieder raus und man steht nicht etwa im Hintergarten oder -hof, sondern in einer riesigen Halle. Selbst, wenn diese direkt von der Straße betreten würde, würde sie an dieser zentralen Lage der Hauptstadt als groß empfunden werden, noch viel größer wirkt sie dadurch, dass sie sich hinter diesem kleinen Haus versteckt. Hier kann auch größeren Installationen Luft und Raum gegeben werden und die Kunstszene und alle, die daran interessiert sind, können sich versammeln, um sich auszutauschen – über Kunst oder Architektur und hoffentlich auch die Notwendigkeit alte, auf den ersten Blick wenig attraktive Räumlichkeiten mal zu erhalten und umzunutzen, statt immer neu zu bauen. Welch ästhetisch positiver Effekt für eine Stadt sich dadurch erreichen lässt, macht 1857 vor. Leider haben davon noch zu wenige gehört. Doch in der Halle ist sicher noch Platz für mehr Besucher.<<
KOPENHAGEN. Der junge dänische Architekt Bjarke Ingels hat mit diversen Projekten international für enorme Aufmekrsamkeit gesorgt – mal baute er Wohnungen auf ein Parkhaus, mal plante er einen Skihügel auf einer Müllverbrennungsanlage. Letzteres kam wie einige seiner Projekte schon im Planungsstadium in die internationale Presse. Nun schaut es aber so aus als würde aus dem aufsehenerregenden Plan nichts, denn wie die dänische Zeitung Politiken soeben vermeldet, will die Stadt Kopenhagen die Müllverbrennungsanlage, auf der der Skihügel entstehen sollte, nicht mehr haben. Diese sei zu umweltschädlich wegen des CO2-Ausstoßes. Und zu viel CO2 ist schlecht fürs Klima, die Chancen auf schneereiche Winter und damit Skivergnügen sinken – in the long run wie man so schön sagt hätte sich Bjarke Ingels Müllverbrennungsanlage also in jedem Fall selber das Wasser bzw. den Schnee abgegraben.
KOPENHAGEN. Das Dokumentarfilmfestival CPH:DOX hat auch für dieses Jahr wieder ein sehr vielversprechendes Programm. Nan Goldin kommt, Athony & The Johnsons und diverse Regisseure und Produzenten. Umso unverständlicher, dass ausgerechnet der Eröffnungsfilm auf der gestrigen Gala zu “muss man nicht gesehen haben”-Kategorie gehört und die Zuschauer über weite Strecken mit einer zähen Erzählung langweilte. Ein alternder Tänzer (und das heißt in solchen Fällen Mitte 30) will es nochmal wissen und an frühere Erfolge anknüpfen – mit dabei seine Lebens- und Tanzpartnerin. Die beiden kämpfen sich von Wettbewerb zu Wettbewerb und Training zu Training und natürlich leidet ihr Verhältnis. So uninteressant ist die Geschichte gar nicht, zumal der Märchenhafte Schluss ausbleibt. Aber erzählt wird redundant, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, der Film hätte davon profitiert, auf 30 oder 45 Minuten gekürzt zu werden. Vielen Zuschauern, mit denen ich sprach, ging es ähnlich. Aber vielleicht ging es ja nur darum, durch einen mäßigen Anfangsfilm das sonstige Programm noch besser dastehen zu lassen. Aber das hat es gar nicht nötig. (Übrigens hieß es, dass ein dänischer Film das Festival eröffnen sollte und da seien nicht so viele in Frage gekommen).
Eine wirklich lange Produktion zeigt die dänische Künstlergruppe Superflex – ihre zehn Tage lange Animation vom Verfall eines Alvar Aalto-Gebäudes in Helsinki wird in einer Station der Kopenhagener Metro gezeigt. Über diesen sehenswerten (er ist so gedacht, dass die Zuschauer nur immer mal wieder Ausschnitte anschauen) Film schrieb ich schon für art und The Art Newspaper.
REYKJAVIK. Ja, damit sind die Isländer gemeint. Und es passt ganz gut. Wieso? In meinem Gespräch mit WDR 5 Scala ist es zu hören. Natürlich geht es wieder um das neue Konzerthaus und Kongresszentrum Harpa von Architekturbüro Henning Larsen und Künstler Olafur Eliasson.
