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KOPENHAGEN. Tagelang war eine junge illegale Einwanderin in der vergangenen Woche in Norwegen das beherrschende Thema. Maria Amelie, aus Russland stammend und von dort vor etlichen Jahren mit ihren Eltern nach Norwegen geflohen, sollte abgeschoben worden. Obwohl sie als Kind immigriert war und als Kind ihr Asylantrag abgelehnt worden war und obwohl sie die Sprache lernte und sich bestens, sprich akademisch, ausbildete und obwohl sie einen Arbeitsplatz angeboten bekommen hatte. Am Montag wurde Maria Amelie trotz Protesten abgeschoben, ihr norwegischer Partner begleitete sie nach Moskau – angeblich hat er nun nicht die entsprechenden Papiere, um sich dort aufzuhalten. Ein Kurzportrait von Maria Amelie habe ich für Die Welt geschrieben – online ist es hier zu lesen.


KOPENHAGEN. Rüstig in Rente war in Dänemark bisher keine Seltenheit – Dank efterløn, zu Deutsch “Nachlohn” und der lohnte sich, denn obwohl schon mit 60 in Rente statt wie üblich ein paar Jährchen später, gab es relativ gutes Geld – steuersubventioniert. Bei steigender Lebenserwartung und sinkenden Geburtenzahlen ist abzusehen, dass das auf Dauer nicht geht. Doch bisher war das Ende der dänischen Variante der nicht gesundheitsbedingten Frühpensionierung Tabu. Nun aber wagt sich Premier Lars Løkke Rasmussen aus dem Schatten seines Vorgängers, indem er sich anschickt efterløn zu reformieren, sprich abzuschaffen. Das interessiert auch in Deutschland, deshalb morgen dazu ein Text von mir auf der Seite 1 der Financial Times Deutschland oder heute abend schon online hier.

Die Dänen haben übrigens im europäischen Vergleich mit 78,7 Jahren eine relativ niedrige Lebenserwartung (detaillierte Daten bei der Industrieländerorganisation OECD) – der recht verbreitete Konsum an Alkohol und Zigarette soll daran schuld sein. Die Dänen, die derzeit rund zehn Jahre vor dem Pensionsalter sind, dürfen sich auf eine recht lange Rentenzeit freuen, stellte schon im Herbst 2010 die Zeitung Politiken fest (das wird sich durch die mögliche Reform nicht grundlegend ändern).

(Im dänischen Kulturkanal DR k läuft übrigens gerade eine Dokumentation über William Burroughs und seinen Besuch in Dänemark. Der Schriftsteller starb 1997 83-jährig und efterløn war für ihn ein Fremdwort – nicht nur, weil er kein Dänisch konnte, sondern wohl eher, weil er seine Arbeit mochte. Alkohol und Zigaretten hat er dennoch genossen. Vielleicht sollten wir von ihm lernen.).


KOPENHAGEN. Dass in einigen Jahren keine Fährfahrt mehr nötig sein wird, um zwischen den Inseln Fehmarn auf deutscher Seite und Lolland auf dänischer und dem jeweiligen Hinterland zu verkehren, ist schon länger beschlossen. Nun sieht alles danach aus, als würde die Verbindung durch einen Tunnel und nicht eine Brücke etabliert. In dieser Woche will der Verkehrsausschuss des dänischen Parlaments eine entsprechende Entscheidung fällen – Hintergründe in meinem Text in der Welt. Für die Wartezeit passt Helle Helles Buch “Rødby-Puttgarden” – der Roman, dessen Handlung auf eben jener Fährstrecke spielt.


KOPENHAGEN. Heutabend läuft nun auch im deutschen Fernsehern die Wikileaks-Dokumentation zweier schwedischer Filmemacher. Im schwedischen Fernsehen habe ich sie bereits Ende vergangenen Jahres sehen können, ein interessanter Film, der das bisher geschehene zusammenfasst, aber nicht wirklich viel Neues gebracht hat. Heutabend also ist eine deutsche Fassung bei Phoenix zu sehen, wenn man den Kollegen von Spiegel-Online glauben darf, ist die synchronisierte Version aber ein wenig verschandelt worden – Details hier bei Spiegel-Online.


