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KOPENHAGEN. Das kleine Königreich Dänemark, bisher dafür geliebt, dass Gewalt nur in Büchern und Filmen stattfand, hat die Weltöffentlichkeit mit einer Greueltat erschreckt: Der 18 Monate alte Marius wurde ermordet. Mit einem Kopfschuss. Und dann den Löwen zum Fraß vorgeworfen.

Klingt nach einer Gewalttat aus einer noch nicht veröffentlichten Folge von The Killing oder Broen? Ist aber an diesem Wochenende Kopenhagener Wirklichkeit geworden und zwar nach Vorankündigung. Wie inzwischen jeder weiß. Denn über die Tötung der Giraffe Marius haben vom Guardian über BBC und Süddeutsche fast alle berichtet und meist mächtig auf die Tränendrüse gedrückt.

Der Aufschrei, der durch die Welt ging, war übrigens ähnlich gross als der dänische Kunstler Bjørn Nørgaard seine “Pferdeopfer” zelebrierte und vor laufender Kamera ein Pferd erschoss und dann ausnahm. Das Video der Performance und einige Stücke Pferdefleisch können in Statens Museum for Kunst betrachtet werden (hier ein Text von mir bei art online zur Retrospektive des Künstlers im SMK). Die rituell anmutende Schlachtung geschah damals im Protest gegen den Vietnamkrieg, aber der politische Hintergrund ging im Gezeter um den Tod des Pferdes beinahe unter.

Der Zoo meinte die Giraffe töten zu müssen, da sonst das Risiko der Inzucht zu hoch sei und die schade dem Genpool der in europäischen Zoos lebenden Giraffen. Außerdem sei es nun einmal Teil der Futterkette, dass Löwen Giraffen essen – ebenso wie Menschen Hühner und Schweine essen.

Trotzdem gab es eine online-Petition gegen die Tötung und ein handvoll Leute versammelte sich vor dem Kopenhagener Zoo, um gegen die Erschießung zu protestieren. Es gab aber auch etliche, die in den Zoo kamen, um zu sehen, wie die tote Giraffe zerlegt wurde. Einfacher kann wohl niemand etwas über Giraffenbiologie und fressen und gefressen werden lernen.

Die dänische Zeitung Berlingske titelte übrigens “Das Leben ist kein Disney-Film”. Klingt gut, gilt aber nicht fur alle Kopenhagener Zoo-Bewohner. So leben die Elefanten seit ein paar Jahren in einem Haus und Gehege, das der britische Star Architekt Sir Norman Foster entworfen hat. Ja, der, der auch den berühmten wahlweise Gurke oder Penis genannten Turm in London und die Kuppel des Reichstags entworfen hat.


Der H-Block in Oslo rund zwei Monate nach dem Terroranschlag (Foto: Bomsdorf).

Der H-Block in Oslo rund zwei Monate nach dem Terroranschlag (Foto: Bomsdorf).

OSLO. Zweieinhalb Jahre ist es her, dass der norwegische Terrorist Anders Behring Breivik in seiner Heimat tödliche Angriffe ausführte. Bei der Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo tötete er acht Menschen. Etliche offizielle Gebäude wurden beschädigt und stehen deshalb bis heute leer. Im Sommer wurde vorgeschlagen, die Bürobauten H- und Y-Block abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen.
Doch das ist nicht nur wegen der en architekturhistorischer Bedeutung umstritten, sondern auch, weil unter anderem Pablo Picasso Kunst am Bau eigens für diese Häuser entworfen hat. Mehr dazu in meinem Artikel in der heutigen Ausgabe von The Wall Street Journal.

 


KOPENHAGEN. Seit kurzem ist es soweit – das von Lars von Trier konzipierte Gesamtkunstwerk “Gesamt” ist fertig (zu viele “von” und “gesamt” in diesem Satz, aber ein zu viel passt bei dieser Arbeit ganz gut). “Disaster 501 – What happened to Man?” lautet der neue Titel – das klingt nach Christoph Schlingensief (hier ein kurzer Nachruf und hier ein Text über meine Begegnung mit ihm beim Reykjavik Arts Festival) und ein wenig passt das, schließlich ist auch das neuste Filmprojekt des Dänen ein wenig anarchistisch. Der Regisseur hat sechs Kunstwerke ausgewählt, damit wer sich dazu berufen fühlt, davon inspiriert selber ein Ton- oder Bild-Werk erstellt und digital an von Triers Mitarbeiterin Jenle Hallund sendet, die daraus “Desaster 501″ gemacht hat (organisiert hat das Ganze Christian Skovbjerg Jensen).

