KOPENHAGEN. Es ist wohl ein Symptom kleiner Länder: Jedes Mal, wenn sie irgendwo auf einer Rangliste den ersten Platz erreichen, wird das landesweit ein Thema. Die nordischen Länder sind bei vielen Rankings weit oben, darüber schrieb ich hier schon einmal. Gestern wurde bekannt gegeben, dass das Kopenhagener Restaurant Noma von der britischen Zeitung “Restaurant Magazine” zum besten Restaurant der Erde gekürt wurde. Den Ausspruch “Världens bästa” kennt jeder, der Karlsson vom Dach einmal auf Schwedisch gesehen hat. Die zwei Worte sind auch im Dänischen mit entsprechend geänderter Schreibweise eine Art Redewendung geworden. Nun schmücken sie also das Restaurant Noma (hier ein Interview mit dem Chefkoch, geschrieben von Elmar für Die Welt). Der Nationalstolz darüber geht soweit, dass die Zeitung Berlingske Tidende die Nachricht gestern auf der Titelseite brachte. Ähnlich viel Aufmerksamkeit erregte schon als sich zeigte wieviele Michelin-Sterne Kopenhagen im internationalen Vergleich hat. (siehe dazu auch Elmars Blogeintrag hier)

Das liegt sicher nicht nur am ersten Platz an sich, der – s.o. – oft schon ein großes Thema ist, sondern auch daran, dass es um Essen geht, um sehr gutes sogar. Denn lukullisch ist Dänemark traditionell eher unbedeutend. Das liegt weniger daran, dass es hier kein gutes Essen gibt als das aus den guten lokalen Zutaten nicht viel Gutes gemacht wird. Die beste Qualität gibt es hierzulande bei Produkten, die wenig Anspruch an Züchter, Bodenbeschaffenheit und Wetter stellen. Also rote Beete, Sellerie und Kartoffeln etwa. Das mag für viele wenig verlockend klingen, doch das Noma zeigt, dass daraus etwas gemacht werden kann, denn es setzt auf regionale nordische Küche. Und da in Dänemark, was viele nicht wissen, auch Miesmuscheln und Austern gefangen werden, muss die örtliche Küche dem Süden Europas gar nicht hinterherhinken. Es ist mehr eine Frage der Tradition als der Voraussetzungen. Die Dänen sind halt mehr Gourmands als Gourmets, Hot Dogs sind nicht umsonst eine Art Nationalgericht. Aber Noma und dem Fokus auf die so genannte neue nordische Küche sei Dank, ändert sich das allmählich.

Ein einziges Mal war ich im Noma und das war (Anfang 2005 glaube ich) noch vor dem Hype: was ich in Erinnerung behalten habe: ein Paar am Nachbartisch, das nicht miteinander sprach, aber dafür immer wieder zum nächsten Tisch, wo Bekannte saßen lief, schlechten Service, gutes Essen, guten Wein, aber auch eine Auster mit Earl Grey-Schaum. Da Earl Grey nichts Nordisches ist, passt das eigentlich nicht ins Konzept, aber diese habe ich zumindest in Erinnerung und unpassender ist mir der Geschmack einer Auster nie übertüncht worden. Jedenfalls entschied ich mich damals deswegen und wegen der schlechten Bedienung, lieber das Kopenhagener Restaurant kokkentyvenhanskoneoghenneselsker nach dem gleichnamigen Peter Greenaway-Film (Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber) zu empfehlen. Das allerdings gibt es mittlerweile nicht mehr. Aber es muss ja nicht immer Kaviar sein.

About these ads