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KOPENHAGEN. Dänemark rühmt sich gerne dafür besonders viele Einwohner zu haben, die das Auto stehen lassen (oder gar keins haben) und mit dem Fahrrad zu Arbeit, Einkauf oder Freizeitvergnügen fahren. Was die Radler-Lobby aber gerne verschweigt, ist, dass das nicht nur geschieht, weil alle achso ökologisch bewusst oder sportlich sein wollen, sondern vielen ist das Auto als Fortbewegungsmittel schlichtweg zu teuer. Schließlich entfällt auf PKW eine Sondersteuer von satten 180 Prozent, da wird ein Gold in Dänemark schnell so teuer wie eine E-Klasse in Deutschland. Sich damit zu brüsten, dass es nur die gute Infrastruktur und die Überzeugung sind, die die Dänen aufs Rad bringen ist, als wolle man sagen in Burkina Faso gingen so viele zu Fuß, weil das so angenehm sei (und nicht etwa, weil es an finanziellen Mitteln fehlt). Politik halt, aber das Radfahren in Kopenhagen geht wirklich klasse – mehr dazu in meinem Artikel für Die Welt.
VARDØ, OSLO, WANÅS, VENEDIG und immer wieder KOPENHAGEN – es waren in den vergangenen Wochen einfach zu viele Recherchereisen als dass der Blog zumindest im Zweitagerhytmus hätte gepflegt werden können. Und morgen geht es schon wieder nach Norwegen. Ich hoffe dennoch bald wieder zu mehr Aktualität zurückkehren zu können. Denn es geschieht weiter viel.
KOPENHAGEN. Wieder einmal spu(c)kt auf Island ein Vulkan und alle fürchten ein erneutes Flugchaos. Das allerdings scheint auszubleiben. Gemeinsam mit Ernst August Ginten in der Berliner Redaktion und Sarah Klumps, die gerade mit einem Nordeuropa-Stipendium der IJP auf Island weilt und vorgestern in die Aschewolke fuhr, schrieb ich zur aktuellen Lage für die heutige Ausgabe von Die Welt einen Artikel, der online hier zu lesen ist.
KOPENHAGEN. Dänemark hat den Ruf, in drei Dingen besonders liberal zu sein: Sex, Drugs & Rock n’Roll beziehungsweise Porno, Alkohol und leichte Drogen. Das Land hat als erstes die Bildpornographie legalisiert (ausgerechnet 1969), Haschrauchen gehört in manchen Teilen der dänischen Hauptstadt weiterhin zum guten Ton und wohl nur in eingen Orten der Niederlande und der Schweiz zieht der süßliche Geruch so häufig um die Ecken der Innenstädte. Es wird sicherlich Zeiten gegeben haben, in denen Porno und Hasch im Straßenbild und im Leben der Dänen eine größere Rolle gespielt haben und auch das mittägliche Bier sieht man nicht mehr so oft auf dem Tische stehen. Jüngst gibt es ein weiteres Zeichen dafür, dass in Dänemark laissez-faire immer mehr zum Fremdwort wird.
Was den Alkohol angeht, greift das Land jetzt zu härteren Mitteln, um den Konsum einzuschränken. Bisher war man stets mehr als ein wenig stolz darüber ganz im Gegensatz zum Nachbar Schweden keine wirklich restriktive Alkoholpolitik zu haben. Bier mit normalem Alkoholgehalt, Wein und Schnaps kann in Dänemark in fast jedem Kiosk gekauft werden und nicht nur wie in den anderen nordischen Ländern in staatlichen Spezialläden. Jetzt aber das: Harter Alkohol darf plötzlich nur noch an Menschen ab 18 Jahren abgegeben werden. Seit dem 7. März muss volljährig sein, wer Getränke mit einem Alkoholgehalt von über 16,5 Prozent kaufen möchte. Wer mag, kann hier testen, ob er ohne Ausweiskontrolle in der Lage ist das Alter von Dänen und damit deren Alkoholkauferlaubnis richtig einzuschätzen.
Vielleicht hilft diese Politik ja die durchschnittliche Lebenserwartung der Dänen (derzeit 79 Jahre) an das schwedische Niveau (81 Jahre – siehe Deutsche Stiftung Weltbevölkerung) anzupassen. Als aus dem Rheinland kommend ist mir das Schnapstrinken hier oben im Norden ohnehin stets fremd geblieben – altersunabhängig. Aber zum Glück gibt es Jahr gutes Bier (häufig deutsch) und guten Wein (aus dem Süden oder auch aus Dänemark, aber dann nicht gut, aber das ist eine andere Geschichte, die noch folgen wird).