Zu den Kunstwerken zählte unter anderem eine Episode aus August Strindbergs Stück “Der Vater”, “D’où Venons Nous / Que Sommes Nous / Où Allons Nous” von Paul Gauguin, der Molly-Monolog, der James Joyce “Ulysses” beendet, sowie Albert Speers Zeppelintribüne. Passend dazu und beinahe um Aufmerksamkeit buhlend, startet die Homepage http://www.gesamt.org mit einer Grafik, die einen Martin Kippenbergers Titel “Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken” innerlich ausrufen lassen. Lars von Trier did it again. Er provozierte mit Nazi-Bezügen. Nicht sonderlich originell.

Was von dem gesamten Film zu halten ist, habe ich bei art online geschrieben.


OSLO. Vor kurzem, bei meinem vorherigen Oslo-Besuch zum Herbstanfang, hatte ich schon mehr zum neuen Astrup Fearnley Museum angekündigt. Nun war ich zur Eröffnung wieder da (zu der u.a. auch Jeff Koons, Jay Jopling, Max Hollein und natürlich Direktor Gunnar Kvaran kamen) und liefere meine Eindrücke von dort gerne nach. Nachzulesen bei art online und zwar hier (und was ganz Kleines bei The Art Newspaper).


OSLO nähert man sich am besten vom Wasser her, mit der Fähre aus Kiel oder Dänemark kommend. Schon eine gute halbe Stunde, bevor das Boot am Terminal festmacht, ist die bescheidene Skyline von Deck aus zu sehen und wird erkennbar, wie die Natur Oslos Stadtbild prägt. Die Landschaft ist wie ein Kessel geformt, in dessen Grund das Stadtzentrum liegt. Im Osten steigt der Ekeberg empor und im Westen der Holmenkollen mit der berühmten Skisprungschanze – das aktuelle, im März 2010 eröffnete Modell hat JDS aus Kopenhagen entworfen. Holmenkollen und Ekeberg gehören zu den teuersten Wohngegenden der Stadt. Moderne Architektur ist hier eher selten, ältere Einfamilienhäuser dominieren das Bild. Beide Berge sind – mit viel Wald und guter Aussicht versehen – gleichzeitig Naherholungsgebiet.

Eingang zum Astrup Fearnley Museum (Foto: Bomsdorf).

Eingang zum Astrup Fearnley Museum (Foto: Bomsdorf).

So pflegte ich bis vor kurzem gerne das Stadtbild von Oslo einzuleiten. Nun aber ist an der Hafenfront so viel gebaut worden, dass von Little New York gesprochen werden könnte. Glitzernde, wenngleich im Vergleich zu den USA niedrige, Bürotürme ragen in den Himmel und im Osten in Verlängerung von Aker Brygge steht oder besser gesagt liegt flach neuerdings der vom Büro Renzo Pianos entworfene Neubau des privaten Astrup Fearnley Museums (eine erste kurze Meldung dazu von mir bei The Art Newspaper hier).

Die zwei Gebäude, die bisher bei der Einfahrt in den Hafenm auffielen bekommen damit Konkurrenz: in Pipervika, der westlichen Hafenbucht, das dunkelrote Rathaus und in der östlichen, Bjørvika, die schneeweiße Oper. Mit seiner monumentalen Architektur und der Schwere, die der dunkle Stein ausstrahlt, steht das von Arnstein Arneberg und Magnus Poulsson 1930 entworfene, aber erst 1950 fertig gestellte Rathaus für das alte Oslo. Die aus Carrara-Marmor gebaute Oper des Büros Snøhetta hingegen liegt wie ein steinerner Eisberg am Ufer des Oslofjords und symbolisiert den Aufbruch in neue architektonische Zeiten.

Zum neuen Bau von Renzo Piano bald mehr.


