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Der Beginn einer Wolf-Dissektion im Naturhistorischen Museum, Kopenhagen. (Foto: Bomsdorf)

Der Beginn einer Wolf-Dissektion im Naturhistorischen Museum, Kopenhagen. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Und schon wieder ist das Geschrei gross, weil der Kopenhagener Zoo Tiere getötet hat. Diesmal sind es vier Löwen, zwei davon Jungtiere. In einigen Artikeln fehlt völlig, dass es nicht nur in Dänemark üblich ist Tiere, die nicht ins Zuchtprogramm passen, zu töten. Der Kopenhagener Zoo erklärt auf seiner Website, wieso die Tiere nicht weiterleben durften.

Ziemlich untergegangen ist in den internationalen Medien bisher auch, dass und wieso es in Dänemark durchaus üblich ist, Tiere wie die Giraffe vor Publikum zu dissektieren. Bildung ist das Argument dafür. Űberrascht? In meinem Artikel für The Wall Street Journal steht mehr – zu lesen hier.


KOPENHAGEN. Warum nicht einmal ein wenig Entschleunigung und jetzt erst, in der nach-Nobel-Woche über die Nobelpreise schreiben. Als die Auserwählten, die im Dezember den Friedens- und den Literaturnobelpreis entgegennehmen werden, verkündet wurden, war ich gerade zu Ausstellungen und Interviews in London. Deshalb also erst jetzt mein Hinweis auf mein Interview, das ich von dort mit Friedensnobelpreis-Kritiker Frederik Heffermehl für den Focus machte. Kritische Anmerkungen zum Konzept der Nobelpreise auch von Aant Elzinga, dazu exklusiv im Blog ein kurzer Fließtext von mir basierend auf einem Gespräch mit Elzinga:

Zweimal im Jahr vergessen alle Menschen auf der Erde, wie sehr sie sich in der Schule durch Biologie- und Chemiestunden gequält haben und wie herzlich wenig sie die zeitgenössische Literatur letztlich interessierte. Denn zweimal im Jahr ziehen die Nobelpreise das Interesse der Öffentlichkeit auf sich: Anfang Oktober, wenn die Preisträger bekannt gegeben werden und Anfang Dezember, wenn die wohl bekannteste aller Ehrungen unter Anwesenheit der Königspaare in Stockholm und Oslo vergeben werden. Doch viele Wissenschaftler halten die Nobelpreise in etwa so passend wie Republikaner die Monarchie. Sie rufen nach Reformbedarf. ”Das ist ein archaischer Preis”, sagt Aant Elzinga, emeritierter Professor an der Universität Göteborg. Als Alfred Nobel starb, wurde Forschung noch von Tüftlern betrieben, die alleine im stillen Kämmerlein eine große Entdeckung machten”, so Elzinga. Heute hingegen arbeiten Naturwissenschaftler in Gruppen, die wiederum Teil von Konsortien wie dem Kernforschungszentrum CERN sind, die aus mehreren tausend Leuten bestehen können. ”Das sind viele Menschen, die über Ländergrenzen hinweg an Projekten arbeiten. Durch den Nobelpreis geehrt werden dürfen aber maximal drei Leute, damit gehen viele leer aus”, sagt Elzinga.


KOPENHAGEN. Von der neuen weiblichen Parteispitze der linken SF (Socialistisk Folkeparti – Sozialistische Volkspartei) in Dänemark war hier schon die Rede. Als mögliche Kandidatin aus der Regierungsmannschaft wurde neben Astrid Krag anfangs auch Umweltministerin Ida Auken gehandelt. Sie sagte dann aber recht schnell, dass sie nicht zur Verfügung stünde. Auken, geboren im April 1978, gehört wie Krag zur Riege der jüngeren Minister. Warum, so wird sie sich womöglich gefragt haben, soll ich jetzt kandidieren, womöglich nicht gewählt werden und selbst wenn, dann eine harte Zeit vor mir haben und dann, wenn es nicht ganz so läuft wie gewünscht, die weitere politische Karriere verbaut haben, da im höchsten Parteiamt gescheitert. Auken kann es ja später immer noch einmal versuchen.

Was sie sonst so umtreibt und wieso sie so einen guten Draht zu ihren deutschen Kollegen hat, hat Auken mir für ein Porträt des DAAD-Magazins Letter erzählt (hier gibt es das pdf der Ausgabe, Seite 36-39).