KOPENHAGEN. Ich bin kein Hypochonder. Ich glaube nicht, dass ich Lungenkrebs habe, nur weil beim Husten mal der Brustkorb schmerzt. Auch bei einer Erkältung renne ich nicht gleich zum Arzt. Jedoch kenne ich meinen Körper und weiß seine Zeichen zu deuten. Mein chronisches Problem mit den Nebenhöhlen etwa, das aus fast jedem Schnupfen einen bis zu mehrere Wochen andauerenden Leidensweg macht. Es beginnt meistens mit einer viralen Erkältung, setzt sich bei mir aus welchen Gründen auch immer in den Nebenhöhlen fest, und meist kommen dann noch Bakterien hinzu, die das Ganze dann zu einer sehr ekligen Soße werden lassen. Abgeschlagenheit und leichtes Fieber stellen sich ein.
So wie auch wieder die vergangenen beiden Wochen. Ich blieb also zu Hause in der Hoffnung, dass sich das Ganze durch viel Tee trinken und Inhalieren von Wasserdampf verflüchtigt. Tat es aber nicht, weshalb ich mich zu meinem Arzt in Kopenhagen begab. Als Zugereister muss man sich an das dänische Gesundheitssystem erst einmal gewöhnen. Mit der Personenkennziffer, die einem am Anfang zugewiesen wird, bekommt man auch einen festen Arzt, einen Allgemeinmediziner. Zu dem muss man gehen, egal ob mit einem Hautausschlag, Herzrhytmusstörungen oder eben einer Nasennebenhöhlenentzündung.
Aber nicht so schnell. Meistens beginnt es mit dem Versuch, einen Termin zu bekommen. Die freundliche Telefonistin versucht dann grundsätzlich erst einmal, eine Ferndiagnose zu stellen und sagt, man solle sich doch ins Bett legen, ein paar Aspirin nehmen und gut ist. Nur wer nicht locker lässt, bekommt dann einen Termin. Ich war dann also Ende vergangener Woche bei meinem Arzt. Der schaute mich nur kurz an und meinte: “Das ist ein Virus. Der grassiert hier zur Zeit. Legen Sie sich ins Bett und nehmen sie ab und zu Aspirin.” Meine Einwände, es könnte sich durchaus um eine bakterielle Nebenhöhlengeschichte handeln, die so von alleine wenn überhaupt nur nach 8 Wochen wieder weggeht, und dass ich so lange keine Zeit hätte, weil ich irgendwann auch mal wieder arbeiten müsste und überhaupt ganz gerne meinen Japanurlaub über Weihnachten und Neujahr antreten würde, interessierte ihn nicht besonders.
Ich ging wieder nach Hause und gab dem Ganzen noch ein paar Tage. Es wurde nicht besser. Zum Glück stand zu diesem Zeitpunkt schon eine länger geplante Reise nach München an, um meine alten Volontärskollegen von der Süddeutschen Zeitung zu treffen. Ich nahm die Gelegenheit also wahr und machte einen Termin bei meinem Hals-Nasen-Ohrenarzt. Einfach so. In Dänemark undenkbar. Denn dort entscheidet nur der einem zugewiesene Allgemeinmediziner, ob und wann man zu einem Spezialisten weitergeleitet wird. Das kann dauern, wenn der Fall überhaupt einmal eintritt. Bei meinem HNO-Arzt wurde ich dann untersucht. Diagnose: akute bakterielle Nasennebenhöhlenentzündung vor chronischem Hintergrund. Antibiotikum, usw. Nicht, dass ich mich darüber gefreut hätte. Aber endlich hatte ich das gefühl, behandelt und vor allem: ernst genommen zu werden.
In Dänemark werde ich hingegen das Gefühl nicht los, dass jeder Patient erst einmal als Molières eingebildeter Kranker gilt. Das dänische Gesundheitssystem ist in aller erster Linie darauf aus, notorische Ärztegänger mit ihren kleinen Wehwehchen auszusortieren. Dass dabei viele Patienten mit ernsteren Erkrankungen erst einmal unnötig in einer Warteschleife hängenbleiben, scheint egal zu sein. In Dänemark ist ein Patient ein Hypochonder, bis er das Gegenteil beweist. Dänemarks Gesundheitssystem ist träge, und es muss gespart werden. Also aussortieren so viel wie möglich.
