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KOPENHAGEN. Angela Merkel ist derzeit die starke Frau in Europa, so sieht es auch die ausländische Presse. Und Deutschland ist einmal mehr die starke Wirtschaft. Beides spielt bei der derzeitigen Krise eine große Rolle und ist Anlass für den Leitartikler der Zeitung Dagens Nyheter schwedischen Schülern zu empfehlen wieder mehr Deutsch zu lernen. (Dank an Kollege Gunnar Herrmann über dessen tweet ich auf den Leitartikel stieß).

KOPENHAGEN. Vor mittlerweile fast zehn Jahren kam ich als Austauschstudent nach Stockholm. Zu Beginn dieser Zeit saß ich an einem Spätsommertag mit Gleichen auf der Wiese vor Handelshögskolan als ein mittelalter Mann an uns herantrat. Er hielt eine Zeitschrift in den Händen und begann uns auf Schwedisch anzusprechen. Die auf Englisch gehaltene Erwiderung eines Mitstudenten, dass wir seine Landessprache leider nicht verstünden, parierte der Mann sofort, indem er uns in fließendem Englisch die von ihm in den Händen gehaltene Obdachlosenzeitung anbot.

Ich wage zu behaupten, dass sein Englisch besser war als das der meisten Deutschen seiner Generation – ob Akademiker oder nicht. In Nordeuropa sind Fremdsprachenkenntnisse erheblich verbreiteter als beispielsweise in Deutschland. Das liegt natürlich am Vorteil der kleinen Sprachregionen, denn weil fast niemand Schwedisch lernen mag, sind die Schweden eben gezwungen, sich sprachlich anzupassen. Damit einhergeht, dass ausländische Filme in der Regel nicht synchronisiert, sondern einfach nur untertitelt werden – alles andere wäre zu teuer. Angenehmer Nebeneffekt: die Nordeuropäer (und nicht nur diese) sind schon früh fremden Sprachen ausgesetzt.

Immer wieder werde ich fassungslos angeschaut, wenn ich erzähle, dass in Deutschland Mel Gibbson oder wer auch immer natürlich Deutsch spricht. Die Kollegen von der Zeitung Svenska Dagbladet finden das so spannend, dass sie heute den deutschen Stimmen der großen Schauspieler einen größeren Artikel widmen – online hier zu lesen.

Und Gerhard Polt’s Film “Man spricht deutsh” bei der International Movie Database.

KOPENHAGEN. Wenn Gleichstellung bedeutet, dass die Erwerbstätigenquote wie auch Einkommen, Lebenserwartung und Ausbildung von Frauen und Männern gleich sind, dann ist Nordeuropa in diesem Segment mal wieder führend. Die vier Länder Island, Norwegen, Finnland und Schweden toppen nämlich den gestern veröffentlichten Gender Gap Index des World Economic Forum in Davos und der schaut sich ebenjene Werte an. Dänemark landet auf Platz 7, Deutschland auf Platz 13 und damit noch nach Lesotho. Das heißt nicht, dass die Frauen in Lesotho besser ausgebildet sind, mehr ins Erwerbsleben integriert sind, länger leben und besser verdienen als die in Deutschland, sondern, dass der Abstand zwischen den Geschlechtern in Lesotho geringer ist und stärker abnimmt (empfohlen sei den über 300 Seiten starken Bericht zu lesen – heruntergeladen werden kann er hier, meinen Bericht für Die Welt zum Thema gibt es hier zu lesen).

Allerdings hat die Studie des World Economic Forum auch ein Manko. Denn, wenn Männer benachteiligt sind, weil sie beispielsweise an den Universitäten nur noch die Minderheit bilden, wirkt sich das nicht negativ auf die an das Land vergebenen Punkte aus, sondern zählt so viel wie absolute Gleichstellung. So studieren an isländischen Hochschulen fast doppelt so viele Frauen wie Männer – das Land erreicht trotzdem den Topwert in diesem Bereich. Wäre das Verhältnis umgekehrt, wäre der Wert erheblich schlechter.

KOPENHAGEN. Ursula von der Leyens Voucher-Modell, das sozial schwachen Familien statt Bargeld zweckgebundene Sachleistunggutscheine zukommen lässt, stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die CSU etwa will Hartz-IV-Empfänger nicht bevormundet wissen und meint, “Wir brauchen keinen Super-Nanny-Staat”, der Bezieher von Transferleistungen unter den Generalverdacht stelle, nicht ordentlich für ihre Kinder zu sorgen. Um die Kritiker zum Verstummen zu kriegen, griff die Bundesarbeitsministerin darauf hin in die vermeintliche Trickkiste und verwies in diesem Zusammenhang auf Schweden. Dort sei das Modell schon seit Jahren erprobt, tönte von der Leyen. Ihr Kalkül: Was für das schon fast notorische Vorbildland Schweden gut ist, kann für Deutschland keinesfalls schlecht sein. Nur blöd, dass dort das Gutschein-Modell nahezu unbekannt ist. Jedenfalls ließen Recherchen von Clemens und mir keinen anderen Schluss zu.

