KOPENHAGEN. Zum Tode des dänischen Reeders ist in Die Welt ein Nachruf von mir erschienen, diesen bringe ich auch hier, erweitert um einige Worte u.a. zu seinem Sponsoring:

Dänemarks zweiter Monarch ist tot. Im Alter von 98 Jahren starb gestern Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller, die graue Eminenz des Industriekonglomerats A. P. Møller Mærsk, im Ausland vor allem bekannt durch die riesige Reederei. Die Zeitung Jyllands-Posten nannte ihn im Nachruf „Dänemarks bedeutendsten Unternehmer“, von 1965 bis 1993 hat er das börsennotierte Familienimperium geleitet. . „Wir Schwestern haben einen Vater verloren, der niemals seine Familie oder sein Unternehmen in Stich gelassen hat“, so seine Tochter Ane, die nun an dessen Stelle treten wird.

Mærsk Mc-Kinney Møller – der Vorname wurde üblicherweise nicht genannt – hat den Reichtum seiner Familie nicht nur ins nahezu unendliche gesteigert, sondern auch für viel Beschäftigung im kleinen Dänemark gesorgt. Besonders als älterer Mann wurde er deshalb mit Respekt und sogar Ehrfurcht behandelt wie kein zweiter Unternehmer in Nordeuropa.

Nur ihm war es vergönnt im auf Gleichheit bedachten Dänemark nicht wie üblich geduzt, sondern gesiezt zu werden als sei er ein Mitglied der Königsfamilie. Eine gewisse Arroganz war ihm nicht uneigen, das zeigte sich nicht zuletzt darin, dass die Aktien seines Unternehmens auch bei einem Kurswert von 6000 Euro nicht gesplittet wurden, um Kleinaktionären den Einstieg auch für ein paar hundert Euro möglich zu machen.

Noch am vergangenen Donnerstag war Mærsk Mc-Kinney Møller von einem Journalistenschwarm umringt zur Hauptversammlung von Mærsk gekommen. Fragen der Presse beantwortete er mit nur wenigen Worten, die schwache Stimme und der wacklige Gang verrieten zwar, dass er nicht mehr der jüngste war, aber der Tod nur wenige Tage später kam plötzlich.

In einem Alter wo andere reiche Erben längst vor allem Golf spielen hatte Mærsk Mc-Kinney Møller mit kluger Geschäftspolitik dafür gesorgt, dass seine von den Vorvätern geerbte Reederei Mærsk Line zur größten der Erde wird, dazu investierte er u.a. in Öl- und Gas sowie den Einzelhandel.

Dabei halfen auch die ebenso großzügigen wie viel kritisierten dänischen Steuerregeln für die Branche – dass im Hochsteuerland davon ausgerechnet der Patriarch Mærsk Mc-Kinney Møller profitierte ist kein Zufall. Sein Unternehmen ist in einem kleinen Land wie Dänemark ein besonders großes Schwergewicht. Der alte Mann vom Meer bedankte sich regelmäßig mit größeren und ganz großen Spenden von der Stiftung, die seinen Namen trägt. So wurde nicht nur die dänische Schule im deutschen Schleswig finanziert – ein nobler Bau dänischer Architekten, sondern auch die neue Kopenhagener Oper. Den protzigen Bau ließ der Stifter direkt gegenüber des königlichen Schlosses in der dänischen Hauptstadt bauen. Damit nicht genug, er mischte sich so sehr in die Pläne des Stararchitekten Henning Larsen ein, dass dieser öffentlich eine Verbalattacke gegen Mærsk Mc-Kinney Møller startete – in Dänemark galt so herbe, beinahe derbe Kritik an ihm eigentlich als undenkbar.

So hat Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller schon zu Lebzeiten dafür gesorgt, sich nicht nur mit einem Riesenkonzern, sondern auch durch Bauten, die für immer mit seinem Namen verbunden sein werden, ein Denkmal zu setzen. Da mag es in der Weltwirtschaft noch so stürmen, ähnlich wie der Name Rockefeller wird wohl auch Mærsk nie vergessen werden.

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