Ich glaube, die Deutschen wissen gar nicht, wie vergleichsweise gut das Gesundheitssystem dort funktioniert. Selbst als normaler Kassenpatient kann man jederzeit einen Termin bei einem Spezialisten seiner Wahl machen. In Dänemark ist das nahezu unmöglich. Trotzdem jammern die Deutschen und regen sich über läppische 10 Euro Praxisgebühr pro Quartal auf. Dafür werden sie dann aber auch ernst genommen.
KOPENHAGE. Wie begrüßt man sich hier in Dänemark? Reicht ein körperkontaktloses Kopfnicken, ein Handschlag oder eher eine flüchtige Umarmung oder gar ein Wangenkuss? Und vor allem: Wie begrüßt man Freunde des Freundes, die man noch nicht kennt? Die Regeln der nonverbalen Kommunikation sind gar nicht so einfach. Doch dabei ist die Begrüßung neuer Leute so entscheidend. Verhält man sich nicht erwartungsgemäß oder in den Augen des Gegenübers falsch, ist der erste Eindruck versaut.
Den Abend, als der FC Kopenhagen gegen den FC Barcelona spielte, verbrachte ich mit sechs Dänen, die ich noch nie gesehen hatte. Alle begrüßten mich per Handschlag – alle bis auf den langjährigen Freund meines Freundes. Der stand nun vor mir. Seine physische Erscheinung erinnerte mich an die eines Bären. Er war groß und breit. Er machte einen Schritt auf mich zu, mit dem Ziel mich zu umarmen. Zur Begrüßung. Sein Begrüßungsansatz scheiterte jedoch, weil ich automatisch einen Schritt nach hinten auswich und ihm im Gegenzug verlegen meine Hand anbot, die er etwas irritiert annahm. Peinliches Schweigen, das man in solchen Situationen ja immer tunlichst zu vermeiden versucht.
Ich war immer der Meinung, die Dänen umarmen sich nicht. Und geküsst würde erst recht nicht. Da ich ein bloßes Kopfnicken als „zu reserviert“ erachtete, verließ ich mich auf die Handschlagbegrüßungsformel, die ich für eine allgemeingültige Begrüßungsmöglichkeit hielt. Denn schließlich ist Dänemark ein nordeuropäischer Staat. Es ist grundsätzlich sehr kalt und demensprechend würden nur Hände geschüttelt. Aber da lag ich wohl falsch und musste meine Klischees über Dänemark und die Dänen ein wenig überdenken. Es gibt wohl keine Universalformel für Begrüßungen mit Dänen. Zumindest weiß ich, dass ich mich nicht auf eine solche verlassen sollte. Denn manche mögen’s herzlich andere wiederum nicht.
KOPENHAGEN. Das Auto ist in Dänemark ein Luxusgut im wahrsten Sinne des Wortes. Will man einen Wagen sein eigen nennen, darf Geld keine Rolle spielen. Die Preise und Abgaben sind horrend. Schuld daran ist die in Dänemark erhobene sogenannte Registrierungsgebühr. (Wie die genau funktioniert kann man an Hand eines Beispiels weiter unten nachlesen.) Für mich ein astreiner Importzoll, den, hätte man genug Geld und einen ausreichend langen Atem, man eigentlich gerichtlich anfechten müsste (Stichwort: Verbot von Ein- und Ausfuhrbeschränkungen innerhalb der EU).
Die Folge aus dieser Krux ist, dass Nummernschilder in Dänemark einen Wert haben, der es locker mit Imperial Kaviar des Beluga Störs aufnehmen kann. Schilder werden geklaut und auf gestohlene Autos anmontiert. Oder aber bei im Ausland gekauften Fahrzeugen werden die Nummernschilder einfach drangelassen. Viele Dänen nehmen auch die Dienste der Firma Showplate in Kauf. Die kleine Nummernschild-Schmiede hat ihren Sitz im idyllischen Gränna in Schweden und produziert für den läppischen Preis von etwa 30 Euro (auch) dänische Kopien, die auf den ersten Blick den Originalen täuschend ähnlich sehen. Zumindest ähnlich genug, dass man die Kontrolleure in Dänemark hinters Licht führen und sich somit die Registrierungsgebühr sparen kann. 50 dänische Kunden hatte Showplate alleine im vergangenen Monat. Besitzer ist übrigens der Deutsche Uwe Hirsch, der 2003 mit seiner Frau nach Schweden zog. Eigentlich will Hirsch eben nur sogenannte Showplates herstellen, die man sich in die Windschutzscheibe legen kann. Den Dänen scheint das aber herzlich egal zu sein.