OSLO. Vermutlich (und hoffentlich) bin ich nicht der einzige, der diesen nur noch in Ausnahmefällen hören oder lesen kann, jenen Kniff, der plötzlich alles up-to-date macht: einfach ein 2.0 hinter den Begriff schreiben und schon wird aus alt neu, aus veraltet modern etc. pp. …

Übermorgen eröffnet hier in Oslo im Munch-Museum die Ausstellung eMunch.no und wer gehofft hat, diese zeige die Auswirkungen synthetischer Drogen auf den norwegischen Meister, der hat sich zu früh gefreut. Es geht um die Digitalisierung von Text und Bildern des norwegischen Künstlers Edvard Munch und so schlecht ist der Ausstellungstitel ja gar nicht. Da das Munch Museum seit dem sicherheitsbedingten Umbau noch unschöner (dies Wort wurde mit Bedacht gewählt) geworden ist und Oslo auch nicht gerade Großstadtwinterreiseziel Nummer 1 ist, ist es erfreulich, dass es für diese Ausstellung natürlich auch eine online-Version gibt: www.emunch.no .


 COPENHAGEN. It has just been anounced that Danish-Norwegian artist duo Michael Elmgreen and Ingar Dragset will stand for the Fourth Plinth in London in 2012. Ahead of their show at ZKM in Karlsruhe I interviewed them for The Art Newspaper. The interview published in the December issue is unfortunately not available online (so, please order here), but I am happy to present one question and two answers dealing with the Fourth Plinth:

CB: Michael, you have moved to London and together you are shortlisted for the Fourth Plinth in Trafalgar Square. When will you both relocate and be awarded the Turner prize?
ID: We are too old already… [Not true, as the Turner prize is for artists under the age of 50].
ME: We don’t enjoy competing with our artistfriends that much. But the Fourth Plinth is a really good project. We are great believers in changing the urban landscape. It is a ridiculous idea that sculptures should be installed permanently, because the city around them changes. What a sculpture said to the generation when it was set up is absolutely not possible to understand for the next [generation], the city doesn’t fit anymore. The Fourth Plinth was so attractive that we agreed to be part of a publicshortlist competition.

GÖTEBORG. Das Wetter im Westen von Schweden war heute phantastisch und ebenso die Zugfahrt von Oslo nach Göteburg – Schnee und Sonne. So sieht es auch in Stockholm aus, zumindest an dem Tag als BBC den Kurzreport zu “Auf den Spuren von Michael Blomkvist und Lisbeth Salander durch Stockholm” drehte, der gerade im Hotelfernseher lief. Vor Stieg Larsson und seiner Millenium-Trilogie kann man nicht entkommen. Nicht mal in der BBC. Nach auf den Spuren von Wallander durch Ystad also jetzt ähnliches in Stockholm. Der Schwedenkrimiwahn hört einfach nicht auf. Die BBC vergleicht den Erfolg der drei Bücher mit dem von ABBA. Das liegt nahe, aber Schweden ist mehr als das. Deshalb sei an dieser Stelle Stig Dagerman empfohlen – ein Ausschnitt aus seinem Werk “Tysk Höst” (deutscher Herbst – das Reportagebuch über Nachkriegsdeutschland und vor allem die Nachkriegsdeutschen) wird übrigens ab kommender Woche in einer  Ausstellung von Maja Hammarén in Göteborgs Konstmuseum zu sehen sein.


KOPENHAGEN. Viel ist in den vergangenen zehn Jahren geschrieben worden über den Ruck nach Rechts in Dänemark. Aus der Dänischen Volkspartei (DF – Dansk Folkeparti) kam im vergangenen Jahr der Ruf danach, die Migration auf “westliche Zuwanderung” zu beschränken – was auch immer das genau heißen mag. Doch wie fühlen sich die westlichen Zuwanderer in Dänemark? Nicht allzuwohl, legt eine Studie von Dagmar Fink nahe. Irini Armouti hat kurz vor Ende des Praktikums darüber in der Welt geschrieben.

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