KOPENHAGEN. Der Sonntagsökonom untersuchte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 5. August ökonomische Studien über die Aufstiegschancen von Kindern in Abhängigkeit vom Elternhaus. Umfassend erwähnt wurde dabei eine vergleichende Arbeit von Silke Anger, erschienen im Wochenbericht 29/2012 des DIW. Die Wissenschaftlerin schaute auf Kinder und Eltern in Deutschland im Vergleich zu den USA und Skandinavien – Ländern in denen die ökonomische Gleichheit schwächer bzw. stärker ausgeprägt ist. Laut Sonntagsökonom kam sie unter anderem zu dem für mich nicht so überraschenden Fazit, dass nicht nur Intelligenz, sondern auch Verhalten wichtige Faktoren für den beruflichen Aufstieg sind und dass Verhaltensmuster früh von Eltern an Kinder übertragen werden – ein Argument für staatliche Kinderbetreuung und gegen das Betreuungsgeld und damit das nordeuropäische Model.


MÜNCHEN. Durch Zufall war ich heute Vormittag in der Rudolf-Diesel-Schule in München. Schon beim Betreten des Schulgeländes wird klar: hier steht ein richtig schöner Bau, der so richtig vernachlässigt wird –  klare Linien der Außenmauern sowie Design und Materialien der Fenster- und Türelemente sind von schlichter Schönheit (den Architekten habe ich im Internet leider nicht ausfinding machen können). Gleichzeitig fallen aber auch der häßlich verdreckte dunkel-gelbliche Außenanstrich und die grässlichen Blumenkästen mit rosa Blumen vor den Fenstern mit heruntergezogenen Rolläden ins Auge.

Es wirkt, als hätte man versucht eine Frau oder einen Mann von natürlicher Schönheit durch Frisur und Kleidung unansehnlich zu machen. Doch all das kann nicht verheimlichen, was sich dahinter verbirgt: viel Potenzial. Im Gebäude sieht es ähnlich aus. Das Atrium ist dunkel. Das lässt sich womöglich damit erklären, dass es zu sehr aufgeheizt würde, wenn das Glasdach im Sommer nicht abgedeckt würde – eine gute Belüftung wäre dennoch besser. Doch warum an den Säulen Grünpflanzen abgestellt werden müssen, die den Säulen ihre Strenge nehmen und an eine Badelandschaft erinnern, ist genauso unklar wie die Putzlappen, die weiter hinten auf einem Geländer ins Auge fallen, oder die vielen anderen Gegenstände, die gemeinsam mit dem Innenanstrich in u.a. hellgelb dafür sorgen, dass aus diesem schönen Gebäude ein Ort wird, in dem man sich nicht gerne aufhalten mag. Aber es ist eine Schule und wenn die aussieht wie das Klischee einer hässlichen Amtsstube, dann sollte man sich nicht wundern, wenn Deutschland bei PISA nicht so gut abschneidet wie viele Eltern und Politiker es gerne hätten. Lernen lässt sich wie Leben und Arbeiten in angenehmer Umgebung erheblich besser und die Rudolf-Diesel-Schule hat da viel Potenzial ist aber womöglich leider ein Beispiel dafür, wie simple Einsichten nicht bedacht werden und zugleich ansprechende Architektur vernachlässigt wird.

Nicht, dass in Nordeuropa alles besser wäre, aber dort wird der Architektur einer Schule häufig  ganz klar mehr Bedeutung zugemessen (der obligatorische Hinweis auf einen eigenen Text darf auch hier nicht fehlen, im Februar besuchte ich für die Financial Times Deutschland das Ørestad Gymnasium in Kopenhagen – womöglich ist es exemplarisch, dass deren Website auch ein wenig besser aussieht als die der Rudolf-Diesel-Schule).

Datiert auf das Jahr 2003 steht auf der Homepage des Architekturbüros zillerplus, das dieses die Sanierung der Rudolf-Diesel-Realschule plant. Ich hoffe im Sinne der Schule und des Büros, dass diese noch bevorsteht.


KOPENHAGEN. Angela Merkel ist derzeit die starke Frau in Europa, so sieht es auch die ausländische Presse. Und Deutschland ist einmal mehr die starke Wirtschaft. Beides spielt bei der derzeitigen Krise eine große Rolle und ist Anlass für den Leitartikler der Zeitung Dagens Nyheter schwedischen Schülern zu empfehlen wieder mehr Deutsch zu lernen. (Dank an Kollege Gunnar Herrmann über dessen tweet ich auf den Leitartikel stieß).