MÜNCHEN. Durch Zufall war ich heute Vormittag in der Rudolf-Diesel-Schule in München. Schon beim Betreten des Schulgeländes wird klar: hier steht ein richtig schöner Bau, der so richtig vernachlässigt wird –  klare Linien der Außenmauern sowie Design und Materialien der Fenster- und Türelemente sind von schlichter Schönheit (den Architekten habe ich im Internet leider nicht ausfinding machen können). Gleichzeitig fallen aber auch der häßlich verdreckte dunkel-gelbliche Außenanstrich und die grässlichen Blumenkästen mit rosa Blumen vor den Fenstern mit heruntergezogenen Rolläden ins Auge.

Es wirkt, als hätte man versucht eine Frau oder einen Mann von natürlicher Schönheit durch Frisur und Kleidung unansehnlich zu machen. Doch all das kann nicht verheimlichen, was sich dahinter verbirgt: viel Potenzial. Im Gebäude sieht es ähnlich aus. Das Atrium ist dunkel. Das lässt sich womöglich damit erklären, dass es zu sehr aufgeheizt würde, wenn das Glasdach im Sommer nicht abgedeckt würde – eine gute Belüftung wäre dennoch besser. Doch warum an den Säulen Grünpflanzen abgestellt werden müssen, die den Säulen ihre Strenge nehmen und an eine Badelandschaft erinnern, ist genauso unklar wie die Putzlappen, die weiter hinten auf einem Geländer ins Auge fallen, oder die vielen anderen Gegenstände, die gemeinsam mit dem Innenanstrich in u.a. hellgelb dafür sorgen, dass aus diesem schönen Gebäude ein Ort wird, in dem man sich nicht gerne aufhalten mag. Aber es ist eine Schule und wenn die aussieht wie das Klischee einer hässlichen Amtsstube, dann sollte man sich nicht wundern, wenn Deutschland bei PISA nicht so gut abschneidet wie viele Eltern und Politiker es gerne hätten. Lernen lässt sich wie Leben und Arbeiten in angenehmer Umgebung erheblich besser und die Rudolf-Diesel-Schule hat da viel Potenzial ist aber womöglich leider ein Beispiel dafür, wie simple Einsichten nicht bedacht werden und zugleich ansprechende Architektur vernachlässigt wird.

Nicht, dass in Nordeuropa alles besser wäre, aber dort wird der Architektur einer Schule häufig  ganz klar mehr Bedeutung zugemessen (der obligatorische Hinweis auf einen eigenen Text darf auch hier nicht fehlen, im Februar besuchte ich für die Financial Times Deutschland das Ørestad Gymnasium in Kopenhagen – womöglich ist es exemplarisch, dass deren Website auch ein wenig besser aussieht als die der Rudolf-Diesel-Schule).

Datiert auf das Jahr 2003 steht auf der Homepage des Architekturbüros zillerplus, das dieses die Sanierung der Rudolf-Diesel-Realschule plant. Ich hoffe im Sinne der Schule und des Büros, dass diese noch bevorsteht.


KOPENHAGEN. Kaum war der Hammer für Munchs “Schrei” bei mehr als 100 Mio. US-Dollar gefallen, fragte man sich in Norwegen auch schon: Was kann uns das nutzen? Kultur und Politik wollen die Aufmerksamkeit von dem Auktionsrekord auf das Land und dessen Kunstszene lenken. Zu dem Thema morgen, Dienstag, 29. Mai, ein Beitrag von mir bei WDR 3 Resonanzen.

Passenderweise kam die Arbeiterpartei (Ap) in Oslo (dort in Opposition, doch national ist sie die größte Regierungspartei) am vor wenigen Tagen mit dem Vorschlag die U-Bahn-Station beim Munch-Museum doch von Tøyen in “Munch-museet” umzubenennen. Ap gehört zu jener Minderheit, die den Neubau des Munchmuseums am Platze des derzeitigen Gebäudes realisieren möchte. Derzeit gibt es für keine der Alternativen des neuen Munch-Museums im Stadtrat von Oslo eine Mehrheit. (Zum Thema auch mehr von mir bei artnet, The Art Newspaper und Deutschlandradio Kultur – letzterer Beitrag zeigt, dass das Thema neues Munch-Museum schon lange diskutiert wird.)


