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Künstler Victor Lind und Galeristin Randi Thomessen vor Linds gelber Wand. (Foto: Bomsdorf)

OSLO. Der 9. April ist in der norwegischen Geschichte einer der zentralen Daten. Am 9. April 1940 sind die deutschen Truppen in Norwegen einmarschiert und haben das Land bis zum Ende des Krieges besetzt gehalten. Der norwegische König musste und konnte fliehen, ließ sich in England nieder und kehrte erst am 7. Juni 1945 zurück in sein Land. Der vergangene Freitag war also der 70. Jahrestag der Besetzung. Die Bedeutung spiegelte sich in den norwegischen Tageszeitungen wieder, die umfassend an den Einmarsch der deutschen Truppen erinnerten. Auch der Künstler Victor Lind möchte dafür sorgen, dass vieles nicht vergessen wird. In der Galerie Lautom eröffnete am 70. Jahrestag seine Ausstellung “Red, yellow and blue
til Gartneren”
.

Lind setzt sich intensiv mit der norwegischen Geschichte auseinander (in Deutschland war er 2006 in der Kunsthalle Fridericianum in Kassel zu sehen; “Fremd bin ich eingezogen”, kuratiert von René Block). In seiner aktuellen Ausstellung bei Lautom spielen zwei Menschen eine zentrale Rolle: Knut Rød und Rolf Syversen. Der eine (Rød) war zur Nazizeit hochrangiger Polizist in Oslo und half im Herbst 1942 Juden festzunehmen, die an die Gestapo ausgeliefert und später nach Auschwitz deportiert wurden. Nach dem Krieg war er wieder im Dienst und wurde in einem Prozess freigesprochen. Lind spielt in der Ausstellung über altertümlich aussehende Lautsprecher eine Rede ab, in der der ehemalige hochrangige Richter Georg Fredrik Rieber-Mohn Røds Freispruch viele Jahre später verteidigt.

Rote Wand und Heksagram. (Foto: Bomsdorf)

Syversen war Gärtner. Seine Gärtnerei im Zentrum von Oslo musste ständig von Transportern angefahren werden, schließlich galt es die Pflanzen zu transportieren. Syversen nutzte den vielen Straßenverkehr mit großen Wagen, um darin Juden und andere aus der Stadt und dann nach Schweden zu bringen. Über 1000, so Lind, rettete er so das Leben. Lind zeigt ein altes Foto von Syversen bei der Arbeit als Gärtner in einem seiner Gewächshäuser, daneben blaue Blumen.
Syversen selber flog auf und wurde erschossen.

Der Gärtner und die blauen Blumen. (Foto: Bomsdorf)

“Rød und Syversen, das sind zwei Möglichkeiten, wie damals gehandelt werden konnte. Ein Weg führte nach Auschwitz, der andere nach Schweden”, so Lind. Rød und Syversen hatten aufgrund ihres Handelns unterschiedliche Schicksale. Der Helfer der Flüchtlinge Syversen wurde hingerichtet, der Helfer der Gestapo blieb in Amt und Würden. Gleiche Basis, unterschiedliche Möglichkeiten – das zeigen auch die anderen Werke der Ausstellung: eine gelbe Wand, eine rote Wand und zwei verschiedene Sternformationen. Je nachdem wie diese vier Elemente kombiniert werden, ergibt sich eine unterschiedliche Symbolik: der gelbe Davidstern, mit dem die Juden sich zur Nazizeit kennzeichnen mussten, der rote Kommunistenstern, der in der sowjetischen Flagge gelb gerandet auftaucht.


OSLO. Als Journalist meint man natürlich immer, dass viel mehr Leute Zeitungen kaufen sollten. Am liebsten so wie Lilja Skaftadottir. Die Isländerin hat nicht nur eine Ausgabe erworben, sondern gleich ein gutes Drittel an einem Zeitungsverlag. Dieser bringt auf Island das Boulevardblatt DV heraus (wobei gut ist, zu wissen, dass nordeuropäischer Boulevard auf längere, fundiertere Texte setzt als deutscher).

Skaftadottir möchte so sicherstellen, dass es auf dem Inselstaat ein Printmedium gibt, dass unabhängig über den Untersuchungsbericht schreibt, der am morgigen Montag veröffentlicht wird. Darin soll erläutert werden, inwieweit die alte politische Elite für den Bankencrash verantwortlich ist.

Selbstverständlich wird Davíd Oddsson von der Unabhängigkeitspartei, langjähriger Regierungschef, dann Außenminister und schließlich Chef der Zentralbank, in dem Bericht eine entscheidende Rolle spielen. Oddsson war in den vergangenen Jahrzehnten auf Island stets ein mächtiger Mann und ist es in gewissem Maße immer noch – als neuer Chefredakteur der traditionsreichen Zeitung Morgunbladid. Das Blatt wird also sicherlich parteiisch sein, wenn es um die Bewertung des Berichts geht. Deshalb Skaftadottirs Investition in DV . Hier mein kurzer Artikel dazu aus der heutigen Welt am Sonntag.

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