KOPENHAGEN. Vor mittlerweile fast zehn Jahren kam ich als Austauschstudent nach Stockholm. Zu Beginn dieser Zeit saß ich an einem Spätsommertag mit Gleichen auf der Wiese vor Handelshögskolan als ein mittelalter Mann an uns herantrat. Er hielt eine Zeitschrift in den Händen und begann uns auf Schwedisch anzusprechen. Die auf Englisch gehaltene Erwiderung eines Mitstudenten, dass wir seine Landessprache leider nicht verstünden, parierte der Mann sofort, indem er uns in fließendem Englisch die von ihm in den Händen gehaltene Obdachlosenzeitung anbot.

Ich wage zu behaupten, dass sein Englisch besser war als das der meisten Deutschen seiner Generation – ob Akademiker oder nicht. In Nordeuropa sind Fremdsprachenkenntnisse erheblich verbreiteter als beispielsweise in Deutschland. Das liegt natürlich am Vorteil der kleinen Sprachregionen, denn weil fast niemand Schwedisch lernen mag, sind die Schweden eben gezwungen, sich sprachlich anzupassen. Damit einhergeht, dass ausländische Filme in der Regel nicht synchronisiert, sondern einfach nur untertitelt werden – alles andere wäre zu teuer. Angenehmer Nebeneffekt: die Nordeuropäer (und nicht nur diese) sind schon früh fremden Sprachen ausgesetzt.

Immer wieder werde ich fassungslos angeschaut, wenn ich erzähle, dass in Deutschland Mel Gibbson oder wer auch immer natürlich Deutsch spricht. Die Kollegen von der Zeitung Svenska Dagbladet finden das so spannend, dass sie heute den deutschen Stimmen der großen Schauspieler einen größeren Artikel widmen – online hier zu lesen.

Und Gerhard Polt’s Film “Man spricht deutsh” bei der International Movie Database.


KOPENHAGEN. Wenn Gleichstellung bedeutet, dass die Erwerbstätigenquote wie auch Einkommen, Lebenserwartung und Ausbildung von Frauen und Männern gleich sind, dann ist Nordeuropa in diesem Segment mal wieder führend. Die vier Länder Island, Norwegen, Finnland und Schweden toppen nämlich den gestern veröffentlichten Gender Gap Index des World Economic Forum in Davos und der schaut sich ebenjene Werte an. Dänemark landet auf Platz 7, Deutschland auf Platz 13 und damit noch nach Lesotho. Das heißt nicht, dass die Frauen in Lesotho besser ausgebildet sind, mehr ins Erwerbsleben integriert sind, länger leben und besser verdienen als die in Deutschland, sondern, dass der Abstand zwischen den Geschlechtern in Lesotho geringer ist und stärker abnimmt (empfohlen sei den über 300 Seiten starken Bericht zu lesen – heruntergeladen werden kann er hier, meinen Bericht für Die Welt zum Thema gibt es hier zu lesen).

Allerdings hat die Studie des World Economic Forum auch ein Manko. Denn, wenn Männer benachteiligt sind, weil sie beispielsweise an den Universitäten nur noch die Minderheit bilden, wirkt sich das nicht negativ auf die an das Land vergebenen Punkte aus, sondern zählt so viel wie absolute Gleichstellung. So studieren an isländischen Hochschulen fast doppelt so viele Frauen wie Männer – das Land erreicht trotzdem den Topwert in diesem Bereich. Wäre das Verhältnis umgekehrt, wäre der Wert erheblich schlechter.


KOPENHAGEN. Ursula von der Leyens Voucher-Modell, das sozial schwachen Familien statt Bargeld zweckgebundene Sachleistunggutscheine zukommen lässt, stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die CSU etwa will Hartz-IV-Empfänger nicht bevormundet wissen und meint, “Wir brauchen keinen Super-Nanny-Staat”, der Bezieher von Transferleistungen unter den Generalverdacht stelle, nicht ordentlich für ihre Kinder zu sorgen. Um die Kritiker zum Verstummen zu kriegen, griff die Bundesarbeitsministerin darauf hin in die vermeintliche Trickkiste und verwies in diesem Zusammenhang auf Schweden. Dort sei das Modell schon seit Jahren erprobt, tönte von der Leyen. Ihr Kalkül: Was für das schon fast notorische Vorbildland Schweden gut ist, kann für Deutschland keinesfalls schlecht sein. Nur blöd, dass dort das Gutschein-Modell nahezu unbekannt ist. Jedenfalls ließen Recherchen von Clemens und mir keinen anderen Schluss zu.

