KOPENHAGEN. Manche können einfach nicht genug kriegen: Maximaler Grenzsteuersatz von 67 Prozent, zahlbar ab einem Jahreseinkommen von 46 500 Euro, 25 Prozent Mehrwertsteuer und 180 Prozent Sonderabgabe auf Autoverkäufe. Wer in Dänemark derzeit seine Steuererklärung erarbeitet, muss mit diesen Sätzen rechnen, für das laufende Jahr ist die Einkommensteuer leicht reduziert. Doch es ist nicht etwa der Staat, sondern ein Bürger, der nicht genug bekommen bzw. eigentlich nicht genug geben konnte. In einem Brief an das Steuerministerium (sic!) sprach er sich dafür aus auf Wohlfahrtsleistungen statt Steuererhöhungen zu setzen. Das Ministerium liess sich nicht zweimal bitten und richtete ein Konto ein, auf das freiwillige Extrasteuern einbezahlt werden können. Bis Montagmittag kamen so von 246 Zahlungswilligen rund 13 000 Euro zusammen. Mehr hier in meinem Artikel in der gestrigen Financial Times Deutschland.

Die Sozialdemokraten in Dänemark stehen hinter hohen Steuern und hohen Staatsausgaben, besonders die Reichen sollten ihren Teil zur Gemeinschaft beitragen, heißt es. Sie wollen die Belastung eher erhöhen.

Als Parlamentsabgeordnete gehört die Chefin der dänischen Sozialdemokraten, Helle Thoring-Schmidt, zu den Besserverdienenden des Landes und ihr Mann, der Sohn des Ex-Labour Chefs Kinnock, als Chef des Weltwirtschaftsforums auch. Weil Kinnock im Niedrigsteuerland Schweiz, wo er arbeitet und nicht im Hochsteuerland Dänemark, wo er lebt seine Einkommensteuer zahlt, wird seine Ehefrau nun der Heuchelei beschuldigt. Schließlich ist nicht sicher, dass diese Praxis die juristisch richtige ist. Thorning-Schmidt droht der Absturz.

Als Ausländer, der außerhalb Dänemarks arbeitet, kenne ich die Problematik in Steuerfragen und wenn ich außerhalb Dänemarks Steuern zahlen würde, stünde ich auch besser da. Einerseits ist mir unerklärlich, warum Kinnock es nicht hat prüfen lassen, wo er Steuern zahlen muss, andererseits sollte seine Frau Thorning-Schmidt da weitgehend rausgehalten werden. Sippenhaftung ist in solchen Fällen unangebracht.

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