Neulich habe ich mit Uwe Hirsch telefoniert. Der Mann sieht sich derzeit von dänischen Medien regelrecht belagert. Jyllands-Posten brachte am 5. August einen Artikel (leider nur in der Printausgabe) und auch das dänische Fernsehen besuchte Hirsch in Schweden. Das alles sei ihm zu viel, sagte er mir. Kann man ja auch verstehen. Ich glaube, Uwe Hirsch hat einfach ein wenig Angst, dass seine kleine Nummernschild-Schmiede einen schlechten Ruf bekommt, wenn sie ständig im Zusammenhang mit Autokennzeichen-Betrügereien in Dänemark erwähnt wird.
Die Steuerbehörde intensiviert derzeit in Zusammenarbeit mit der Polizei in Dänemark die Nummernschild-Kontrolle. Das Ergebnis bisher: 388 Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen wurden kontrolliert, 109 davon beschlagnahmt, weil sie Leuten gehören, die ihren Wohnsitz in Dänemark haben, das Auto also eigentlich hätten umregistrieren lassen sollen. Das Fernsehen zeigte gestern, was mit diesen Autos passiert. Sie werden zwangsversteigert, wobei die Preise dabei oft niedriger sind als beim Händler. Das Wort “Schnäppchen” möchte ich in diesem Zusammenhang aber nicht in den Mund nehmen. Denn die Luxuskarossen sind immer unverschämt teuer.
Aber nun endlich wie versprochen ein Rechenbeispiel. Genau genommen geht die Regel zur Registrierungsgebühr folgendermaßen: Bis zu einem Wert von 79 000 Dänischen Kronen (etwa 10 600 Euro) muss man 105 Prozent des Verkehrswerts (Wird von der dänischen Steuerbehörde festgelegt) zahlen. Im Falle des 50 000 Euro teuren Mercedes wären das 11.130 Euro. Für den Rest sind dann die 180 Prozent fällig. Das wären dann 70 920 Euro. Die Gebühr beliefe sich also auf 82 050 Euro. In Dänemark gekauft, kostet der Mercedes dem entsprechend nicht 50 000 sondern 132 000 Euro.
Ein Irrwitz, ich weiß. Der Grund für die Gebühr ist rein fiskaler Natur. Dänemark hat keine Autoindustrie und deshalb auch keine Lobby, die ihre Interessen vertritt. Da kann der Staat in Ruhe zuschlagen und verdienen. Und wie immer, wenn es in Skandinavien um Abgaben und Steuern geht: wenn schon, dann richtig.
STOCKHOLM. Es war ein lustiger Abend. Ich war mit zwei Kollegen in Södermalm unterwegs. Wir aßen Pfifferlingkuchen und tranken Bier. Ich war in den vergangenen 12 Monaten nicht so wahnsinnig oft in Stockholm, und ich freute mich, mal wieder in meiner ehemaligen zweiten Heimatstadt zu sein. Es wurden deshalb recht viele Biere. Irgendwann so gegen 1 Uhr machte ich mich auf den Rückweg zum Hotel nicht weit vom Stureplan im Stadtteil Östermalm. Ich fuhr mit der U-Bahn von der Station Slussen zum Hauptbahnhof, wollte dort umsteigen, machte aber den Fehler, mich noch auf zwei Cheeseburger bei McDonald’s einzulassen. Denn nach dem Verzehr fuhr die U-Bahn leider nicht mehr. Also musste ich zu Fuß weiter. Die Kungsgatan entlang bis zum Stureplan. 400, 500 Meter vielleicht. Ein Klacks.
Auf dieser kurzen Strecke kam ich an zwei Schlangen vorbei. Menschen standen da in Reih und Glied und warteten, bis sie rein durften. Nicht in Nachtclubs etwa, sondern in Handyläden. Um 0.00 Uhr nämlich startete in Schweden offiziell der Verkauf des neuen iPhone 4. Mir ist das ehrlich gesagt irgendwie entgangen. Aber offenbar nicht den Menschen in Stockholm. Denn so gegen 2 Uhr waren die Schlangen immer noch lang. Drinnen standen Frauen und Männer und hielten ihre neuen Babys voller Erhfurcht und Liebe in ihren Händen, und draußen wollten es ihnen Hunderte gleichtun. Es gab sogar Türsteher, die den Andrang kanalisieren mussten. Ich zückte mein altes Sony Ericsson und fotografierte die wartenden Menschen und ging weiter.
Heute morgen las ich dann in der Zeitung, dass im schwedischen Borås zwei Jungs 37 Stunden vor einem Geschäft ausgeharrt hatten, nur um die ersten zu sein. Muss jeder selbst wissen.