Nun ist es nicht so, dass in Schweden überhaupt nicht mit dem von Milton Friedmann entwickelten Voucher-Modell gearbeitet wird. Nur eben nicht in der Sozial- sondern in der Bildungspolitik. Staatlich finanziert werden dort damit die vielen Privatschulen, die in Schweden nichts kosten. Schulgebühren sind verboten, trotzdem wollte 1992 die liberal-konservative Regierung unter dem damaligen Premier und heutigen Außenminister Carl Bildt private Bildungseinrichtungen zulassen. Durch die beschlossene Schulreform bekamen sogenannte Freischulen pro Schüler von den jeweiligen Kommunen einen Betrag zugewiesen, der sich mit dem für eine staatliche Schule deckte. Privat oder kommunal: Beide müssen mit den gleichen Finanzen auskommen. Den Eltern bleibt es freigestellt, ob sie ihre Kinder auf eine kommunal oder eben auf eine Privatschule schicken. Zahlen müssen sie so oder so nichts.

Das System ist ein für Schweden typischer Mittelweg, weil es einerseits den Weg zu einer zeitgemäßen weil Konkurrenz fördernden Bildungspolitik öffnet, andererseits durch die staatliche Finanzierung der sozialen Segregation entgegenzuwirken versucht. Zugegeben: Was in der Theorie so wunderbar klingt, nämlich dass Kinder aus allen sozialen Schichten Privatschulen besuchen können, ist in der Praxis dann doch nicht so. Laut einer Untersuchung der zentralen Schulebehörde kommen 75 Prozent der Kinder, die auf Privatschulen gehen, aus Familien mit höherem Einkommen und akademischen Hintergrund. Auch scheinen Privatschulen als solche nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein, befindet sich Schweden doch bei den Pisa-Studien seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast und muss Klassenprimus Finnland mit seinen fast ausschließlich staatlichen Bildungseinrichtungen immer mehr davonziehen lassen. Dennoch: Das schwedische Modell in der Schulpolitik ist interessant und könnte auch etwas für Deutschland sein.

Wenn man schon unbedingt Schweden als Vorbild bemühen will, dann sollte man eben auch wissen, in welchem Bereich. Vielleicht kann Ursula von der Leyen ihrer Kollegin Annette Schavan ja einen kleinen Tipp geben. Die dürfte für Anregungen aus dem Ausland dankbar sein.

Wie das schwedische Modell funktioniert, habe ich in der letzte Ausgabe der Welt am Sonntag erklärt, zu lesen auch online.


KOPENHAGEN. Gestern Vormittag sprachen wir vor Schülern der Journalistenschule in Aarhus. Es ging um die Arbeit und Ausbildung von Journalisten im Allgemeinen und freien Journalisten sowie Auslandskorrespondenten im Besonderen. Natürlich wurde immer wieder danach gefragt, wie den die finanzielle Seite der Arbeit aussieht. In Nordeuropa sind die Menschen starke Gewerkschaften gewohnt, die recht attraktive Gehälter und Arbeitsbedingungen durchsetzen. Mit einem Organisierungsgrad von oftmals über 80 Prozent wissen die nordischen Arbeitnehmerorganisationen eine solide Mehrheit hinter sich und haben entsprechende Macht; auch finanziell und personell sind sie ein ebenbürtiger Partner für Arbeitgeber.

Zwar nimmt auch im Norden Europas das Interesse an der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ab. Das ändert aber nichts daran, dass in Deutschland auch in diesem Feld der Blick oft gen Norden gerichtet ist. Was aber mit Freiberuflern? Da konnten wir den Journalistenschülern ausnahmsweise einmal zeigen, dass in Deutschland die Arbeitnehmerseite (in diesem Fall Selbständigenseite, um genau zu sein) besser organisiert ist als im Norden. Denn – und darauf sei hier besonders hingewiesen, weil viele nordeuropäische Journalisten diesen Blog lesen – in Deutschland gibt es mit Freischreiber seit über einem Jahr eine Journalistengewerkschaft speziell für freie Journalisten.

Im Norden ist das Freiberuflertum in dieser Branche noch etwas weniger verbreitet als in Deutschland, doch das wird sich ändern. Das prognostizierte erst kürzlich auch Morten Bay in einem Beitrag für Berlingske Tidende.

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