KOPENHAGEN. Pia Kjærsgaard hört auf. Die dänische Politikerin will nicht länger Vorsitzende der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (Dansk Folkeparti, DF) sein. Keine andere dänische Partei und wenig andere in Europa ist so lange so sehr eins mit der Parteispitze wie die DF. 17 Jahre lang war Kjærsgaard Parteichefin. Sie ist der personifizierte Aufstieg der rechten Partei, hat sie an die Macht gebracht. Formell war die DF nicht an der Regierung beteiligt, doch in den Jahren der konservativ-liberalen Minderheitsregierung, die sich auf DF stützte, hat sie dieser einen rechten Stempel aufdrücken können und Dänemark auch im Ausland bekannt für strikte Ausländerpolitik gemacht.

Seit die Sozialdemokraten unter Helle Thorning-Schmidt die Macht übernahmen, ist es um DF recht ruhig geworden, denn diese wurde nicht mehr als Königsmacher gebraucht. Zuletzt erregte die Partei national und international viel Aufsehen mit der Wiedereinführung von Grenzkontrollen (hier dazu einer meiner Berichte von Die Welt damals zu den fraglichen Effekten und hier ein etwas breiter angelegter und zur auch von der DF angeheizten Diskussion um den dänischen Venedig-Pavillon und die Arbeit des Deutschen Thomas Kilpper).

Bleibt abzuwarten, ob die DF nach Pia Kjærsgaard in der Bedeutungslosigkeit versinkt oder es wie in Frankreich oder auch Norwegen den Nachfolgern der langjährigen Parteichefs gelingt, die Partei stark zu halten.

NACHTRAG: Nun heißt es, sie wolle “værdiordfører” der DF-Parlamentarier werden, übersetzbar mit “wertpolitische Sprecherin”. Und Werte, dänische Werte, darauf kommt es der DF besonders an. Die grundlegende Linie wird Kjærsgaard wohl also weiter bestimmen.

NACHTRAG 2: Am Tag drauf sind die Internetseiten der dänischen Zeitungen so voll von kritischen Würdigungen Kjærsgaards als sei da gerade die Ministerpräsidentin gestorben.

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