KOPENHAGEN. Dass sich Dänemarks Klima- und Energieministerin Lykke Friis für den Fußball begeistert, ist bekannt. Dass sie ein Riesenfan von Bayern München ist (Dafür liebe ich sie.), auch. Trotzdem ist man immer wieder überrascht, mit welcher Hingabe sie über den Fußball spricht und quasi jede ihrer Reden und Vorträge mit einer Anekdote über den Fußball ein- und ausleitet. Besonders oft spricht sie dabei von der Lichtgestalt des deutschen Fußballs, Franz Beckenbauer. Beim Kaiser gerät Lykke Friis regelrecht ins Schwärmen.
Bei der Mitgliederversammlung der Deutsch-Dänischen Handelskammer am vergangenen Freitag war das nicht anders. Nachdem der deutsche Botschafter in Kopenhagen, Johann Christoph Jessen, sich in feinster Diplomatenmanier alle Mühe gegeben hatte, dem schwarz-gelben Desaster in Berlin etwas positives abzugewinnen (“Es wurde ein Sparpaket verabschiedet.”), startet Friis ihren Vortrag (180 Tage nach dem Klimagipfel in Kopenhagen) mit? Richtig. Mit einer Anekdote über den Kaiser. “Den Kaiser muss man nicht erklären. Den Kaiser kennt jeder.” Friis sprach dann auch noch ein paar Minuten über den Klimagipfel und wie wenig geschlossen Europa da aufgetreten sei, was überhaupt der größte Fehler gewesen sei.
Dann aber schnell wieder zurück zum Fußball. Schließlich beginnt gleich das Spiel Deutschland-Serbien, und Lykke Friis bedankte sich noch einmal beim Vorsitzenden der Handelskammer, Rainer Perau, für diesen Termin, ”denn sonst müsste ich arbeiten und könnte mir das Spiel nicht anschauen”. Davor versuchte sie sich noch an der Torwand, wo sie unten immerhin einmal traf. Glückwunsch zu Ihrer Schusstechnik, Frau Minister.
Doch ein Fußballspiel Deutschlands werde ich mir mit Ihnen so schnell bestimmt nicht mehr anschauen. Denn was folgte, ist schnell erzählt:
Gelb-Rote Karte für Klose (Das war ein Witz.), 0-1 Serbien, mehrere vergebene Großchancen für Deutschland, ein verschossener Elfmeter, Niederlage, Frust. Der Tag war gelaufen.
KOPENHAGEN. Heutemorgen, 9.23 Uhr, Metrostation Vanløse. Ich steige in die U-Bahn, weil ich kurz in die Stadt muss, ein paar Dinge erledigen. Umzugskartons kaufen beispielsweise, weil es bald in eine neue Wohnung geht. Ich will also in die U-Bahn steigen, als mich ein Mitarbeiter der Metro Service A/S nach meinen Fahrschein fragt. Er hat zwar gerade gesehen, wie ich meine Streifenkarte gestempelt habe, aber gut, der Mann macht nur seinen Job. Also zeige ich ihm nochmal die Streifenkarte, die er sich sehr lange anschaut und dann mit bedeutungsschwangerem Blick andeutet, dass ich sauber sei.
Der Einkauf dauert nicht lange. Wie gesagt: ein paar Umzugskartons, Farbe zum Streichen, Handwerkerkram halt. Gerade einmal 35 Minuten sind vergangen, als ich wieder an der Metrostation Vanløse ankomme. Wieder kommt der freundliche Mitarbeiter auf mich zu und sagt: “Fahrschein, bitte.” Ich dachte zuerst, der meint jemand anderen. Aber nein. “Sie haben mich doch eben vor einer halben Stunde gefragt”, sage ich. “Und sie wissen doch selbst, dass ein gestempelter Streifen 60 Minuten in beide Richtungen gültig ist.” “Stimmt”, antwortet der Mitarbeiter.
Ich war schon dabei, die Tüten und Kartons wieder in die Hände zu nehmen und weiterzugehen, ganz erleichtert ob des Mannes Einsicht. Doch dann: “Fahrschein, bitte.” Langsam sauer sage ich ihm, es mag ja sein, dass die Stadt Kopenhagen durch Schwarzfahrer jedes Jahr viel Geld verliert und das gerne ändern möchte. Diese Kontrolle werde der Kommune dabei aber sicher nicht helfen. Der Mitarbeiter der Metro Service A/S schaut sich die Streifenkarte an, die ich unwirsch vors Gesicht halte, dann mich, dann sagt er: “Schönen Tag noch.”