KOPENHAGEN. Norwegischen Online-Medien war es eine Eilmeldung wert UND EINE KORREKTUR : NICHT DAS MUSEUM SELBER; SONDERN DANEBEN BRANNTE ES, DIE FEUERWEHR HATTE FALSCH GEMELDET: heute Nachmittag fing der Neubau des Astrup Fearnley Museums in Oslo an zu brennen. Aus der obersten Etage loderten Flammen, glücklicherweise waren weder Personal noch Kunst vor Ort und das Feuer konnte dann auch recht schnell wieder unter Kontrolle gebracht werden. Schaden und Ursache sind noch unbekannt. Das Privatmuseum mit Werken von Bjarne Melgaard (zu einer Solo-Ausstellung mit ihm hier dazu eine Vorschau von mir bei art, siehe auch das Video aus dem YouTube-Kanal des Museums), Cindy Sherman, Jeff Koons und Damien Hirst (u.a. natürlich) sollte im September im Neubau eröffnen, gezeichnet hat das Gebäude an der Hafenspitze Oslos übrigens Renzo Piano.

Auch The Art Newspaper war der Ausbruch des Feuers eine kleine Meldung online wert, schließlich handelt es sich um das bekannteste Privatmuseum Norwegens, wenn nicht Nordeuropas – hier mein Textchen. Erfahren habe ich vom Brand übrigens über twitter, hier geht es zum Account des Museums und hier zu meinem.


KOPENHAGEN. Politik wird mit Autorennen so selten in Verbindung gebracht wie Kunst. Insofern bildet das Formel 1- Rennen in Bahrain eine doppelte Ausnahme. Es wurde diskutiert, inwieweit in diesem Staate, der seine Bürger unterdrückt, überhaupt ein derartiges internationales Großereignis stattfinden darf. Zugleich wurde diese Aufmerksamkeit von eben jenen Bürgern genutzt, um wiederum mehr Aufmerksamkeit für deren Demonstrationen zu bekommen.

Und zur Kunst: Der deutsche Fotograf Andreas Gursky hat mehrfach in politisch heiklen Ländern fotografiert – neben Nordkorea auch in Bahrain und dort ausgerechnet die dortige Autorennstrecke. Die Arbeit “Bahrain I” (2005) ist derzeit in der großen Gursky-Einzelausstellung im Louisiana Museum nördlich von Kopenhagen zu sehen, meine Kritik für art online dazu hier. Mitten im Zentrum von Kopenhagen gibt es einen Park, dessen ungewöhnliche Gestaltung an Gurskys Draufsicht auf Bahrain erinnert, die Parallele erläutere ich in meiner Architekturkritik eben jenes Parks vor dem Kopenhagener Sitz der Bank SEB für die deutsche bauzeitung (online ist nur der Einstieg zu lesen, also bitte bestellen. Ein Blick ins E-Paper lässt die Parallele bereits erkennen.).


KOPENHAGEN. Ziemlich weit oben in Schweden liegt das Städtchen Umeå. Als ich das erste Mal dort war, steuerte ich beim Bummeln durch die Innenstadt jede Menge Geschäfte für Damenunterwäsche, Töpfe und dergleichen an – Läden, die man im Urlaub sonst nicht besucht. Es war einfach so kalt, dass es notwendig war, alle 50 Meter ins Warme zu gehen, egal, was dort gerade zu sehen war. In diesem Jahr sollte eigentlich noch während der kalten Jahreszeit nun in Umeå das neue Kunstmuseum (auf Schwedisch bildmuseet) eröffnet werden. Doch die aufwendige (Museums-)Technik in dem vom dänischen Architekturbüro Henning Larsen entworfenen Gebäude zu installieren, dauert länger als geplant. Deshalb ist die Eröffnung nun auf den erheblich angenehmeren, weil wärmeren Mai verschoben worden. Für The Art Newspaper habe ich aus dem Anlass einen Mini-Überblick über die Kunstszene (mit u.a. eben dem Museum, der Kunstakademie und Galerie Andersson Sandström) in  Umeå  gegeben.

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