REYKJAVIK. Bald ist es drei Jahre her, dass auf Island die Krise ausbrach. Während es in Zentraleuropa immer chaotischer wird, hat die Wirtschaft des Inselstaates sich ein wenig stabilisiert und es gibt deutliche Lichtblicke, die allerdings nicht ungetrübt sind.
Beim Kulturbudget wird häufig als erstes gespart, wenn es wirtschaftlich hart wird. Umso interessanter, dass Island das neue nationale Konferenz- und Kulturzentrum unbedingt vollenden wollte – trotz Krise. Gester Nacht nun wurde es feierleich eingeweiht als die von Olafur Eliasson gestaltete Fassade erstmals erleuchtet wurde (Architekt des Baus ist Henning Larsen aus Kopenhagen). Ich war dabei und als erstes habe ich zum Thema heute morgen mit dem Deutschlandradio gesprochen, online ist das Gespräch hier zu hören. Weitere Berichte folgen.
VARDØ. Die Zeitungen auf dem Fliegersitz neben mir berichteten von den Eskapaden der männlichen Mächtigen – mal legal (Arnold Schwarzenegger), mal vermutet illegal (Dominique Strauss-Kahn). Es ist Mitte Mai und ich bin gerade im äußersten Norden von Festland Norwegen angekommen. Kunst und Architektur stehen auf dem Programm – das neuste Werk von Peter Zumthor (mittlerweile vom Serpentine Pavillon überholt) und das vorletzte im öffentlichen Raum von Louise Bourgeois. Die Grand dame der feministischen Kunst hat mit dem Schweizer Einsiedler Architekten ein Mahnmal, das an die Hexenverbrennung erinnern soll entworfen.
„Was sie daran interessierte, war nicht nur, dass die meisten, die als Hexen verbrannt wurden, Frauen waren, sondern auch, dass was damals mit den Frauen geschah, auch heute in vielen Teilen der Welt Frauen angetan wird. Vielleicht werden sie nicht verbrannt, sondern gesteinigt oder ihnen wird Säure ins Gesicht geschüttet“, sagt Bourgeois langjähriger Assistent Jerry Gorovoy um zu erklären, warum Bourgeois die Aufgabe angenommen hat, das Mahnmal zu erstellen. „Alles bei ihr hat eine doppelte Bedeutung“, sagt er auch.
Natürlich konnte die vor einem Jahr Verstorbene es nicht ahnen, dass dieser Tage, wo „Arni“ und „DSK“ Schlagzeilen machen, die doppelte Bedeutung ihrer Arbeit in erster Linie darin liegt, dass sie daran denken lässt, wie im 21. Jahrhundert auch in der so genannten westlichen Welt in besonderer Weise gilt „It`s a Man`s World“. Sie und Niki de Saint Phalle sind wohl die bekanntesten Künstlerinnen, die sich am eigenen Vater, an der Vaterfigur und der Männlichkeit abgearbeitet haben. (Inzestuöse) Vergewaltigung und das Kindermädchen als jahrelange Zweitfrau – gemeinsam kommen die beiden Künstlerinnen auf eine Geschichte, die den aktuellen Schlagzeilen ähnelt.
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wirft DSK und das ihm vorgeworfene Vergehen mit Arnis Fehltritten sowie außerehelichen Liebschaften diverser Spitzenpolitiker in einen Topf als seien mutmaßliche Vergewaltigung und Fremdgehen das gleiche. Immerhin haben die Autoren recht, wenn sie meinen, dass es sich nicht um sexuelle Abenteuer und Seitensprünge auf Augenhöhe handelte, sondern der Mann der Machtvollere war und in beiden Fällen mindestens eine Frau die Leidtragende. Nein, das Leiden dieser Frauen, ist nicht das einer Hexe, einer Ausgestoßenen, die getötet werden wird. Aber es ist eine Frau die leidet – wie bei Bourgeois oft thematisiert. Dazu schrieb ich auf für die online Ausgabe von art.