Nun ist es nicht so, dass in Schweden überhaupt nicht mit dem von Milton Friedmann entwickelten Voucher-Modell gearbeitet wird. Nur eben nicht in der Sozial- sondern in der Bildungspolitik. Staatlich finanziert werden dort damit die vielen Privatschulen, die in Schweden nichts kosten. Schulgebühren sind verboten, trotzdem wollte 1992 die liberal-konservative Regierung unter dem damaligen Premier und heutigen Außenminister Carl Bildt private Bildungseinrichtungen zulassen. Durch die beschlossene Schulreform bekamen sogenannte Freischulen pro Schüler von den jeweiligen Kommunen einen Betrag zugewiesen, der sich mit dem für eine staatliche Schule deckte. Privat oder kommunal: Beide müssen mit den gleichen Finanzen auskommen. Den Eltern bleibt es freigestellt, ob sie ihre Kinder auf eine kommunal oder eben auf eine Privatschule schicken. Zahlen müssen sie so oder so nichts.

Das System ist ein für Schweden typischer Mittelweg, weil es einerseits den Weg zu einer zeitgemäßen weil Konkurrenz fördernden Bildungspolitik öffnet, andererseits durch die staatliche Finanzierung der sozialen Segregation entgegenzuwirken versucht. Zugegeben: Was in der Theorie so wunderbar klingt, nämlich dass Kinder aus allen sozialen Schichten Privatschulen besuchen können, ist in der Praxis dann doch nicht so. Laut einer Untersuchung der zentralen Schulebehörde kommen 75 Prozent der Kinder, die auf Privatschulen gehen, aus Familien mit höherem Einkommen und akademischen Hintergrund. Auch scheinen Privatschulen als solche nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein, befindet sich Schweden doch bei den Pisa-Studien seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast und muss Klassenprimus Finnland mit seinen fast ausschließlich staatlichen Bildungseinrichtungen immer mehr davonziehen lassen. Dennoch: Das schwedische Modell in der Schulpolitik ist interessant und könnte auch etwas für Deutschland sein.

Wenn man schon unbedingt Schweden als Vorbild bemühen will, dann sollte man eben auch wissen, in welchem Bereich. Vielleicht kann Ursula von der Leyen ihrer Kollegin Annette Schavan ja einen kleinen Tipp geben. Die dürfte für Anregungen aus dem Ausland dankbar sein.

Wie das schwedische Modell funktioniert, habe ich in der letzte Ausgabe der Welt am Sonntag erklärt, zu lesen auch online.

KOPENHAGEN. Gestern Vormittag sprachen wir vor Schülern der Journalistenschule in Aarhus. Es ging um die Arbeit und Ausbildung von Journalisten im Allgemeinen und freien Journalisten sowie Auslandskorrespondenten im Besonderen. Natürlich wurde immer wieder danach gefragt, wie den die finanzielle Seite der Arbeit aussieht. In Nordeuropa sind die Menschen starke Gewerkschaften gewohnt, die recht attraktive Gehälter und Arbeitsbedingungen durchsetzen. Mit einem Organisierungsgrad von oftmals über 80 Prozent wissen die nordischen Arbeitnehmerorganisationen eine solide Mehrheit hinter sich und haben entsprechende Macht; auch finanziell und personell sind sie ein ebenbürtiger Partner für Arbeitgeber.

Zwar nimmt auch im Norden Europas das Interesse an der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ab. Das ändert aber nichts daran, dass in Deutschland auch in diesem Feld der Blick oft gen Norden gerichtet ist. Was aber mit Freiberuflern? Da konnten wir den Journalistenschülern ausnahmsweise einmal zeigen, dass in Deutschland die Arbeitnehmerseite (in diesem Fall Selbständigenseite, um genau zu sein) besser organisiert ist als im Norden. Denn – und darauf sei hier besonders hingewiesen, weil viele nordeuropäische Journalisten diesen Blog lesen – in Deutschland gibt es mit Freischreiber seit über einem Jahr eine Journalistengewerkschaft speziell für freie Journalisten.

Im Norden ist das Freiberuflertum in dieser Branche noch etwas weniger verbreitet als in Deutschland, doch das wird sich ändern. Das prognostizierte erst kürzlich auch Morten Bay in einem Beitrag für Berlingske Tidende.

KOPENHAGEN. Schweden gilt häufig als Vorbild in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter. Gleichberechtigung heißt aber nicht  umsonst Gleichberechtigung, sprich, diese sollte nicht mit Frauenförderung gleichgesetzt werden. Deshalb gibt es in Schweden auch schon einmal eine Männerquote, die aber kann wie jede Quote negative Folgen haben. Deshalb wird jetzt mancherorts die Abschaffung erwogen. Elmar Jung erklärt hier in der Welt die Hintergründe.

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